Sonntag, 19. August 2018

Tour: Berchtesgaden und Rossfeldstraße

Ein wunderschön sonniger Samstag im August, keine besonderen Pläne sondern einfach nur freie Zeit, in der Garage steht ein vollgetankter Roller. Was will man eigentlich mehr? Idealere Voraussetzungen für eine gelungene Tour kann es kaum geben.
Einen Wehrmutstropfen bietet allenfalls der Blick auf die Uhr, denn für das heutige Tagesziel muss ich früh aufstehen. Gegen halb sechs in der Früh geht es raus auf die Straße, zunächst quer durch Regensburg und dann auf die alte B15 nach Landshut. So früh am Morgen ist hier wenig Verkehr. Nur einige wenige PKW und vereinzelte Lastwagen sind unterwegs, angenehm zu fahren. Neufahrn ist schnell erreicht und die Kleinstadt erwacht langsam. Bei Ergoldsbach wird es lebendiger, die Ausläufer von Landshut sind erreicht und die Kreisstadt ist bereits hellwach als ich dort ankomme. Die B15 verlasse ich hier und folge der landschaftlich schöneren B299 nach Altötting. Diese Strecke ist grundsätzlich relativ frei, der geschwungene Straßenverlauf macht sie für einen Rollerfahrer ideal, aber für schnellen Verkehr weniger attraktiv. Die Landschaft wird ab Vilsbiburg voralpin, weiche Hügel mit sanftem Schwung und weite Wiesen verdrängen mehr und mehr das flache Ackerland der Ebene. 
Dies sind die Ausläufer des Chiemgau, der wohl postkartenmotivartigsten Gegend Oberbayerns. Entsprechend sieht es aus: Weites grünes Land mit pittoresk eingestreuten Dörfern. Jedes gekrönt von einer Maibaumspitze und dem Zwiebelturm der Pfarrkirche, dazwischen alte Scheunen und einsame Bauernhöfe. Das weiche Licht des frühen Vormittags unterstreicht diese milde Landschaft noch und hindurch zu rollern ist eine pure Freude. 
In Altötting grüßt die berühmte Gnadenkapelle, zur der jährlich zigtausende Pilger ziehen. Mich zieht aber die Straße mehr in ihren Bann und nach einem kurzen Stopp zum Frühstück (das Café direkt gegenüber der Kirche ist sehr zu empfehlen!) geht es zurück auf das Asphaltband in Richtung Südwest.
Die B299 verlasse ich allerdings bald und zweige bei Hirten auf Nebenstrecken ab. Im Gewirr der winzigen Landstraßen des Chiemgaus kann man sich leicht verfahren, was mir in der Vergangenheit auch schon des Öfteren passiert ist. Heute kommt mir dies zu gute, denn den Weg nach Waging am See kenne ich von früher her sehr gut. Bei Traunstein erreiche ich wieder eine große Hauptstraße, die B306 die durch das wunderschöne Voralpenland nach Inzell führt. Die Bundesstraßen 306 und 305 sind hier mit der Deutschen Alpenstraße gleichzusetzen, eine traumhafte Strecke durch die faszinierende Bergwelt. Leider ist sie zur Ferienzeit auch relativ viel befahren, die Natur des Streckenverlaufs zwingt dem Verkehr jedoch ein geringes Tempo auf, weshalb diese auch mit einem 50er- Roller gut zu befahren ist.
Inzell ist aus dieser Richtung endgültig das "Tor zu den Alpen". Die Bundesstraße verläuft hier durch einen scharfen, wilden Talschnitt in dessen Grund wildes Wasser tobt. Die bewaldeten Berghänge geben der Landschaft etwas finsteres und auch an einem herrlichen Sommertag ist es kühl in der tiefen Schlucht. Erst kurz vor Ramsau öffnet sich die Schlucht in einen weiten Talkessel, in dem sich auch Berchtesgaden befindet. 
Es ist kaum ein klischeehafteres Alpenbild denkbar als der Weitblick über Ramsau in die Berchtesgadener Alpen. Es ist kaum verwunderlich, dass dieser Teil der Alpen zu den meistbesuchten und natürlich auch meistfotografierten zählt. In Berchtesgaden fahre ich in den Ort um zu Tanken und eine Kleinigkeit für das Mittagessen zu kaufen, der mondäne Ort ist mit Touristen verstopft und zieht mich nicht wirklich an.
Ich fahre weiter in Richtung Unterau, wo die Nordrampe der Rossfeldstraße abzweigt. Sie ist mein heutiges Tagesziel und gegen Mittag erreiche ich die Mautstation. Die als B999 geführte, mautpflichtige Straße ist insofern ein Kuriosium, als sie zwar Deutschlands höchste Straße, jedoch kein Pass ist. Sie führt in einem Kreisbogen von Oberau zum Parkplatz am höchsten Punkt und wieder (fast) zum Ausgangspunkt zurück. Daher ist sie "nur" ein Höhenringstraße und kein Pass. Mir ist das egal, ich bin nicht hergekommen um irgend einen Rekord zu feiern oder aufzustellen, sondern um die wunderschöne Straße und das herrliche Panorama zu genießen.
Auf 1560m, am höchsten Punkt der Straße, lasse ich den Roller stehen und gehe zu Fuß noch ein paar Höhenmeter weiter zum Aussichtspunkt oberhalb des Parkplatzes. Selbst an einem sonnigen Sommertag verirren sich nur wenige Touristen hierher und ich habe meine Ruhe beim Mittagessen.Über die Südrampe geht es anschließend in wildem Kurvenschwung zurück ins Tal, so schwer der Motor des kleinen Rollers bei der Auffahrt arbeiten musste, jetzt sind es die Bremsen die bald deutlich riechend klar machen, dass sie an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind.

Von Berchtesgaden aus geht es auf der, bereits von der Anfahrt her bekannten Strecke, über die Alpenstraße zurück nach Traunstein. Hier bleibe ich diesmal auf der Hauptstraße (B304) und folge ihr bis nach Altenmarkt an der Alz und weiter bis nach Wasserburg. Ich treffe ich wieder auf die B15, die mich bis nach Landshut bringen wird. Die Berge liegen natürlich schon lange hinter mir, was sich auch klimatisch bemerkbar macht. Am Spätnachmittag liegt eine drückende Hitze über der Ebene und macht zwischenzeitlich eine längere Abkühlpause im Wald nötig.
 
Kurz vor Landshut könnte man dann meinen, ich sei endgültig falsch abgebogen und ausversehen in Afrika gelandet.
Die Strauße bewachen laut zischend hinter einem angenehm hohen Zaun ihre Küken und ich will langsam nach Hause. Darum fahre ich schnell weiter bis nach Landshut, wo ich nicht auf der B15 bleibe, sondern der B299 ein Stück weit folge und dann nach Rottenburg an der Laaber abzweige. Quer durch Niederbayern geht es dann zurück in die oberpfälzer Heimat. Gut vierzehn Stunden nach Abfahrt bin ich wieder zu Hause, der Roller hat wunderbar gehalten und knapp 500km mehr auf dem Zähler stehen, ein gelungener Tag voller wunderschöner Eindrücke aus der majestätischen Welt der Alpen, aber auch angefüllt mit den kleinen, in keinem Bericht wiederzugebenden Erlebnissen entlang der Straße. Später falle ich totmüde ins Bett, heilfroh wieder zu Hause zu sein und zugleich traurig weil der Tag schon zu Ende ist.










Freitag, 17. August 2018

Spirit: von hieraus gehts wieder bergauf

Ein lieber Bekannter war heute zu Besuch in der Rollerhölle. Marco und seine Sfera sind immer wieder gerne gesehene Gäste. Die alter Italienerin brauchte etwas Zunwendung in Form einer kleinen Durchsicht, im Gegenzug half mir Marco dabei, den Chinakracher weiter zu zerreißen.
Die erste Aufgabe beim Chinesen war den Auspuff abzunehmen und das Motoröl abzulassen und genau zu untersuchen. Glücklicherweise fanden sich darin keine Hinweise auf irgend einen mechanischen Schaden. Die Schnurfeder hatte es also nur nach Außen, zur Zündung hin, geschafft.
Anschließend ließ sich problemlos der Steuerdeckel des Motor abschrauben. Ich hatte fest damit gerechnet, darin irgend einen gruseligen Horror zu finden, aber tatsächlich war dieser Bereich des Motors völlig in Ordnung.
Lediglich das Plast-Antriebsrad der Ölpume hat relativ viel Spiel gegenüber dem treibenden Rad auf der Kurbelwelle. Aber das ist ja sowieso eines der Teile, die man ohnehin ersetzt wenn man den Motor schonmal offen hat.
Von innen ist dafür gut zu sehen, wie fertig der Wellendichtring ist. Es ist eigentlich ein kleines Wunder, das nur so wenig Öl ausgelaufen war. 
Das Ölpumpenrad ließ sich dafür dann völlig problemlos entfernen und die Ölpumpe ausbauen.
Die Ölpumpe selbst, die ja zu den wichtigsten Einzelteilen des Motors gehört, ist in einem einigermaßen guten Zustand. Sie dürfte zweifellos funktionieren, zeigt aber doch deutliche Spuren des Gebrauchs. Nach geradeeinmal etwas über 5.000km nicht unbedingt ein Zeichen von guter Qualität. Aber was will man bei diesem Fahrzeug erwarten?
Die Zahnräder des Pumpwerks sind von der Passung her noch gut, zeigen jedoch deutliche Laufspuren. 
Genauso wie der Deckel der Pumpe. Es wird also auf jeden Fall eine neue Pumpe geben, ansonsten ist aber alles in Ordnung in diesem Bereich.
Positiv ist, dass hier wohl der Punkt der "maximalen Zerlegung" erreicht ist, der für diese Reparatur notwendig ist. Als nächstes werden Ersatzteile bestellt und der Roller wieder zusammengebaut, hoffentlich mit einem guten Ergebnis. Irgendwie macht Sfera-Schrauben aber doch deutlich mehr Spaß als Chinakracher-Schrauben, soviel steht fest.

Donnerstag, 16. August 2018

Spirit: warum einfach wenns auch kompliziert geht ?

Der Polradabzieher für den Chinakracher war heute in der Post und am Abend noch etwas Zeit, eine gute Gelegenheit am Kackfass weiter zu machen.
Nachdem ich das Polrad mit der Gewindefeile etwas nachgearbeitet hatte ließ sich das Werkzeug problemlos ansetzen. Weniger problemlos war es, das Polrad abzuziehen. Ein ziemlicher Gewaltakt, zuletzt durch den Pressluftschrauber unterstützt war nötig, um das widerspenstige Trumm von der Kurbelwelle zu rücken. Aber das Ergebnis zählt und zuletzt gab das Polrad auf.
Auffällig war nun vor allem, dass die gesamte Zündung verölt war, außerdem hing die Schnurfeder des Wellendichtrings aus dem Sitz. Kein gutes Zeichen.
Ohne den Zündanker ist dann gut zu sehen, wie stark die Verwüstungen waren. Den Simmering hat es komplett zerrieben und die Schnurfeder hat sich ihren Weg zum Polrad gearbeitet. Ihr Ende war dann vom Rotor zerfetzt worden. 
Was davon übrig war, konnte ich problemlos herausziehen.
Die Innenseite des Polrad war nicht nur verölt sondern auch komplett mit Metallspänen überzogen.
Diese Späne sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Überreste der Schnurfeder und des WeDi. Einige Messungen an den Spulen ergab dann wohl auch die Ursache für den Zündungsausfall: Die Erregerspule für den Zündstrom ist komplett durchgeschlagen, bei näherer Betrachtung mit der Lupe habe ich dann gesehen, dass winzige Metallspäne die Isolation durchdrungen hatten. Das gibt natürlich einen Kurzschluss und somit den Tot der Spule. 
 
Natürlich lässt sich dieser WeDi nicht einfach von außen wechseln. Dazu muss der Steuerdeckel des Motors runter, im Grunde nicht schlimm, aber eben doch ein riesen Aufriss für eine eigentlich harmlose Reparatur. Außerdem: Wer weiß schon, welchen Horror ich dann noch im Inneren des Steuergehäuses finden werde? Es bleibt also dabei: Fortsetzung folgt ...