Mittwoch, 12. Dezember 2018

Glubschi: die Freuden des Besitzes exotischer Fahrzeuge

Wie berichtet hatte der Centro ein kleines Problemchen mit seinem Hinterrad:
Der Reifen war der DOT-Nummer nach noch derjenige welche, der 1996 im Malagutiwerk auf die Felge gekommen war, der Schlauch vermutlich ebenso. Insofern ist es kein Drama wenn Ersatz fällig ist. Rollerreifen sind ja eigentlich problemlos zu bekommen, dachte ich mir und übergab das Rad am Montag meinem Lieblings-Reifenmenschen.

Aus vermutlich nachvollziehbaren Gründen habe ich eine tief sitzende Abneigung gegen Billigreifen asiatischer und sonstiger Herkunft. Darum hatte ich den Reifenmenschen beauftragt einen möglichst hochwertigen Gummi auf die Felge zu ziehen, ein Unterfangen das sich leider als undurchführbar herausstellte. Der am Sonntag kläglich auf dem Feldweg verendete Uraltreifen war ein VeeRubber VRM100 der exotischen Größe 3.00-14, eine Reifengröße die so exotisch ist, dass besagter Gummirundling aus dem fernsten Winkel des fernen Ostens der einzig verfügbare Typ dieser Größe ist. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als wieder einen solchen aufziehen zu lassen. Immerhin ist ein Qualitätsschlauch aus dem Hause Heidenau in der nötigen Größe verfügbar gewesen.
Heute Morgen konnte ich das frisch bereifte Hinterrad beim Reifenmenschen abholen, in der Hoffnung, dass der Reifen meine Vorurteile gegenüber seiner Herkunft nicht bestätigt. Immerhin ist damit wieder eine kleine Teilbaustelle auf dem Weg zum fahrtauglichen Centro erledigt.


Sonntag, 9. Dezember 2018

Glubschi fährt ... beinahe

Die erste, recht überschaubare, Lieferung von Ersatzteilen für den Centro war gestern in der Post. Darum bin ich heute, entgegen meinen üblichen Gewohnheiten, zur Werkstatt rausgefahren. Denn ich war doch recht neugierig, ob der Roller mit so wenig Drama wie erhofft zum Fahren zu bringen sei.
Die Uhr hatte sich ja tatsächlich mit einer neuen Knopfzelle zum Leben erwecken lassen. Darum habe ich damit gleich begonnen, und den Zeitmesser wieder ins Cockpit eingesetzt.
Danach ging es an die neuen Benzinleitungen, der wichtigste Teil der Arbeit.
Mit der neuen Benzinpumpe war der Roller dann bereit für einen ersten Startversuch. Allerdings kam dabei das erste unerwartete Problem zu Tage: Das T-Stück in der Treibstoffleitung hatte ein Loch.
Ob das nun schon vorher so gewesen war, oder ob der alte Kunststoff beim Zusammenbau kapituliert hat ist erstmal egal. Ich hatte kein T-Stück da, also Baustopp? Nein, notfalls kann man ja auch nur eine Tankhälfte anschließen, und die andere Seite mit einer Klamme verschließen.
Das kann natürlich nicht so bleiben, für einen Testlauf reicht es aber. Darum habe ich als nächstes die Verkleidung provisorisch angebaut und den Roller zu meiner "Teststrecke" auf dem privaten Feldweg gebracht.
Die Probefahrt war sehr positiv, denn der Roller läuft sauber und zieht gut durch. Es scheint als sei er grundsätzlich wirklich so gut erhalten wie erhofft. Vom Schlauch des Hinterreifen kann man das allerdings nicht behaupten, denn dieser verabschiedete sich nach kurzer Fahrt mit einem lauten Knall.
Die Probefahrt war damit natürlich erstmal zu Ende, aber ich hatte eh vor die Reifen zu erneuern, denn sie sind so alt wie der Roller. 
Nun ist es bei einem unbekannten Roller natürlich immer etwas kitzelig den Auspuff abzubauen. In diesem Fall ging es problemlos, keine eingerosteten oder vernudelten Schrauben standen im Weg. Dass der Auspuff ziemlich rotte ist wurde dabei aber leider auch deutlich, er ist zwar noch dicht, aber großartig aufarbeiten werde ich ihn nicht mehr denn er wird vermutlich nicht mehr lange halten. 
Wie zu erwarten wehrte sich das Hinterrad selbst am meisten gegen die Demontage. Die Zentralmutter hatte seit 1996 niemand geöffnet, aber mein altbewährter Überredungskünstler half auch hier weiter.
Positiv sind die praktisch neuwertigen Bremsbeläge, der Markung nach übrigens auch Originalteile von 1996.
Damit war dann aber für heute endgültig Feierabend, denn ohne ein brauchbares Hinterrad und ein neues T-Stück kann ich nicht sinnvoll weiterarbeiten. So ein T-Stück sollte sich aber problemlos beschaffen lassen und das Hinterrad geht wenn möglich noch morgen zum Reifenhändler.

Freitag, 7. Dezember 2018

Glubschi lebt!

Gestern Abend war es mir ja nicht mehr gelungen, den Centro wirklich sinnvoll zum Laufen zu bringen. Primär lag dies natürlich daran, dass die vorhandene Treibstoffpumpe defekt war. Das ist allerdings nicht die ganze Wahrheit, denn eigentlich habe ich einen Benzintropf für solche Fälle, dumm nur, dass der alte Eigenbau mittlerweile so abgerockt war, dass er nicht mehr sicher benutzt werden konnte. 
Normalerweise bin ich ja ein Fan von selbstgebauten Werkzeugen, aber manche Dinge sind einfach besser wenn man sie fertig kauft. Darum habe ich mir heute Morgen erstmal einen professionellen Benzintropf zugelegt. 
So gerüstet bekam der Centro seinen Sprit auf direktem Weg per guter alter Schwerkraft. Daran, dass der Motor nicht wirklich lief änderte das aber nichts. Zwar sprang der Roller an, lief aber nur unwillig und ging immer wieder aus. 
Die eingebaute Zündkerze sprach ein deutliches Bild: schwarzer Schleim auf der völlig verbrannten Elektrode. Zeit für eine neue Zündkerze aus dem Fundus und einen neuen Luftfilter. 
Der eingebaute Filter hatte es ziemlich endgültig hinter sich, schwarzer Kleister lässt einfach zu wenig Luft durch als dass ein Motor sinnvoll damit laufen könne. Nun ist der Motor des Centro glücklicherweise baugleich zum Motor meines Neos, einen neuen Luftfilter hatte ich also da.
Vorher bekam das Gehäuse aber noch eine gründliche Reinigung, denn einen neuen Filter in einen völlig verschmierten Kasten zu bauen macht wenig Sinn.
Das originale Luftfiltergehäuse ist aber grundsätzlich in sehr gutem Zustand. Nur der Ansauggummi hat es hinter sich, aber da ich keinen neuen mehr da hatte kommt erstmal der alte wieder rein.
Um ganz sicher zu gehen habe ich anschließend den Vergaser nochmal gereinigt. Tatsächlich war wieder etwas Dreck in der Nebendüse, was dem Roller natürlich auch nicht unbedingt hilft. 
Auf jeden Fall war diese Aktion dann von Erfolg gekrönt und zum ersten Mal lief der Centro ruhig und sauber vor sich hin. 
Nachdem nun endgültig bewiesen war, dass der Motor grundsätzlich gesund ist, habe ich mir noch den Antriebsstrang vorgenommen. Da die Laufleistung des Rollers relativ niedrig ist (knapp über 10.000km) ist anzunehmen, dass hier noch nie sonderlich viel gemacht wurde.
Tatsächlich ist in diesem Bereich auch alles soweit in Ordnung. Insbesondere der sehr gute Zustand aller Gewinde und Verzahnungen ist bemerkenswert. An diesem Roller wurde scheinbar wirklich nicht grob herumgepfuscht.
Der Anlasserfreilauf ist in Ordnung und die Menge an Abrieb im Antriebskasten hält sich in Grenzen.
Der Variator ist ein Originalteil und die Fliehgewichte sind vermutlich noch die ersten. Entsprechend sind sie etwas eingelaufen, aber durchaus noch in einem Zustand, der Probefahrten erlaubt. Bevor der Roller zurück auf die Straße kommt braucht er aber neue Gewichte. 
Ähnlich sieht es bei Kupplung und Antriebsriemen aus. Der Riemen ist ein älteres Zubehörteil, wurde also schon mal ausgetauscht. Ihn könnte man grundsätzlich belassen, allerdings werde ich wohl trotzdem einen neuen einbauen. 
Die Kupplung zeugt davon, dass der Roller sehr viel Stadtverkehr gesehen hat. Von den Belägen ist kaum noch etwas übrig, hier ist ein Neuteil nötig. An den Antrieb muss ich also nochmal beigehen bevor der Roller auf die Straße zurück kann.
Neue Gewichte, Riemen, Kupplung und Glocke ist bei einem Fahrzeug dieses Alters aber zu erwarten und kein Problem.
 
Als letzter Punkt der Inspektion bleiben noch zwei Dinge übrig. Zum eine die Bremsflüssigkeit und zum anderen der "Fluch der 90er Jahre-Roller", nämlich die Batterie der Cockpituhr. Für beide Dinge muss natürlich die Lenkerverkleidung runter.
Die Cockpituhr ist soweit in gutem Zustand und die Batterie nicht ausgelaufen, es besteht also Hoffnung das Teil retten zu können. Ein seltener Umstand und es wäre natürlich cool, wenn die Uhr wieder funktionieren würde.
So freigelegt ist natürlich auch die Bremspumpe gut zugänglich.
Die Bremsflüssigkeit ist, wie erwartet, hinüber und alt, aber eben auch nicht uralt. Auch hier zeigt sich wiedereinmal  der gute Wartungszustand der Maschine. Ein gebrauchter Fuffiroller bei dem tatsächlich in der Vergangenheit die Bremsflüssigkeit gewechselt wurde, ich glaube demnächst wundert es mich auch nicht wenn ein Einhorn in der Werkstatt stehen sollte.

Klingonenkreuzer: dunkelbunt

Heute hatte ich endlich Zeit mich um das Topcase vom Neos zu kümmern. Die Alukiste war natürlich mittlerweile gute getrocknet, also drauf damit.
Der Gepäckträger ist beim Neos eigentlich dafür gedacht, Topcases mit einem spezifischen Adapter direkt auf den Träger zu setzen. Darum sind vier Löcher vorhanden, die jedoch nicht vollständig durchbohrt sind. 
Der erste Schritt war darum, diese Bohrungen durchgehend zu machen. Anschließend kam die Kisten lose auf den Träger.
Die angezeichnete Mittellinie hilft beim Ausrichten. Von unten her habe ich dann vier passende Löcher in den Kistenboden gebohrt.
Schrauben durch und gut ist. So sollte die Kiste eigentlich halten. Allerdings werde ich bei den ersten Fahrten nochmal besonders darauf achten, ob das Alublech nicht doch reißt. Die großen Karosserieschreiben sollten den Druck zwar gleichmäßig verteilen, so ganz traue ich dieser Bauweise aber noch nicht. 
Die innere Naht des Bodenblechs sowie die großen Löcher im Boden habe ich dann noch mit Silikon und Panzertape abgedichtet. So sollte es im Case eigentlich trocken bleiben. 
Das Ergebnis gefällt mir so sehr gut. Die Kiste wirkt nicht mehr wie ein Fremdkörper sondern passt farblich zum Rest des Fahrzeugs. Der Schriftzug hinten muss natürlich wieder drauf, allerdings werde ich diesen wohl als Aufkleber schneiden lassen.
Vorerst muss aber erstmal das Silikon trocknen, danach kann ich dann den Roller fertig zusammenbauen und eine echte Probefahrt unternehmen. Bis auf den fälligen Flüssigkeitswechsel ist der Roller aber soweit fertig und bereit für die nächste Saison.


Donnerstag, 6. Dezember 2018

das Ding aus Bologna

Immer wieder mal gelingt es einem Hersteller, meistens unbeabsichtigt, ein Fahrzeug zu kreieren, dass gute Lösungsansätze in einer maximal unattraktiven Hülle verpackt. Der Fiat Multipla ist ein klassisches Beispiel dafür, der Malaguti Centro allerdings auch.

Großradroller neigen grundsätzlich zu einer etwas gewöhnungsbedürftigen Optik, im Falle des Centros kommt noch dazu, dass die einzelnen Segmente der Karosserie vermutlich von Designern gezeichnet wurden, die nichts von der Arbeit ihrer anderen Kollegen bei diesem Projekt wussten. Entsprechend wild zusammengewürfelt sieht das Ergebnis aus. Der riesige Doppelscheinwerfer sorgt zudem dafür, dass diese Konstruktion der legendären Marke aus Bologna nie in den Olymp der Rollerschönheit aufsteigen wird.
Dem gegenüber stehen jedoch eine, für den Hersteller typische, extrem solide Konstruktion mit sehr guten Fahreigenschaften. Zudem ist den Konstrukteuren etwas gelungen, das bei Großradrollern nicht selbstverständlich ist: Der Centro bietet brauchbaren Stauraum. Der Trick dahinter ist so simpel wie genial: Der Tank befindet sich in der bauchigen Frontmaske. Das 8,2l Spritfass fällt zudem für einen Fuffiroller riesig aus und ist sehr gut befüllbar, eigentlich eine perfekte Sache. Wenn dann ein Exemplar dieses seltenen Rollers günstig auftaucht, dann kann ich eigentlich nicht anders als zuschlagen.
So fand eben heute diese weinrote Absonderlichkeit ihren Weg in meine Werkstatt. 
 
Der Roller hat eine recht interessante und gut belegte Vorgeschichte. Der Erstbesitzer, von dem ich das Fahrzeug gekauft habe, hatte den Roller 1998 bei einem Markenhändler in Ingolstadt für seine Frau erworben. Das Kaufdatum ist insofern interessant, als der Roller Baujahr 1996 ist. Er hatte also bereits eine gewisse Übung im Rumstehen, eine Aufgabe der er bei der Gattin des Käufers recht zuverlässig nach kam. 2014 war dann das Töchterlein des Besitzers die Treibende Kraft hinter einer Reaktivierung des skurrilen Italieners, allerdings endete diese Beziehung bereits 2016. Seither stand der Roller wieder nur herum und im Weg, was ihm dann endgültig einen Platz in den Kleinanzeige einbrachte. 
 
Der einzige grobe Mangel ist die heraus gebrochene Gepäckträgeraufnahme. Aber das ist erstmal wuscht, fahren tut so ein Roller ja auch ohne Gepäckträger.
Wie das bei solchen Standleichen eben ist, geht natürlich erstmal gar nix. Mit der Batterie aus dem Klingonenkreuzer konnte ich zwar die Elektrik wieder aktivieren, aber an einen Motorstart war nicht zu denken.
Nachdem der Roller mit etwas Starthilfespray auf den ersten Kick kurz anruckte hatte ich aber Hoffnung, dass er heute noch fahren würde. Nun ist Hoffnung aber bekanntlich der erste Schritt auf der Straße der Enttäuschungen.
Dabei sah es eigentlich recht gut aus. Der Vergaser lies sich gut reinigen und ist in gutem Zustand, wie überhaupt der Roller in sehr gutem Zustand zu sein scheint. Allerdings läuft er trotzdem nur solange Sprit im Vergaser ist. 
Es half also nichts, die Verkleidung muss fast komplett runter denn nur so lassen sich die Treibstoffleitungen sinnvoll verfolgen. Die Benzinpumpe sitzt unter dem Trittbrett und ist vermutlich die Ursache des Problems. Denn es kommt einfach nicht genug Sprit am Vergaser an. Um die Benzinpumpe ausbauen zu können, musste ich natürlich den ganzen Sprit ablassen. 
Jetzt steht also erstmal warten auf dem Programm. Denn ohne eine neuen Benzinpumpe (und Ersatz für die völlig versteinerten Leitungen) kann ich nicht wirklich sinnvoll weitermachen. 


btw: Einen Namen hat die Karre auch schon: Das Tankstellenfoto oben hatte ich direkt nach der Aufnahme an eine Freundin geschickt. Die Antwort: "Ach wie süß, ein Glubschi!" legte dann den Namen fest. ;)