Mittwoch, 7. Februar 2024

Freiwillige Zulassung - Unnützes Bürokratie-Brimborium, oder sinnvolle Alternative zum Versicherungskennzeichen?

 

0.       Wichtiger Hinweis:

Hier geht es natürlich auch im Gesetze. Wie immer in diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass ich weder Rechtsberatung durchführen will noch dies darf. Dies hier sind einfach zusammengestellte Informationen und Erfahrungen. Wer zu diesem Thema rechtssichere Beratung benötigt, der möge sich bitte an die zuständigen Behörden und/oder einen Rechtsanwalt wenden.

 

1.       Um was geht es überhaupt?

Zuerst muss einmal klar sein, worum es hier überhaupt gehen soll. Es soll um die freiwillige Zulassung von grundsätzlich zulassungsfreien Fahrzeugen gehen. Gemeint sind damit alle Fahrzeuge, die üblicherweise ein Versicherungskennzeichen bekommen. Also Mofas, Mopeds, Roller, Microcars usw. Ausgenommen davon sind sog. Elektrokleinstfahrzeuge, also z.B. elektrische Tretroller.

Auch wenn das Wälzen von Paragrafen immer unschön und umständlich ist, sollte man sich die entsprechenden Texte einmal ansehen. Interessant sind hier insbesondere die Paragrafen 3 und 12 der FZV.

https://www.gesetze-im-internet.de/fzv_2023/__3.html

https://www.gesetze-im-internet.de/fzv_2023/__12.html

 

2.       Warum sollte man das tun? (Vorteile einer freiwilligen Zulassung)

Die freiwillige Zulassung bietet eine Reihe von Vorteilen. Zunächst einmal fällt der jährliche Wechsel des Kennzeichens weg. Dies ist im ersten Moment kein großer Vorteil, kann aber Folgekosten sparen, wenn zum Beispiel das jährliche Neuausstellen einer Parkgenehmigung entfällt.

Viel interessanter sind die Auswirkungen der freiwilligen Zulassung auf die Versicherung des betroffenen Fahrzeugs. Das Fahrzeug wird dann nämlich von den meisten Versicherungen in die reguläre Kraftfahrtversicherung aufgenommen, deren Tarife oft deutlich günstiger sind als der „Mopedtarif“ für die Versicherungskennzeichen. Zudem können so auch Schadenfreiheitsjahre aufgebaut werden. Dies ist beispielsweise für Jugendliche vorteilhaft, denn so kann auch ein Mofa oder ein Moped bereits Rabattpunkte für den späteren Umstieg auf Motorrad oder Auto ansparen. Bei besonders wertvollen Fahrzeugen (insb. Oldtimer) kann die freiwillige Zulassung zudem auch ein guter Weg sein, um ein Fahrzeug wert gerecht (ggf. über ein Wertgutachten) in einer Kaskoversicherung unterzubringen. Etwas, das bei den Einheitstarifen für Versicherungskennzeichen in der Regel nicht möglich ist.

Lohn der Mühen: Ape 50 mit "richtigem Nummernschild" unmittelbar nach der Zulassung.

 

3.       Wo ist der Haken dabei? (Nachteile einer freiwilligen Zulassung)

Natürlich hat die Sache auch ihre verborgenen Fallstricke. Zunächst einmal ist die freiwillige Zulassung mit einigem bürokratischem Aufwand verbunden. Dazu im Detail später noch mehr. Dieser Aufwand ist natürlich auch mit Kosten verbunden. So müssen die Gebühren der Zulassungsstelle und die Kosten für die Anfertigung eines Kennzeichens eingeplant werden.

Dieses Kennzeichen muss dann natürlich am Fahrzeug untergebracht werden. Das ist nicht bei allen Fahrzeugen ohne weiteres möglich, denn natürlich müssen die Vorschriften für den Anbau eingehalten werden.

Hier ist eben der §12 FZV interessant, der unter anderem eine Kennzeichenbeleuchtung fordert. Außerdem fordern die europäischen Vorschriften, dass der untere Rand des Kennzeichens wenigstens 200mm zum Boden hat (Mindesthöhe). Siehe hierzu:

https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:198:0020:0027:DE:PDF

 

4.       Umsetzung in der Praxis

Für die freiwillige Zulassung ist zunächst ein Versicherungsnachweis in Form einer eVB-Nummer nötig. Darum muss das Vorhaben zunächst mit der Versicherung besprochen werden.

Anschließend werden die eVB-Nummer sowie die Betriebserlaubnis (resp. COC-Dokument bei Fahrzeugen mit EG-ABE) bei der zuständigen Zulassungsstelle vorgelegt. Zudem wird die Zulassungsstelle i.d.R. einen Eigentumsnachweis fordern. Dies kann etwa ein Kaufvertrag sein oder die aktuelle Versicherungsbestätigung für das Fahrzeug.

Die Betriebserlaubnis wird im Zuge der freiwilligen Zulassung entweder eingezogen oder ungültig-gestempelt (was vorzuziehen ist) und durch einen Kfz-Brief und Kfz-Schein (Zulassungsbestätigung Teil 1 und 2) ersetzt. Zudem fordern viele Zulassungsstellen auch die Vorführung des Fahrzeugs zur Kontrolle der Fahrgestellnummer.

Sofern für das Fahrzeug zum Zeitpunkt der freiwilligen Zulassung ein Versicherungskennzeichen gültig ist, so gibt es zwei Möglichkeiten: Das Versicherungskennzeichen und der Versicherungsschein werden von der Zulassungsstelle eingezogen und entweder vernichtet oder an die Versicherung geschickt oder (was vorzuziehen ist) der Versicherungsschein wird von der Zulassungsstelle als ungültig gekennzeichnet und kann dann vom Versicherungsnehmer zusammen mit dem Versicherungskennzeichen an die Versicherung zurückgeschickt werden. Welcher Weg genommen wird, sollte im Vorfeld sowohl mit der Versicherung als auch mit der Zulassungsstelle besprochen werden. Generell ist es zweckmäßig, das Vorhaben im Vorfeld auch mit der zuständigen Zulassungsstelle abzusprechen. Insbesondere, was Eigentumsnachweise angeht. So lassen sich unnötige Wege und Ärger vermeiden.

 

5.       Mythen und Legenden

Zum Thema freiwillige Zulassung findet man leider auch viele Fehlinformationen. Die häufigsten seinen hier aufgeführt:

HU/AU Pflicht?
Trotz freiwilliger Zulassung muss das Fahrzeug nicht alle zwei Jahre zum TÜV. Es ändert sich ja nichts an der Fahrzeugart und Kleinkrafträder, Mofas usw. sind nicht HU-pflichtig. Dies wird i.d.R. sogar im Fahrzeugschein der freiwilligen Zulassung vermerkt. Dies dient hauptsächlich dazu, Verwirrungen bei evtl. Verkehrskontrollen zu vermeiden. Denn das Kennzeichen hat natürlich auch keine HU-Plakette, was seitens der Polizei ja durchaus zu Nachfragen führen kann.

Höhere Endgeschwindigkeit?
Nein, bedauerlicherweise darf man auch mit der freiwilligen Zulassung nicht schneller fahren als mit dem Versicherungskennzeichen.

Bring „die da oben“ nur nicht auf Ideen!
Die freiwillige Zulassung existiert seit der Einführung der zulassungsfreien Fahrzeugklassen mit Versicherungskennzeichen. Also seit 1957. Diese Möglichkeit wurde damals hauptsächlich geschaffen, um bei den damals noch recht verbreiteten Mopeds im gewerblichen und behördlichen Gebrauch den jährlichen Kennzeichenwechsel vermeiden zu können.

Tatsächlich ist die freiwillige Zulassung für die lokalen Straßenverkehrsämter und Zulassungsstellen vor allem eine wenig willkommene Mehrarbeit, und für „den Staat“ ist es egal, ob ein Versicherungskennzeichen oder ein amtliches Kennzeichen direkt mit einer bestimmten Person verknüpft sind. Ein Strafzettel findet ggf. schon seinen Weg zum Halter des Fahrzeugs. Die von manchen herbei befürchtete Einführung einer allgemeinen Zulassungspflicht für Mopeds wird es auf diesem Wege sicher nicht geben.

 

6.       Beispiel aus der Praxis und Fazit

Um ein Beispiel aus der Praxis zu zeigen: Ich habe meine Ape 50 im Februar 2024 in der Stadt Regensburg freiwillig zugelassen. Die Kosten hierfür betrugen:

34,40€ Gebühren der Zulassungsstelle

23,00€ Anfertigung des Kennzeichens

Die Versicherungskosten für die Ape betragen im ersten Jahr nach der Zulassung (SF0 da kein freier Rabatt vorhanden war) 22,00€ für Haftpflicht- und Teilkaskoversicherung. Mit Versicherungskennzeichen waren es für die Saison 2023 33,50€ nur für Haftpflichtversicherung. Die Tarife sind also nicht direkt vergleichbar.

Bei der Ape war die Nachrüstung einer Kennzeichenbeleuchtung nötig. Gelöst durch Rückleuchten aus dem Zubehör mit integrierter Kennzeichenbeleuchtung. Es wurde ein Kennzeichen 200X280mm zugeteilt, für das ein entsprechender Halter angefertigt werden musste. Auch darum war es hilfreich, dass ich im Vorfeld mit der Zulasungsstelle gesprochen hatte, denn so wusste ich bereits, welche Kennzeichengröße benötigt wird.

Kennzeichenhalter im Bau. Dabei kommt es auch darauf an, die nötige Mindesthöhe einzuhalten. An der Rückleuchte ist die integrierte Kennzeichenlampe (seitlich) gut zu erkennen.

 
Der komplette Kennzeichenhalter an der Ape. Bei den meisten Zweirädern dürfte der Arbeitsaufwand deutlich geringer sein.

 Ob sich der Aufwand für eine freiwillige Zulassung im Einzelfall lohnt, das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Allerdings gibt es durchaus stichhaltige Gründe, warum dieses Prozedere sinnvoll sein kann. Der wichtigste ist vermutlich die Kostenersparnis bei der Versicherung, die aber natürlich nur dann zum Tragen kommt, wenn man das Fahrzeug über einen längeren Zeitraum nutzen möchte.

Donnerstag, 11. Januar 2024

Alternativer Heckklappengriff (Schlossgriff) für Ape Classic

Manchmal stellen sich einem Herausforderungen, die eigentlich ganz einfach lösbar wären. Einfach durch den Kauf eines Ersatzteils, das im Prinzip einfach lieferbar wäre. Doch was, wenn der Preis dafür einfach zu hoch ist?

So ging es mir vor ein paar Tagen, als sich das folgende Problem stellte: Beim Kastenaufbau einer Ape Classic (Kunststoffkoffer) fehlte der Schlüssel. Von Piaggio gibt es nur den kompletten Schlossgriff zu kaufen, für Preise zwischen 170 und 200 Euro, was mir einfach etwas arg viel für einen simplen Plastikgriff mit einem billigen Plättchenzylinder drin erscheint. Dummerweise gibt es keinen brauchbaren Schließzylinder im Zubehör, und einen Schlüssel für den vorhandenen anfertigen lassen, ist auch nicht viel billiger als der komplette Griff. Was also tun?

Zum Glück ist der Mechanismus denkbar simpel. Der Griff treibt über einen Vierkant (10mm Seitenlänge) ein Zahnrad an, das in zwei Zahnstangen greift, die wiederum die beiden Sperrriegel bewegen. Nahezu alle Schlossgriffe aus dem freien Zubehör (LKW/Anhänger/Landmaschinen) funktionieren nach diesem Prinzip. Allerdings haben diese i.d.R. nur einen 8mm-Vierkant, sind also zu klein.

Ähnliche Vierkante kommen allerdings auch bei Haus- und Zimmertüren zum Einsatz, und für diese gibt es Adapterhülsen, um unterschiedliche Größen mit verschiedenen Schlössern kombinieren zu können. Ein Adapter von 8 auf 10 mm ist eine gängige Größe und in jedem Baumarkt zu haben (Preis ca. 2€). Damit lassen sich ein Universal-Schlossgriff (Preis ca. 20€) und das Zahnrad der Classic miteinander kombinieren.

Der Vierkant ist allerdings zu lang und ragt deutlich zu weit in den Innenraum, als dass sich das Abdeckblech wieder montieren lassen würde. Man muss diesen also entweder kürzen oder ein passendes Loch im Abdeckblech vorsehen. Zweiteres eröffnet die Möglichkeit, einen inneren Griff anzubringen (Drückergriff für Zimmertüren). Somit lässt sich der Kasten in Zukunft auch von Innen öffnen, was zum Beispiel bei Camperumbauten praktisch ist.


Der Griff selbst wird im Übrigen einfach durch die Außenhaut des Kastens verschraubt. Dies ist auch beim Originalteil der Fall, man wird also i.d.R. nur die beiden Löcher etwas anpassen müssen. Im hier gezeigten Fall war es ausreichend, die Löcher mit einer Rundfeile etwas aufzureiben.

Die auf dem Bild zu sehenden Schrauben haben provisorischen Charakter, die mit dem Griff mitgelieferten Schlossschrauben waren zu kurz.

Der hier gezeigte Griff wird als "Schlossgriff Pferdeanhänger" von div. Anbietern etwa über eBay und Amazon vertrieben. Außerdem ist er u.A. bei Fa. JB Brandl (anhaenger-ersatzteile24.de) unter Artikelnummer 990011500 verfügbar. (Stand 01/2024)





Freitag, 29. Dezember 2023

„Kleinkrafträder frei, ein Geschenk der Moderne an die Fahrer alter Karren

 

Manch ein Zeitgenosse mag mich für ein bei der Sintflut vergessenes Urvieh halten. Ich wohne in einer Wohnung mit Möbeln, die größtenteils noch aus Omas Zeiten stammen, ich habe keinen Fernseher und diese Zeilen tippe ich auf einem Computer, den die heutige Jugend vermutlich neben der Totenmaske Tutanchamuns in den Schrein der archäologischen Sehenswürdigkeiten stellen würde. Außerdem fahre ich – überaus gerne sogar – Tag für Tag mit geradezu vorsintflutlichen Fahrzeugen in der Gegend herum.

Man könnte also meinen, dass ich zu jenen Menschen zähle, die die Neuzeit nicht sonderlich schätzen. Doch das stimmt nicht. Moderne Entwicklungen haben durchaus ihre Vorzüge und bisweilen erhält die Gemeinschaft der Urviecher, zu denen auch ein Großteil meiner Kanalzuschauer und Blogleser zählen dürfte, von der Moderne ein kleines Geschenk.

 

Rund um größere Städte entstehen seit einigen Jahren neue Wegenetze für Radfahrer. Das ist gut, denn es bietet eine Reihe von Vorteilen. So dürfen ja schon seit vielen Jahren Mofas, egal wie sie angetrieben werden, außerhalb geschlossener Ortschaften auf dem Radweg fahren, auch wenn dieser nicht durch ein Zusatzschild (Verkehrszeichen 1022-11) freigegeben ist. Das gilt natürlich auch für die neuen Radschnellwege. Vielerorts sind die Radschnellwege aber auch für Kleinkrafträder freigegeben. Der Primärgrund hierfür ist, dass somit diese Wege auch von sogenannten E-Bikes, also schnell laufenden Elektrofahrrädern, die ein Versicherungskennzeichen benötigen, befahren werden dürfen. Diese sind straßenverkehrsrechtlich betrachtet Kleinkrafträder. Genau wie klassische Mopeds und Roller eben auch, die damit auf diesen Wegen ebenso fahren dürfen.

Gerade auf gut ausgebauten, breiten, oft straßenähnlichen Radschnellwegen kann dies durchaus sinnvoll sein und ohne die Gefährdung oder Behinderung anderer geschehen. Außerdem eröffnet es vielerorts die Möglichkeit, kürzere oder sicherere Strecken zu befahren. Etwa bestimmte Brücken oder Straßenunterführungen.

 


Es kann sich also durchaus lohnen, sich in der Gegend umzusehen, denn oft sind diese Strecken nicht nur praktisch und sicher, sondern auch sehr schön zu befahren. Es gilt hier aber wohl ganz besonders, dass man sich so verhalten sollte, dass niemand gestört wird. Denn noch gibt es keine Unterscheidung zwischen modernen Elektro-Kleinkrafträdern und solchen, in klassischer Bauweise. Es wäre schön, wenn das so bleiben würde, da bin ich dann wieder ganz altmodisch.

Samstag, 4. November 2023

Neue Stammtischtermine und ja, "wir" leben noch!

 Mich haben in letzter Zeit immer wieder Nachrichten erreicht, ob es "uns" noch gibt. Ja, wir leben noch. Auch wenn wir eigentlich ich heißen müsste, denn Rollerchaos ist ja weitgehend ein Einmannprojekt. Aber egal.
Auch wenn sich auf der Frontseite des Blogs nicht mehr viel tut, es gibt dazu einfach keinen Anlass, wird das Projekt noch immer gepflegt und ich stehe für Anfragen zur Verfügung. Außerdem gibt es ja auch immer noch aktuelle Videos bei Youtube auf dem Kanal. 

https://www.youtube.com/rollerchaos

Außerdem findet, mit zu meiner großen Freude stetig wachsendem Zuspruch, auch noch immer der monatliche Stammtisch statt. Wie seit vielen Jahren gewohnt im Wechsel zwischen Regensburg und Dasing. Die Termine für 2024 habe ich gerade eingetragen, ihr findet sie wie immer hier:

https://rollerchaos.blogspot.com/p/zweitaktfreunde.html

Es würde mich (und ich spreche da sicher auch für den restlichen Freundeskreis) sehr freuen, wieder spannende neue Leute begrüßen zu dürfen. 


Sonntag, 1. Oktober 2023

Erntedank

 

Ein dünner Streifen aus Licht am Horizont. Das erste Licht des neuen Morgens. Noch ist es zu schwach, um die Dunkelheit zwischen den Gebäuden zu durchdringen. Eine gelblich funzelnde Lampe an einer der Wände ist das einzige Licht, das der jungen Frau auf ihrem Weg leuchtet. Zielstrebig geht sie auf eine der Hallen zu und öffnet das Tor. Leise quietschend gibt es den Blick ins Innere frei. Im Halbdunkel sind vage Umrisse zu erkennen. Eine riesige Maschine wartet auf den Beginn der Arbeit.

Einige Schritte über die kurze Leiter an der Seite, dann öffnet sie die Tür der Fahrerkabine und steigt ein. Einen kurzen Moment hält sie inne. Denkt zurück an die letzten Tage. Tage der Vorbereitung. Öl, Kühlwasser, Treibstoff, Schmierfett. Der Geruch liegt noch in der Luft. Alles ist bereit für den großen Tag. Sie greift zum Schlüssel und dreht ihn. Im Licht der aufflammenden Kontrolllampen wird ihr Lächeln sichtbar. Lange Arbeitstage liegen vor ihr und doch freut sie sich auf die nächste Zeit. Ein Knopfdruck, und der Motor erwacht dumpf grollend zu mechanischem Leben. Im Takt der Kolben schlägt das Herz des Mähdreschers, den sie hinaus steuert. Hinaus in Richtung der in vollem Korn stehenden Felder. Noch durchschneiden nur die Lichtfinger der Scheinwerfer die Dunkelheit, bald werden die stählenden Messer die goldenen Halme durchschneiden. Das kunstvolle Werk im Inneren der Maschine wird das Korn aus den Ähren dreschen und das Stroh zerkleinern. Spreu und Weizen werden sich trennen, im ursprünglichsten Sinne des Wortes. Goldene Körner, der Lohn der Arbeit. Eines jener Wunder, die auf einem Bauernhof Tag für Tag passieren, findet hier seine Vollendung.

Es ist noch gar nicht so lange her, da rissen Pflug und Egge den Boden auf, bereiteten ihn vor für die neue Saat. Eine Saat, die beinahe unsichtbar, verborgen vor den Augen der meisten Menschen austrieb und aufging. Aus zartem Grün wurde tiefes Gold. Gold, das mehr wert ist als der Inhalt der Tresorräume und Schatzkammern dieser Welt.

Die moderne Landwirtschaft mag weit entfernt von jenen Tagen erscheinen, als zum ersten Mal ein Pflug den Boden durchbrach. Als zum ersten Mal ein Mensch ganz bewusst eine Pflanze dort wachsen ließ, wo es ihm besonders nützlich erschien. Zwölf Jahrtausende sind seit jenem Tag vergangen und doch die Arbeit der jungen Frau unterscheidet sich in ihrem tiefen Kern nicht groß von der, die damals die ersten Ackerbauern der Jungsteinzeit verrichteten. Auch nicht von der die Landwirte heute auf der ganzen Welt verrichten. Ob auf den Reisfeldern Asiens, den Maniokpflanzungen Südamerikas oder den Feldern irgendeines anderen Teils dieser Welt. Es ist das Wunder, das aus einem winzigen Samenkorn eine Pflanze wächst und Frucht trägt, Nahrungsmittel und Energie liefert und somit das Leben, wie wir es kennen, ermöglicht. Das Werkzeug mag sich unterscheiden, doch das Wunder bleibt gleich.

Ein Wunder, das die Biologie heute erklären kann und doch nichts von seiner Magie verloren hat. Schon seit ältester Zeit staunten die Menschen darüber und brachten eine gelungene Ernte mit dem Wohlwollen höherer Mächte in Verbindung. Schon immer wurden nach der Ernte Dankfeste gefeiert. Feste der Freude über die Ernte. Feste, die das Leben an sich feiern.

 

Im Jahre 1620 landete eine Gruppe von Auswandern aus England mit ihrem Schiff - der Mayflower – an der Küste jener Gegend, die heute den US-Bundesstaat Massachusetts bildet. Es handelte sich bei diesen Leuten um religiös verfolgte Flüchtlinge, die hier in der sogenannten „Neuen Welt“ eine neue, vor Verfolgung sichere, Heimat suchten. Doch schien dieses Unternehmen von einer dunklen Wolke überschattet zu werden.

Sie wollten in der neuen Heimat Ackerbau betreiben, so wie sie es aus England kannten. Doch die mitgebrachten Saaten wollten nicht wachsen. Der Boden hier war anders und es drohte die Katastrophe. Ohne eine erfolgreiche Ernte würden sie den Winter nicht überleben.

In jener Gegend lebten damals die Ureinwohner vom Volk der Wampanoag. Diese sahen, dass die seltsamen Menschen, die vor Kurzem zu ihnen gekommen waren, nicht zurechtkamen. Bisher waren die Neuankömmlinge friedlich gewesen und so beschlossen sie, ihnen zu helfen. Massasoit, der Häuptling der Wampanoag und einige seiner Leute brachten ihnen Vorräte für den Winter und zeigten ihnen, welche einheimischen Pflanzen sich zum Anbau eigneten. Dank dieser Hilfe konnten die Siedler überleben und feierten zusammen mit den Ureinwohnern ein Dankesfest. In den Vereinigten Staaten wird Thanksgiving bis heute jedes Jahr im November gefeiert. Doch leider hatte man bald schon vergessen, was man den indigenen Menschen zu verdanken hatte. Dankbarkeit ist oft nicht von Dauer.

 Dabei scheint es, als würde die Geschichte der Pilgerväter und der Wampanoag, sich vielerorts wiederholen. Wie oft vergessen wir die Dankbarkeit für das, was im Leben wirklich wichtig ist? Wie oft denken wir daran, dass Brot und Nudeln, Kartoffeln und Salat, Schnitzel und Käse, Bananen und Schokolade, das all diese Dinge nicht von selbst in den Supermarkt gekommen sind. Das ihre Reise immer irgendwo begonnen hat. Auf einem Feld, einer Plantage, in einem Stall oder auf einer Weide. Das irgendwo jemand zur Harke oder Sichel gegriffen hat oder jemand einen Mähdrescher gestartet hat. Denken wir an all die Hände, durch die es ging? Vom Feld in die Mühle, auf ein Schiff oder die Eisenbahn. Zu einer Fabrik, einer Bäckerei oder an einen anderen Ort. Die Kette ist fast endlos lang und doch oft unsichtbar.

Massasoit der Wampanoag-Häuptling ist nur einer von vielen. Einer von den zahllosen Erntehelfern unseres Lebens. Nicht jede Ernte lässt sich abmähen, ausdreschen und verladen. Manche hat keine körperliche Gestalt. Erntedank kann manch einer auch über seinem eigenen Leben feiern. Für all die großen und kleinen Erträge, die wirklich zählen. Kinder und Freunde, geliebte Menschen und Erinnerungen an die wahrhaft guten Tage des Lebens.

Dankbarkeit sollte ihren Platz nicht in den Geschichtsbüchern finden. In den Herzen und im Alltag der Menschen ist sie viel besser aufgehoben. Nicht nur an einem einzigen Tag im Jahr.

 

Text: Markus Zinnecker, 2023

Bild: Lichtsammler via Pixabay           

https://pixabay.com/de/photos/m%c3%a4hdrescher-windrad-abend-sonne-4027190/

Montag, 28. August 2023

neue Daten in der Gewichtetabelle

In letzter Zeit hat sich nicht viel getan im Blog, aber hinter den Kulissen wir das Projekt noch immer gepflegt. 

So gibt es jetzt ein paar neue Einträge in der noch immer sehr viel aufgerufenen Tabelle für Variomatikgewichte div. Rollermodelle. 

https://rollerchaos.blogspot.com/2017/10/schraubertipps-gewichtetabelle-fur.html


Mittwoch, 28. Dezember 2022

Piaggio Mopeds: Typidentifikation und Baureihenübersicht

Nachdem ich mittlerweile mehrere klassische Piaggio Mopeds besitze und schon einige Videos dazu auf dem Kanal veröffentlicht habe, erreichen mich immer wieder Anfragen zu diesen Fahrzeugen. Eines der Hauptthemen dieser Anfragen lässt sich mit: "Was habe ich eigentlich?" umschreiben.

Tatsächlich ist es gerade bei Italienimporten oft schwierig, den genauen Typ zu identifizieren. Darum möchte ich an dieser Stelle entsprechende Informationen sammeln. Wie immer bin ich hierbei auf Hinweise und Tipps aus der Community angewiesen. Wer Beiträge, Korrekturen ect. hat, ist herzlich eingeladen, sich bei mir zu melden.


Begriffsdefinitionen

Hier werden bestimmte Begriffe verwendet, die der Vereinfachung dienen.

Mono = Riemenantrieb ohne Verstellung

Vario = Riemenantrieb mit Verstellung (CVT-Getriebe, sog. Variomatik)


Identifikation Piaggio Ciao

Identifikationsmerkmal ist das Präfix der Fahrgestellnummer (FIN/VIN). Diese befindet sich unter der rechten Seitenverkleidung oberhalb der Tretkette.

Position der FIN an einem Piaggio Ciao
 

Zu beachten ist, dass die ebenfalls hier zu findende IGM-Nummer keine Fahrgestellnummer ist. Es handelt sich hierbei um eine alte italienische Kennzeichnung mit Bezug auf die Musterzulassung des Fahrzeugs. Es ist jedoch schon vorgekommen, dass bei Einzelabnahmen diese Nummer als FIN in die Betriebserlaubnis eingetragen wurde.

 

Die IGM-Nummer ist NICHT die Fahrgestellnummer.

Die eigentliche FIN beginnt immer mit einem (oft undeutlichen) Schlagstempel der das Piaggio-Zeichen darstellt,gefolgt von einem Präfix, auf das ein Stern mit der eigentlichen Seriennummer folgt. Diese wird durch einen zweiten Stern abgeschlossen. 

Piaggio-Logo, gefolgt vom FIN-Präfix und der eigentlichen Seriennummer.

Das Präfix dient zur Identifikation des Fahrzeugtyps. Bei der Ciao wie folgt:

1. Stelle (Fahrzeugtyp):
M = Mofa
C = Moped


2. Stelle (Radgröße):
7 = Räder mit 16 oder 17 Zoll
9 = Räder mit 19 Zoll


3. Stelle (Antriebsart und Ausstattung):
N = Starrgabel, Felgenbremse, Mono
E = Federgabel, Trommelbremse, Mono
V = Federgabel, Trommelbremse, Vario

4. Stelle (Modellvariante):
Hier ist zu beachten, dass die Kodenummer in der FIN nicht mit der Verkaufsbezeichnung der Modellversion (L, SC, PX usw.) zu tun hat. Zudem identifiziert dieser Stelle die Modellvariante auch im Zusammenhang mit dem in der 3. Stelle gegebenen Kode. Hier ist darum (wo bekannt) die 3. Stelle in kursiver Schrift mit angegeben
E1T = Ciao SC
V1T = Ciao SCV
E2T = Ciao P und PX
V2T = Ciao PV und PXV

Insbesondere zu diesem Abschnitt werden noch Informationen gesucht. Ich bitte hier besonders um Einsendung von Beiträgen.

5. Stelle
Hier steht immer ein T für Telaio (ital. Rahmen)


Identifikation Piaggio Bravo

in Arbeit, ich bitte um Geduld



Montag, 3. Oktober 2022

Von Bergbienen und anderen seltenen Tieren

Leser dieses Blogs wissen zweifellos was eine Ape ist. Aber für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich doch jemand hierher verirrt haben sollte, der es nicht weiß, hier eine kurze Erklärung. Eine Ape ist ein auf der Technik der Vesparoller basierender, primitiver Transportwagen aus Italien. Ein krudes Provisorium, irgendwo zwischen Schubkarre, Traktor und Moped angesiedelt, wobei sich in der Ape insbesondere die negativen Eigenschaften dieser Fahrzeuge vereinigen. Ein solches Fahrzeug eignet sich vor allem dazu, die rudimentärsten Bedürfnisse in Sachen motorisierter Fortbewegung zu erfüllen. Die Italiener haben für derartige Mobile sogar ein eigenes Wort erfunden: Motocarro, also Motorkarren, was die Sache sehr gut beschreibt. Durch den Dolche Vita und Retrohype der letzten Jahre wurde dieses Relikt des Wiederaufbaus im Nachkriegsitalien jedoch zu viel mehr. Es wurde zu einem Symbol des Lebensgefühls jenes stiefelförmigen Landes südlich der Alpen verklärt. Zumindest scheinen nordeuropäische Werbemenschen das so zu sehen. Denn in ihrer Heimat spielt die Ape* kaum noch eine Rolle. Noch der sturste Bergbauer in den Abruzzen und der letzte neapolitanische Maurer haben mittlerweile eingesehen, dass ein Kleintransporter japanischer Herkunft alles besser kann als ein solches dreirädriges Fossil.

Wo ein modernes Nutzfahrzeug aus dem Land des ewigen Lächelns, sanft säuselnd und wohl klimatisiert über mittelalterliches Kopfsteinpflaster - damals wusste man noch nicht, dass die glatte Seite der Steine nach oben gehört - gleitet oder souverän über die Autostrada zischt, da hoppelt und scheppert eine Ape asthmatisch keuchend Rauchwolken ausstoßend mühe- und geräuschvoll dahin. Denn die Äußerungen des mechanischen Lebens einer völlig einwandfreien Ape gleichen denen, die ein beliebiges anderes Fahrzeug macht, nachdem es von einem Schrottplatzarbeiter mit dem Bulldozer überrollt wurde. Dazu scheinen die Konstrukteure bei Piaggio das Konzept der Fahrzeugklimatisierung missverstanden zu haben. Denn im Innenraum einer Ape ist es im Sommer so heiß wie im Pizzaofen und im Winter so kalt wie in Berlusconis sozialem Gewissen.

Klingt, als sei eine solche Ape das perfekte Fahrzeug für einen ausgedehnten Roadtrip durch die Alpen. Finden Sie doch auch, oder?


 Was nach einer Idee klingt, die in jenem Rausch entstand, der von einer Mischung aus LSD und Zweitaktabgasen hervorgerufen wird, hat tatsächlich etwas für sich. Denn gerade die völlige Unzulänglichkeit und der Mangel an Komfort und Leistung macht die Ape zu einem wohltuenden Gegenpol zu unserer Welt mit ihrem Beschleunigungs- und Komfortwahn. Ganz weit abseits von weich gefilterten Fantasien über das südliche Land der Träume und des vermeintlich süßen Lebens. Die Alpen haben nämlich in den letzten hundert Jahren etwas verloren. Ich meine jetzt nicht die vom Klimawandel abgetauten Gletscher oder von Touristenhorden zertrampelten Bergwiesen. Ich meine vielmehr die unnahbare Majestät. Die Gipfel sind nicht mehr lebensgefährliche, tagelange und kräftezehrende Gewaltmärsche entfernt, sondern ein paar bequeme Autostunden. Vollständig von der störenden Umwelt abgekapselt, weich gepolstert und wohlig klimatisiert gleitet es sich in einem modernen Auto dahin. Bergstraßen, die heute eine ungeahnt gute Qualität haben, führen den alpinistisch geneigten Autofahrer hinauf zur Passhöhe. Eine Herausforderung ist das schon lange nicht mehr und angesichts der uralten Faszination der Berge wirkt es fast schon blasphemisch mit so wenig Mühe so hoch hinauf zu kommen. Wer Ape fährt begegnet den Bergen mit mehr Respekt.

Die scheinbaren Nachteile einer Ape werden hier zum Vorteil. Eine Ape ist schon auf der Ebene alles andere als schnell. Man nähert sich den Bergen also mit gemäßigter Geschwindigkeit. Man hat Zeit, die Felsmassen langsam über den Horizont steigen zu sehen und sich ihrer überwältigenden Präsenz bewusst zu werden. Der Aufstieg über eine Passstraße ist notgedrungen noch viel langsamer. Schritttempo und die Gefahr, von einem hochtrainierten Rennradfahrer überholt zu werden (bergauf!!!) sind auf wohltuende Weise erniedrigend. Sie rücken die Perspektive zurecht. Da draußen, jenseits der scheppernden Fenster und des klappernden Blechs sind die Berge. Majestätische, uralte Berge, die von den Gewalten der Tektonik vor Urzeiten aufgetürmt wurden. Menschen? Pah! Dinosaurier? Lächerliches Jungvolk! Die Berge sind ein winziges Stückchen Ewigkeit in einer zeitlichen Welt. Zeit ist nötig, um das zu verstehen und das heulende Kriechen einer Ape verschafft genau die. Im infernalischen Gebrüll des überlasteten Motors steckt die Melodie der Ewigkeit.

 

Hat man dann die Passhöhe erreicht, dann verspürt man eine seltsame Mischung von Gefühlen. Einen tiefen, freudigen Stolz darüber hier zu sein, es geschafft zu haben. In diesem Moment kann man nachfühlen, wie sich Edmund Hillary und Tenzing Norgay fühlten, als sie auf dem Everest standen. Gleichzeitig ist man von einem tiefen Staunen über die schiere Gewalt der Natur erfüllt und irgendwo im Hinterkopf meldet sich ganz leise ein Gefühl der Peinlichkeit, weil alle anderen Touristen hier oben einen höchst wahrscheinlich für einen entsprungenen Irren halten.

Nachdem Endorphinrausch und Ohrenklingeln abgeklungen sind, kann man sich dann auf den Weg zurück ins Tal machen. Dann kommt zum wirren Gefühlscocktail noch die Vorfreude dazu. Vorfreude auf den nächsten Pass, auf das nächste Mal perspektivisch zurechtgerückt werden. Zumindest wenn man die Abfahrt überlebt, denn die Bremsen einer Ape sind ähnlich rachitisch wie der Rest des Behelfsmobils.


 Es mag durchaus sein, dass das hier alles etwas übertrieben dargestellt ist. Aber, und diese Feststellung ist sicher nicht neu, etwas mehr Ruhe und weniger Tempo würden der heutigen Zeit sicher guttun. Es ist schon seltsam, aber bei genauer Betrachtung sind viele Fortschritte doch eher Rückschritte. Nichts ist unendlich, auch nicht der sinnvolle Bereich der immer weiteren Beschleunigung des Lebens.

Freitag, 19. August 2022

Neuer Anstrich

Eigentlich ist ein gefährliches Wort. Was wir so alles eigentlich machen wollen, das ist eigentlich ziemlich viel und eigentlich klappt es oft auch nicht. So auch dieses Mal. Denn eigentlich wollte ich das Design des Blogs nicht anfassen, aber irgendwie konnte ich es dann doch nicht sein lassen.

Die alte Optik des Blogs war doch schon etwas angegraut und nicht so arg schön. Zugegeben, ich bin ein Fan alter Dinge, aber manchmal tut etwas Modernisierung doch ganz gut. Mir gefällt die Seite so jedenfalls deutlich besser.

 

Außerdem habe ich da noch ein Eigentlich. Eigentlich wollte ich ja kein Schraubertagebuch mehr führen, aber irgendwie juckt es mich doch wieder in den Fingern. Vielleicht werde ich, wenn Zeit und Lust dazu da sind, in Zukunft immer mal wieder über Arbeiten schreiben, die es nicht in Youtube-Videos schaffen. So wie es mit der hier zu sehenden Vespa ET2 der Fall ist. Ein spannender Fall, aber aus verschiedenen Gründen nicht für Videos geeignet. 

 

Sonntag, 14. August 2022

Aufräumaktion

Nein, der Blog ist nicht tot. Zumindest nicht so tot, wie manche Zuschriften es vermuten lassen. Allerdings hat er - ich hatte ja schon mal drüber geschrieben - seine alte Funktion eingebüßt. Das liegt einfach daran, dass der Fokus mittlerweile deutlich auf Youtube und Instagram liegt. Diese Medien "gehen" einfach besser und um ehrlich zu sein: Mir persönlich machen sie auch viel mehr Spaß.

Darum habe ich den Blog nun auch etwas aufgeräumt und übersichtlicher gestaltet. Am alten Grundlayout gibt es m. E. nichts auszusetzen, darum bleibt es, aber die Verteilung der einzelnen Untergruppen ist jetzt etwas anders.
In naher Zukunft werde ich außerdem die "Schraubertipps" etwas umsortieren. Die Liste ist mittlerweile doch arg unübersichtlich geworden. Insbesondere der Teil für Ape-Themen geht darin völlig unter, was irgendwie schade ist. Darum wird es demnächst eine eigene Sektion für Ape-Tipps geben.

Montag, 16. Mai 2022

Ape 50 Typenkunde und Generationen

Von kaum einem anderen Fahrzeug aus dem Piaggio-Konzern wurde eine derartige Vielfalt an Varianten produziert wie von der Ape 50. Verständlicherweise führt dies immer wieder zu Verwirrungen, auch weil sich manche Modellgenerationen in ihren äußeren Merkmalen sehr ähnlich sind. Diese (nicht abschließende) Liste soll dabei helfen, die einzelnen Modellvarianten zu unterscheiden.

Die hier aufgelisteten Präfixe finden sich auch in der jeweiligen Fahrgestellnummer (FIN/VIN) des jeweiligen Fahrzeugs wieder. Darüber ist also eindeutig festzustellen, um welche Version es sich jeweils handelt. Ebenso ist die Motortype immer als Präfix der Motornummer im Gehäuse eingeschlagen (Ausnahme: Werks-Austauschmotoren die ohne Nummer als Ersatzteil ausgeliefert wurden).


Präfix: TL1T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1969 bis 1971
Ape 50 der ersten Generation. Primitivelektrik 6V mit Handstarter, Karosserie mit schmaler Kabine und gewölbtem Dach, teilweise noch ohne Türen ausgeliefert.

Präfix: TL2T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1971 bis 1980
Ape 50 der ersten Generation. Primitivelektrik 6V mit Handstarter, Karosserie mit schmaler Kabine und gewölbtem Dach.

Präfix: TM1T
Motortype: ?
Bauzeitraum: 1970 bis 1974
Wie TL2T jedoch mit 125ccm.

Präfix: TL3T
Motortype: TL1M
Bauzeitraum: 1980 bis 1986
Ape 50 der zweiten Generation. Elektrik je nach Baujahr 6V oder 12V, Handstarter oder elektrischer Anlasser. Schmale Kabine mit abgeflachtem Dach. Ab 1984 bei allen Modellen elektronische Zündung.

Präfix: TL4T
Motortype: TL2M
Bauzeitraum: 1985 bis 1993
Ape 50 der zweiten Generation. Wahlweise mit elektrischem Anlasser. Erstes Modell mit breiter Kabine, Türen mit geraden Seitenfenstern. Ab 1990 nur noch Elektrostartmodelle.

Präfix: TL6T
Motortype: TL3M
Bauzeitraum: 1989 bis 1995
Ape 50 der zweiten Generation, letztes Modell mit nur einem Scheinwerfer. Ausschließlich Elektrostarter. Frühe Modelle bis 1990 noch mit alten Anbauteilen, altem Lenker (in Italien ohne Tacho) und Türen mit geraden Fenstern. Ab Mitte 1990 mit neuen Anbauteilen, neuerem Lenker und Seitenfenstern mit Knick (wie TL5T).

 

TL6T erste Serie bis 1990

TL6T zweite Serie ab 1990

Präfix: TL5T
Motortype: TL3M
Bauzeitraum: 1996 bis 1999
Ape 50 der zweiten Generation. Erste Generation mit zwei Scheinwerfern. Frühe Modelle für bestimmte Märkte ohne Kühlergrillatrappe. Verbesserter Lenker mit Kombinationsinstrument mit Reservewarnlampe.
Verwirrend und nicht logisch erklärbar ist, warum TL5T das Nachfolgemodell von TL6T ist. Dies passt eigentlich nicht zur typischen Nomenklatur bei Piaggio.

Präfix: ZAPC80
Motortype: ?
Bauzeitraum: 1998 bis 2018
Ape 50 der zweiten Generation. Weitgehend wie TL5T jedoch mit div. optischen Anpassungen und Abgasverbesserungen je nach Baujahr. Diverse Sondermodelle.

ZAPC80
Präfix: ZAPC81
Motortype: ?
Bauzeitraum: 2018 bis aktuell
Ape 50 der dritten Generation. Verbesserter Motor mit Euro4-Abgasnorm. LED-Hauptscheinwerfer und verbesserte Bremse (Allradbremse). Moderner Tacho mit Tankuhr.




Donnerstag, 21. April 2022

Sinnfindung in den Osterferien

Es ist nun schon eine ganze Zeit lang her, dass ich hier im Blog etwas geschrieben habe. In letzter Zeit lag der Fokus einfach mehr auf den Videos für Youtube, außerdem war auch sonst ziemlich viel los und einfach keine Zeit, sich um den Blog zu kümmern.

Über die Ostertage war ich zum ersten Mal dieses Jahr etwas unterwegs. Eine liebe Freundin hatte mich nach Hessen eingeladen. Die Idee war etwas Schrauberhilfe bei den technischen Vorbereitungen zu einer größeren Rollerreise und ein bisschen gemeinsames Rollerfahren. Aber wie gesagt, Zeit ist knapp und so ging es mit dem Golf mit Anhänger auf Tour.

Den Kymco Curio hatte ich ausgewählt, weil er einfach der nächste greifbare Roller war. Außerdem ist er ja noch nicht lange Teil der Flotte und so war es spannend zu sehen, ob sich der alte Taiwaner auch als Tourer bewähren würde.

Den Karfreitag über einfach mal in aller Seelenruhe über Land fahren war aber der wesentliche Einstieg in ein ruhiges Wochenende. Einfach mal ganz bewusst langsam machen ist schon sehr schön.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der angesprochenen Reisevorbereitungen. Auch wenn das der Grand Dink grundsätzlich in sehr gutem Zustand ist, so braucht eine gründliche Inspektion eben Zeit und man findet natürlich auch die eine oder andere Sache.


Ostersonntag war dann zum Ausgleich ein entspannter Tourentag. Nordhessen ist eine Gegend, in der ich mich nicht sonderlich gut auskenne und noch nicht so oft war. Entsprechend viel gab es dann für mich zu entdecken. 

Es ist eine wunderbar abwechslungsreiche Landschaft mit historischen Orten und langsamen Straßen. Eigentlich ein ideales Revier für Roller- und Motorradfahrer. Das absolute Highlight des Tages war für mich aber die Ruine Amöneburg, die über dem gleichnamigen Ort auf einem Bergkegel liegt.


Es ist einer jener Orte, an denen sich ganz besonders gut Träumen lässt. Von weiteren Rollertouren zum Beispiel. 

Am Ostermontag ging es aber erst mal nach Hause. Wieder schön langsam und entspannt, einfach um die Ruhe zu genießen und den Tag dazu zu nutzen, etwas runterzukommen.
Der Curio ist als Tourer übrigens ganz brauchbar, aber nicht sonderlich bequem. Er bleibt also wohl Stadtschrupper und Alltagsmoped, aber das macht ja nix.