Mittwoch, 30. Dezember 2020

Chopperding: was habe ich nur getan?

Es gibt Momente, da zweifle ich ernsthaft an meinem eigenen Geisteszustand. Zum Beispiel gestern, da habe ich doch glatt wieder einen nicht fahrtauglichen Chinaroller gekauft. Und was für einen!

Es handelt sich bei der Kiste um einen Znen ZN50QT-E "Retro Cruiser", ein Name der für sich so absurd ist, dass wir das Ding am besten nur noch das Chopperding nennen. 

Hauptproblem ist, dass das Ding zwei Jahre stand, was bekanntlich keinem Roller gut tut und einem Chinakracher erst recht nicht. Wohl auch als Folge dessen, war der Motor bei den Startversuchen, die noch beim Vorbesitzer stattfanden, bis an die Oberkante mit Benzin vollgelaufen. Heute war Zeit, das fernöstliche Kuriosium zur Werkstatt zu karren und genauer zu besichtigen.

Positiv ist, dass das Teil ganz allgemein deutlich besser verarbeitet und gebaut ist als die Standard-Chinaroller ala Rex RS. Außerdem ist die geringe Laufleistung von unter 3.000km wohl echt. Dummerweise gibt es irgendwo in China wohl einen Kerl, der (mindestens) drei Meter groß ist und Arme wie Mammutbäume hat. Sein Beruf ist Schraubenfestzieher in der Rollerfabrik. Nach einiger Zeit Kampf mit der Logik chinesischer Ingenieure und den Produkten der Muskelkraft der dortigen Arbeiter war das Ding aber soweit zerlegt, dass es sinnvoll möglich war daran zu arbeiten.

Statt Motoröl waren im Motor gut zwei Liter einer schwarzen Ölsuppe, die natürlich raus musste. Letztlich war es wohl ganz gut, dass das Ding nicht angesprungen ist.

Wie passiert sowas? Ursache ist wohl ein defekter Benzinhahn, der sich mit einem nicht wirklich dichten Vergaser gegen den Motor verschworen hatte. Denn das Benzin lief wirklich überall hin wo es nur hinlaufen konnte. In den Luftfilter, in den Motor und sogar bis in den Auspuff. 

Der Benzinhahn ging darum auch in die endgültige Verbannung, der Vergaser erstmal nur ins Ultraschallbad. Danach (und mit dem Benzintropf) gab der Motor die erste Lebenszeichen seit langen Jahren von sich.

Im Video klingt der Motor seltsam, was aber daran liegt, dass der Auspuff nur lose draufgesteckt war. Wirklich sauber läuft er auch nicht, was sich aber mit einem Revisionskit für den Vergaser beheben lassen sollte. Bis das kommt ist erstmal Baustopp.

Was aber nicht heißen soll, dass ich den Roller nicht noch weiter durchgesehen hätte. Denn alte Chinaroller ohne Bastelpfusch gibt es einfach nicht. So auch in diesem Fall. Das undichte Sichtfenster der Bremspumpe mit einem Einkaufswagenchip (!) zu verrammeln hatte ich auch noch nicht. Nun bin ich aber leider kein großer Fan des dort beworbenen Politikers, weshalb es wohl eine neue Bremspumpe geben wird.

Die geringe Laufleistung bestätigte sich auch im Antriebskasten. Der Riemen und die Gewichte sind wohl die ersten und kaum verschlissen. Die Fliehgewichte dürfen bleiben, der Antriebsriemen wird aber noch erneuert. Er ist doch arg hart und porös geworden. Mengen und Massen an Antriebsabrieb, wohl primär von der Kupplung, zeugen zudem von exzessivem Stadtverkehr.

Überhaupt nicht gut ist die Sitzbank durch die Jahre gekommen. Die Nähte sind rundum aufgeplatzt und das (miese) Kunstleder brüchig. Das wird wohl Arbeit für den Polsterer geben und die Gelegenheit, den Roller noch ein wenig absurder zu machen als er es ohnehin schon ist.

Überhaupt möchte ich am Styling ein wenig feilen. Denn der Roller mag ja ganz nett chromverschmiert sein, aber nur Schwarz und Chrom, mit ein paar unmotivierten mattsilbernen Brocken ist langweilig. Irgendwie braucht das Ding noch Farbe. Da ich noch etliche angebrochene Spraydosen rumliegen habe sollte sich das machen lassen. Der Variodeckel musste direkt als erstes Testopfer herhalten.

Und nein, er wird nicht weiß. Das ist nur die Grundierung. Was genau es wird, das wird noch nicht verraten.

Aber vielleicht kann mir ein Leser verraten, was an die linke Seitenverkleidung des Rollers gehört, denn dort sind zwei leere Anschraublöcher:

Leider geben die Untiefen des Internets kein Foto eines solchen Rollers im Originalzustand von links her. Wenn jemand weiß, was da hin gehört, dann freue ich mich über Zuschriften.

Jetzt heißt es aber erstmal warten auf die bestellten Teile und das neue Jahr, denn dieses Jahr wird an diesem Roller nicht mehr geschraubt. Darum wünsche ich allen Lesern an dieser Stelle ein gutes neues Jahr und alles Gute für 2021!


Sonntag, 27. Dezember 2020

langsamer Fortschritt

Die ruhigen Weihnachtstage, die auch als Erholungspause sehr willkommen waren, sind vorbei. Es ist also auch an der Zeit, wieder in der Werkstatt etwas zu tun.

Der SV stand ja noch immer auf der Hebebühne und die Frage, ob er nach längerer Standzeit anspringt war noch offen. Die Antwort auf diese Frage ist etwas ziespältig, denn er sprang an, allerdings nur sehr zäh und nach ewigem Orgeln mit dem Elektrostarter. Die völlig verwüsteten Batteriekabel haben dazu sicher ihren Teil beigetragen, weshalb ich dann hier erstmal für Ordnung gesorgt habe.

Nachdem der Roller dann erneut für einige Zeit stabil im Stand gelaufen ist, habe ich angefangen die restlichen Arbeiten zu erledigen. Unter anderem habe ich die Antriebswelle der Ölpumpe entfernt, denn der Roller soll ja ohne Getrenntschmierung fahren.

Die vollkommen festsitzenden Hinterradbremse erforderte etwas mehr Zuwendung, war dann aber auch relativ schnell gängig gemacht. Die Bremsbacken der "Mogelpackung" waren neuwertig und kamen darum wieder rein.

Der Rest waren dann die üblichen Fleißarbeiten um den Roller zu komplettieren und eine Probefahrt auf dem Privatweg hinter der Werkstatt zu machen. 

Positiv ist, dass der Roller soweit gut fährt. Allerdings macht er ein martialisches Mahlgeräusch, das mit ziemlicher Sicherheit aus dem Getriebe kommt. Ein weiteres Problem ist, dass er auch warm nur sehr unwillig anspringt. Irgendetwas ist hier noch nicht wirklich in Ordnung. Allerdings fehlten mir jetzt Zeit und Ruhe (und ehrlich gesagt auch die Lust) mich um diese Dinge zu kümmern.

Für die Seele ist es aber wichtig, dass auch mal was positives passiert. Darum habe ich mein Weihnachtsgeschenkt an die Ape geschraubt: Ich habe von meiner Familie nämlich eine Sonnenschute für Luigi bekommen. Ein tolles Teil, das ich schon lange haben wollte. Finde ich richtig schick. 







Donnerstag, 24. Dezember 2020

Piaggio Ape TM (Serie 703) Gleichteile zu anderen Fahrzeugen

Die Ape TM der Baureihe 703 zählt nach wie vor zu den beliebtesten Ape-Modellen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Modellvariante als besonders robust und zuverlässig gilt. Allerdings stellt sich, einige Jahre nach Ende der Produktion, die Frage nach der Zukunft des Fahrzeugs.

Noch sind die meisten Teile bei Piaggio erhältlich, wenn auch zu recht hohen Preisen. Viele Technikteile wurden jedoch von anderen Herstellern zugekauft. Hier soll mit der Zeit eine Liste entstehen, welche Bauteile sich für die Ape TM eignen.

Dynastarter:
Folgende Dynastarter sollten zur TM kompatibel sein. Wobei die Ausführung für Volvo (aus Volvo-Penta Marinemotoren) am leichtesten verfügbar sein dürfte. Einige der Ersatzteilnummern dürften veraltet und nicht mehr gültig sein, sie eignen sich aber noch für Vergleichszwecke.
Bosch:     0010300002, 0010300004, 0010300006, 0010300100, 0010350004, 0010350101
Volvo :     803499,  834692
Hako :      90124264
Piaggio:   157715

Das Bild zeigt den originalen Dynastarter (links) und das Volvo-Teil Nr. 803499 (rechts). Die Riemenscheibe des originalen Dynastarters passt auf den von Volvo.

 

Laderegler:
Ältere Ape TM sind mit einem mechanischen Regler ausgerüstet. Diese können im Schadensfall problemlos gegen einen elektronischen getauscht werden. Dazu bietet sich das elektronische Bauteil für den Porsche 911, VW Käfer und Bus T1/T2 an.
Bosch: 91900 40099 (Regler Gleichstrom 12V 30A)


Lager und andere Normteile:
Kugellager Dynastarter Rotor: 6202 C3
Kugellager Dynastarter Rotor: 6203 RS
Kugellager Vorderradführung (Bremstrommel): 6303 CM

 

Scheinwerfer:
Fiat 126 und Polski-Fiat 126p. Inkl. Befestigungsteilen und Einstellschrauben (Bilux- und H4-Version)

Scheibenwischer:
Standardaufnahme, 340mm lang
z.B. Bosch H341
Verwendet z.B. auch für: VW Golf 3 (Heckscheibe), Landrover Defender, Mercedes Benz A-Klasse W168


Deutz:    1162558
Efel: 06000,  06025
Remy: 19025600
Steyr: 501109030
Nennspannung: 12V / Drehrichtung: rechts / Aufhängung: rechts / Leistung: 0,9kW


Sonntag, 20. Dezember 2020

Erfolg und Misserfolg, Seite an Seite

 Gestern war ein überaus arbeitsreicher Samstag. Denn es standen verschiedene Dinge auf dem Programm, die alle auf einmal erledigt sein sollten.

Wichtigster Punkt auf der Liste war eine kleine Reparatur an der Ape TM. Denn seit ein paar Tagen leuchtete die Ladekontrollampe beständig. Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass der Dynastarter wieder Ärger macht. Zunächst ging es darum zu Michael raus, um dieser Sache auf den Grund zu gehen.

Es stellte sich heraus, dass die Schleifkohlen (mal wieder) völlig abgenutzt waren. Keine wirklich große Sache, aber halt ziemlich viel Arbeit. Eine Arbeit, die ich Michael überlassen habe um mir zwischenzeitlich ein interessantes Fahrzeug aus der Nähe anzusehen.

Thum hat nämlich einen Casalini Sulky SP50 gekauft, der aktuell noch bei Michael steht. Das kuriose kleine Fahrzeug aus Italien basiert technisch nämlich auf der Ape 50. Außerdem wird es demnächst hier im Blog und im Youtube-Kanal noch eine etwas größere Rolle spielen. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese Sache sehr freue und die Probefahrt mit dem Ding extrem genossen habe.

Soweit, so gut, allerdings hielt die Freude über die nicht mehr leuchtende Ladekontrolle nicht lange an. Denn ein paar Kilometer weiter ging sie wieder an. Was die Ursache ist? Ich weiß es nicht, das wird sich noch zeigen müssen, denn zunächst standen andere Dinge auf dem Programm.

In meiner Werkstatt wartete nach noch der Testplattform-SV50, der sich letztens standhaft geweigert hatte anzuspringen. Nun kommt es ja durchaus vor, dass man vor lauter Wald die Bäume nicht sieht, weshalb ich gestern nochmal alle kritischen Punkte geprüft habe. Ohne Befund. Etwas tieferes Graben förderte dann aber einen ganz merkwürdigen Fehler zu Tage: Einschlagspuren im Kolbenboden.

Tatsächlich war die Elektrode der Zündkerze regelrecht plattgehämmert. Es ist letztlich gut, dass der Motor nicht ansprang, denn das hätte er vermutlich nicht überlebt. Ein Vergleich mit dem alten Zylinderkopf des Wulfhorst zeigte dann, dass der Kopf, der mit dem verpfuschten Motor des Testrollers mitgekommen ist, deutlich flacher ist als er es sein sollte. Hier hatte es wohl mal jemand mit dem Planen des Kopfes übertrieben.

Die Lösung war folglich den Kopf des Wulfhorst zur verwenden und siehe da: Der Motor sprang an!

Ein wirklich schöner Moment, denn es zeigt, dass dieses Projekt auf dem richtigen Weg ist.

Mit den ganzen Anbauteilen, also Auspuff, Luftfilter und Kühlluftführung versehen, konnte ich den Motor dann noch längere Zeit probelaufen lassen. Er scheint soweit gut zu funktionieren, allerdings muss sich natürlich noch zeigen, ob er nach längerer Standzeit wieder anspringt. Genau das ist ja eines der Dauerleiden bei den SVs.

Darum ist mit dem Roller auch nicht mehr viel passiert, lediglich den Öltank habe ich noch entfernt, denn die Testplattform soll ohne Getrenntschmierung fahren

Dies dürfte auch die letzte Amtshandlung vor den Feiertagen gewesen sein, denn eigentlich würde ich jetzt gerne ein bisschen Weihnachtsferien machen.


Mittwoch, 16. Dezember 2020

Dinge die es einfach nicht braucht

Anfang des Jahres hatte ich ja einen von Thums R7 in Behandlung. "Lieschen" bekam damals neben einer optischen Überarbeitung auch eine totale Motorüberholung. Das Ergebnis war ein sehr schön laufender Wulfhorst. Doch die Freude daran hielt leider nicht lange.

Zuerst gab es Ärger mit der Hinterradbremse, was unter anderem zu einer ziemlich absurden Fahrzeugbergung führte.

Wenn es nur das gewesen wäre, aber der richtige Gau kam kurz danach. Die alte Riemenscheibe im Antrieb hatte ich seinerzeit wiederverwendet, was sich als Fehler herausstellen sollte. Denn scheinbar neigen diese Teile zu Materialermüdung und in Folge davon zur Selbstauflösung. Das Resultat: Die nagelneue Kurbelwelle ist nur noch Kernschrott, der Motor erneut final gehimmelt.

Als schnelle Lösung haben wir dann einen, auf den ersten Blick guten und fahrtauglichen, SV50 gekauft. Doch dieser stellte sich als echte Mogelpackung heraus, denn der Verkäufer hatte einen anderen kapitalen Motorschaden in Folge einer gelösten Riemenscheibe verschwiegen. Immerhin ist der Rest des Rollers relativ gut, es lohnt sich durchaus dieses Fahrzeug als (teuren) Teileträger zu behalten. Zudem soll er bei der jetzt folgenden Aktion als Testplattform dienen.

Heute habe ich damit angefangen mich um diese Baustelle zu kümmern. Erster Schritt war natürlich die "Mogelpackung" zu entblättern und den Motor auszubauen.

Auf der Werkbank zeigte sich dann, dass der relativ gute Eindruck gerechtfertig war. Denn tatsächlich ist die Technik des Rollers in recht gutem Zustand. Ohne den Kurbelwellenschaden wäre das eigentlich ein super SV50.



Von diesem Motor ist vor allem das Zylinderkit interessant, denn es handelt sich um ein nahezu neuwertiges Originalteil. Außerdem liefert der Motor einige nahezu neuwertige Antriebskomponenten und einen "neuen" Anlasser für den Wulfhorst. Doch wie ist das Problem mit der Kurbelwelle zu lösen?

Eine Option wäre natürlich die Sache als (hohes) Lehrgeld zu verbuchen und eine neue Welle zu kaufen. Allerdings wurde mir vor ein paar Wochen ein SV50 Wrack angeboten. Eine totale Leiche, Schlachtrest sozusagen, ohne Papiere und Verkleidung. Aber mit einem Motorrumpf mit intakter Kurbelwelle drin.Um diesen Motorrumpf soll nun ein neuer Antrieb für "Lieschen" entstehen.

Nun stecken allerdings auch im R7 schon diverse Neuteile, diese verloren gehen zu lassen wäre ein Jammer. Darum kam als nächstes der Motor aus dem Dreirad raus.

Auch diesen Motor haben ich dann zerlegt und die jeweils besten Teile auf die Seite getan. Denn nun folgt ja die eigentliche Arbeit, der Neuaufbau auf Basis des Schlachtermotors mit guter Kurbelwelle.

Allerdings kommt dieser Motor nicht direkt in das Dreirad. Denn als Test- und Experimentierplattform ist der Roller die deutlich bessere Basis. Zudem möchte ich den "neuen" Motor gerne einige Zeit lang selber fahren. Den R7 im Alltag zu fahren ist mir aber, das gebe ich ganz offen zu, zu gruselig. Diese Teile und ich werden einfach keine Freunde mehr. 

Doch bevor hier überhaupt irgendwas fährt muss der Motor natürlich laufen. Genau das habe ich heute aber nicht mehr geschafft. Zum einen weil es an einer ausreichend geladenen Batterie fehlte und zum Anderen weil mir die Zeit davon gelaufen ist. Es geht also demnächst weiter an dieser völlig unnötigen und nervigen Baustelle.




Sonntag, 13. Dezember 2020

Pornoyacht: letzte Chance?

Draußen, also jenseits der Grenzen der Rollerchaos-Welt, tobt ja noch immer die Coronapandemie. Eigentlich ist das, seien wir mal ganz ehrlich, wichtiger als die Rollerschrauberei. Darum kann ich es durchaus verstehen, wenn in ein paar Tagen ein wirklich heftiger Lockdown kommt. Vermutlich wird es dann auch nicht mehr möglich sein, zur Werkstatt raus zu fahren und ein bisschen zu Arbeiten. 

Andererseits habe ich mir auch in den Kopf gesetzt, die PK vor Weihnachten zumindest in den gröbsten Zügen fertig zu kriegen. Also soweit, dass es ein benutzbarer Roller ist, der im Frühjahr zum TÜV kann.

Immerhin hatte SCK zwischenzeitlich die noch fehlenden Teile geliefert, ich konnte also weitermachen. Auch ein guter Weg, um einmal für ein paar Stunden das Geschehen in der Welt hinter sich zu lassen.

Ein klassischen Problem bei Vespas ist, dass es das Trittbrett verbiegt wenn man einen Seitenständer benutzt. Mittlerweile gibt es dafür eine Lösung in Form eines Verstärkungsblechs, aber für den TÜV muss der Seitenständer sowieso weg. Wirklich gerne gesehen sind die Dinger nämlich nicht.

Da der völlig ausgenudelte Hauptständer sowieso auf der Abschussliste stand war das aber alles eh nicht so wild. 

Perfektionisten würden das Trittbrett im Zuge solcher Arbeiten perfekt richten. Nun bin ich aber kein Perfektionist, zumindest nicht was diesen Roller angeht. Mir genügt es ehrlich gesagt, wenn es wieder gerade ist. Denn es kommt ja sowieso eine Fußmatte drauf. Ein paar Schläge mit dem Gummihammer genügten darum, um das Blech wieder dahin zu bringen wo es hingehört.


Wenn man bedenkt, dass der Roller viele Jahre lang im Winter gefahren wurde, dann ist es umso erstaunlicher, wie wenig Rost er hat. Das linke Trittbrett ist an einer Stelle etwa 2X2mm groß durchgerostet, das ist aber seit Jahren stabil und bleibt auch diesmal so. Ansonsten gibt es oberflächliche Korrosion und eine etwas tiefere Roststelle, die aber nicht durch ist, an der vorderen Strebe.

Damit das auch so bleibt, habe ich die größeren Stellen ausgeschliffen und anschließend alles mit Rostschutzgrundierung behandelt. 

Auch hier gilt wieder: Perfekt ist das freilich nicht, aber es passt zu diesem Fahrzeug und man wird es später nicht sehen. Wenn einer unter die Vespa kriechen mag, bitte, mir ist es egal. 


Die Streben sind notorische Rostnester, die jetzt aber (wieder) mit Hartwachs geflutet sind. Ich habe das vor Jahren schonmal gemacht, was vermutlich auch ein Grund ist, warum der Roller so gut dasteht.

Anschließend konnte der neue Hauptständer angebaut werden. Passend zum "Pornoyacht" Thema gab es hier eine verchromte Ausführung. Man gönnt sich ja sonst nichts. ;)

Ein Problem das noch zu lösen war betraf die Fußmatten. Diese werden bei der XL1 normalerweise mit integrierten Nasen am Trittbrett befestigt. Doch diese Nasen brechen eigentlich immer mit der Zeit ab. Intakte originale Fußmatten sind selten und werden teuer gehandelt, die Repros die man kaufen kann passen nicht gescheit. Bisher habe ich das Problem eigentlich immer ignoriert und die Fußmatten von Zeit zu Zeit zurecht gerückt. Aber das nervt.

Bei einem anderen Vespafahrer habe ich vor einiger Zeit eine Lösung gesehen, die mir sehr gut gefällt: Anstelle der Nasen werden die Fußmatten durchgebohrt und mit Schlossschrauben an den vorhandenen Löchern im Trittbrett verschraubt. Eine stabile und auch optisch akzeptable Lösung.

Als nächstes ging es dann um eine tatsächlich wichtige Sache. Bisher fuhr die Pornoyacht auf Faco Leichtmetallfelgen aus den 80ern. Die Dinger mögen hübsch sein, aber der TÜV wird sie aus guten Gründen nicht akzeptieren. Wegen hoher Bruchgefahr waren die Teile schon damals nicht zugelassen und so gut sie aussehen: Sie sind bis heute brutal gefährlich. Also weg damit.


Immerhin gibt es ja auch Nachbauten der Originalfelgen in weiß. Eine Lösung, die zumindest halbwegs stimmig ist und den Charakter des Rollers nicht völlig verwässert. Im Frühjahr gibt es aber noch zwei neue Reifen, denn beide Gummis sind uralt.

Der Rest war dann nur noch einfacher Zusammenbau: Kaskade, Lenkerdeckel, Sitzbank und der Spiegel. Somit ist es ein, zumindest grundsätzlich, benutzbarer Roller. Mal sehen wie und wann es damit weitergehen kann, fürs Erste bin ich aber sehr zufrieden damit und glücklich, dass die PK wieder beisammen ist.

Demnächst geht es dann mit dem R7 weiter. Mal sehen wann das sein wird.