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Freitag, 29. Dezember 2023

„Kleinkrafträder frei, ein Geschenk der Moderne an die Fahrer alter Karren

 

Manch ein Zeitgenosse mag mich für ein bei der Sintflut vergessenes Urvieh halten. Ich wohne in einer Wohnung mit Möbeln, die größtenteils noch aus Omas Zeiten stammen, ich habe keinen Fernseher und diese Zeilen tippe ich auf einem Computer, den die heutige Jugend vermutlich neben der Totenmaske Tutanchamuns in den Schrein der archäologischen Sehenswürdigkeiten stellen würde. Außerdem fahre ich – überaus gerne sogar – Tag für Tag mit geradezu vorsintflutlichen Fahrzeugen in der Gegend herum.

Man könnte also meinen, dass ich zu jenen Menschen zähle, die die Neuzeit nicht sonderlich schätzen. Doch das stimmt nicht. Moderne Entwicklungen haben durchaus ihre Vorzüge und bisweilen erhält die Gemeinschaft der Urviecher, zu denen auch ein Großteil meiner Kanalzuschauer und Blogleser zählen dürfte, von der Moderne ein kleines Geschenk.

 

Rund um größere Städte entstehen seit einigen Jahren neue Wegenetze für Radfahrer. Das ist gut, denn es bietet eine Reihe von Vorteilen. So dürfen ja schon seit vielen Jahren Mofas, egal wie sie angetrieben werden, außerhalb geschlossener Ortschaften auf dem Radweg fahren, auch wenn dieser nicht durch ein Zusatzschild (Verkehrszeichen 1022-11) freigegeben ist. Das gilt natürlich auch für die neuen Radschnellwege. Vielerorts sind die Radschnellwege aber auch für Kleinkrafträder freigegeben. Der Primärgrund hierfür ist, dass somit diese Wege auch von sogenannten E-Bikes, also schnell laufenden Elektrofahrrädern, die ein Versicherungskennzeichen benötigen, befahren werden dürfen. Diese sind straßenverkehrsrechtlich betrachtet Kleinkrafträder. Genau wie klassische Mopeds und Roller eben auch, die damit auf diesen Wegen ebenso fahren dürfen.

Gerade auf gut ausgebauten, breiten, oft straßenähnlichen Radschnellwegen kann dies durchaus sinnvoll sein und ohne die Gefährdung oder Behinderung anderer geschehen. Außerdem eröffnet es vielerorts die Möglichkeit, kürzere oder sicherere Strecken zu befahren. Etwa bestimmte Brücken oder Straßenunterführungen.

 


Es kann sich also durchaus lohnen, sich in der Gegend umzusehen, denn oft sind diese Strecken nicht nur praktisch und sicher, sondern auch sehr schön zu befahren. Es gilt hier aber wohl ganz besonders, dass man sich so verhalten sollte, dass niemand gestört wird. Denn noch gibt es keine Unterscheidung zwischen modernen Elektro-Kleinkrafträdern und solchen, in klassischer Bauweise. Es wäre schön, wenn das so bleiben würde, da bin ich dann wieder ganz altmodisch.

Donnerstag, 21. April 2022

Sinnfindung in den Osterferien

Es ist nun schon eine ganze Zeit lang her, dass ich hier im Blog etwas geschrieben habe. In letzter Zeit lag der Fokus einfach mehr auf den Videos für Youtube, außerdem war auch sonst ziemlich viel los und einfach keine Zeit, sich um den Blog zu kümmern.

Über die Ostertage war ich zum ersten Mal dieses Jahr etwas unterwegs. Eine liebe Freundin hatte mich nach Hessen eingeladen. Die Idee war etwas Schrauberhilfe bei den technischen Vorbereitungen zu einer größeren Rollerreise und ein bisschen gemeinsames Rollerfahren. Aber wie gesagt, Zeit ist knapp und so ging es mit dem Golf mit Anhänger auf Tour.

Den Kymco Curio hatte ich ausgewählt, weil er einfach der nächste greifbare Roller war. Außerdem ist er ja noch nicht lange Teil der Flotte und so war es spannend zu sehen, ob sich der alte Taiwaner auch als Tourer bewähren würde.

Den Karfreitag über einfach mal in aller Seelenruhe über Land fahren war aber der wesentliche Einstieg in ein ruhiges Wochenende. Einfach mal ganz bewusst langsam machen ist schon sehr schön.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der angesprochenen Reisevorbereitungen. Auch wenn das der Grand Dink grundsätzlich in sehr gutem Zustand ist, so braucht eine gründliche Inspektion eben Zeit und man findet natürlich auch die eine oder andere Sache.


Ostersonntag war dann zum Ausgleich ein entspannter Tourentag. Nordhessen ist eine Gegend, in der ich mich nicht sonderlich gut auskenne und noch nicht so oft war. Entsprechend viel gab es dann für mich zu entdecken. 

Es ist eine wunderbar abwechslungsreiche Landschaft mit historischen Orten und langsamen Straßen. Eigentlich ein ideales Revier für Roller- und Motorradfahrer. Das absolute Highlight des Tages war für mich aber die Ruine Amöneburg, die über dem gleichnamigen Ort auf einem Bergkegel liegt.


Es ist einer jener Orte, an denen sich ganz besonders gut Träumen lässt. Von weiteren Rollertouren zum Beispiel. 

Am Ostermontag ging es aber erst mal nach Hause. Wieder schön langsam und entspannt, einfach um die Ruhe zu genießen und den Tag dazu zu nutzen, etwas runterzukommen.
Der Curio ist als Tourer übrigens ganz brauchbar, aber nicht sonderlich bequem. Er bleibt also wohl Stadtschrupper und Alltagsmoped, aber das macht ja nix.


Donnerstag, 10. Februar 2022

Warum tut man sich sowas eigentlich an?

Eigentlich hatte ich ja vor, den Blog nicht mehr als Schraubertagebuch zu führen. Dieser Vorsatz steht auch immer noch. Trotzdem habe ich heute wieder einmal ein paar Schrauberbilder aus der Werkstatt für euch.

Vor einigen Wochen ist mir ein zweiter Bajaj Sunny "zugelaufen". Eine etwas andere Ausführung als der bei Bloglesern und Kanalzuschauern bereits bekannte blaue Roller. Aber ich will hier nicht vorgreifen, denn der Neuzugang wird demnächst Gegenstand einer kleinen Videoreihe auf Youtube sein.

Mir geht es jetzt um etwas anderes, denn die Tage habe ich mich mal wieder mit dem Ding befasst und den Hauptständer in Ordnung gebracht. Das klingt nun zunächst nicht weiter spektakulär und eigentlich ist es das auch nicht. Es ist eine Arbeit, die bei viel gefahrenen Rollern von Zeit zu Zeit ansteht, denn letztlich ist der Ständer ein Verschleißteil. Beim Bajaj Sunny gibt es da aber ein kleines Problem: Neuteile sind nicht mehr zu bekommen. Der arg vernudelte Ständer musste also gerettet werden.


Ich habe in der Vergangenheit schon öfters erklärt, wie man das macht. Entrosten, Brüche und Risse zuschweißen und die ausgenudelten Montageaugen durch aufschweißen von neuem Metall und ausbohren wieder benutzbar machen. Nichts davon ist sonderlich schwierig, es ist einfach nur eine zeitraubende Fleißarbeit.


Wenn man die Zeit dazurechnet, die nötig war, um den völlig festgebackenen Montagebolzen aus dem Motorgehäuse zu bohren, so hat es etwa fünf Stunden gedauert, aus einem Haufen verbogenen und vergammelten Schrott wieder einen benutzbaren Hauptständer zu machen. Die Anfertigung eines neuen Montagebolzens habe ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, noch vor mir, aber darum soll es ja wie gesagt nicht gehen.

Mich hat nämlich vor einiger Zeit ein Kanalzuschauer angeschrieben und eine recht interessante Frage gestellt. Nämlich die Frage, warum ich das eigentlich mache. Also alte, von den meisten Menschen ungewollte Roller wieder aufarbeite. Zeit, Arbeit und Geld in etwas investiere, das hinterher keinen sonderlich hohen monetären Wert hat. Der Bajaj ist dafür ein schönes Beispiel, denn wirtschaftlich sinnvoll ist diese Aktion nicht. 

Der Fragesteller meinte die Frage übrigens in keiner Weise herabwürdigend, denn er hat gleich noch hinzugefügt, dass er meine Arbeit spannend findet und die Videos sehr gerne ansieht. Auch weil ihm sowohl das Talent als auch die Geduld für solche Arbeiten fehlen würde. Es mag ihn überrascht haben, dass ich mich auch als eher ungeduldigen Menschen betrachte. Aus einem unerfindlichen Grund finde ich es aber beruhigen und entspannend, wenn ich an solchen Dingen arbeite. Eine Art Zenmeditation mit Werkzeug sozusagen, aber das trifft es wohl auch nicht richtig, Richtiger ist wohl eher, dass ich die seltsame Befriedigung jage, die daraus resultiert, wenn man aus einem Haufen nutzlosem Schrott ein nützliches - oder wenigstens benutzbares - Objekt gemacht hat. 

Wir leben in Zeiten, in denen nahezu alles ersetzbar und kurzlebig ist. Kauft man ein Ding, so kommt es direkt mit einer Anleitung, wie man es nach Nutzung zu entsorgen hat. Ich finde das ehrlich gesagt traurig. Aus dieser Einstellung resultiert wohl auch meine Vorliebe für alte Dinge, denn meistens wurden diese auch im Hinblick auf Reparaturen gebaut. Ein Gehäuse zu verkleben ist sicher billiger und einfacher als es mit Schrauben zu verschließen. Dem dauerhaften Erhalt ist es jedoch nicht zuträglich.

In letzter Zeit wird sehr viel über sparsamen Umgang mit Ressourcen diskutiert. In mancher Hinsicht ist es vermutlich sparsamer und nachhaltiger, alte Dinge zu reparieren als durch neue zu ersetzen. Im Bezug auf meinen Sunny mag das eine rein akademische Überlegung sein, denn Alltagsfahrzeug wird dieser Roller wohl nie mehr sein, dennoch lohnt es sich, über diesen Aspekt nachzudenken.

Im Übrigen repariere ich nicht nur gerne Roller, sondern auch andere Dinge.





Dienstag, 28. Dezember 2021

Dolce Vita im Getränkemarkt


 Die Leser dieses Blogs (und natürlich auch die Zuschauer meiner Youtube-Videos) wissen, dass ich mich vor allem für ausgefallene Fahrzeuge begeistern kann. Insofern passt auch die Ape 50 gut ins Bild meiner Sammlung.

So eine Ape ist im Kern eine Vespa mit drei Rädern und der Andeutung einer Lastwagenkarosserie. Das passt auch, denn Vespa heißt Wespe und Ape Biene, die fleißigere Verwandtschaft eben. Ein Konstrukt, das im tiefsten und besten Sinne so italienisch ist wie leidenschaftliche Streitgespräche über Fußball und Spaghetti Bolognese. Darüber hinaus ist das Ding ungemein praktisch, denn es kann mit minimalem Aufwand haarsträubende Lasten bewegen.

Zu den Lasten, die ich dem kleinen Blechinsekt bisweilen aufbürde, gehören Getränkekisten. Denn zum einen gibt es Mengenrabatt im Getränkemarkt, wenn man mehr nimmt und zum anderen kaufe ich auch immer gleich für ein paar ältere Herrschaften aus der Nachbarschaft ein. Letztens brachte der monatliche trasporto di bevande eine nette kleine Begegnung.

 

Ich war gerade dabei, die etwas üppiger ausgefallene Beute auf der Ladefläche der Ape zu verzurren, als mich ein Kind ansprach. Genauer ein Mädchen von etwa 10 Jahren, das zu jenen Kindern gehört, die dank eines zuckersüßen Bilderbuchgesichts und eines engelsgleichen Augenaufschlags auch mit einem dreifachen Axtmord ungestraft davonkommen würden. „Du, trinkst du das alles selber?“ Frage mich die Kleine und zeigte staunend auf den stattlichen Kistenstapel unter dem sich die Ladefläche der Ape leicht ächzend zur Seite neigte. „Zum Teil schon.“ War meine einigermaßen wahrheitsgemäße Antwort. Daraufhin nickte die Kleine versonnen und sagte: „Ja, weil du so viel säufst, kannst du dir kein gescheites Auto leisten.“

Das war der Moment, in dem ihre Mutter mit puterrotem Kopf und einem spitzen Aufschrei hinter dem Familienkombi hervorsprang und ihre Tochter schützend an sich presste. Ihr Gesichtsausdruck und die mir gegenüber gestammelte Entschuldigung ließ vermuten, dass sie davon ausging, nun selbst Opfer des bereits erwähnten mehrfachen Axtmordes zu werden. Das ich stattdessen anfing zu lachen – und das in einer Weise, die nicht unmittelbar an Jason Voorhees oder Jack the Ripper erinnerte, – schien sie sichtlich zu beruhigen.

Was folgte, war ein nettes Gespräch über die Schwierigkeiten, die mit der schrankenlosen Offenheit verbunden sein kann, die aus kindlicher Neugier und Schlussfolgerungsgabe erwachsen kann. Sicher gibt es auch genug Zeitgenossen, die sich über diese Sache fürchterlich aufgeregt hätten. Aber wieso eigentlich?

 

Eigentlich ist die Schlussfolgerung des Mädchens ja logisch. Ein zehnjähriges Kind ist sicher problemlos in der Lage mitzubekommen, das Getränke nicht ganz billig sind. Auch vom Multiplikator sollte in der Schule schon einmal die Rede gewesen sein. Für mehr Getränke muss man mehr Geld rausrücken. Geld, das dann fehlt, wenn man sich kraftfahrtechnisch verbessern will. Was man von Zehnjährigen nicht erwarten kann, ist das Wissen um den Marktwert exotischer Gerätschaften. So ist meine Ape rein monetär vermutlich mehr wert als der etwas angegraute Toyota-Kombi der Mutter, einfach weil es sehr viele Liebhaber und Sammler für obskure italienische Primitivmobile, die vom Hauch des Dolce Vita umweht werden, gibt. Solche, die für japanische Vernunftfahrzeuge mit dem Nimbus granitener Zuverlässigkeit und dem Charme eines Lateinpaukers kurz vor der Pensionierung schwärmen, sind hingegen eher rar.

 

Nüchtern betrachtet wurde das Mädchen einfach Opfer dessen, was man in der Wissenschaft eine unvollständige Datenlage nennt. Man kann sich in seinen Schlussfolgerungen eben nur auf das beziehen, was bekannt ist. Wenn Neues bekannt wird, dann ändern sich eben auch die daraus gezogenen Schlussfolgerungen.

Leider verstehen das viele Menschen nicht und in der Folge entstehen viele Missverständnisse. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viel über Fakten und angebliche Alternativen zu ihnen diskutiert wird, wäre es doch schön, wenn sich die kleine Parkplatzbegegnung auch ins Große skalieren würde.

Übrigens sind mir das Mädchen und seine Mutter neulich noch mal begegnet. Wieder auf dem Parkplatz vor dem Getränkemarkt, aber diesmal haben wir uns nur zugewunken. Auch irgendwie schön.

Samstag, 18. Dezember 2021

wofür Schafe gut sind

 Die Schafe auf der Weide, gleich neben der alten Landstraße, sind erstaunlich ruhig. Das Geräusch der Ape scheint sie nicht zu stören. Als ich anhalten und langsam aussteige, weichen sie einige Schritte zurück, bleiben dann aber stehen. Einige kommen sogar wieder auf mich zu, näher an den Elektrozaun, der ihre Weide umgrenzt.


 Ich bleibe einige Minuten ruhig stehen. Einfach so, um mir die Schafe anzusehen, die ruhig auf der Weide stehen und grasen. Es gibt sicher viele Menschen die das nicht verstehen werden, aber ich finde solche Momente beruhigen. In diesen Minuten ist leicht zu verstehen, woher die Legende vom Schäfchenzählen als Einschlafhilfe stammt, denn die Tiere strahlen eine tiefe Gelassenheit aus.


 Auf der anderen Seite der Weide befindet sich ein Feldweg. Von dort ist irgendwann wieder ein mechanisches Geräusch zu hören. Anders als das meiner Ape, dumpfer, rauer, aber auch leiser. Es ist der Dieselmotor eines japanischen Geländewagens, das Fahrzeug des Schäfers. Die Tiere scheinen es zu erkennen, denn sie nähern sich der Stelle, an der der Mann im grünen Lodenmantel über den Zaun steigt. In seiner Hand ist ein Eimer mit Futter, das er in eine am Boden stehende Wanne schüttet. Einige besonders hungrige Schafe haben ihre Köpfe schon vorher in den Eimer gesteckt.


 Für einen Moment treffen sich unsere Blicke, der des Schäfers und meiner. Er lächelt und nickt mir zu, scheinbar hat er am frühen Morgen genauso gute Laune wie ich. Es scheint, als seien Schafe weniger zum Einschlafen gut als für einen guten Start in den Tag.

Sonntag, 12. Dezember 2021

nur so eine Idee

 

In meinen Youtube-Videos geht es relativ oft darum, einen alten Roller wieder zum Laufen zu bringen. Irgendeine alte Karre, die der Vorbesitzer aufgegeben hatte, soll wieder laufen. Meistens erfordert das Investitionen, die den Kaufpreis des Rollers übersteigen. Zählt man am Ende zusammen, dann kommt mit etwas Glück eine Summe heraus, die ungefähr dem entspricht, was ein ordentliches, fahrbereites Exemplar gleichen Typs gekostet hätte. Manchmal (meistens) auch eine höhere Summe, aber was solls.

Das führt dazu, dass mir einzelne Zuschauer immer wieder die gleiche Frage stellen: „Warum machst du das? Das lohnt sich doch gar nicht.“

 

Rein finanziell stimmt das. Wirtschaftlich betrachtet ist es völliger Unsinn, so einen Kübel zu retten. Das extremste Beispiel hierfür in der jüngeren Vergangenheit war der Znen Retroroller - genannt das Chopperding -, denn das Fahrzeug hatte ich für ein paar symbolische Euro bekommen. Jahrelang gestanden, motorseitig an der Grenze zum völligen Schrott und in wenig gepflegtem Zustand. Warum tut man sich so was an? Weshalb mache ich das eigentlich?

 

Was diejenigen übersehen, die scheinbar nur den wirtschaftlichen Sinn im Auge haben, ist folgendes: Mir macht es einfach Freude, ein solches Wrack zurück ins mechanische Leben zu holen und (wieder) zu einem benutzbaren Fahrzeug zu machen. Darin liegt ein seltsam wohliges Gefühl, etwas erreicht zu haben, das viele andere nicht erreicht haben. Entweder weil sie es nicht wollen oder nicht können, wobei das nicht so wichtig ist. Es geht ja nicht darum, jemand anderem etwas zu beweisen, es geht einfach nur darum, es für sich selbst geschafft zu haben.

Außerdem habe ich im Laufe der Jahre dabei sehr viel gelernt. Was eine andere Frage beantwortet: „Woher weißt/kannst du das alles?“ Die Antwort ist hier nicht, dass ich es gelernt habe sondern, dass ich es einfach irgendwann schon mal, zumindest in ähnlicher Art und Weise, gemacht habe. Auch das ist ein Wert für sich, der sich nicht mit Geld aufwiegen lässt. Außerdem liegt auch darin eine tiefere Freude.

 

Tatsächlich glaube ich, dass in unserer Welt vieles, das eigentlich einfach mal gemacht werden sollte, nur deshalb nicht gemacht wird, weil es sich finanziell nicht lohnt. Nicht nur bei Rollern. Vielleicht sollten einige Zeitgenossen mal genau darüber nachdenken, es würde sicher keinen Schaden anrichten. 

Nur so eine Idee.

 

Freitag, 5. November 2021

Traumerfüllung

Das ich Roller sammle, vor allem die, die sonst keiner sammelt, sollte jedem Leser dieses Blogs auf den ersten Blick klar sein. Die Fahrzeuge um die es hier geht sind das, was die Amerikaner "oddball" nennen. Ein Wort, das sich am ehesten mit seltsam oder schrullig übersetzen lässt. Fahrzeuge wie der Bajaj Sunny, nach dem ich tatsächlich lange gesucht habe oder Zufallsfunde wie der Centro oder der (praktisch ausgestorbene) Kymco Curio. Ich mag einfach abgedrehtes Zeug.

Eine wirkliche Wunschliste mit Fahrzeugen die ich "einfach mal gerne gehabt hätte" gibt es dabei nicht wirklich. Wobei das nicht ganz stimmt, es gibt Fahrzeuge, bei denen ich immer wieder denke: "Ja, wäre cool, ist aber zu teuer für das was es ist." Aber in irgend einem Winkel der persönlichen Traumgarage stehen sie dann doch rum.

Ein solches Fahrzeug ist der TGB Express, denn viele hierzulande auch als Pegasus Sky Delivery kennen. Also die Nutzfahrzeugversion des 90er-Billigklassikers Pegasus Sky.

Diese Roller sind selten, nicht nur auf der Straße sondern auch auf dem Gebrauchtmarkt. Die wenigen die verkauft wurden, hatten in der Regel ein ebenso hartes wie kurzes Leben bei irgend einem Lieferdienst. Pizza, Asia-Schnellgerichte oder Kleinsttransporte, viel Ruhm ist da nicht zu verdienen, vor allem wenn ein gehetzter Mensch am Steuer sitzt dem der Roller nicht gehört. Zusammengebrannt und verheizt, gnadenlos verschlissen und dann weggeworfen. So sieht das übliche Schicksal der meisten Lieferroller aus. 

Taucht heute, ettliche Jahre nach Ende des Imports dieser Fahrzeuge durch die ZEG, auf dem Gebrauchtmarkt mal einer auf, dann ist dieses Exemplar entweder kompletter Schrott oder exorbitant teuer. Wobei das eine das andere nicht zwingend ausschließt. Genau aus diesem Grund habe ich nicht damit gerechnet, mal so ein Fahrzeug in brauchbarem Zustand zu meinem Tarif zu finden. Aber wie so oft ist dann genau das passiert, womit man am wenigsten rechnet: Vor ein paar Tagen ist mir ein TGB Express in ordentlichem, halbwegs gepflegten Zustand für deutlich dreistelliges Geld zugelaufen. Die Besonderheit dieses Fahrzeugs: Es war nie in gewerblichem Gebrauch sondern immer in Privathand. Statt fettiger Billigpizza und "siewollengarnichtwissenwasdadrinist" Frühlingsrolle lag immer nur das Angelzeug des Erstbesitzers im Transportkoffer.

Nun ist es zwar am Ende des Tages noch immer ein etwas abgegrabbelter, 16 Jahre alter Sky, aber ich bin trotzdem richtig happy. Es ist hier, auch wenn es viele nicht verstehen mögen, ein Traum in Erfüllung gegangen: Ich hab meinen Pizzaroller. 

Da ich ausnahmsweise mal keine Großbaustelle, sondern einen ordentlich fahrenden Roller gekauft habe, ist natürlich auch praktisch. Denn so kann ich, selbst zu dieser Jahreszeit, die Neuerwerbung noch etwas genießen. Wer den Sky kennt weiß was das bedeutet, nämlich ein sehr uriges, sehr eigentümliches Fahrerlebnis. Meine Eindrücke zum Sky habe ich ja hier schoneinmal dargelegt: https://rollerchaos.blogspot.com/2016/02/fahrzeugprotrait-tgb-pegasus-sky.html

Für den Express gilt das dort geschriebene, erweitert um die Effekte des Transporterumbaus. Die Kiste macht das Fahrverhalten nicht besser, aber spannender. Außerdem eröffnet sie natürlich ungeahnte Möglichkeiten der utilitaristischen Art. Ich bin gespannt wo die Reise mit diesem Fahrzeug hingehen wird.












Freitag, 22. Oktober 2021

es geht weiter

Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Grund dafür war einfach, dass in der Werkstatt nichts passiert ist. Es waren einfach andere Dinge wichtiger als die Schrauberei, die zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten war.

Zwischenzeitlich hat der Curio den vermutlich ersten Bremsflüssigkeitswechsel seines Lebens bekommen. 

Mit frischer Flüssigkeit funktioniert die Vorderradbremse wieder ordentlich. Es ist manchmal echt erstaunlich, was so eine Spülung bewirken kann. 

Außerdem habe ich schon vor geraumer Zeit die Ape 50 wieder zusammengebaut. Der kleine Kerl kommt mitlerweile seiner Aufgabe als "Shoptruck" nach. Was natürlich nicht heißt, dass mit dem Fahrzeug nichts mehr passieren wird. 

Hauptbaustelle zur Zeit ist der Kymco, einfach weil der eh schon auf der Bühne steht. Die Tage war noch ein Gepäckträger vom Kymco KB in der Post, dieser passt wie vermutet auch für den Curio.

Problematisch ist nur der Soziusgriff der beim Tanken im Weg wäre. Denn der KB hat ja einen innenliegenden Tankdeckel. Aber der Griff lässt sich ja einfach abschrauben.

Zusammen mit dem Topcase aus dem Fundus rundet das den Roller ab. So lässt er sich dann gut nutzen. Was nebenbei eine gute Gelegenheit für eine erste Probefahrt auf dem Feldweg hinter der Werkstatt war.

Fahren tut er richtig gut, allerdings raucht er noch immer furchtbar. Die Dämmwolle im Auspuff ist vermutlich komplett mit Öl gesättigt. Das wird sich bei einer ersten, langen Fahrt hoffentlich legen. Ansonsten muss doch noch ein neuer Auspuff her.



Mittwoch, 6. Oktober 2021

Es geht weiter

In den letzten Tagen war in der Werkstatt nichts los, einfach weil mal andere Dinge wichtiger waren und eine Auszeit gut tut. Das Universum dreht sich eben nicht nur um irgendwelche Schraubereien. Aber es ist natürlich schön wieder an die Arbeit zu gehen die man im Grunde über alles liebt.

Eine Kleinigkeit hatte ich zwischenzeitlich allerdings doch noch erledigt. Der Überrollbügel ist wieder auf der Ape und die Kiste, die ursprünglich auf dem R13 war, ist jetzt als Werkzeugkasten auf der Ape 50 montiert. Das sieht soweit eigentlich ziemlich gut aus und kann definitiv so bleiben.

Heute wollte ich die Pritsche fertig machen, doch vorher stand noch etwas anderes auf dem Program.

Darum begann der Tag mit einem kleinen Roadtrip in die Nähe von Ingolstadt. Dort wartete ein "neuer" Roller darauf abgeholt zu werden.

Der Kymco Curio ist einer jener Exoten die mich besonders reizen. Ein Fahrzeug, das man sogut wie nie zu sehen bekommt. Wenn dann ein relativ ordentliches Exemplar zu einem passenden Preis auftaucht, dann muss man eben zuschlagen.

In der Werkstatt habe ich dann aber zunächst, wie geplant, die Pritsche der Ape fertig gemacht. Es fehlten ja nur noch die Kantenschutzprofile aus Riffelblech. Zugegeben, das ist nicht unbedingt nötig, aber es sieht einfach besser aus. Zudem sollte es in Zukunft verhindern, dass die Bordwände an der Oberkante beschädigt werden.

Den Kabinenboden habe ich auch noch abgedichtet, davor aber keine Fotos gemacht.

Beim Curio war nämlich noch eine Frage offen: Wie gut ist er wirklich? Denn der Motor ließ sich nicht durchdrehen, was natürlich auch richtig üble Gründe haben kann. 

Nach den Berichten des Vorbesitzers hatte ich aber die Vermutung, dass das Ding einfach nur richtig böse abgesoffen sei. Ein Verdacht, der sich dann auch bestätigt hat. Der Motor steht voll mit "Suppe" und kann so natürlich nicht funktionieren. Es ist mir heute auch nicht mehr gelungen ihn zum Laufen zu bringen, aber immerhin geht er ohne Zündkerze und Auspuff wieder um. Das muss jetzt einfach mal so offen stehen und trocknen, mit etwas Glück ist es damit getan. Eine gründliche Inspektion ist so oder so notwendig, doch das kann warten bis wieder richtig Platz in der Werkstatt ist.






Mittwoch, 8. September 2021

Wulfhorst R13, Winterroller und ein Wiedersehen mit einem alten Freund

 Der R13 war beim letzten Mal ja nahezu fertig geworden. Eigentlich haben nur noch die Kotflügel gefehlt.

Nun sind "eigentlich" nur "nur" bekanntlich gefährliche Worte. Der rechte Kotflügel war ja schon zuvor in Ordnung und musste nur wieder angeschraubt werden, der linke hingegen hing schief. Das lag daran, dass zwei der drei Haltestreben verbogen waren. Diese zu richten war dann aber doch einfacher als zunächst befürchtet und somit stand das Fahrzeug bald mit zwei korrekt montierten Kotflügeln auf dem Hubtisch.

Schön sind die riesigen, vermutlich aus dem Anhängerzubehör stammenden, Kotflügel zwar nicht, aber immerhin sind sie jetzt wieder auf einer Höhe und so gerade es eben geht. Außerdem war das Dreirad jetzt fertig für eine Probefahrt.

Diese war dann relativ unspektakulär. Das Ding funktioniert soweit gut und wurde von mir deshalb für fertig erklärt. Demnächst wird es mich verlassen, allerdings nicht zurück zum Thum sondern via Kleinanzeigenmarkt, denn das Fahrzeug soll verkauft werden. 

Das der R13 fertig ist erlaubte mir dann, mich mit einem anderen Fahrzeug zu befassen, dass noch länger bleiben soll: Mit meinem TPH, dem Winterroller.

Da dieser seit dem letzten Service nicht wirklich viel gefahren wurde, war wie zu erwarten nicht viel zu tun. Es musste nur der Variator wieder rein, den ich zwischenzeitlich einem anderen Schrauber zu Vergleichszwecken geliehen hatte. Aber das ist ja alles halb so wild. Anschließend sprang der Roller auch direkt an und lief gut.

Weniger gut war, dass die Vorderradbremse nach der Sommerpause nicht mehr ging. Ursache dafür war ein defekter Dichtungsring am Bremssattel. Auch das ist keine allzu spektakuläre Sache und schnell erledigt. Bleibt nur zu hoffe, dass das jetzt dauerhaft dicht ist.

Auch darum bleibt der Roller erstmal auf dem Hubtisch stehen. Ich will einfach wissen, ob das dicht hält wenn das Fahrzeug einige Tage steht. Fahren kann ich eh noch nicht, denn das neue Kennzeichen ist noch nicht da.


Zum Abschluss des Werkstattages gab es dann noch eine ganz besondere Sache. Seit gestern habe ich mein erstes "Auto" zurück. Nachdem der alte Karren jetzt einige Jahren bei einer befreundeten Familie im Einsatz war, habe ich ihn nun zurück bekommen. Die Kinder sind einfach aus dem Alter raus, ich aber noch nicht so wirklich.

So einen Klassiker hat man doch gerne in der Werkstatt, oder? Der Zustand lässt allerdings sehr zu wünschen übrig, vor allem weil die Lenkung nicht mehr wirklich das tat was sie eigentlich soll.

Somit war eine kleine Überholung der Vorderachse angesagt, die aber auch recht problemlos über die Bühne ging. In nächster Zeit dürfte das Fahrzeug jedenfalls sehr viel geruhsamer leben als in den letzten Jahren, denn es ist nun offiziell in der Rollerchaos-Oldtimersammlung untergebracht.

Vorher gab es allerdings noch ein wenig klassisches Aufklebertuning.

Irgendwann wird sich vllt. mal wieder ein neuer Fahrer für das Ding finden, aber das wird die Zeit zeigen. Bis dahin ist es ein schönes Erinnerungsstück und eine nette Wanddeko in der Tiefgarage.