Sonntag, 17. März 2019

#scooterlife : einfach mal an die frische Luft

Dem Roten Baron hat die Standzeit über den Winter nicht wirklich gut getan, auf die Kombination aus altem Sprit und Standzeit reagiert die Reuse ausgesprochen allergisch. Es gibt dafür nur eine wirklich sinnvolle Kur: Raus auf die Straße und das alte Zeug im Tank verfeuern.
Darum ging's heute Nachmittag ohne festen Plan ein bisschen raus. An der Donau entlang nach Kelheim und dann das Altmühltal entlang bis nach Essing. Im Sommer ist die Strecke am Sonntag massiv mit Knieschleifern und Leuten mit Papgeienlederfetisch verseucht, so früh im Jahr geht es aber noch sehr angenehm zu fahren.
Essing ist wie ausgestorben, die Touris sind noch zu Hause. Der Brunnen vor dem Rathaus mit den drei Kranichen, die auch im Stadtwappen herumflattern, hält noch Winterschlaf. Eine wundervoll friedliche Szene.
Von Essing aus geht es auf der alten Talstraße weiter, parallel zur modernen Schnellstraße, auf der zu viele Leute unterwegs sind, die an der Bleifußseuche erkrankt sind. Prunn, unterhalb der berühmten Burg ist der nächste Wegpunkt. Von hier aus zweigt eine kleine Straße ab, es geht steil auf die Höhen hinauf und am Abzweig zur Burg Prunn vorbei.
Hier oben, zwischen Meierhofen und Painten, ist keine Sau unterwegs. Genau so macht Rollerfahren Spaß. Einsame Strecken, kein Verkehr, nur Stille und die langsam erwachende Natur.
Im Kelheimer Forst haben die Winterstürme schwer getobt. Die Straße durch den Wald nach Thumhausen ist eigentlich gesperrt, mit einem Auto wäre sie auch nicht befahrbar, aber der Roller passt an den umgefallenen Bäumen vorbei. 

Langsam geht es dann durchs Eichhofener-Tal zurück in die Heimat, keine besonders bemerkenswerte Tour, aber das Tagesziel ist erreicht. Der Roller läuft deutlich besser, hat frisches Futter im Tank und (viel wichtiger noch) dem Fahrer gehts richtig gut. Tiefenentspannung kann ganz einfach sein.





Samstag, 16. März 2019

Fahrzeugportrait: Malaguti Centro SL

Malaguti ist leider seit 2011 Geschichte. Das 1930 gegründete Unternehmen aus San Lazzaro di Savena bei Bologna gehörte zu jenen Firmen, die immer wieder mit spektakulären Rollerkonstruktionen für Aufsehen sorgten. Die Modelle F12 und F15 zählen zweifellos zu den besten Sport-Fuffis ihrer Zeit. Aber es gab natürlich auch bürgerliche Fahrzeuge, Nutzroller im klassischen Sinne. So wie den Centro SL, um den es hier gehen soll.


Es handelt sich beim Centro um einen Großradroller, eine Fahrzeuggattung, die in Italien schon seit den 80er Jahren beliebt ist, sich nördlich der Alpen aber nie so recht durchsetzen konnte.Der Centro kombiniert klassische Vorzüge dieser Bauweise, wie stabilen Lauf und sicheres Fahren auf schlechten Straßen mit einigen hoch interessanten Konstruktionsdetails.

grundlegende technische Daten:
Motor: luftgekühlter, einzylinder Zweitaktmotor mit horizontalem Zylinder
Motorhersteller: Minarelli
Leistung: 2kW bei 6500UpM
Reifengrößen: 2,75X14 vorne 3,00X14 hinten
Höchstgeschwindigkeit: 50km/h



Motor und Antrieb
Der Centro wird von einem liegenden, luftgekühlten Minarellimotor angetrieben. Es handelt sich um jenen Standardmotor, der auch in vielen anderen Modellen des Herstellers zum Einsatz kam. 

Die klassenübliche, stufenlose Riemenautomatik ist werksseitig gelungen abgestimmt und sorgt für gute Beschleunigungs- und Durchzugswerte. Zeittypisch ist der Centro SL relativ mild gedrosselt und hat keinen Katalysator, entsprechend kraftvoll tritt er an.

Fahrwerk und Bremsen
Das Fahrwerk, mit einer einfachen Telegabel vorne und einem Einzelfederbein hinten, ist klassentypisch und recht weich. Die komfortbetonte Auslegung macht den Centro zu einem angenehmen Cruiser, auch auf schlechtem Untergrund. Gleichzeitig sorgt sie aber auch für viel Unruhe und wenig Rückmeldung. Hier wird klar, dass der Centro ein komfortabler Alltagsroller sein will und kein Sportler.
Zu diesem Eindruck passen auch die Bremsen. Die wirkungsvolle, aber wenig giftige Scheibe vorne und die teigige Trommelbremse im Heck verzögern den Roller jederzeit sicher, lassen jedoch etwas an Aggressivität vermissen.

Die ungewöhnliche Radgröße von 14 Zoll ist eigentlich ein guter Kompromiss zwischen Stabilität und Wendigkeit, die wenigen Reifen die in dieser Größe verfügbar sind, setzen jedoch enge Grenzen. Die Veerubber-Gummis der Originalausrüstung sind mit den theoretisch möglichen Kurvengeschwindigkeiten des Centro jedenfalls überfordert. Daraus ergibt sich eine unglückliche Kombination von die möglichen Fahrleistungen beschränkenden Reifen und einem Fahrwerk das wenig Rückmeldung bietet. Dies führt dazu, dass der Centro im schmalen Grenzbereich tückisch und schwer beherrschbar ist. Ungeübte Fahrer finden sich somit schneller im Straßengraben wieder als sie es sich wünschen.

Besonderheiten / Schwächen
Im Gegensatz zu vielen Großradrollern bietet der Centro ein ausgesprochen großes, gut nutzbares Helmfach. Zwei kleinere Jethelme passen problemlos hinein. Dies ist möglich, weil sich der Treibstofftank des Rollers in der Frontverkleidung befindet. Das zweikammerige, knapp über 8l große Spritfass verfügt über zwei Auslasse, die zur Benzinpumpe unter dem Trittbrett führen. Der Tankstutzen befindet sich hinter einer kleinen Klappe im Beinschild. Bei frühen Versionen des Centro SL befindet sich hier auch der Öltank, dieser wurde bei späteren Exemplaren in die linke Seitenverkleidung verlegt und wird über einen Stöpsel im Helmfach befüllt.
bei abgenommener Verkleidung ist die Form des Tanks gut zu sehen
Ab Werk war für den Centro eine "Moto Guard" genannte Alarmanlage lieferbar. Diese war jedoch zur damaligen Zeit in Deutschland nicht zulässig, weshalb sie bei deutschen Modellen nur vorgerüstet war.  Im Bereich des Tankstutzens befindet sich hierzu ein unbelegter Stecker, im Tacho eine ungenutzte Kontrolleuchte.
ab oberen Rand des Tachos ist die ungenutzte "Moto Guard" Lampe zu sehen
Hauptschwachpunkt des Centro ist sein sehr schlechtes Fahrlicht. Zwar verfügt er über einen echten Doppelscheinwerfer, aber die beiden 5W Glassockellampen, die als Fahrlicht dienen sind nur Positionslampen. Als Fernlicht stehen immerhin zwei 15W Kugellampen zur Verfügung, diese vermögen jedoch nur die Dunkelheit etwas besser sichtbar zu machen. Nachtfahrten auf unbeleuchteten Landstraßen sind mit solchen Funzeln schlicht lebensgefährlich.

Die schmale Verkleidung, die die Räder weitgehend frei lässt, bietet zudem wenig Wetterschutz. Bei Regen spritzt das Vorderrad über den Rand des Kotflügels nach oben und das Hinterrad schleudert das Wasser seitlich an die Sitzbank hinauf.  
in der Seitenansicht wird deutlich, wie knapp die Verkleidung des Centro ist


der Centro SL im Alltag / Fazit
Wer einen seltenen, aber dennoch gut mit Verschleißteilen versorgten Roller sucht, ist mit dem Centro an der richtigen Adresse. Es ist, zumindest nördlich der Alpen, sehr unwahrscheinlich einem identischen Fahrzeug zu begegnen und zudem ist der Roller sehr praktisch. Sein schlechtes Fahrlicht und das teilweise kritische Fahrverhalten empfehlen ihn eher als Stadtroller und für geübte Fahrer.  Als Tourer taugt er, trotz seines riesigen Tanks und der daraus resultierenden hohen Reichweite, nur bedingt. Mit voller Beladung kommen Fahrwerk und Bremsen zu schnell an ihre Grenzen.

Freitag, 15. März 2019

Cargo Zip: kleine Verbesserungen

Die Ersatzteile für den Zip waren die Tage in der Post, Zeit den Roller wieder zusammen zu bauen.
Es war ja in dem Sinne nichts wirklich schlimmes zu tun, eigentlich nur eine normale Wartung und natürlich die neuen Bremsbacken für das Hinterrad.
Bei den alten Piaggio-Automatikrollern muss das Hinterrad zum Getriebeölwechsel sowieso raus, insofern war die Gelegenheit günstig.
Der größte Posten auf dem Zettel war die Montage des "neuen" Auspuffs. Ich hatte es befürchtet und leider recht behalten: Der Stage6-Auspuff hat sich gewehrt.
Es ist ein bekanntes Problem, dass an den Rollern mit kurzer Schwinge manche Auspuffanlagen nicht gescheit passen. So musste ich auch diesmal an der Halterung herumflexen um es passend zu bekommen.
Eine kurze Probefahrt brachte dann ein zwiespältiges Ergebnis. Der Roller läuft erheblich besser als zuvor, der alte Auspuff ist definitiv hinüber weil völlig zugekohlt. Aber der Stage6 Street ist mir etwas zu laut, teilweise wohl auch, weil der Krümmeranschluss am Zylinder nicht perfekt abdichtet, hier muss ich nochmal beigehen. Eigentlich hasse ich nichts mehr als Auspuffpaste, aber diesmal wird es wohl nicht ohne klappen. Ob dieser Auspuff eine Dauerlösung ist muss sich zeigen, meine grundsätzliche Meinung über diese Marke hat sich aber mal wieder bestätigt: Gute Leistung, aber die Qualität lässt zu wünschen übrig. Immerhin, da gebraucht war das Teil sehr günstig.
Nach der Pflicht stand aber noch die Kür auf dem Programm. Der Zip hatte bisher keinen Getränkehalter, auf Tour nervig und meine bisherige Lösung mit dem Gummizug an der Scheibe war sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. 
Eine passend geschnittene, gebogene und gebohrte Querstrebe ist da schon deutlich besser.
Aus einem Reststück entstand dann der angeschweißte Ausleger, an den ich den Fahrradflaschen-Halter anschrauben kann.
Der Zip ist aber nun keine Gammelratte wie der Baron, darum gabs diesmal sogar eine ordentliche Lackierung mit Grundierung für den Neubau.
Dank Heizlüfter trocknet das auch bei Schlotterwetter einigermaßen zügig und ich konnte es heute noch anschrauben.
Die Flasche hat jetzt festen halt und schlottert nicht mehr lose in der Gegend herum. Außerdem kann der hässliche Gummi weg.
Der Zip bekommt außerdem noch eine Navitasche, dafür ist ja jetzt auch Platz und ein stabiler Halter vorhanden.


Sonntag, 10. März 2019

Glubschi: technische Erprobung

Eigentlich bietet der Centro ideale Voraussetzungen für einen Tourer. Allein der riesige Tank empfiehlt ihn für diese Rolle. Dazu kommen das große Helmfach und die recht bequeme Sitzposition. Aber taugt er auch in der Praxis dafür? Nun, es gibt eigentlich nur einen Weg das heraus zu finden.
Trotz des wenig einladenden Wetters bin ich heute Nachmittag einige Zeit herumgerollert, einfach um zu sehen, wie sich der Centro unter nicht wirklich idealen Bedingungen schlägt. Die Veerubbers laufen auf feuchter Fahrbahn besser als befürchtet, eine ideale Tourenbereifung sind sie aber nicht. Dafür macht der Roller immer noch großen Spaß, er ist eigentlich ideal zum entspannten "Rollerwandern" an einem stillen Nachmittag.
Seit dem letzten Tankstopp sind jetzt gut 100km dazu gekommen, die Tanknadel hat sich aber noch nicht nennenswert bewegt. Die Sache mit der großen Reichweite könnte also klappen. Ich bin ehrlich gespannt, was der Test der absoluten Reichweite bei diesem Fahrzeug ergeben wird.
Das Fazit nach der heutigen Ausfahrt ist aber trotzdem etwas gespalten. Mein persönlicher Hauptkritikpunkt ist der eher mäßige Wetterschutz. Die schmale Heckverkleidung lässt das Hinterrad fröhlich spritzen und er saut hinten alles ein. Ohne Topcase hätte ich jetzt einen schönen Dreckstreifen auf dem Rücken. Zu den Dingen, die ich noch nachrüsten muss zählt also auf jeden Fall ein Spritzlappen für das Hinterrad. Außerdem muss der Windschild noch etwas höher gesetzt werden um wirklich effektiv zu sein. Die Chancen für den Centro ein ernsthafter Tourer zu werden stehen aber gut, der Roller gefällt mir umso besser, je mehr ich damit gefahren bin.



Samstag, 9. März 2019

Dinge die es nicht braucht

Zu den gelegentlichen Gästen in meiner Werkstatt gehören Erich und sein Explorer Race 50GT. Der chinesische Sportroller gehört zu den Kilometerkönigen in meinem Bekanntenkreis. Entsprechend interessant ist die jährliche Inspektion.
Ich schraube nur ganz selten an fremden Fahrzeugen, aber auf dieses hier freue ich mich eigentlich immer. Denn es ist einer der ganz wenigen, wirklich ernsthaft gefahrenen Roller.
Umso schöner ist es, wenn außer den üblichen Wartungsarbeiten nichts zu tun war, nur der Variator tanzte da etwas aus der Reihe. Die Gewichte saßen bombenfest in den Laufbahnen, die Rollenkerne hatten sich komplett ins Material gearbeitet. Da braucht es ein Neuteil. Nun hat der Explorer aber leider die Chinaversion des CPI-Motors. Teile vom originalen Minarelli passen hier nicht. Feile und Fett brachten den Variator aber erstmal wieder soweit in Form, damit Erich weiter fahren kann. Den Explorer sehe ich aber sicher bald wieder. 

Glubschi: take me home, contryroads

Gestern habe ich den Centro von der Werkstatt nach Hause gefahren. Natürlich nicht auf dem direkten Weg, das wäre ja langweilig.
s waren vllt. 60km Überlandfahrt der recht unterhaltsamen Art. Das Fahrverhalten des Rollers passt zur Optik: Es ist höchst interessant.

Natürlich läuft den Centro, wie es sich für einen Großradler gehört, stur und so steif wie ein Besenstiel geradeaus. Man sitzt schön aufrecht und bequem, also alles gut. Zumindest bis zur nächsten Kurve, denn da will er mit Gewalt hinein und auch wieder heraus gezwungen werden. Das schwammige Fahrwerk und die teigigen Bremsen tun ihr übrigens dazu. Man spürt wie sich der Rahmen verwindet und beim Anbremsen durchbiegt.

Wenn man nach der Kurve den Hahn aufmacht, dann kann es schon mal sein, dass der dürre Billigreifen hinten nicht ganz mitkommt und Querbeschleunigung aufbauen will. Mit einem originalen Fuffiroller im legalen Geschwindigkeitsbereich Powerslides machen zu können hat was, das können nicht viele.

Am Abend gabs dann noch einen Nachttest auf der Landstraße. In Sachen Beleuchtung legt der Centro die Messlatte sehr niedrig, es ringen zwar gleich zwei Birnchen mit der Dunkelheit, aber etwas anderes als eine Positionslampe ist auch das Fernlicht nicht. Selbst meine 6V-Puch leuchtet besser. Aber das ist bei einem 90er Jahre Roller ja nicht weiter verwunderlich.

Jetzt könnte man natürlich meinen, ich hätte ein besonders ausgelullertes Exemplar erwischt. Allerdings kenne ich das Chassis ja aus dem Yamaha Why und dem KTM Go, die fahren genauso. Das passt also alles, bis auf die abenteuerlichen Reifen. Da geht der Centro ja einen etwas anderen Weg als seine Brüder aus Japan und Österreich, mal sehen ob sich da nichts basteln lässt. Die Veerubbers sind jedenfalls schlicht lebensgefährlich schlecht, ein weniger geübter Fahrer als ich wäre gestern mit größter Wahrscheinlichkeit mehrfach kapital abgeflogen.

Irgendwie bin ich in das Viech total verliebt.

Freitag, 8. März 2019

Puchal und Cargo Zip: fertig für die Saison, oder auch nicht

Die neue Tretkette für die X30 war vor ein paar Tagen in der Post, Zeit das Moped endlich fertig zu machen.
Den Seitenständer musste ich nochmal etwas versetzen, ansonsten war die Montage diesmal völlig problemlos. 
Bei der Auspuffmontage letztens hatte ich außerdem festgestellt, dass der Motor aus der Kopfdichtung ölt. Nicht wirklich schlimm, aber mich nerven solche Dinge. 
Die von Airsal für das Nachbaukit vorgesehene Metallkopfdichtung war im Bereich des Ölkanals durchgebrannt. Eine seltsame Stelle, aber die etwas dickere und weichere Originaldichtung sollte das Problem eigentlich lösen. Unter Beobachtung steht der Kopf aber trotzdem.
Abschließend gab es noch die üblichen Servicearbeiten, also Zündungskontrolle, frische Zündkerze und neues Getriebeöl.
Die Puch ist damit für die Saison fertig, jetzt muss es nur noch April werden, ab dem 1.4. ist sie nämlich wieder versichert und darf raus.


Arbeit ist aber trotzdem immer, denn auch der Zip braucht noch etwas Zuwendung in Form einer Inspektion. Hier ist zum Glück nicht viel mehr zu tun als die routinemäßige Wartung, wirklich durch ist nur die Hinterradbremse. Außerdem soll er einen neuen Auspuff bekommen.
Der alte, völlig zugekohlte, Schalldämpfer kam darum als erstes weg. Er kehrt mit ziemlicher Sicherheit nicht zurück.
Ohne Auspuff ist dann auch das Hinterrad schnell abgenommen. Die Bremse funktionierte eigentlich gar nicht mehr. Obwohl die Beläge noch gut Material haben, sind sie völlig verglast und an den Kanten abgerieben. Es scheint, als sei die Bremse bei den Ausflügen ins Gebirge letztes Jahr etwas arg heiß geworden. Die Belagträger kleben zudem bombenfest auf dem Bremsnocken. Ursache dafür ist vermutlich festgebrannter Bremsstaub, etwas Waffenöl sollte das Problem bis zum nächsten Besuch in der Werkstatt lösen. Da die Bremsbacken sowieso in den Müll kommen, ist der Einsatz von Öl ja unkritisch.

Sonntag, 3. März 2019

Fahrzeugportrait: Wulfhorst R13

Der Hersteller dieses Fahrzeugs, die Wulfhorst GmbH aus Gütersloh in Westfalen, ist seit 1915 als Hersteller von Dreiradfahrzeugen, zum überwiegenden Teil von dreirädrigen Fahrrädern zu Transportzwecken und für Menschen mit körperlicher Behinderung, aktiv. Das Modell R13 ist ein dreirädriges Kleinkraftrad auf Basis des Sachs Saxy Mofas.

Wulfhorst R13 mit nachträglich angebrachter Staukiste auf dem serienmäßigen Gepäckträger.


Basisfahrzeug
Als Umbaubasis für den R13 diente die Mofaversion des, auch als 45km/h Moped lieferbaren, Sachs Saxy. Ungeachtet des Namens hat dieses Fahrzeug mit den klassischen Mofas und Mopeds mit Sachsmotor nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine vollständige Neukonstruktion, die in China gefertigt wurde. Importeur der Fahrzeuge war Sachs Bikes.
Der Motor des Saxy ist ein fahrtwindgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit Zweigang Automatikgetriebe. In seinen wesentlichen Teilen ähnelt dieser Motor dem Antrieb der Honda Dax. Er wurde jedoch nicht von Honda gefertigt, sondern stammt ebenfalls aus chinesischer Fertigung. Die 25km/h-Version des Motors ist in der Betriebserlaubnis mit 2kW bei 6.200upm angegeben.


Die Fahrwerkskonstruktion des Saxy ist die eines klassischen Mofas. Eine einfache Telegabel führt das Vorderrad, während das Hinterrad in einer von zwei Federbeinen geführten Schwinge läuft. Der Endantrieb erfolgt per Kette. Interessant ist die, an einen modernen Automatikroller angelehnte Komfortausstattung mit Blinkern und Elektrostarter sowie Fußrasten statt Tretkurbeln. Diese Dinge machen das Saxy auch zu einer guten Basis für einen behindertengerechten Umbau.

Unterschiede zum Basisfahrzeug
Wie alle Wulfhorstumbauten verfügt der R13 hinten über eine Starrachse mit Umlaufdifferential der Firma Peerless. Wie beim R3 ist auch beim R13 die Bremsscheibe der Hinterradbremse auf das Differentialgehäuse aufgesetzt. Da am Vorderrad die originale Trommelbremse beibehalten wurde, ist auch hier die ungewöhnliche Kombination einer Trommelbremse vorne und Scheibenbremse hinten gegeben. 
Hinterachse mit Umlaufdifferential und Scheibenbremse

Im Gegensatz zum R3 wurde beim R13 das Rahmenheck nicht gekürzt sondern in seiner originalen Form beibehalten. Die Batterie befindet sich, wie beim Basisfahrzeug, unter der klappbaren Sitzbank. Um Fahrern mit eingeschränkter Beweglichkeit die Bedienung des Fahrzeugs zu erleichtern, verfügt der R13 über einen Chokehebel am Lenker, während beim Basisfahrzeug nur ein Hebel direkt am Vergaser vorhanden ist. 
die linken Lenkerschalter für Motorabsteller und Hupe

rechts befindet sich der Knopf für den elektrischen Anlasser und der Blinkerschalter, links davon der Chokehebel

in klassischer Mofamanier dient der Zündschlüssel gleichzeitig als Lichtschalter, der rote Taster am Lenker ist nachgerüstet


Fazit
Der R13 ist, wie alle Wulfhorstumbauten, ein faszinierender Sonderling. Anders als der klassische R3 Mofa-Umbau ist er ein relativ milder, seriennaher Umbau und ähnelt daher eher den Rollertrikes des Hauses. Die vergleichsweise moderne Technik bei gleichzeitig klassischer Anmutung machen ihn auch für Sammler und Mopedfreunde interessant, primär ist er jedoch als Fahrzeug für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gedacht. In dieser Rolle kann er nützlich sein, da er jedoch als Kleinkraftrad eingestuft ist, bietet er nicht die Vorteile eines als Krankenfahrstuhl zugelassenen Fahrzeuges. 




Mittwoch, 27. Februar 2019

Puchal: an die Kette gelegt

Die Fahrkette der X30 hatte mich zuletzt ja ziemlich geärgert. Des Rätsels Lösung kam zwischenzeitlich in Gestalt eines befreundeten Puchkenners. Es war schlicht die falsche Kette. Das korrekte Ersatzteil war zwischenzeitlich in der Post und tatsächlich, der Einbau war nach ein paar Minuten erledigt.
Nachdem Spur und Kettenspannung jetzt stimmen ist dieses Kapitel hoffentlich erstmal erledigt. Die linke Seite der X30 ist soweit fertig und wieder beisammen.
Normalerweise hätte ich jetzt nur noch rechts die Tretkette auflegen müssen und die Sache wäre erledigt gewesen. Aber natürlich wehrt sich jetzt diese. Ich habe ehrlich gesagt nicht bedacht, dass die neue Fahrkette länger ist als die alte, aus der im Laufe der Zeit Glieder herausgenommen worden waren. Als Folge dessen ist die Tretkette jetzt natürlich zu kurz, also wieder Baustopp.
Eine kurze Probefahrt, die erste in diesem Jahr und die letzte mit dem 2018er Kennzeichen konnte ich mir dann aber doch nicht verkneifen. Denn anschieben kann man das Mofa ja auch ohne Tretkette und tatsächlich läuft die Puch wunderbar. Ich freue mich schon auf den Saisonstart damit. Dann allerdings hoffentlich mit zwei Ketten.



Glubschi: der Adler ist gelandet

Irgendwie fehlte dem Centro noch was, er war mir noch nicht "rollerchaotisch" genug. Der Windschild ist in seiner Hässlichkeit zu stimmig und passt zu gut zum Fahrzeug, es brauchte also dringend noch ein weiteres Customfeature. Irgendwas, das möglichst kitschig und sinnlos ist.
Den Zinnadler, der wohl mal auf irgend einer Harley mitfuhr, hat mir vor Jahren ein Bekannter geschenkt. Wirklich schön war er nicht mehr, also genau das Richtige um sich auszutoben.
Leider war der originale Gewindestift an der Grundplatte völlig vernudelt. Da half nur abschneiden, plan feilen und zwei Löcher bohren.
Für die Kitschoptik sorgte anschließend etwas Goldspray. So kommt der Adler richtig protzig und pseudo-edel rüber. Genau was ich wollte.
Der Vorderradkotflügel des Centro ist zudem schön flach und gerade montiert, eigentlich der ideale Ort für den Flattermann. Außerdem stört er an der Stelle weder den Lenkeinschlag von den Federweg des Rollers.
Eine kurze Testfahrt auf dem Feldweg brachte dann noch die Gewissheit, dass der Vogel sicher sitzt und nicht stört. Zudem läuft der Roller schön, ab Freitag ist er ja versichert und darf auf die Straße zurück. Ich freue mich schon auf kopfschüttelnde Menschen und seltsame Blicke.