Montag, 16. Mai 2022

Ape 50 Typenkunde und Generationen

Von kaum einem anderen Fahrzeug aus dem Piaggio-Konzern wurde eine derartige Vielfalt an Varianten produziert wie von der Ape 50. Verständlicherweise führt dies immer wieder zu Verwirrungen, auch weil sich manche Modellgenerationen in ihren äußeren Merkmalen sehr ähnlich sind. Diese (nicht abschließende) Liste soll dabei helfen, die einzelnen Modellvarianten zu unterscheiden.

Die hier aufgelisteten Präfixe finden sich auch in der jeweiligen Fahrgestellnummer (FIN/VIN) des jeweiligen Fahrzeugs wieder. Darüber ist also eindeutig festzustellen, um welche Version es sich jeweils handelt. Ebenso ist die Motortype immer als Präfix der Motornummer im Gehäuse eingeschlagen (Ausnahme: Werks-Austauschmotoren die ohne Nummer als Ersatzteil ausgeliefert wurden).


Präfix: TL1T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1969 bis 1971
Ape 50 der ersten Generation. Primitivelektrik 6V mit Handstarter, Karosserie mit schmaler Kabine und gewölbtem Dach, teilweise noch ohne Türen ausgeliefert.

Präfix: TL2T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1971 bis 1980
Ape 50 der ersten Generation. Primitivelektrik 6V mit Handstarter, Karosserie mit schmaler Kabine und gewölbtem Dach.

Präfix: TM1T
Motortype: ?
Bauzeitraum: 1970 bis 1974
Wie TL2T jedoch mit 125ccm.

Präfix: TL3T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1980 bis 1986
Ape 50 der zweiten Generation. Elektrik je nach Baujahr 6V oder 12V, Handstarter oder elektrischer Anlasser. Schmale Kabine mit abgeflachtem Dach. Ab 1984 bei allen Modellen elektronische Zündung.

Präfix: TL4T
Motortype: TL2M
Bauzeitraum: 1985 bis 1993
Ape 50 der zweiten Generation. Wahlweise mit elektrischem Anlasser. Erstes Modell mit breiter Kabine, Türen mit geraden Seitenfenstern. Ab 1990 nur noch Elektrostartmodelle.

Präfix: TL6T
Motortype: TL3M
Bauzeitraum: 1989 bis 1995
Ape 50 der zweiten Generation, letztes Modell mit nur einem Scheinwerfer. Ausschließlich Elektrostarter. Frühe Modelle bis 1990 noch mit alten Anbauteilen, altem Lenker (in Italien ohne Tacho) und Türen mit geraden Fenstern. Ab Mitte 1990 mit neuen Anbauteilen, neuerem Lenker und Seitenfenstern mit Knick (wie TL5T).

 

TL6T erste Serie bis 1990

TL6T zweite Serie ab 1990

Präfix: TL5T
Motortype: TL3M
Bauzeitraum: 1996 bis 1999
Ape 50 der zweiten Generation. Erste Generation mit zwei Scheinwerfern. Frühe Modelle für bestimmte Märkte ohne Kühlergrillatrappe. Verbesserter Lenker mit Kombinationsinstrument mit Reservewarnlampe.
Verwirrend und nicht logisch erklärbar ist, warum TL5T das Nachfolgemodell von TL6T ist. Dies passt eigentlich nicht zur typischen Nomenklatur bei Piaggio.

Präfix: ZAPC80
Motortype: ?
Bauzeitraum: 1998 bis 2018
Ape 50 der zweiten Generation. Weitgehend wie TL5T jedoch mit div. optischen Anpassungen und Abgasverbesserungen je nach Baujahr. Diverse Sondermodelle.

ZAPC80
Präfix: ZAPC81
Motortype: ?
Bauzeitraum: 2018 bis aktuell
Ape 50 der dritten Generation. Verbesserter Motor mit Euro4-Abgasnorm. LED-Hauptscheinwerfer und verbesserte Bremse (Allradbremse). Moderner Tacho mit Tankuhr.




Donnerstag, 21. April 2022

Sinnfindung in den Osterferien

Es ist nun schon eine ganze Zeit lang her, dass ich hier im Blog etwas geschrieben habe. In letzter Zeit lag der Fokus einfach mehr auf den Videos für Youtube, außerdem war auch sonst ziemlich viel los und einfach keine Zeit, sich um den Blog zu kümmern.

Über die Ostertage war ich zum ersten Mal dieses Jahr etwas unterwegs. Eine liebe Freundin hatte mich nach Hessen eingeladen. Die Idee war etwas Schrauberhilfe bei den technischen Vorbereitungen zu einer größeren Rollerreise und ein bisschen gemeinsames Rollerfahren. Aber wie gesagt, Zeit ist knapp und so ging es mit dem Golf mit Anhänger auf Tour.

Den Kymco Curio hatte ich ausgewählt, weil er einfach der nächste greifbare Roller war. Außerdem ist er ja noch nicht lange Teil der Flotte und so war es spannend zu sehen, ob sich der alte Taiwaner auch als Tourer bewähren würde.

Den Karfreitag über einfach mal in aller Seelenruhe über Land fahren war aber der wesentliche Einstieg in ein ruhiges Wochenende. Einfach mal ganz bewusst langsam machen ist schon sehr schön.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der angesprochenen Reisevorbereitungen. Auch wenn das der Grand Dink grundsätzlich in sehr gutem Zustand ist, so braucht eine gründliche Inspektion eben Zeit und man findet natürlich auch die eine oder andere Sache.


Ostersonntag war dann zum Ausgleich ein entspannter Tourentag. Nordhessen ist eine Gegend, in der ich mich nicht sonderlich gut auskenne und noch nicht so oft war. Entsprechend viel gab es dann für mich zu entdecken. 

Es ist eine wunderbar abwechslungsreiche Landschaft mit historischen Orten und langsamen Straßen. Eigentlich ein ideales Revier für Roller- und Motorradfahrer. Das absolute Highlight des Tages war für mich aber die Ruine Amöneburg, die über dem gleichnamigen Ort auf einem Bergkegel liegt.


Es ist einer jener Orte, an denen sich ganz besonders gut Träumen lässt. Von weiteren Rollertouren zum Beispiel. 

Am Ostermontag ging es aber erst mal nach Hause. Wieder schön langsam und entspannt, einfach um die Ruhe zu genießen und den Tag dazu zu nutzen, etwas runterzukommen.
Der Curio ist als Tourer übrigens ganz brauchbar, aber nicht sonderlich bequem. Er bleibt also wohl Stadtschrupper und Alltagsmoped, aber das macht ja nix.


Donnerstag, 10. Februar 2022

Warum tut man sich sowas eigentlich an?

Eigentlich hatte ich ja vor, den Blog nicht mehr als Schraubertagebuch zu führen. Dieser Vorsatz steht auch immer noch. Trotzdem habe ich heute wieder einmal ein paar Schrauberbilder aus der Werkstatt für euch.

Vor einigen Wochen ist mir ein zweiter Bajaj Sunny "zugelaufen". Eine etwas andere Ausführung als der bei Bloglesern und Kanalzuschauern bereits bekannte blaue Roller. Aber ich will hier nicht vorgreifen, denn der Neuzugang wird demnächst Gegenstand einer kleinen Videoreihe auf Youtube sein.

Mir geht es jetzt um etwas anderes, denn die Tage habe ich mich mal wieder mit dem Ding befasst und den Hauptständer in Ordnung gebracht. Das klingt nun zunächst nicht weiter spektakulär und eigentlich ist es das auch nicht. Es ist eine Arbeit, die bei viel gefahrenen Rollern von Zeit zu Zeit ansteht, denn letztlich ist der Ständer ein Verschleißteil. Beim Bajaj Sunny gibt es da aber ein kleines Problem: Neuteile sind nicht mehr zu bekommen. Der arg vernudelte Ständer musste also gerettet werden.


Ich habe in der Vergangenheit schon öfters erklärt, wie man das macht. Entrosten, Brüche und Risse zuschweißen und die ausgenudelten Montageaugen durch aufschweißen von neuem Metall und ausbohren wieder benutzbar machen. Nichts davon ist sonderlich schwierig, es ist einfach nur eine zeitraubende Fleißarbeit.


Wenn man die Zeit dazurechnet, die nötig war, um den völlig festgebackenen Montagebolzen aus dem Motorgehäuse zu bohren, so hat es etwa fünf Stunden gedauert, aus einem Haufen verbogenen und vergammelten Schrott wieder einen benutzbaren Hauptständer zu machen. Die Anfertigung eines neuen Montagebolzens habe ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, noch vor mir, aber darum soll es ja wie gesagt nicht gehen.

Mich hat nämlich vor einiger Zeit ein Kanalzuschauer angeschrieben und eine recht interessante Frage gestellt. Nämlich die Frage, warum ich das eigentlich mache. Also alte, von den meisten Menschen ungewollte Roller wieder aufarbeite. Zeit, Arbeit und Geld in etwas investiere, das hinterher keinen sonderlich hohen monetären Wert hat. Der Bajaj ist dafür ein schönes Beispiel, denn wirtschaftlich sinnvoll ist diese Aktion nicht. 

Der Fragesteller meinte die Frage übrigens in keiner Weise herabwürdigend, denn er hat gleich noch hinzugefügt, dass er meine Arbeit spannend findet und die Videos sehr gerne ansieht. Auch weil ihm sowohl das Talent als auch die Geduld für solche Arbeiten fehlen würde. Es mag ihn überrascht haben, dass ich mich auch als eher ungeduldigen Menschen betrachte. Aus einem unerfindlichen Grund finde ich es aber beruhigen und entspannend, wenn ich an solchen Dingen arbeite. Eine Art Zenmeditation mit Werkzeug sozusagen, aber das trifft es wohl auch nicht richtig, Richtiger ist wohl eher, dass ich die seltsame Befriedigung jage, die daraus resultiert, wenn man aus einem Haufen nutzlosem Schrott ein nützliches - oder wenigstens benutzbares - Objekt gemacht hat. 

Wir leben in Zeiten, in denen nahezu alles ersetzbar und kurzlebig ist. Kauft man ein Ding, so kommt es direkt mit einer Anleitung, wie man es nach Nutzung zu entsorgen hat. Ich finde das ehrlich gesagt traurig. Aus dieser Einstellung resultiert wohl auch meine Vorliebe für alte Dinge, denn meistens wurden diese auch im Hinblick auf Reparaturen gebaut. Ein Gehäuse zu verkleben ist sicher billiger und einfacher als es mit Schrauben zu verschließen. Dem dauerhaften Erhalt ist es jedoch nicht zuträglich.

In letzter Zeit wird sehr viel über sparsamen Umgang mit Ressourcen diskutiert. In mancher Hinsicht ist es vermutlich sparsamer und nachhaltiger, alte Dinge zu reparieren als durch neue zu ersetzen. Im Bezug auf meinen Sunny mag das eine rein akademische Überlegung sein, denn Alltagsfahrzeug wird dieser Roller wohl nie mehr sein, dennoch lohnt es sich, über diesen Aspekt nachzudenken.

Im Übrigen repariere ich nicht nur gerne Roller, sondern auch andere Dinge.