Sonntag, 19. August 2018

Tour: Berchtesgaden und Rossfeldstraße

Ein wunderschön sonniger Samstag im August, keine besonderen Pläne sondern einfach nur freie Zeit, in der Garage steht ein vollgetankter Roller. Was will man eigentlich mehr? Idealere Voraussetzungen für eine gelungene Tour kann es kaum geben.
Einen Wehrmutstropfen bietet allenfalls der Blick auf die Uhr, denn für das heutige Tagesziel muss ich früh aufstehen. Gegen halb sechs in der Früh geht es raus auf die Straße, zunächst quer durch Regensburg und dann auf die alte B15 nach Landshut. So früh am Morgen ist hier wenig Verkehr. Nur einige wenige PKW und vereinzelte Lastwagen sind unterwegs, angenehm zu fahren. Neufahrn ist schnell erreicht und die Kleinstadt erwacht langsam. Bei Ergoldsbach wird es lebendiger, die Ausläufer von Landshut sind erreicht und die Kreisstadt ist bereits hellwach als ich dort ankomme. Die B15 verlasse ich hier und folge der landschaftlich schöneren B299 nach Altötting. Diese Strecke ist grundsätzlich relativ frei, der geschwungene Straßenverlauf macht sie für einen Rollerfahrer ideal, aber für schnellen Verkehr weniger attraktiv. Die Landschaft wird ab Vilsbiburg voralpin, weiche Hügel mit sanftem Schwung und weite Wiesen verdrängen mehr und mehr das flache Ackerland der Ebene. 
Dies sind die Ausläufer des Chiemgau, der wohl postkartenmotivartigsten Gegend Oberbayerns. Entsprechend sieht es aus: Weites grünes Land mit pittoresk eingestreuten Dörfern. Jedes gekrönt von einer Maibaumspitze und dem Zwiebelturm der Pfarrkirche, dazwischen alte Scheunen und einsame Bauernhöfe. Das weiche Licht des frühen Vormittags unterstreicht diese milde Landschaft noch und hindurch zu rollern ist eine pure Freude. 
In Altötting grüßt die berühmte Gnadenkapelle, zur der jährlich zigtausende Pilger ziehen. Mich zieht aber die Straße mehr in ihren Bann und nach einem kurzen Stopp zum Frühstück (das Café direkt gegenüber der Kirche ist sehr zu empfehlen!) geht es zurück auf das Asphaltband in Richtung Südwest.
Die B299 verlasse ich allerdings bald und zweige bei Hirten auf Nebenstrecken ab. Im Gewirr der winzigen Landstraßen des Chiemgaus kann man sich leicht verfahren, was mir in der Vergangenheit auch schon des Öfteren passiert ist. Heute kommt mir dies zu gute, denn den Weg nach Waging am See kenne ich von früher her sehr gut. Bei Traunstein erreiche ich wieder eine große Hauptstraße, die B306 die durch das wunderschöne Voralpenland nach Inzell führt. Die Bundesstraßen 306 und 305 sind hier mit der Deutschen Alpenstraße gleichzusetzen, eine traumhafte Strecke durch die faszinierende Bergwelt. Leider ist sie zur Ferienzeit auch relativ viel befahren, die Natur des Streckenverlaufs zwingt dem Verkehr jedoch ein geringes Tempo auf, weshalb diese auch mit einem 50er- Roller gut zu befahren ist.
Inzell ist aus dieser Richtung endgültig das "Tor zu den Alpen". Die Bundesstraße verläuft hier durch einen scharfen, wilden Talschnitt in dessen Grund wildes Wasser tobt. Die bewaldeten Berghänge geben der Landschaft etwas finsteres und auch an einem herrlichen Sommertag ist es kühl in der tiefen Schlucht. Erst kurz vor Ramsau öffnet sich die Schlucht in einen weiten Talkessel, in dem sich auch Berchtesgaden befindet. 
Es ist kaum ein klischeehafteres Alpenbild denkbar als der Weitblick über Ramsau in die Berchtesgadener Alpen. Es ist kaum verwunderlich, dass dieser Teil der Alpen zu den meistbesuchten und natürlich auch meistfotografierten zählt. In Berchtesgaden fahre ich in den Ort um zu Tanken und eine Kleinigkeit für das Mittagessen zu kaufen, der mondäne Ort ist mit Touristen verstopft und zieht mich nicht wirklich an.
Ich fahre weiter in Richtung Unterau, wo die Nordrampe der Rossfeldstraße abzweigt. Sie ist mein heutiges Tagesziel und gegen Mittag erreiche ich die Mautstation. Die als B999 geführte, mautpflichtige Straße ist insofern ein Kuriosium, als sie zwar Deutschlands höchste Straße, jedoch kein Pass ist. Sie führt in einem Kreisbogen von Oberau zum Parkplatz am höchsten Punkt und wieder (fast) zum Ausgangspunkt zurück. Daher ist sie "nur" ein Höhenringstraße und kein Pass. Mir ist das egal, ich bin nicht hergekommen um irgend einen Rekord zu feiern oder aufzustellen, sondern um die wunderschöne Straße und das herrliche Panorama zu genießen.
Auf 1560m, am höchsten Punkt der Straße, lasse ich den Roller stehen und gehe zu Fuß noch ein paar Höhenmeter weiter zum Aussichtspunkt oberhalb des Parkplatzes. Selbst an einem sonnigen Sommertag verirren sich nur wenige Touristen hierher und ich habe meine Ruhe beim Mittagessen.Über die Südrampe geht es anschließend in wildem Kurvenschwung zurück ins Tal, so schwer der Motor des kleinen Rollers bei der Auffahrt arbeiten musste, jetzt sind es die Bremsen die bald deutlich riechend klar machen, dass sie an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind.

Von Berchtesgaden aus geht es auf der, bereits von der Anfahrt her bekannten Strecke, über die Alpenstraße zurück nach Traunstein. Hier bleibe ich diesmal auf der Hauptstraße (B304) und folge ihr bis nach Altenmarkt an der Alz und weiter bis nach Wasserburg. Ich treffe ich wieder auf die B15, die mich bis nach Landshut bringen wird. Die Berge liegen natürlich schon lange hinter mir, was sich auch klimatisch bemerkbar macht. Am Spätnachmittag liegt eine drückende Hitze über der Ebene und macht zwischenzeitlich eine längere Abkühlpause im Wald nötig.
 
Kurz vor Landshut könnte man dann meinen, ich sei endgültig falsch abgebogen und ausversehen in Afrika gelandet.
Die Strauße bewachen laut zischend hinter einem angenehm hohen Zaun ihre Küken und ich will langsam nach Hause. Darum fahre ich schnell weiter bis nach Landshut, wo ich nicht auf der B15 bleibe, sondern der B299 ein Stück weit folge und dann nach Rottenburg an der Laaber abzweige. Quer durch Niederbayern geht es dann zurück in die oberpfälzer Heimat. Gut vierzehn Stunden nach Abfahrt bin ich wieder zu Hause, der Roller hat wunderbar gehalten und knapp 500km mehr auf dem Zähler stehen, ein gelungener Tag voller wunderschöner Eindrücke aus der majestätischen Welt der Alpen, aber auch angefüllt mit den kleinen, in keinem Bericht wiederzugebenden Erlebnissen entlang der Straße. Später falle ich totmüde ins Bett, heilfroh wieder zu Hause zu sein und zugleich traurig weil der Tag schon zu Ende ist.










Freitag, 17. August 2018

Spirit: von hieraus gehts wieder bergauf

Ein lieber Bekannter war heute zu Besuch in der Rollerhölle. Marco und seine Sfera sind immer wieder gerne gesehene Gäste. Die alter Italienerin brauchte etwas Zunwendung in Form einer kleinen Durchsicht, im Gegenzug half mir Marco dabei, den Chinakracher weiter zu zerreißen.
Die erste Aufgabe beim Chinesen war den Auspuff abzunehmen und das Motoröl abzulassen und genau zu untersuchen. Glücklicherweise fanden sich darin keine Hinweise auf irgend einen mechanischen Schaden. Die Schnurfeder hatte es also nur nach Außen, zur Zündung hin, geschafft.
Anschließend ließ sich problemlos der Steuerdeckel des Motor abschrauben. Ich hatte fest damit gerechnet, darin irgend einen gruseligen Horror zu finden, aber tatsächlich war dieser Bereich des Motors völlig in Ordnung.
Lediglich das Plast-Antriebsrad der Ölpume hat relativ viel Spiel gegenüber dem treibenden Rad auf der Kurbelwelle. Aber das ist ja sowieso eines der Teile, die man ohnehin ersetzt wenn man den Motor schonmal offen hat.
Von innen ist dafür gut zu sehen, wie fertig der Wellendichtring ist. Es ist eigentlich ein kleines Wunder, das nur so wenig Öl ausgelaufen war. 
Das Ölpumpenrad ließ sich dafür dann völlig problemlos entfernen und die Ölpumpe ausbauen.
Die Ölpumpe selbst, die ja zu den wichtigsten Einzelteilen des Motors gehört, ist in einem einigermaßen guten Zustand. Sie dürfte zweifellos funktionieren, zeigt aber doch deutliche Spuren des Gebrauchs. Nach geradeeinmal etwas über 5.000km nicht unbedingt ein Zeichen von guter Qualität. Aber was will man bei diesem Fahrzeug erwarten?
Die Zahnräder des Pumpwerks sind von der Passung her noch gut, zeigen jedoch deutliche Laufspuren. 
Genauso wie der Deckel der Pumpe. Es wird also auf jeden Fall eine neue Pumpe geben, ansonsten ist aber alles in Ordnung in diesem Bereich.
Positiv ist, dass hier wohl der Punkt der "maximalen Zerlegung" erreicht ist, der für diese Reparatur notwendig ist. Als nächstes werden Ersatzteile bestellt und der Roller wieder zusammengebaut, hoffentlich mit einem guten Ergebnis. Irgendwie macht Sfera-Schrauben aber doch deutlich mehr Spaß als Chinakracher-Schrauben, soviel steht fest.

Donnerstag, 16. August 2018

Spirit: warum einfach wenns auch kompliziert geht ?

Der Polradabzieher für den Chinakracher war heute in der Post und am Abend noch etwas Zeit, eine gute Gelegenheit am Kackfass weiter zu machen.
Nachdem ich das Polrad mit der Gewindefeile etwas nachgearbeitet hatte ließ sich das Werkzeug problemlos ansetzen. Weniger problemlos war es, das Polrad abzuziehen. Ein ziemlicher Gewaltakt, zuletzt durch den Pressluftschrauber unterstützt war nötig, um das widerspenstige Trumm von der Kurbelwelle zu rücken. Aber das Ergebnis zählt und zuletzt gab das Polrad auf.
Auffällig war nun vor allem, dass die gesamte Zündung verölt war, außerdem hing die Schnurfeder des Wellendichtrings aus dem Sitz. Kein gutes Zeichen.
Ohne den Zündanker ist dann gut zu sehen, wie stark die Verwüstungen waren. Den Simmering hat es komplett zerrieben und die Schnurfeder hat sich ihren Weg zum Polrad gearbeitet. Ihr Ende war dann vom Rotor zerfetzt worden. 
Was davon übrig war, konnte ich problemlos herausziehen.
Die Innenseite des Polrad war nicht nur verölt sondern auch komplett mit Metallspänen überzogen.
Diese Späne sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Überreste der Schnurfeder und des WeDi. Einige Messungen an den Spulen ergab dann wohl auch die Ursache für den Zündungsausfall: Die Erregerspule für den Zündstrom ist komplett durchgeschlagen, bei näherer Betrachtung mit der Lupe habe ich dann gesehen, dass winzige Metallspäne die Isolation durchdrungen hatten. Das gibt natürlich einen Kurzschluss und somit den Tot der Spule. 
 
Natürlich lässt sich dieser WeDi nicht einfach von außen wechseln. Dazu muss der Steuerdeckel des Motors runter, im Grunde nicht schlimm, aber eben doch ein riesen Aufriss für eine eigentlich harmlose Reparatur. Außerdem: Wer weiß schon, welchen Horror ich dann noch im Inneren des Steuergehäuses finden werde? Es bleibt also dabei: Fortsetzung folgt ... 





Dienstag, 14. August 2018

Spirit: schau mal rein

Ursache für den Totalausfall in Tschechien war ja, dass der Roller keinen Zündfunken mehr hatte. Nun gibt es aber eine ganze Reihe von möglichen Gründen für einen derartigen Ausfall. Eine Möglihckeit wäre ein Defekt der Elektronik, sprich CDI und/oder Zündspule. Ein anderer eine tote Zündgrundplatte und natürlich gibt es noch die Möglichkeit eines Fehlers im Kabelbaum. Herauszufinden was nun los ist, dafür gibt es aber nur einen Weg: Den Roller zerlegen und nachsehen.


Da ich nunmal ein neugieriger Mensch bin, habe ich mir die Sache gleich heute zur Brust genommen. Zunächsteinmal um nochmal die offensichtlichen Dinge zu prüfen, die ich schon in Tschechien am Straßenrand getestet hatte. Also Zündkerze, Stecker und Kabel. Außerdem alle Steckverbindungen im Kabelbaum sowie die Kabel auf eventuelle Brüche. Doch dabei kam nichts zu Tage, ebenso fruchtlos blieben Tests mit Zündspulen und CDIs aus dem Fundus. Sicher ist nur, dass an der Zündspule kein Strom ankommt und eine der beiden Speiseleitungen von der Zündgrundplatte ebenfalls keinen Strom liefert. Es hat also den Anschein, also würde nur der Ladekreis der Elektrik gespeist, nicht jedoch der Zünderregerstrom.
Normalerweise wäre an dieser Stelle ein Widerstandsprüfung der Zündgrundplatte angebracht, es gibt jedoch keine Prüfwerte (bzw. finde ich sie nirgendwo). Also bleibt nur die Grundplatte auszubauen und zu tauschen. Im Fundus habe ich natürlich keine und ich weiß, dass es bei den Chinarollern verschiedene Ausführungen gibt. 
Erster Schritt ist also das Polrad freizulegen und das Lüfterrad zu entfernen. Anschließend lässt sich die Polradmutter öffnen und das Polrad abziehen.
Zumindest wäre dies so, wenn hier nicht schon in der Vergangenheit irgendein Dilletant herumgemurkst hätte. Das Innengewinde am Polrad ist völlig vernudelt, ein Abzieher lässt sich hier nichtmehr ansetzen. Meinen Universalabzieher kriege ich nicht angesetzt und mein kleiner Brückenabzieher baut nicht den nötigen Druck auf, das Polrad rührt sich also ersteinmal nicht vom Fleck. Hier ist die nächste Aufgabe also erstmal einen für diese Aufgabe brauchbaren Abzieher zu besorgen.
In der Zwischenzeit ist Gelegenheit sich um die Massensicherung des Rollers zu kümmern. Beide Widerstände des Bauteils waren völlig zerbröselt. Ob das einfach nur chinakrachertypischer Zerfall, Alterung oder eine Folge der Panne ist, ich habe ehrlich keine Ahnung. Klar ist nur, dass das Ding ausgetauscht werden muss. Hier wurde ich im Fundus immerhin fündig. Wenigstens diese Baustelle ist also erledigt, sogar ohne direkte Kosten zu verursachen, genau so mag ich das.
Der Roller steht natürlich erstmal trotzdem doof rum. Einen (hoffentlich) passenden Abzieher habe ich bestellt, bleibt also nur darauf zu warten, dass dieser geliefert wird. Ehrlichgesagt ist es mir erstmal auch egal wie lange es dauert, denn den Spirit fahre ich wohl eh erst wieder als Winterroller, ich habe also noch bis Oktober Zeit das Kackfass zum Laufen zu bringen.

Roadtrip: auf Bergungsfahrt im nördlichen Böhmen

Es heißt, Geschichte pflege sich zu wiederholen. Tatsächlich hat es ja nun schon eine gewissen Tradition, dass ich mit dem Roller losfahre und mit dem Auto ankomme, wenn ich zum Thum nach Sachsen will. Darum ging es nach der Panne am Freitag auch diesmal am Sonntagmorgen mit dem Golf in Richtung Nordost.
Ich muss zugeben, ein gewisses Maß an "Bill-Murray-Feeling" kommt in diesem Zusammenhang schon auf, aber es ist nunmal nicht zu ändern: Der Chinakracher steht in Komotau und muss geborgen werden. Warum soll man dies nicht mit einem kleinen Roadtrip verbinden? Zudem gibt es deutlich unangenehmere Dinge, als ein paar Tage bei Thum im Erzgebirge zu verbringen.
Ebenso zur Tradition geworden, wenn auch zur deutlich erfreulicheren, sind die gemeinsamen Schrauberaktionen im Carport. Diesmal galt es "Bertha" zu einem Frontgepäckträger und einer Wetterscheibe zu verhelfen. Letztlich keine allzu große Sache aber mit durchaus ansehnlichem Ergebnis.
Anschließend ging es noch auf eine gemeinsame Dreiradrunde durch Freiberg. Thum mit seinem PGO TR3 und ich mit dem Wulfhorst R3, also dem Prima-Dreirad, das wohl zweifellos den Titel des kuriosesten Fahrzeugs aus der thumschen Sammlung verdient. 
Ob es nun am Fahrzeug lag oder an der, längerer Standzeit und uraltem Sprit geschuldeten, riesigen Rauchwolke, aber die Blicke aller Verkehrsteilnehmer galten zweifellos dem urigen Gerät aus Gütersloh. Der anschließende gemütliche Abend auf dem Balkon war dann doch deutlich beschaulicher.
Letztlich stand das gesamte Unternehmen aber immer noch unter dem Titel "ach wie schön ist Komotau", weshalb es am Montag zeitig zurück auf die Straße ging. Diesmal mit der tschechischen Industriestadt als Ziel. Diese ist von Freiberg letztlich nur gut 70km entfernt, eine angenehm kurze, aber landschaftlich extrem reizvolle Fahrt. Denn Komotau liegt auf der südseite des Erzgebirges die steil in die böhmische Ebene abfällt. Die Straße windet sich in schon fast alpiner Manier an den Hängen hinab und eröffnet einen spektakulären Ausblick auf das Land.
Unser erstes Ziel in der Stadt war natürlich der Verwahrplatz des Abschleppunternehmens. Dort stand der Roller noch genauso wie ich ihn am Freitag zurückgelassen hatte und die knappen Formalitäten waren schnell erledigt.
Anschließend stand das Mittagessen auf dem Programm. Wiedereinmal beim bewährten Vietnamesen in der Nähe des Bahnhofs. Eine gute Adresse, die auch schon beim Slooowriders-Treffen in Osek eine Rolle spielte.
So gut das Essen dort auch ist, der Ausblick über den neuen Teil der Stadt, erbaut im allgemein geschätzten Baustil der sozialistischen 60er Jahre (auch bekannt als "Tritt in die Fresse Architektur"), ist auf seine Weise auch sehenswert. Vor allem betont er aber die Schönheit des Erzgebirges, durch das es dann wieder zurück nach Freiberg ging.
Hier unterstreicht die Architektur dann eher den landschaftlichen Reiz. Die alte Wehrkirche von Lauterbach, errichtet im 15. Jahrhundert und später als Friedhofskapelle an ihren heutigen Standort versetzt, zum Beispiel. 
Natürlich wird das Erzgebirge wie kaum eine andere Region Deutschlands bis heute von der Geschichte der Montanindustrie geprägt. Ein besonders schmucker Zeuge dieses Teils der Vergangenheit ist die alte Kalkbrennerrei in der Ortschaft Kalkwerk (sic!). Das seit den 70er Jahren stillgelegt Werk dient heute als Museum, war jedoch leider geschlossen. Als Kulisse für einen Fotostopp ist es aber allemal sehenswert.
Nach der Ankunft in Freiberg stand dann aber nochmal Rollerschrauben auf dem Programm. Thums PGO, der ja auf den Namenszusatz T-Rex hört, sollte noch eine angemessene "Kühlerfigur" bekommen. 
Der vergoldete Dinosaurier macht sich auf dem Kotflügel des Rollers tatsächlich richtig gut. Eine schöne kleine Bastelei, die wunderbar zum Fahrzeug passt. Dreiradfahren stand an diesem Abend aber nicht mehr auf dem Programm, dafür musste der Golf nochmal ran. 
Zum wegschaffen größerer Mengen Leergut eignen sich die Mopeds nunmal nur bedingt, das Auto ist da deutlich praktischer. Da Thum am Dienstag wieder zur Arbeit musste und ich natürlich wieder nach Hause wollte, endete der Abend bald. Dienstagmorgen ging es für mich wieder in die Heimat, gute viereinhalb Stunden über die Autobahn bis direkt zu meiner Werkstatt, denn was genau den Chinakracher außer Gefecht gesetzt hatte wollte ich dann doch direkt wissen. Aber dazu mehr in einem eigenen Blogbeitrag.

Samstag, 11. August 2018

Tour: ach wie schön ist Komotau

"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen." So heißt es und es ist zweifellos wahr. So auch bei diesem Ausflug in die Industriestadt im Norden Böhmens. Dabei war es eigentlich völlig anders geplant.
Geplant war eigentlich, dass ich am Freitag zum Thum nach Freiberg fahre und dann mit ihm zusammen Samstag und Sonntag Frankfurt an der Oder besuche. Darum habe ich mich am Freitagmorgen auf den Weg gemacht, durch den Bayerischen Wald nach Tscheschien und dann weiter nach Sachsen zu fahren. 
Der Chinaroller hatte sich ja wie berichtet bei ausgiebigen Testfahten bewährt, entsprechend optimistisch war ich, trotz der Regenwolken am Horizont.
Der Grenzübergang bei Furth im Wald war dann auch recht problemlos erreicht, leider erwieß er sich nicht nur als Landes-, sondern auch als Wettergrenze. Denn Böhmen empfing mich mit dem was ich "Streifenregen" nenne, also einem Wechsel von leichtem Regen und halbwegs trockenen Streckenabschnitten. Da es trotzdem relativ warm war keine allzu unangenehme Sache. 
Immer entlang der Nationalstraße 26 ging es bis nach Pilsen und dann weiter, auf der 27 in Richtung Norden, vorbei am alten Kloster von Plasy, ab dort dann auch ohne den langsam lästig werdenden Streifenregen. In der Ortsdurchfahrt von Jesenice gab es dann einen kleinen Dämpfer für meine gute Laune, denn plötzlich ging der Motor des Rollers aus. Ein kurzer Check förderte keinen Fehler zu Tage und tatsächlich sprang er auch sofort wieder an und ich konnte weiterfahren. Leider nicht besonders weit, denn in Zatec, genau auf einem großen und vielbefahrenen Kreisverkehr, gab der Motor endgültig den Geist auf. 
Natürlich passiert soetwas genau dann, wenn man im dichten Verkehr unterwegs ist und sich ein schwerer LKW unmittelbar hinter einem befindet. Der Fahrer des Trucks erkannte jedoch sofort, dass ich ein Problem hätte und gab mir mit eingeschaltetem Warnlicht Deckung, so konnte ich den Roller gefahrlos zu einer Parkbucht schieben. Ein schönes Beispiel für gelungene Zusammenarbeit im Straßenverkehr. Eine Kunst, die in Deutschland leider nur noch sehr wenige beherrschen, in Tschechien aber noch recht gut funktioniert.
An der Tatsache, dass ich ersteinmal gestrandet war änderte dies natürlich nichts. Mechanisch scheint der Motor in Ordnung zu sein, doch die Zündung gab keinerlei Lebenszeichen mehr von sich. Ohne Zündfunken kann der Motor aber nicht laufen. Eine Reparatur am Straßenrand ist in so einem Fall leider unmöglich, es blieb also nur den Autoclub anzurufen und geduldig zu warten.
Es hat leider den Anschein, als seien, trotz deutlicher Zeichen für Geschäftsbeziehungen ins Reich der Mitte, Chinaroller in Tschechien eine ausgesprochen rare Erscheinung. Es gibt schlicht kein  Werkstattnetz und auch die Beschaffung von Ersatzteilen vor Ort ist wohl nicht ohne weiteres möglich. Darum blieb nichts anderes übrig, als den Roller zum Verwahrplatz des Abschleppunternehmens in Komotau zu transportieren.
Mit einem Abschleppwagen, der weder zum Transport von Zweirädern ausgerüstet ist eine Sache für sich. Den Roller auf dem uralten Transporter zu sichern überforderte den scheinbar recht unerfahrenen Fahrer sichtlich, aber mit vereinten Kräften war es dann doch zu bewerkstelligen.
Spät am Abend kamen wir so in Komotau an, in einem mehr oder weniger verlassenen und verwahrlosten Industriegebiet am Stadtrand und ohne genaue Kenntnis der Adresse eine ziemlich interessante Angelegenheit. Der Roller stand zwar gut und sicher auf dem Verwahrplatz, ich jedoch war ziemlich verlassen in einer Gegend, die mehr an das Set für einen postapokalyptischen Actionfilm denn an einen guten Ort für einen freien Tag erinnert.
Nach einigem Herumlaufen fand ich dann einen Skodahändler der zwei große Vorteile bot. Zum Einen gab es auf dem Parkplatz vor dem Geschäft eine Sitzbank und zum Anderen bot das Autohaus offenes W-LAN, was die bevorstehende Wartezeit angenehmer machte. 
Einige Telefonate mit dem Autoclub förderten zu Tage, dass es weder möglich sei mir einen Mietwagen zur Weiterfahrt noch eine Übernachtung in Komotau zu organisieren. Die letzendliche Lösung sei, dass ein Mitarbeiter des tschechischen Partnerclubs aus Prag nach Komotau fahren und mich dann nach Hause bringen würde. Es blieb also nichts anderes übrig als einige Stunden zu warten und die einzige lebende Gesellschaft zu genießen, die das nächtliche Industriegebiet bot: Einen einsamen Igel.

 
Kurz nach Mitternacht erreichte der Autoclubmitarbeiter mich dann endlich und es ging auf die nächtliche Autobahn nach Regensburg zurück. Gegen halb drei in der Nacht war ich wieder zu Hause, um einige recht interessante Erfahrungen reicher und in der Meinung bestärkt, dass Tschechien ein ausgesprochen interessantes Reiseland ist. Ganz zu Ende ist diese Geschichte aber natürlich noch nicht, denn der Roller steht ja immer noch in Komotau und muss geborgen werden ...