Sonntag, 4. November 2018

Mittelsächsisches Mofachaos; oder wie man möglichst kompliziert ein Kino besucht

Mein lieber Freund Thum gehört zu den Menschen, die genau wie ich, die Absurdität als Kulturgut zu schätzen wissen. Dies kann verschiedene Formen annehmen, eine davon ist, dass ich am zurückliegenden Brückentagswochenende mit meinem Mofa auf dem Anhänger nach Sachsen gefahren bin. 
Grund dafür war der Kinostart des Filmes 25km/h, den wir uns gemeinsam ansehen wollten. Da es im Film um eine Mofareise geht, war eine stilechte Anreise zum Kino klar. Anfang November ist für mich aber schlicht nicht mehr die Jahreszeit, um über 300km mit der Puch zu fahren. Außerdem war es wichtig, dass ich das Auto dabei hatte. Dazu aber später noch mehr.
Unter Thums Carport steht außerdem seit geraumer Zeit sein Wulfhorst R3 Krankenfahrstuhl. Technisch basiert dieser ja auch auf einem Mofa und war damit natürlich erste Wahl für die Fahrt zum Kino. Wirklich fahrbereit war das Fahrzeug jedoch nicht, weshalb zunächst eine kleine Schrauberaktion fällig war. 
Der Zahn der Zeit, teilweise auch in Gestalt von völliger Vernachlässigung, hatte doch ziemlich an der gütersloher Kuriosität genagt. 
So verlangte das Lenkkopflager nach einem neuen, oberen Kugelkranz und reichlich Fett sowie der Vergaser nach einer Abdichtung und Reinigung.
Außerdem ist es interessant zu sehen, wie das Fahrzeug gebaut ist. Das Fahrgestell einer Hercules Prima zum Dreirad umzubauen ist ja schön und gut, aber dann noch die exotische Dynastart-Version des Sachs 50 einzubauen, der so nie für den Gebrauch in diesem Chassis vorgesehen war, grenzt an Wahnsinn. Trotzdem erweckt das Fahrzeug nicht den Eindruck eines wilden "Frankensteins" sondern einer sauberen, logische Konstruktion. 
Einige Zeit später standen dann tatsächlich beide Fahrzeuge, Puch und Wulfhorst, für den Kinobesuch bereit auf dem Hof. 
Der R3 erwies sich jedoch als immer noch nicht zu einhundert Prozent fit. Zwar fuhr er deutlich besser als vor der Schrauberaktion, allerdings langsam und mit extremer Rauchentwicklung. Bis zum Kino, erstmal nur zum Karten holen, schafften es aber trotzdem beide Fahrzeuge.
 Auf dem Rückweg, nach einer kleinen "Stadtbesichtigung", kam es dann aber doch zu Problemen mit dem Wulfhorst. Hustend und stotternd gab der Bock kurz vor Thums Wohnung den Geist auf. Zwar sprang der Motor nach einer Wartezeit wieder an, aber nur um nach wenigen hundert Metern wieder rauchend abzusterben. Die klassischen Symptome einer immer wieder zusammenbrechenden Treibstoffversorgung.
Die anschließende, zweite kleine Schrauberaktion fand dann in Thums Wohnküche statt. Der Grund für das Treibstoffproblem konnte eigentlich nur im Tank zu suchen sein und draußen war es einfach schon zu dunkel um sich dieser Sache anzunehmen.
Ein beim Ausbau zerfallender Benzinhahn ist nie ein gutes Zeichen, genauso wenig wie undefinierbare schwarze Bröckchen aus Rost und Schmiere am Filtersieb. 
Mehrere gründliche Spülungen des Tanks mit kochender Seifenbrühe förderten dann auch jede Menge losen Unrat zutage. Es ist ziemlich eindeutig, dass hier das Problem begründet liegt und es war auch klar, dass die zweite Fahrt zum Kino, zur Vorstellung nämlich, nicht mit dem R3 stattfinden würde.
Zwar hat eine Junggesellenwohnung den Vorteil, dass man einen Mofatank in der Küchenspüle putzen kann ohne auf grausige Art ermordet zu werden, die Ausrüstung um den Tank wirklich 100%ig zu säubern und zu versiegeln fehlte einfach. Darum beschlossen wir, dass Thum mit einem seiner Dreiradroller fahren würde ich ich mit der Puch. Für den R3 war die kurze Saison an dieser Stelle schon wieder zu ende.

Dem Spaß tat das aber keinen Abbruch. 25km/h ist für mich einer der besten Filme des Jahres und eine absolute Empfehlung. Gerade wenn man die großen und kleinen Abenteuer des Reisens mit einem Mofa oder Moped kennt, ist er ein absoluter Genuss. Sehr zu empfehlen!
Für Thum und mich ging es am Samstagmorgen aber mit dem Auto auf  Reisen. Das Mofa stand wieder auf dem Anhänger und wir rollten über die Autobahn in Richtung Bayern. Denn wir hatten vereinbart, dass er mich in die Heimat begleitet. In der Nähe von Regensburg ist ja "mein" Apespezialist Michael zu Hause und Thum möchte eine Ape 50. Eine Probefahrt war in Freiberg aber, mangels Ape, nicht möglich.
Was bleibt dazu zu schreiben? Nun, Thum hat sich im tiefsten Niederbayern endgültig in die flotte Biene aus Italien verliebt. Ob bald eine Ape bei ihm einziehen darf ist letztlich nur noch eine Frage der Zeit.

Zunächst blieb nur, Thum nach einem schönen Wochenende am regensburger Bahnhof abzusetzen und sich zu verabschieden. Er fährt zurück nach Sachsen und es bleibt die Erinnerung an ein schönes, langes Wochenende mit ganz vielen kleinen Abenteuern, guter Zeit und Mofachaos.














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