Sonntag, 17. März 2019

#scooterlife : einfach mal an die frische Luft

Dem Roten Baron hat die Standzeit über den Winter nicht wirklich gut getan, auf die Kombination aus altem Sprit und Standzeit reagiert die Reuse ausgesprochen allergisch. Es gibt dafür nur eine wirklich sinnvolle Kur: Raus auf die Straße und das alte Zeug im Tank verfeuern.
Darum ging's heute Nachmittag ohne festen Plan ein bisschen raus. An der Donau entlang nach Kelheim und dann das Altmühltal entlang bis nach Essing. Im Sommer ist die Strecke am Sonntag massiv mit Knieschleifern und Leuten mit Papgeienlederfetisch verseucht, so früh im Jahr geht es aber noch sehr angenehm zu fahren.
Essing ist wie ausgestorben, die Touris sind noch zu Hause. Der Brunnen vor dem Rathaus mit den drei Kranichen, die auch im Stadtwappen herumflattern, hält noch Winterschlaf. Eine wundervoll friedliche Szene.
Von Essing aus geht es auf der alten Talstraße weiter, parallel zur modernen Schnellstraße, auf der zu viele Leute unterwegs sind, die an der Bleifußseuche erkrankt sind. Prunn, unterhalb der berühmten Burg ist der nächste Wegpunkt. Von hier aus zweigt eine kleine Straße ab, es geht steil auf die Höhen hinauf und am Abzweig zur Burg Prunn vorbei.
Hier oben, zwischen Meierhofen und Painten, ist keine Sau unterwegs. Genau so macht Rollerfahren Spaß. Einsame Strecken, kein Verkehr, nur Stille und die langsam erwachende Natur.
Im Kelheimer Forst haben die Winterstürme schwer getobt. Die Straße durch den Wald nach Thumhausen ist eigentlich gesperrt, mit einem Auto wäre sie auch nicht befahrbar, aber der Roller passt an den umgefallenen Bäumen vorbei. 

Langsam geht es dann durchs Eichhofener-Tal zurück in die Heimat, keine besonders bemerkenswerte Tour, aber das Tagesziel ist erreicht. Der Roller läuft deutlich besser, hat frisches Futter im Tank und (viel wichtiger noch) dem Fahrer gehts richtig gut. Tiefenentspannung kann ganz einfach sein.





Samstag, 16. März 2019

Fahrzeugportrait: Malaguti Centro SL

Malaguti ist leider seit 2011 Geschichte. Das 1930 gegründete Unternehmen aus San Lazzaro di Savena bei Bologna gehörte zu jenen Firmen, die immer wieder mit spektakulären Rollerkonstruktionen für Aufsehen sorgten. Die Modelle F12 und F15 zählen zweifellos zu den besten Sport-Fuffis ihrer Zeit. Aber es gab natürlich auch bürgerliche Fahrzeuge, Nutzroller im klassischen Sinne. So wie den Centro SL, um den es hier gehen soll.


Es handelt sich beim Centro um einen Großradroller, eine Fahrzeuggattung, die in Italien schon seit den 80er Jahren beliebt ist, sich nördlich der Alpen aber nie so recht durchsetzen konnte.Der Centro kombiniert klassische Vorzüge dieser Bauweise, wie stabilen Lauf und sicheres Fahren auf schlechten Straßen mit einigen hoch interessanten Konstruktionsdetails.

grundlegende technische Daten:
Motor: luftgekühlter, einzylinder Zweitaktmotor mit horizontalem Zylinder
Motorhersteller: Minarelli
Leistung: 2kW bei 6500UpM
Reifengrößen: 2,75X14 vorne 3,00X14 hinten
Höchstgeschwindigkeit: 50km/h



Motor und Antrieb
Der Centro wird von einem liegenden, luftgekühlten Minarellimotor angetrieben. Es handelt sich um jenen Standardmotor, der auch in vielen anderen Modellen des Herstellers zum Einsatz kam. 

Die klassenübliche, stufenlose Riemenautomatik ist werksseitig gelungen abgestimmt und sorgt für gute Beschleunigungs- und Durchzugswerte. Zeittypisch ist der Centro SL relativ mild gedrosselt und hat keinen Katalysator, entsprechend kraftvoll tritt er an.

Fahrwerk und Bremsen
Das Fahrwerk, mit einer einfachen Telegabel vorne und einem Einzelfederbein hinten, ist klassentypisch und recht weich. Die komfortbetonte Auslegung macht den Centro zu einem angenehmen Cruiser, auch auf schlechtem Untergrund. Gleichzeitig sorgt sie aber auch für viel Unruhe und wenig Rückmeldung. Hier wird klar, dass der Centro ein komfortabler Alltagsroller sein will und kein Sportler.
Zu diesem Eindruck passen auch die Bremsen. Die wirkungsvolle, aber wenig giftige Scheibe vorne und die teigige Trommelbremse im Heck verzögern den Roller jederzeit sicher, lassen jedoch etwas an Aggressivität vermissen.

Die ungewöhnliche Radgröße von 14 Zoll ist eigentlich ein guter Kompromiss zwischen Stabilität und Wendigkeit, die wenigen Reifen die in dieser Größe verfügbar sind, setzen jedoch enge Grenzen. Die Veerubber-Gummis der Originalausrüstung sind mit den theoretisch möglichen Kurvengeschwindigkeiten des Centro jedenfalls überfordert. Daraus ergibt sich eine unglückliche Kombination von die möglichen Fahrleistungen beschränkenden Reifen und einem Fahrwerk das wenig Rückmeldung bietet. Dies führt dazu, dass der Centro im schmalen Grenzbereich tückisch und schwer beherrschbar ist. Ungeübte Fahrer finden sich somit schneller im Straßengraben wieder als sie es sich wünschen.

Besonderheiten / Schwächen
Im Gegensatz zu vielen Großradrollern bietet der Centro ein ausgesprochen großes, gut nutzbares Helmfach. Zwei kleinere Jethelme passen problemlos hinein. Dies ist möglich, weil sich der Treibstofftank des Rollers in der Frontverkleidung befindet. Das zweikammerige, knapp über 8l große Spritfass verfügt über zwei Auslasse, die zur Benzinpumpe unter dem Trittbrett führen. Der Tankstutzen befindet sich hinter einer kleinen Klappe im Beinschild. Bei frühen Versionen des Centro SL befindet sich hier auch der Öltank, dieser wurde bei späteren Exemplaren in die linke Seitenverkleidung verlegt und wird über einen Stöpsel im Helmfach befüllt.
bei abgenommener Verkleidung ist die Form des Tanks gut zu sehen
Ab Werk war für den Centro eine "Moto Guard" genannte Alarmanlage lieferbar. Diese war jedoch zur damaligen Zeit in Deutschland nicht zulässig, weshalb sie bei deutschen Modellen nur vorgerüstet war.  Im Bereich des Tankstutzens befindet sich hierzu ein unbelegter Stecker, im Tacho eine ungenutzte Kontrolleuchte.
ab oberen Rand des Tachos ist die ungenutzte "Moto Guard" Lampe zu sehen
Hauptschwachpunkt des Centro ist sein sehr schlechtes Fahrlicht. Zwar verfügt er über einen echten Doppelscheinwerfer, aber die beiden 5W Glassockellampen, die als Fahrlicht dienen sind nur Positionslampen. Als Fernlicht stehen immerhin zwei 15W Kugellampen zur Verfügung, diese vermögen jedoch nur die Dunkelheit etwas besser sichtbar zu machen. Nachtfahrten auf unbeleuchteten Landstraßen sind mit solchen Funzeln schlicht lebensgefährlich.

Die schmale Verkleidung, die die Räder weitgehend frei lässt, bietet zudem wenig Wetterschutz. Bei Regen spritzt das Vorderrad über den Rand des Kotflügels nach oben und das Hinterrad schleudert das Wasser seitlich an die Sitzbank hinauf.  
in der Seitenansicht wird deutlich, wie knapp die Verkleidung des Centro ist


der Centro SL im Alltag / Fazit
Wer einen seltenen, aber dennoch gut mit Verschleißteilen versorgten Roller sucht, ist mit dem Centro an der richtigen Adresse. Es ist, zumindest nördlich der Alpen, sehr unwahrscheinlich einem identischen Fahrzeug zu begegnen und zudem ist der Roller sehr praktisch. Sein schlechtes Fahrlicht und das teilweise kritische Fahrverhalten empfehlen ihn eher als Stadtroller und für geübte Fahrer.  Als Tourer taugt er, trotz seines riesigen Tanks und der daraus resultierenden hohen Reichweite, nur bedingt. Mit voller Beladung kommen Fahrwerk und Bremsen zu schnell an ihre Grenzen.

Freitag, 15. März 2019

Cargo Zip: kleine Verbesserungen

Die Ersatzteile für den Zip waren die Tage in der Post, Zeit den Roller wieder zusammen zu bauen.
Es war ja in dem Sinne nichts wirklich schlimmes zu tun, eigentlich nur eine normale Wartung und natürlich die neuen Bremsbacken für das Hinterrad.
Bei den alten Piaggio-Automatikrollern muss das Hinterrad zum Getriebeölwechsel sowieso raus, insofern war die Gelegenheit günstig.
Der größte Posten auf dem Zettel war die Montage des "neuen" Auspuffs. Ich hatte es befürchtet und leider recht behalten: Der Stage6-Auspuff hat sich gewehrt.
Es ist ein bekanntes Problem, dass an den Rollern mit kurzer Schwinge manche Auspuffanlagen nicht gescheit passen. So musste ich auch diesmal an der Halterung herumflexen um es passend zu bekommen.
Eine kurze Probefahrt brachte dann ein zwiespältiges Ergebnis. Der Roller läuft erheblich besser als zuvor, der alte Auspuff ist definitiv hinüber weil völlig zugekohlt. Aber der Stage6 Street ist mir etwas zu laut, teilweise wohl auch, weil der Krümmeranschluss am Zylinder nicht perfekt abdichtet, hier muss ich nochmal beigehen. Eigentlich hasse ich nichts mehr als Auspuffpaste, aber diesmal wird es wohl nicht ohne klappen. Ob dieser Auspuff eine Dauerlösung ist muss sich zeigen, meine grundsätzliche Meinung über diese Marke hat sich aber mal wieder bestätigt: Gute Leistung, aber die Qualität lässt zu wünschen übrig. Immerhin, da gebraucht war das Teil sehr günstig.
Nach der Pflicht stand aber noch die Kür auf dem Programm. Der Zip hatte bisher keinen Getränkehalter, auf Tour nervig und meine bisherige Lösung mit dem Gummizug an der Scheibe war sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. 
Eine passend geschnittene, gebogene und gebohrte Querstrebe ist da schon deutlich besser.
Aus einem Reststück entstand dann der angeschweißte Ausleger, an den ich den Fahrradflaschen-Halter anschrauben kann.
Der Zip ist aber nun keine Gammelratte wie der Baron, darum gabs diesmal sogar eine ordentliche Lackierung mit Grundierung für den Neubau.
Dank Heizlüfter trocknet das auch bei Schlotterwetter einigermaßen zügig und ich konnte es heute noch anschrauben.
Die Flasche hat jetzt festen halt und schlottert nicht mehr lose in der Gegend herum. Außerdem kann der hässliche Gummi weg.
Der Zip bekommt außerdem noch eine Navitasche, dafür ist ja jetzt auch Platz und ein stabiler Halter vorhanden.