Samstag, 16. Januar 2021

Chopperding: war ja klar

 Zwischenzeitlich waren alle, zumindest vorerst, benötigten Ersatzteile für den Retro-Chinesen eingetrudelt. Zeit an dem Ding weiter zu machen.

Zunächst kam der Tank mit einem neuen Benzinhahn versehen wieder in den Roller. Das Benzin bleibt jetzt da wo es hingehört, was das Hauptproblem an der Karre abstellt. Soweit so gut. Danach ging es dann an die Baustelle, von der ich schon befürchtet hatte, dass sie sich wehren würde, den Vergaser.

Eigentlich sollte es hier ja mit einer neuen Schwimmerkammerdichtung getan sein. Positiv ist, dass die Dichtung aus dem Reparatursatz tatsächlich passte, bei den Chinakisten keineswegs selbstverständlich. Tatsächlich hielt der Vergaser anschließend auch dicht. 

 Weniger optimal ist die Passform des neuen Luftfilters. Hier muss auf jeden Fall noch was passieren, aber erstmal sollte sich die Sache so testen lassen. Zeit den Motor zum ersten Mal zu starten.


 Der Motor läuft, das ist aber auch schon alles was man positiv bemerken kann. Denn es schnorchelt furchtbar, sehr wahrscheinlich aus dem völlig maroden Sekundärluftsystem und der Motor nimmt kein Gas an. Ebenso reagiert er nicht auf Einstellversuche am Vergaser. Gut möglich, dass das Sekundärluftsystem damit zu tun hat, oder aber der Vergaser ist noch immer nicht in Ordnung. Aber es kann natürlich auch sein, dass der Motor doch was abbekommen hat. Das wird die Zukunft zeigen, denn ich werde wohl das Sekundärluftsystem demnächst komplett entfernen. Was nicht da ist macht keinen Ärger.

Für heute habe ich nur noch die neuen Lenkerarmaturen montiert und die Bremse entlüftet. Immerhin das funktioniert. Zumindest solange man die absolut nicht passenden Griffgummis nicht beachtet. Aber das ist nur ein kleines Problem. Demnächst geht es weiter, wohl mit einem Motorausbau.

Es war ja klar, dass das nicht so einfach werden würde.

Donnerstag, 14. Januar 2021

Black Bomber: Benzinhahn-Kalamitäten die werweißwievielte

 Der TPH macht seinen Job als Winterroller gut, richtig gut. Ich bin tatsächlich schon lange nicht mehr so viel im Winter gefahren, einfach weil ich schon lange keinen so guten Winterroller mehr hatte. Das Viech funktioniert einfach wunderbar und die "ismirvölligwurscht" Optik sorgt dafür, dass man durchaus auch den einen oder anderen Blödsinn mit der Karre machen kann.

Allerdings gibt es eine penetrante Dauerbaustelle, die mich furchtbar aufregt. In den letzten zwei Monaten habe ich den Benzinhahn insgesamt dreimal gewechselt. Einfach weil die Dinger immer wieder undicht werden und der Roller Benzin verliert. Der aktuelle, ein Produkt eines durchaus namhaften Herstellers, hat jetzt gute vier Wochen gehalten und damit einen neuen Rekord für Langlebigkeit aufgestellt. Zumindest in Relation.

Wenn der Roller länger als ein paar Stunden steht, bildet sich unter der Karre ein Ölfleck, das Resultat ausgelaufener Zweitaktmischung. Es nervt einfach. Nicht nur weil es eine Sauerei und Umweltgefahr ist, sondern auch weil Benzin verloren geht das Geld kostet. Darum habe ich den TPH gestern vorzeitig aus dem Verkehr gezogen und in die Werkstatt gekarrt. Winterdienst hat jetzt (erstmal) der Zip.


Bei näherer Betrachtung zeigte sich dann, dass es genau so war wie vermutet. Der Sprit kommt aus dem Luftfilterkasten, wohin er läuft wenn der Vergaser überfließt. Diese Version des PHVA hat keinen direkten Überlauf, sondern flutet eben den Luftfilterkasten.

Daraus folgt, dass der Vergaser selbst vermutlich auch nicht mehr so richtig toll ist und ihm ein neues Schwimmerventil nicht schaden würde. Das erklärt aber noch nicht den dauernden Benzinaustritt. Dazu braucht es ja Druck auf dem System und der kann eigentlich nur bei offenem Benzinhahn entstehen.

Das Foto zeigt übrigens schön das nächste Dauerproblem: Aktuell lieferbare Ansaugstutzen für diese Motoren sind ausnahmslos Dreck. Das Teil auf dem Foto ist kein halbes Jahr alt und schon wieder mit Rissen überzogen. Auch hierbei handelt es sich um Markenware.

Den Ansaugstutzen habe ich aber erstmal ignoriert und den Benzinhahn angeschaut. Aus beiden Anschlüssen, also Benzinleitung und Unterdruckanschluss, fließt fröhlich und ungehindert der Sprit. Das Teil ist innerlich also völlig hinüber. Es folgte also die vertraute Übung, den Tank komplett abzulassen.

Ich habe von diesen Benzinhähnen ehrlich gesagt ziemlich die Nase voll. Darum folgte nun der Umbau auf einen manuellen Hahn. Den Unterdruckschlauch habe ich dazu erstmal mit einer Schraube verschlossen, das lässt sich schöner lösen, aber ich will den Roller eigentlich nur zurück auf die Straße bringen. Dafür tut es das erstmal. Im Frühjahr muss der Vergaser dann sowieso raus und komplett überholt werden.

In der stillen Hoffnung, dass es diesmal auf Dauer funktioniert, habe ich in einen (brutal teuren) originalen Benzinhahn vom Zip 25 investiert. Mal sehen ob das Ding dauerhaft für Ruhe an dieser Front sorgt. Beim TPH ist der Weg mit dem manuellen Hahn ja recht gut gangbar, denn der Benzinhahn ist hier leicht zugänglich.

Abschließend habe ich das Ding dann noch getestet, zumindest aktuell scheint es dicht zu halten. Der Roller bleibt aber ganz bewusst noch ein paar Tage auf dem Hubtisch. Ohne Luftfiltereinsatz, einfach mit man sieht ob es wieder sabbert.



Samstag, 9. Januar 2021

Casalini Sulky: italienische Spurensuche

Grundsätzlich ist der Sulky ja in ziemlich gutem Zustand. Die geringe Laufleistung und das trockene Klima haben ihn recht gut altern lassen, aber trotzdem gibt es bei einem 30 Jahre alten Fahrzeug natürlich einiges zu tun.

Unter anderem war der Chokezug defekt. Michael hatte diesen noch getauscht, doch der neue Zug (aus der Ape 50) wollte einfach nicht im Chokehebel des Sulky halten. Grund dafür war einfach, dass die Zughülle nicht ausreichend vorgespannt war.

Eine Zugführungshülse von einer Vespa löste dieses Problem dadurch, dass sie die Zughülle künstlich verkürzt und so für die nötige Vorspannung sorgte. Jetzt funktioniert auch der Choke zuverlässig, was das Anlassen des Sulky deutlich vereinfacht.

Danach ging es darum den penetranten Benzingeruch im Innenraum zu beseitigen. Eine der Ursache dafür war der völlig versprödete Gummischlauch zum Tankstutzen.

An dieser Stelle ist eine gasdichte Verbindung nicht nur vorgeschrieben sondern auch wünschenswert. Etwas, das ohne ein Neuteil nicht mehr zu erreichen sein wird.

Der Tank ist eines der ganz wenigen Teile, die sich der Sulky nicht mit anderen Fahrzeugen teilt. Er ist speziell für die rechte Ecke im Kofferraum geformt und wird durch ein Loch im Wagenboden angeschlossen. Zudem ist er mit einer einzelnen Schraube fixiert. Diese Schraube zu lösen erforderte einen langen Kampf, aber irgendwann gaben Rost und Gammel auf. Vermutlich ist es das erste Mal seit 1990, dass der Tank das Fahrzeug verlassen hat.

Da ich schon dabei war, wollte ich natürlich das komplette Kraftstoffsystem des kleinen Italieners überarbeiten. Dazu zählt auch eine weitere Besonderheit, der elektromagnetische Benzinhahn. Dieser war bei Thums Sulky überbrückt und nicht an die Fahrzeugelektrik angeschlossen. Es lag also der Verdacht nahe, dass das Teil defekt sei. Zur Prüfung baut man es sinnvollerweise aus, was leider die Demontage der kompletten Heckverkleidung erfordert.

Auf der Werkbank war es dann möglich, das Teil zu prüfen. Tatsächlich funktioniert es einwandfrei. Ebenso die entsprechende Elektrik im Auto, warum das Teil deaktiviert wurde bleibt also ein Rätsel.

Immerhin war so die Gelegenheit, den einzigen echten Schaden in diesem Bereich zu beseitigen: einen Riss in der Stoßstangenecke. 

Für solche Fälle sind Popnieten und Alublech natürlich noch immer die beste Lösung ;)

Blechseitig ist der Sulky in einen wahrhaft traumhaften Zustand. Zwei kleine, nur oberflächliche Anrostungen waren alles und schnell beseitigt. 

Damit das so bleibt, gab es für das später nicht mehr zugängliche Heckblech gleich noch eine Ladung Karosserieschutzwachs. Wenn der neue Einfüllschlauch angekommen ist geht es weiter, bis dahin ist Zeit, den Tank auszuwaschen und äußerlich zu reinigen.


Sonntag, 3. Januar 2021

Chopperding: Sonntagsschicht

Es ist ziemlich selten, dass ich am Sonntag in die Werkstatt fahre. Aber manchmal bietet es sich an, etwa wenn das Wetter die eigentlichen Sonntagspläne durchkreuzt.

Hauptsächlich warte ich zur Zeit auf die Ersatzteile für den Chinaroller. Da diese wohl noch etwas auf sich warten lassen ist im Grunde nicht viel zu tun. Was aber geht sind Stylingarbeiten.

Denn wie gesagt: Im Originalzustand mag mir der Roller nicht gefallen. Er wirkt doch arg einfarbig und zugleich schrecklich schwülstig. Obwohl die Grundform eigentlich ganz schick ist. Etwas Farbe sollte helfen das aufzubrechen.

Während die Teile für das Heck trockneten habe ich die Frontverkleidung abmontiert. Denn am Beinschild war der einzige echte grobe Karosserieschaden am ganzen Fahrzeug.

Das ausgebrochene Stück war zum Glück noch da und somit war es leicht, es einfach wieder anzukleben. Auch weil mein Anspruch an die optische Perfektion in diesem Fall mal wieder recht niedrig ist.

Das Beinschild-Innenteil bekam auch etwas blaue Farbe ab, so wirkt das ganze Fahrzeug gleich deutlich freundlicher.


Mit den blauen Akzenten wirkt der Roller deutlich weniger klotzig und freundlicher (außerdem passt er farblich besser zur Hebebühne). An der Front muss aber noch ein bisschen was passieren. Auch die Lenkerform mag mir nicht so recht gefallen, aber eine echte Idee dazu habe ich noch nicht.








Freitag, 1. Januar 2021

Casalini Sulky: etwas wärmer und etwas leiser

Thums Neuerwerbung, der Casalini Sulky SP50, wurde vor ein paar Tagen geliefert. Michael hat ein paar der grundlegenden Arbeiten gemacht, Ölwechsel, neue Reifen aufziehen und solche Dinge. Doch das heißt nicht, dass das Fahrzeug fertig sei.

Wer auch immer die Kiste in Italien gefahren ist, er wohnte scheinbar in einer ausgesprochen warmen Gegend. Denn die Heizung, die eigentlich serienmäßig zum Sulky gehört, glänzte durch vollständige Abwesenheit. Im Erzgebirge ist das natürlich völlig unbrauchbar, denn der Thum soll ja nicht als Tiefkühlkost enden.

 

Der Umstand, dass der Sulky auf Apetechnik basiert man die Sache natürlich einfacher. Denn der Sito-Auspuff mit Wärmetauscher für die 50er Ape lässt sich mit geringen Modifikationen problemlos einbauen. 

So richtig gut funktioniert hat das dann allerdings nicht, denn die warme Luft wollte ihren Weg nicht in den Fahrgastraum finden. Ursache dafür war die völlig zerbröselte und alles verstopfende Innenisolation des originalen Heißluftrohres. 

Die Lösung dafür war ein Verschnittstück der Heizungsschläuche aus dem Motorraum. Es passt genau an die Luftführung unter der Sitzbank. Eine saubere Lösung die für ordentliche Heizleistung sorgt.

Damit waren die heutigen Arbeiten aber noch nicht abgeschlossen. Denn zu einer ordentlichen Heizung gehört auch eine sinnvolle Dämmung. Die Motorhaube des Sulky ist letztlich nur ein Holzbrett, nicht wirklich ideal und darum schon ab Werk mit Schaumstoff gedämmt. Von diesem Schaumgummi war aber nicht sonderlich viel übrig. Also raus mit dem Deckel und neu dämmen.

Zunächst habe ich, um Gewicht rein zu bringen und den Deckel zu entklappern, ein Reststück Bautenschutzmatte an den Motordeckel geklammern.

Darüber kam dann eine selbstklebende (und zusätzlich angeklammerte) Motorhaubendämmmatte aus dem Autozubehör. Deren Ränder habe ich zudem mit Aluklebeband gegen eindringendes Wasser, Viecher und Ausfransen geschützt.

Vermutlich hat es in der gesamten Geschichte des Casalini Sulky noch nie einen besser gedämmten Motorraum gegeben. Im Innenraum ist es jetzt auf jeden Fall deutlich wärmer und leiser, also genau so wie es sein sollte.

Zum Feierabend ergab sich dann noch die Gelegenheit zu einem lustigen Gruppenfoto. Elenator und Sulky passen hervorragend zusammen, irgendwie.