Samstag, 5. Oktober 2024

Charles Kettering; der Mann, der das Elektroauto tötete (zumindest vorübergehend)

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es Clyde Coleman und Charles Kettering nie gegeben hat. Wie sieht die wohl aus? Jetzt wird sich ein großer Teil der werten Leserschaft zweifellos fragen: „Wer zum Geier sollen die beiden sein?“ Zugegeben, sie gehören nicht gerade zu den Popstars der Geschichte, dennoch sind sie für die Entstehung der Welt, wie wir sie heute kennen, von großer Bedeutung. Ihre Geschichte ist es darum wert, erzählt zu werden.

Fangen wir damit an, wie die Welt ohne die beiden US-Amerikaner denn aussehen würde. Nun, wenn Sie morgens aus dem Haus gehen und in Ihr Auto steigen, dann hätten Sie drei Möglichkeiten. Zum einen könnten Sie einfach einen Schalter umlegen und mit der stillen und sauberen Kraft der Elektrizität einfach los summen. Zugegeben, in vielen Fällen ist genau das heute ja der Fall, denn Elektroautos erleben eine Renaissance. „Renaissance? Die sind doch ganz neu!“ mag jetzt eventuell jemand einwenden, aber ganz so ist es nicht.

Als es damals mit der massenweisen Verbreitung des Automobils so richtig losging, also um das Jahr 1910 herum, da waren Elektroautos drauf und dran, den jungen Verbrennungsmotoren oder gar der guten alten Dampfmaschine so richtig zu zeigen, was Sache ist. Doch es sollte anders kommen, was wir ja beim Blick auf jede beliebige Straße bestätigt bekommen. Noch sind, wie schon seit über einem Jahrhundert, die Verbrenner in der gewaltigen Überzahl. Elektroautos waren jedoch nie so ganz weg. Anders als die nächste Alternative in unserer Alternativwelt. Dampfkraft. Für den täglichen Arbeitsweg taugt die nur für Menschen mit Geduld und einem Hang zum Frühaufstehen. Denn bevor Sie losfahren könnten, muss erst der Kessel angeheizt werden. Wasser einfüllen, Brennstoff zugeben und dann warten, warten und nochmal warten. Es dauert etwas, bis genug Dampfdruck aufgebaut ist, um loszuschnaufen. Abgesehen davon ist die Sache saugefährlich. Wer sich nicht verbrennt oder von ultraerhitztem Dampf das Fleisch von den Knochen gegart bekommt, den zerreißt es womöglich mit einem lauten Knall. Immerhin erspart diese Todesart den Erben den Kauf eines Sarges. Das ist aber auch schon der einzige Vorteil.

Wem Elektrizität und Dampf zu suspekt sind, dem steht natürlich auch in unserer Alternativwelt ein Verbrennungsmotor zur Verfügung. Doch dieser hat allerdings so seine Tücken. Denn er will ja zum Leben erweckt werden. Einfach anlaufen, wie ein Elektromotor oder eine Dampfmaschine, kann er nicht. Die Kurbelwelle muss auf Anlassdrehzahl gebracht werden. Doch wie? Dazu greift man dann eben zur Kurbel und kurbelt kräftig, bis die Benzinkutsche oder das Dieselross losplötern und man sich auf den Weg zur Arbeit machen kann – oder zum Arzt, weil einem eine Fehlzündung den Arm gebrochen oder einen Daumen abgerissen hat.

 

Ich glaube, jetzt ahnen Sie schon, worum es bei den beiden Herren vom Anfang geht, oder? Ja genau, die beiden haben den elektrischen Anlasser erfunden. Dies geschah in einer Zeit, als unser alternatives Morgenszenario für die Automobilbesitzer – beziehungsweise deren Chauffeur – tägliche Routine war. Speziell in den USA, in denen verschiedene Faktoren die frühe Verbreitung des Autos in großer Zahl begünstigten, war es tatsächlich so, dass Autos für Selbstfahrer häufig elektrisch angetrieben wurden. Auch Lieferwagen für den Gebrauch in Städten, die häufig abgestellt und wieder gestartet werden mussten, waren vielfach elektrisch. Nur die reichen Herrschaften ließen sich in Dampf- oder Benzinwagen chauffieren, ihnen waren die Gefahren einfach egal, denn sie hatten ja Personal.

Tatsächlich kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen beim Ankurbeln von Autos, was die Hersteller auf den Plan rief, denn diese fürchteten um ihre Reputation. Als erster Hersteller brachte schließlich die Firma Cadillac einen Wagen mit „Selbststarter“ – wie man damals den elektrischen Anlasser nannte – auf den Markt. Dies geschah im Jahre 1911 und führte zu einer Reihe von Weiterentwicklungen dieser Technologie. All dies geschah unter der maßgeblichen Leitung des Ingenieurs Kettering.

Doch dieser baute auf die vorangehenden Arbeiten Colemans auf, der bereits im Jahr 1903 ein Patent für einen frühen elektrischen Anlasser erhielt, der sich jedoch nicht zum Gebrauch im Serienbau eignete. Allerdings interessierte sich bereits zu diesem Zeitpunkt die Industrie für diese Technik und so konnte Coleman sein Patent an die Dayton Engineering Laboratories Company verkaufen. Dort entwickelte Kettering dann, unter anderem in Zusammenarbeit mit Cadillac, das System zur Serienreife weiter. Schließlich wurde der Anlasser bereits ab 1912 von Cadillac als Sonderwunsch angeboten. Somit waren die Cadillac-Wagen die Ersten, die mit dieser neuen Technik ab Werk erhältlich waren. Auch europäische Hersteller übernahmen die Technik bald. Zum ersten Mal im Jahr 1913 durch Lancia im Modell Theta.

Das einfache Starten auf Knopfdruck erhöhte die Beliebtheit von Autos mit Verbrennungsmotor innerhalb so kurzer Zeit, dass nahezu alle Hersteller von Fahrzeugen mit Elektro- oder Dampfantrieb innerhalb weniger Jahre verschwunden waren. Ironisch ist dabei schon, dass das erste echte Volksautomobil, das Ford Modell T, lange Zeit nicht mit Anlasser erhältlich war, sondern noch angekurbelt werden musste.

Charles Franklin Kettering, geboren am 29. August 1876 und verstorben am 24. oder 25. November 1958, war der Begründer von DELCO und später Entwicklungschef von General Motors.

 

Quellen: 

Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Kettering

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kalenderblatt/1702-cadillac-kettering-deeds-erster-anlasser-100.html

https://www.wired.com/2010/11/1124automatic-automobile-starter/

https://search.amphilsoc.org/memhist/search?creator=Charles+F.+Kettering&title=&subject=&subdiv=&mem=&year=&year-max=&dead=&keyword=&smode=advanced

 

 

Dienstag, 30. Juli 2024

Das Ende einer Ära: Der Rollerchaos YouTube-Kanal wird eingestellt


 Es scheint, als sei manchen Dingen im Leben eine sehr begrenzte Lebenszeit gewährt. Was heute noch wichtig und wohltuend ist, kann morgen bereits bedeutungslos oder gar eine Belastung geworden sein. Das mag theatralisch klingen, aber genau so geht es mir zurzeit mit meinem YouTube-Kanal. 

Es hat mir über lange Zeit große Freude gemacht, Videos zu erstellen und zu veröffentlichen. Dabei habe ich nicht nur einen neuen Stil der Kommunikation erlernt, sondern es hat mir auch diverse sehr interessante und wertvolle Kontakte eingebracht. Auch wenn mir von Anfang an klar war, dass es viel Arbeit sein würde (tatsächlich war es noch mehr Arbeit) und es nie Geld einbringen würde. Tatsächlich hat es hohe Kosten verursacht, nicht nur monetär, sondern auch in Sachen Zeit und Kraft, aber das war es mir immer wert.

Leider hat sich dies in letzter Zeit massiv verändert. Seit ungefähr einem Jahr haben Attacken auf unterschiedlicher Ebene, sowohl gegen meine Inhalte als auch gegen mich persönlich, massiv zugenommen. Damit meine ich, nur um das von vorne her rein klarzustellen, keine Kritik im eigentlichen Sinne. Kritik ist gut und willkommen, denn sie hilft dabei, Fehler zu finden und in Zukunft zu vermeiden. Es geht um stumpfe Beleidigungen, Herabwürdigungen, Beschimpfungen und Drohungen verschiedener Art. Das Niveau der Kommunikation im Internet ist in letzter Zeit ja allgemein im freien Fall. Dazu kommen unmittelbare persönliche Drohungen gegen mich und, was mich ganz besonders wütend macht, gegen meine Familie. Es hat den Anschein, als kämen diese Angriffe aus einer recht konstanten Richtung, die einem bestimmten politischen Spektrum zuzuordnen ist, gegen das ich mich öfters direkt und indirekt gewandt habe. Das alleine wäre auch noch kein Grund, dies zu schreiben. Denn von den betreffenden Leuten erwarte ich ehrlich gesagt nichts anderes als stumpfe Dummheit, Aggression und ganz allgemein menschenunwürdiges und menschenverachtendes Verhalten.

Für einen sinnvollen Diskurs, sofern dieser überhaupt möglich ist (was er meistens nicht ist), mit solchen Leuten ist das Internet meiner Meinung nach der falsche oder zumindest ein wenig geeigneter Raum. Das ändert aber nichts daran, dass ich sowohl meine Familie als auch mich selbst schützen muss, denn meine Zeit und meine Kräfte sind begrenzt. Die Arbeit am Kanal hat mir immer viel Freude gemacht, aber jetzt ist, wie man so schön sagt, die Luft raus. Darum wird am kommenden Dienstag ein letztes Video erscheinen. Ein etwas längeres Schraubervideo zum Sasy Classic, das ich nur deshalb noch veröffentliche, weil ich es einigen Leuten, die mir tatsächlich etwas bedeuten, versprochen habe. Danach ist mit dem Rollerchaos-Kanal vorbei. Die alten Videos werden weiterhin abrufbar bleiben, aber ich werde keine neuen Videos mehr im bekannten Stil v
eröffentlichen.
Es ist durchaus möglich, dass einzelne Videos unangekündigt und ohne festen Zeitpunkt weiterhin kommen werden, allerdings wird dies nicht mehr im bisher bewährten Format geschehen. Zeit und Kraft dafür fehlen einfach. Diejenigen, die sich wirklich für meine Inhalte interessieren, werden wohl ihr Kanal-Abo behalten und darum benachrichtigt werden, sollte doch noch ein neues Video kommen.

Vor allem aber möchte ich mich an dieser Stelle nochmal bei all denen bedanken, die den Kanal - und damit auch mich - im Laufe der Zeit unterstützt haben. Es war eine schöne Zeit, die für mich jetzt jedoch zu Ende geht. Die Gründe dafür habe ich, zumindest in oberflächlicher Näherung, hier dargelegt.
Ich wünsche jedenfalls weiterhin allen alles Gute und gute Fahrt. Wir sehen uns dann, evtl. irgendwann und irgendwo in der analogen Welt, in der die meisten Menschen noch immer gute Leute sind, mit denen ich gerne zu tun habe.
Die (Blog)Webseite ist davon natürlich nicht betroffen, diese wird als klassische Informationssammlung und mit gelegentlichen Textbeiträgen in der gewohnten Form weitergeführt.

Mittwoch, 17. Juli 2024

Bruderhilfe auf Chinesisch

Beim Schrauben an Fahrzeugen ohne gesicherte Ersatzteilversorgung ist immer wieder Kreativität gefragt. So stand ich jetzt vor dem Problem, eine Lösung für den defekten Benzinhahn meines Sasy Classic 2000E zu finden. 

Die Lösung ist der Umbau auf den Benzinhahn des Rex RS460, der inkl. Halteschelle auch an den Sasy passt. Innerchinesische Bruderhilfe sozusagen. Die Anleitung dazu habe ich direkt in das "inoffizielle Werkstatthandbuch" aufgenommen, das ihr hier findet:

 Inoffizielles Werkstatthandbuch Qingqi Sasy Classic 2000E

 



Dienstag, 9. Juli 2024

Frisches Futter für Fans des Bajaj Sunny

Wie weit das Netzwerk der Rollerfreunde reicht, fasziniert mich auch nach all den Jahren immer noch. So erreichten mich vor ein paar Tagen spannende Informationen von einem Menschen aus Argentinien. Es scheint, als gäbe es auch dort Menschen, die Freude daran haben, obskure alte Roller am Leben zu erhalten.

Die Infos des Argentiniers haben es mir ermöglicht, das "inoffizielle Werkstatthandbuch zum Bajaj Sunny" endlich wieder zu aktualisieren. Die neueste Version findet ihr hier.

Inoffizielles Werkstatthandbuch

Danke an den Informationsspender und saludos a argentina!




Sonntag, 26. Mai 2024

Gedanken zum/im Fluss

Hat der Fluss eine Stimme?
Kann es sein, dass das Glucksen des Wassers den Steinen der Böschung von der Reise des Wassers erzählt?

Wenn ja, dann muss es so sein, dass die Steine in ihrer Unbeweglichkeit verzweifeln. Dass sie den Fluss anflehen, um die Erlösung. In der Flut.

Wenn diese kommt, so reißt sie die Steine hinein in einen neuen Zustand. Aus der Ewigkeit wird Zeitlichkeit. Aus Bestand wird Auflösung.
Die Steine erfahren in diesem Moment, was Angst ist. Angst ist ein Element der Zeitlichkeit.

Aus Steinen wird Kies.
Aus Kies wird Sand.
Aus Härte wird Glätte.
Aus Glätte, Weichheit.

Der Fluss gluckst verständig. Denn er wird zum Ozean. Der Ozean zum Regen. Der Regen zum Fluss.

 

Was erzählt er Dir, der Fluss?

 


 

Sonntag, 28. April 2024

Inoffizielles Werkstatthandbuch QingQi Sasy Classic 2000E

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, dass ich mein "inoffizielles WHB Bajaj Sunny" zum ersten Mal zum Download bereit gestellt habe. Seither habe ich dazu recht viel positives Feedback erhalten, was mich sehr freut, denn es soll ja der kleinen aber feinen Community, die sich um solche Exoten der Rollerwelt bemüht helfen.


 Darum habe ich mich entschieden, ein ähnliches Projekt zum QingQi Sasy Classic 2000E zu beginnen. Allerdings ist die Datenlage hier noch dünner als beim Sunny. Die paar Informationen die ich habe, sind ab sofort aber abrufbar und ich hoffe, dass es breits jetzt hilfreich ist. Noch mehr hoffe ich aber, dass mir noch andere Informationen zukommen lassen um das Werk Stück für Stück zu erweitern. Es dürfen ruhig auch winzige Fitzelchen sein, jedes Bisschen hilft.

Hier gehts zum inoffizielles Werkstatthandbuch QingQi Sasy Classic 2000E , lasst mich wissen, was ihr davon haltet und wenn möglich helft mir bitte es zu vervollständigen.

Dienstag, 2. April 2024

Fahrzeugporträt: Qingqi QT50Z / Sasy Classic 2000E / Huth Space-Runner

 

Wollten Sie schon immer mal wissen, wie es sich anfühlt, von einem halb verhungerten Tyrannosaurier durch den Urwald gejagt zu werden? Oder was einer Makrele durch den Kopf geht, hinter der ein Haifisch her ist? Falls die Antwort auf diese Fragen ja lautet, dann kann ich Ihnen verraten, wie Sie diese Erfahrungen machen können. Gefressen werden Sie dabei auch nicht, aber vielleicht auf eine andere Art sterben. Aber wer neugierig ist, lebt nun mal gefährlich.

Ich will auch gar nicht lange drumherum schreiben. Kaufen Sie sich einen Qingqi Sasy Classic 2000E und fahren Sie damit ein wenig in der Gegend herum. Idealerweise in der Rushhour in einer Großstadt oder, wenn sie mal so richtige Todesangst erleben wollen, auf einer gut ausgebauten Bundesstraße mit viel Schwerverkehr. Der faulige Mundgeruch eines T-Rex ist nicht so sehr viel anders als der höllische Drachenatem eines 40to-Scania der einem beim Überholen klar zeigt, dass eine einzige seiner Radschraube mehr Material enthält als die Gesamtheit des rachitischen chinesischen Irgendwas, an dem Sie sich gerade mit weiß hervortretenden Knöcheln festkrallen.

Bevor sich jedoch mit dem neu erworbenen Fahrzeug auf die epische Reise ins Land der Riesen und Drachen begeben, sehen wir uns das Ding doch einmal in aller Ruhe an.

Das Fahrzeug, das hierzulande allgemein als Qingqi Sasy Classic 2000E bekannt ist sollte korrekterweise eigentlich Qingqi QM50Z heißen, denn so wurde es von seinen Erbauern getauft. Diese Bezeichnung soll hier auch weiterhin verwendet werden, schon weil sie kolossal viel Druckerschwärze spart. Die Zusatzbezeichnung Sasy Classic 2000E ist lediglich die Verkaufsbezeichnung des Importeurs SAT Systems GmbH. Dass diese Roller hierzulande in eher homöopathischen Dosen und nur für relativ kurze Zeit angeboten wurden, täuscht darüber hinweg, dass ihnen in ihrer chinesischen Heimat eine ziemlich lange Karriere beschieden war. Das Herstellerunternehmen, die Jinan Qingqi Motorcycles Co Ltd. ist einer der traditionsreichsten Motorradproduzenten der Volksrepublik. Das „Qingqi Modell 15“ war ab 1956 das erste rein zivil genutzte Motorrad aus chinesischer Produktion. Doch ganz so weit reichen die Wurzeln des QM50Z nicht zurück. Dieser entstand ab 1987 als Resultat einer Zusammenarbeit von Qingqi mit Suzuki. Es handelt sich letztlich um eine Abwandlung des Suzuki TB50, einem ähnlich simpel gestrickten Automatikroller mit sehr kleinen Abmessungen und geringem Gewicht.

Betrachtet man den QM50Z rein objektiv, so fällt auf, dass er sich technisch stark von dem unterscheidet, was man heute landläufig von Automatikrollern erwartet. Zwar wird er von einem luftgekühlten 50cm³ Zweitaktmotor angetrieben, der als Treibsatzschwinge ausgeführt ist, doch steckt darin für heutige Betrachter ungewohnte Technik. So gibt es kein CVT-Getriebe, sondern lediglich einen Kettenantrieb mit fester Übersetzung und eine Fliehkraftkupplung. Ein Antriebssystem, das eher an klassische Mofas als an einen Roller erinnert. Der große Vorteil dieser Konstruktionsweise ist zweifellos deren Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen. Kette und Kupplung laufen in einem geschlossenen Ölbad und sind somit nahezu wartungsfrei und langlebig. Zudem ist diese Art der Kraftübertragung sehr viel effizienter als ein CVT-Getriebe, das konstruktionsbedingt immer Schlupfverluste erzeugt. Nachteilig ist jedoch, dass es keine Variation der Übersetzung gibt, was die Steigfähigkeit des Fahrzeugs stark einschränkt. Gerade in Kombination mit der, für einen 50er-Roller typischen, sehr überschaubaren Leistungsentfaltung. Der Motor selbst ist ein Musterbeispiel für gutes Packaging. So befindet sich der Vergaser an einem extrem kurzen Ansaugstutzen an der Stirnseite des Triebwerks und der Luftfilterkasten thront, in die Kühlluftführung integriert, über dem Zylinderkopf. Der Motor fällt dadurch sehr kurz und schmal aus.

Das ist auch gut so, denn er muss in einem der kleinsten Serienroller überhaupt Platz finden. Das gesamte Fahrzeug ist gerade einmal anderthalb Meter lang, nur knapp über 60 cm breit und weniger als einen Meter hoch. Auch 45 kg Trockengewicht ist kaum zu unterbieten. Dennoch handelt es sich um einen Zweisitzer mit ausreichend Raum für einen soliden Gepäckträger. All dies kombiniert mit, Ausstattungsdetails, die in den ausgehenden 1980er Jahren durchaus nicht selbstverständlich waren. So kam der QM50Z stets mit 12V-Elektrik, Anlasser und Blinkern sowie Getrenntschmierung und Klappfußrasten für die (mutige und schlanke) Sozia daher. Im Gegenzug muss der Winzrollertreiber aber auf eine Tankuhr verzichten und sollte auch keine überragenden Anforderungen an den Wetterschutz stellen.

Man muss abschließend feststellen, dass das, was da seinerzeit auf winzigen Achtzöllern und in ein sehr knappes Plastikkleidchen gehüllt aus China angekullert kam, ein erstaunlich brauchbarer, kleiner Motorroller ist. Die große Mehrheit der nach Europa exportierten Exemplare dürften ein eher ruhiges Leben als Campingplatzmobil auf dem Heckträger eines Wohnmobils geführt haben, entsprechend hoch ist die Zahl der in relativ gutem Zustand überlebenden Exemplare. Die eingangs erwähnte Expedition an den Rand der Todeszone muss also kein Gedankenspiel bleiben. Auch wenn ich persönlich den QM50Z als Innenstadtflitzer oder für gemütliche Ausfahrten auf kleinsten Nebensträßchen bevorzuge. Es ist eben wirklich so, dass die besten Dinge im Leben in kleinen Dosen kommen.

 

Technische Daten

 Abmessungen / Gewichte:

Länge über Alles

1.500 mm

Höhe (ohne Spiegel)

915 mm

Breite (ohne Spiegel)

625 mm

Randstand

1.070 mm

Bodenfreiheit

90 mm

Leergewicht

45 kg trocken / 51 kg abfahrbereit

Zulässiges Gesamtgewicht

230 kg

 Rahmen und Fahrwerk:

Vorderradführung

Telegabel mit Schraubenfedern (ungedämpft)

Hinterradführung

Treibsatzschwinge mit hydraulischem Monofederbein

Max. Lenkeinschlagwinkel

45° (beidseitig)

Wendekreis

1.450 mm

Bremsen

Mechanische Trommelbremse vorne und hinten
Seilzugbetätigung

Reifen

3.00-8 4PR vorne und hinten

 Motor:

Motortype

Einzylinder Zweitaktmotor, umkehrgespült mit Einlassteuerung durch Membrane. Auslass schlitzgesteuert.

Kühlung

Zwangskühlung durch Gebläse

Hubraum

49 cm³

Bohrung X Hub

41,00 mm X 37,40 mm

Spitzenleistung

3 kW bei 6.000 rpm

Max. Drehmoment

4,22 Nm bei 4.500 rpm

Verdichtung

6,5 : 1

Gemischaufbereitung

Querstrom-Schiebervergaser
Hersteller: Mikuni Type 12/70/101

Luftfilter

Trockenfilter Schaumgummielement

Anlasser

Kickstarter und Elektrostart

Motorschmierung

Frischölautomatik