Sonntag, 25. August 2019

Tour: unterwegs in Oberbayern und Schwaben

Eine kleine Tagestour ohne starr festgelegtes Ziel hat ihren eigenen, besonderen Reiz. Der grobe Plan zum Kloster Andechs zu fahren war alles was ich hatte, als es am Samstagmorgen los ging. Von Regensburg aus entlang der Donau nach Kelheim und dann, auf einem quer durch Niederbayern verlaufenden Weg, über Abensberg in die Hallertau.





Im Spätsommer liegt ein seltsam betörender, süßlicher Geruch über den Hopfengärten. Ein Zeichen dafür, dass die Ernte nahe ist. Vorbei an Geisenfeld geht es, auf kleinen Nebenstraßen, in südlicher Richtung zunächst nach Rohrbach und dann nach Pfaffenhofen an der Ilm.
Pfaffenhofen ist, nicht offiziell aber doch gefühlt, auf dieser Reise das Tor zu Oberbayern. Die Hopfengärten verschwinden und werden von weitem, offenen Bauernland abgelöst. Sanfte Hügel mit grünen Wiesen und weite, größtenteils schon abgeerntete Felder unter blauem Himmel. Eine Postkartenlandschaft im besten Sinne, durch die sich die, am Wochenende angenehm wenig befahrene, B13 schlängelt, der ich bis Fahrenzhausen folge. Von dort aus geht es auf kleinen Nebenstrecken über Dachau nach Fürstenfeldbruch, eine Sache die ihre ganz eigenen Herausforderungen bereithält.

Die B471 ist die Hauptstraße zwischen Dachau und Fürstenfeldbruck, viel befahren, teilweise autobahnartig ausgebaut und fast durchgehend Kraftfahrstraße. Auf Rollertour will ich solche Strecken nicht benutzen, mit dem Centro ist es ohnehin nicht erlaubt. Umfahrungen sind nicht beschildert und müssen sich Ort für Ort aus der Karte erarbeitet werden.

In Fürstenfeldbruck grüßt das alte Kloster Fürstenfeld und markiert den Beginn eines ruhigeren, sauber beschilderten, Streckenabschnitts. Durch die grüne Waldlandschaft der Amperauen geht es nach Süden auf den Ammersee zu. Ich biege allerdings schon vorher, in Grafrath, etwas nach Osten ab und fahre über Wörthsee zum gleichnamigen Gewässer. Seefeld am Pilsensee ist von hier aus der nächste Wegpunkt, bevor der Ammersee bei Hersching erreicht ist.
An der Uferpromenade kommt hier fast südländisches Flair auf und es ist wieder ein Postkartenmotiv. Still auf dem Wasser wippende Segelboote, im Hintergrund der Ausflugsdampfer der sich langsam vom Anleger entfernt. Dazu, wie vom Künstler beiläufig eingestreut, einige Enten und Möwen. Leider ist es zu diesig um die Alpen in der Ferne sehen zu können.

Mich zieht aber ohnehin ein anderer Berg an, von Hersching aus ist es nicht mehr weit zur Ortschaft Andechs und dem gleichnamigen Kloster.
Seit dem 15. Jahrhundert thront die Wallfartskirche Sankt Nikolaus und Sankt Elisabeth hoch über dem Land. Das wunderschöne Gotteshaus ist an diesem herrlichen Spätsommertag von Touristenströmen überrannt und kein guter Ort zur stillen Einkehr. Die meisten Tagesausflügler scheuen dabei jedoch den mühsamen Aufstieg auf den Turm. Von seiner obersten Etage aus bietet sich ein traumhafter Weitblick über das Land und es ist dazu angenehm still.
Ich habe den Turm für mich alleine, bis ein amerikanischer Tourist im Treppenaufgang erscheint. Als einziges Mitglied einer Seniorenreisegruppe hat er sich an den mühsamen Aufstieg gewagt. Wir unterhalten uns einige Zeit recht angenehm und ich bin erstaunt zu erfahren, dass mein Gesprächspartner 93 Jahre alt ist und schon zum zweiten Mal hier. In breitem Texas-Akzent erzählt er von seinem ersten Besuch im Kloster Andechs, 1946 war er als junger GI zum ersten Mal hier.

Die abenteuerliche, extrem steile und enge Treppe mag so alt wie der Turm selbst sein. Dem rüstigen Herrn aus Amarillo bereitet sie erstaunlich wenig Schwierigkeiten.

Vom Kloster aus fahre ich später weiter, zunächst um die Südspitze des Ammersees nach Dießen und dann am Westufer entlang nach Norden. Diese touristisch weniger erschlossene Seite des Sees ist wunderbar ruhig. Ein traumhaftes, weites Land mit lichten Wäldern die immer wieder den Blick auf den See freigeben.
Meinen ursprünglichen Plan zunächst zurück nach Dachau und dann weiter nach Landshut zu fahren lasse ich fallen, vom Nordende des Ammersee aus ist es nur ein kurzes Stück nach Landsberg am Lech und das Lechfeld reizt mich. Die, fast unbefahrene, Landstraße verläuft hier leider unmittelbar neben der A96, entsprechend gerade und geräuschvoll geht es zu, aber bald ist Landsberg erreicht und noch vor dem Ortseingang biege ich in die östlichen Ausläufer des Lechfeldes ab.
Es ist ein Land der weiten Blicke, der grünen Gleichförmigkeit einer scheinbar endlosen Ebene. Ein Land zum träumen und genussvollen Rollern.
Über Penzing geht es zunächst nach Egling und dann in einigen kleinen Schleifen nach Nordosten nach Pfaffenhofen an der Glonn. Odelzhausen ist die nächste größere Ortschaft und mein Blick wandert wiedereinmal auf die Tankuhr des Centro.


Eines der kleinen Nebenziele dieser Tour ist nämlich, die absolute Reichweite des Rollers zu testen. Seinen Tank hatte ich am Morgen kurz hinter Regensburg nochmal gefüllt und schon seit Andechs ruht die Tanknadel friedlich auf dem untersten Anschlag des Instruments. Doch der Roller spult fröhlich Kilometer um Kilometer ab.
Derweit geht es quer durchs nördliche Oberbayern, nach Markt Indersdorf und Petershausen in Richtung Hohenkammer, wo ich zurück auf die B13 will.

Kurz vor Hohenkammer, der Abzweig auf die B13 ist bereits in Sicht, beginnt der Motor zu stottern und geht aus. Ich lasse den Roller in einem Feldweg ausrollen und notiere mir den Tachostand. Die Rechnung am Abend wird ergeben, dass die absolute Reichweite des Centro 286km beträgt und der Verbrauch bei normaler Überlandfahrt 2,9l/100km.
Mit dem Benzin aus dem Reservekanister geht es dann bald weiter, nur wenige Kilometer weiter ist an der B13 eine Tankstelle, an der ich den Tank wieder komplett füllen kann. Danach geht es auf bekannter Strecke zurück nach Paffenhofen an der Ilm, wo ich diesmal jedoch in Richtung Wolnzach abbiege.
Über Wolnzach fahre ich nach Mainburg, wieder zwischen den würzig duftenden Hopfengärten hindurch und lenke den Roller dann endgültig auf heimatlichen Kurs. Über Siegenburg geht es zurück nach Abensberg und über Kelheim nach Regensburg zurück.

Gut 400km mehr stehen am Ende des Tages auf dem Tacho des Centro, der sich bei seiner ersten größeren Ausfahrt wunderbar bewährt hat. Ein idealer Tourenroller ist er trotz der großen Reichweite nicht, zumindest noch nicht, aber das kann ja noch werden. Ein schöner Tag zum Kraft sammeln und Ruhe finden war es allemal.








Dienstag, 20. August 2019

Cargo Zip: das war knapp

Um den Zip war es in letzter Zeit etwas still, hauptsächlich deshalb, weil der Roller grundsätzlich tat was er sollte, bis vor etwa drei Wochen die Hinterradbremse schlagartig versagte. Eine ziemlich unschöne Sache, die auch beinahe im Straßengraben ausgegangen wäre. Seitdem steht der Roller in der Werkstatt, mir fehlte bisher einfach die Zeit genau nachzusehen was da eigentlich los war.
Heute war etwas Zeit und ich habe mich darum gekümmert, allerdings gab es vorher noch etwas an der Werkstatt zu schrauben. Die leere Wand neben dem Eingang störte mich schon länger. Der Platz ist nicht wirklich sinnvoll nutzbar, aber etwas schöner könnte er sein.
Ein paar Stücke altes Holz später gab es hier ein kleines Regal, das nicht zu sehr in den Weg ragt. Optisch eine deutliche Verbesserung und auch nicht unpraktisch.
Der Roller ist aber natürlich wesentlich wichtiger.
Dass die Hinterradfelge komplett mit Öl verschmiert ist hatte ich neulich schon gesehen. Mein Verdacht war daher, dass das Bremsversagen durch Getriebeöl in der Bremstrommel verursacht wurde.
Dass nach Abnehmen des Hinterrades drei Stücke Bremsbelag heraus fielen passte nicht wirklich zu dieser Diagnose. Ebenso wenig wie der verbrannte Lack auf der Felge.
Das Problem ist wohl zweigeteilt. Zum einen ist der Wellendichtring der Getriebeausgangswelle hinüber und zum anderen hat eine der Bremsbacken ihren Belag komplett verloren. Das die Bremse so nicht ordentlich funktioniert ist eigentlich klar.
Der nächste Schritt ist aber in jedem Fall das Getriebeöl abzulassen.
Das Öl war glücklicherweise frei von Spänen und noch fast vollständig vorhanden. Es war also nur wenig ausgelaufen und ein Getriebeschaden entsprechend unwahrscheinlich.
Gesifft hatte es aber auch schon auf der Antriebsseite. Der WeDi der Eingangswelle hat es auch hinter sich.





Im Getriebekasten war es dann, wie erwartet, schön sauber. Das passt soweit alles und ist unkritisch. Das Lager der Ausgangswelle hat es hinter sich, ebenso die zwei WeDi. Alles in allem eine sehr überschaubare Reparatur.
Die Getriebeinnereien sind in jedem Fall noch völlig in Ordnung und nach einer gründlichen Reinigung wieder verwendbar.Die relativ geringe Laufleistung des Rollers wird hier deutlich, die Wellendichtringe sind wohl einfach nur durch ihr Alter hart und undicht geworden.
Für heute blieb dann nur noch die hintere Felge zu säubern, den verbrannten Bereich anzuschleifen und etwas gelbe Farbe drauf zu sprühen.
Sobald die Teile für das Getriebe und die Bremsbacken da sind kann der Zip wieder zusammengebaut werden. Das hätte wirklich sehr viel schlimmer ausgehen können.





Montag, 19. August 2019

Black Bomber: nahezu fertig

Heute war endlich mal wieder Zeit zum Schrauben. Eine gute Gelegenheit, um den "Bomber" fertig zu machen. Technisch war der Roller ja schon soweit beisammen, es fehlten nur noch die Verkleidung und die nötige Zusatzausstattung für den Alltagsgebrauch.
Da der Roller ja Gegenstand einer Youtube-Videoreihe ist will ich hier nicht zu viel verraten, aber er fährt soweit schön und das zurecht geschnittene Windschild von einem Aprilia Leonardo tut auch brav was es soll. Es ist manchmal wirklich erstaunlich, mit wie wenig Arbeit sich völlig fremde Teile passend machen lassen. Wer sich für die bisher veröffentlichten Videos zu diesem Projekt interessiert, findet sie hier in der Playlist.

Youtube-Playlist zum Bomber

Die nächste Amtshandlung am TPH ist jedenfalls ein frisches Versicherungskennzeichen, das hat aber noch etwas Zeit, denn auf die Gasse soll der Roller erst zum 1. September. Das lässt dann etwas Spielraum um ihn vor der Winterrollersaison zu testen.
Dann gibt es auch hier im Blog wieder etwas über dieses Fahrzeug zu lesen.

Sonntag, 11. August 2019

sonntägliche Entschleunigung

Tagelang nur Regen und Schmuddelwetter, der Sommer hat sich wohl schon verabschiedet. Zumindest hätte man auf diese Idee kommen können, wäre nicht heute ein traumhaft schöner Sonnen-Sonntag gewesen. 
Mein Bravo stand seit Tagen nutzlos in der heimischen Tiefgarage, denn Wetter und Zeit ließen es einfach nicht zu, das Moped zu fahren. Also nichts wie raus auf die Straße!
Der eigentliche Plan war ja, nach dem Mittagessen zur Werkstatt zu fahren und das Moped gegen einen der Roller zu tauschen. Zum Einen weil ich nächstes Wochenende nicht zu Hause bin und es nicht mag, wenn einer der Oldtimer offen herumsteht und zum Anderen weil ich aktuell keine alltagstaugliche Fuffi zu Hause habe. Aber warum nur den Nutzwert im Auge haben? Nirgendwo steht geschrieben, dass ich immer auf dem kürzesten Weg zur Werkstatt fahren muss. Eine langgezogene, genüsslich langsame Runde auf kleinsten Nebenstraßen hat ihren Wert. 
Von der Werkstatt aus ging es dann mit dem Centro weiter. Wieder nicht auf direktem Wege, denn es gibt einfach zu viele schöne Umwege.
Etwa der auf den Hügel zur St. Koloman-Kapelle beim Langquaid. Ein stiller Ort des Friedens, eine Insel der Ruhe.
Ganz nebenbei lässt sich dann auch noch eine gute Tat tun. Die mitten auf der Hauptstraße sitzende Kröte hätte sonst sicher noch jemand überfahren.
Es gibt kaum etwas besseres, als sich gut 150km in aller Ruhe treiben zu lassen. Etwas die sommerliche Stille genießen und sich über die Sonne zu freuen.








Samstag, 3. August 2019

Schwarz ist das neue Schwarz

Thums R7 nervt! Das Trumm verstopft mir die ganze Werkstatt, darum muss es bald fertig werden. Denn zusammengebaut nimmt es doch etwas weniger Platz weg. Darum habe ich gestern und heute nochmal fleißig daran gearbeitet, irgendwann will ich ja auch wieder Zeit für meine eigenen Projekte haben.
Mechanisch ist der Roller dabei soweit eigentlich fit. Er sprang gestern, nach einer Woche Standzeit, problemlos an. Einziger Wermutstropfen in dieser Hinsicht ist die Tatsache, dass er nach Standzeit noch immer etwas Orgelei braucht um zu starten. Hierfür ist auch eine Idee vorhanden, die dazu nötigen Bauteile fehlen aber noch. Zunächst ging es also ans Styling.
Thum wünscht den mattschwarzen Stealthfighter-Look, mit Unterbodenschutz als Lackierung. Natürlich bin ich für solche Dinge auch immer zu haben. Das Teil wird optisch richtig fies werden und ganz sicher nicht jedem gefallen, genau so wie es sein muss also.
Quasi nebenbei habe ich dann noch die restlichen Technikbaustellen erledigt. Den nicht funktionierenden Tachoantrieb zum Beispiel.
Hauptsächlich ging es jedoch um Karosseriereparaturen, vor allem an der Spezialverkleidung der Hinterräder und Stylingdetails wie die "Lufteinlässe" auf dem Heckstück.
Die Frontpartie des Rollers war dann auch relativ schnell fertig, das Gesamtbild ist schon sehr stimmig, auch wenn die "Lackierung" im Blitzlicht etwas fleckig wirkt.
Als nächster Arbeitsschritt stand dann die Hinterachse auf dem Programm. Die Gelegenheit das Differential gründlich zu prüfen ist günstig.
Glücklicherweise war hier soweit alles in Ordnung. Allerdings war der Segering im Diff nicht mehr wirklich gut, hier kam das Neuteil wohl einem baldigen Differentialschaden zuvor. Ansonsten genügten aber eine gründliche Reinigung und eine frische Fettfüllung.
Weniger Glück hatte derweil der Kickstarterhebel des Schlachtrollers. Diesen habe ich zerschnitten. Natürlich nicht ohne guten Grund.
Der R7 hat, aufgrund der Einbausituation, eigentlich keinen Kickstarter. Der gekürzte Hebel ist hier ein erster Schritt zum Versuch einen nachzurüsten. Ob und wie das genau klappen kann wird sich zeigen sobald die Heckverkleidung wieder komplett montiert ist.
Zuletzt zog noch der Windschild des grünen Teileträgers an den Wulfhorst um. Damit ist die Frontpartie nun nahezu fertig, ein paar Stylingdetails fehlen nicht, aber die kommen demnächst.