Dienstag, 27. August 2019

Klingonenkreuzer: wie transplantiert man eine Seele?

Seit Anfang Juni steht der Neos als teilweise demontiertes Wrack in der Werkstatt. Nachdem er auf der Sachsentour mit kapitalem Motorschaden den Geist aufgegeben hatte war ich auf der Suche nach einer sinnvollen Lösung für das Problem.

Dazu habe ich mir vor allem den Roller nochmal genau angesehen, denn es ist ja leider nicht nur der Motor hinüber. Vor allem der Rahmen hat im Laufe der Jahre massiv gelitten, mehrere Unfälle und viele Touren haben ihre Spuren hinterlassen. Dazu kommt eine verzogene Gabel, nicht mehr hundertprozentig zuverlässige Elektrik und eine im Grunde total verwüstete Verkleidung. Dass die Sitzbank bei einem Roller mit weit über 100.000km Laufleistung völlig durchgesessen ist, ist dabei dann noch das kleinste Problem. All diese Dinge zu tauschen würde einen Neubau des Rollers bedeuten. Ein wirtschaftlich völlig unsinniges Unterfangen (wobei mich das ja traditionell nicht so sehr schreckt) Außerdem stellt sich natürlich die Frage: "Ist das dann überhaupt noch mein Klingonenkreuzer?"

Das ist primär ein philosophisches Problem. Es ist letztlich die Frage nach der Seele einer Maschine, so diese denn eine hat. Zumindest diese Frage würde ich in diesem Fall mit ja beantworten. Wie transplantiert man aber eine Seele? Oder weniger theatralisch, was macht den Klingonenkreuzer zum Klingonenkreuzer? Was unterscheidet ihn grundlegend von allen anderen Yamaha Neos und MBK Ovetto der ersten Generation, die über die Straßen dieser Welt rollern?

So gestellt begibt sich die Frage wieder auf soliden Grund. Denn es sind natürlich die Um- und Anbauten, vieles davon Einzelstücke die es nur an diesem einen Fahrzeug gibt. Dinge die sich im Grunde auch problemlos an jeden anderen Roller dieser Baureihe montieren lassen.
Eine eigentlich simple und logische Erkenntnis, die aber dennoch ihre Zeit brauchte um zu reifen und sich zu verfestigen. Die aber gestern ernste, physische Gestalt angenommen hat.

Vorhang auf für einen neuen Klingonenkreuzer:

Ein MBK Ovetto der ersten Serie, noch mit dem ursprünglichen Primitivcockpit und manuellem Choke. Eine klassiche Garagenleiche, in die vor kurzem ziemlich viel Geld gesteckt wurde und die nun, zu einem mehr als nur fairen Preis, bei mir gelandet ist. Der seltene Fall, dass ich einen uneingeschränkt fahrbereiten und sogar fertig versicherten Roller gekauft habe.

Wie geht es nun weiter? Der Plan ist den "neuen" Roller grundsätzlich zu erhalten. Es gibt keinen Grund ihn nennenswert zu verändern, denn auch der "alte" Neos war im Kern ein originales Fahrzeug ohne tiefgreifende Umbauten. Das Primitivcockpit ist in gewisser Weise dem Mäusekino überlegen, lediglich die fehlende Tankuhr ist bedauerlich.
Meine ursprünglichen Pläne sahen eigentlich vor, die Verkleidung des alten Klingonenkreuzers zu erhalten, aber irgendwie hinterlässt diese Vorstellung einen faden Beigeschmack. Mal ganz abgesehen davon, dass die Verkleidung des neuen Rollers praktisch neuwertig und die des alten völlig verwüstet ist, würde das dem neuen Roller die Maske des alten aufsetzen. Eine Replik, ein Schiff unter falscher Flagge, das will ich nicht machen. Es soll ruhig jeder sehen, dass es ein anderer Roller ist. Dazu kommt, das "Zahnsteinbeige" des Ovetto ist auf eine merkwürdige Art cool. Das bleibt so.


Aber genug philosophiert. Heute Abend gab es die erste längere Fahrt mit der Neuerwerbung. Knapp 40km einfache Strecke sind es bekanntlich zu meiner Werkstatt, eine Distanz, die der Ovetto problemlos geschluckt hat.

Die beiden Abendstimmungen sind dabei auch historische Fotos, denn sie zeigen den Roller zum letzten Mal in seinem Originalzustand.
In der Werkstatt warteten ja die traurigen Reste des alten Neos darauf gerupft zu werden. Das endgültige Ende des alten Rollers liegt zwar noch in der Zukunft, aber ein erstes Bauteil musste er heute schon hergeben. Den Windschild nämlich.
Ohne Windschild fahren ist einfach nicht mein Ding und ein Roller bei mir ohne einfach nicht komplett. Allerdings wurde auch der Ovetto etwas gerupft.
Das kleine Topcase steht dem Zip irgendwie viel besser, auf den Ovetto kam das große Givi-Case, dass zuletzt auf dem Zip war und das früher mit dem Neos durch die Weltgeschichte gondelte.
Die Alubox hat sich beim Neos nicht bewährt, sie harmoniert einfach nicht mit dem Fahrzeug. Der rundliche Kindersarg passt einfach optisch besser und bietet ungefähr genauso viel Stauraum.
Ein kleines, für mich persönlich sehr wichtiges, Detail war dann noch der Schlüsselanhänger. Der Schutzengel mit dem Bild des heiligen Christophorus war vor vielen Jahren ein Geschenk eines sehr lieben Menschen und seitdem immer mit dem Neos verbunden, jetzt baumelt er am Schlüsselbund des Ovetto.
Keine spektakuläre Schrauberaktion, sondern eher eine Sache von zehn Minuten, dennoch der Beginn eines für mich sehr bedeutenden Projektes.

Klingonenkreuzer reloaded, das Abenteuer geht weiter!





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