Sonntag, 10. Februar 2019

Fahrzeugmuseum Chemnitz und sächsisches Nutzfahrzeugmusem Hartmannsdorf

Seit den Pioniertagen der Motorisierung ist Sachsen eines der Epizentren der deutschen Fahrzeugindustrie. Legendäre Marken, die teilweise bis heute existieren, hatten hier ihren Ursprung. Horch und Audi, DKW und Wanderer, die Teilunternehmen der Autounion sind wohl die bekanntesten. Aber es sind viele mehr, heute teils halb vergessen und im Nebel der Geschichte verschollen. Doch natürlich gibt es Enthusiasten und Historiker, die diesen Teil der Industriegeschichte lebendig erhalten. Deshalb ist Sachsen heute nicht nur Industriestandort, sondern auch Heimat vieler hochwertiger Museen. Zu diesen zählen das Museum für sächsische Fahrzeuge in Chemnitz und das sächsische Nutzfahrzeugmuseum in Hartmannsdorf.

Das chemnitzer Museum unterscheidet sich schon durch seine Unterbringung von anderen Institutionen seiner Art. Als Rahmen für die Ausstellung dient das Gebäude der Stern-Garagen, eine 1928 errichtete Hochgarage, die zu den ältesten erhaltenen Anlagen ihrer Art zählt.
Die liebevoll präsentierte Schausammlung des Museums zeigt einen beeindruckenden Querschnitt durch die Geschichte des Fahrzeugbaus in Sachsen. Dabei liegt das besondere Augenmerk auf den eher unbekannten Facetten dieser Geschichte. 
Zu den spektakulärsten Exponaten zählt zweifellos der 1924er Presto Typ D. Das heute fast völlig vergessene Unternehmen baute in Chemnitz Autos, Motorräder und Fahrräder.
Weniger luxuriös, aber heute fast genauso vergessen und erheblich älter als der Presto, ist das Wanderer "Puppchen" von 1913. Der liebenswerte Kleinwagen mit Tandemsitzen ist einer der ältesten Überlebenden seiner Baureihe. Im Museum erzählt er von den Anfangstagen der Motorisierung und zeigt, wie sich die Autobauer in Schönau vor dem Ersten Weltkrieg einen "Volkswagen" vorstellten. 

Natürlich kennt die Geschichte der Kraftfahrzeuge auch viele Irrwege. Ein besonders spannender ist der ORUK Roller aus dem Jahre 1923.
Mit dem Hinterrad direkt auf der Kurbelwelle kommt das kuriose Kleinfahrzeug ohne ein Getriebe aus. Der für die damalige Zeit hochmoderne Viertaktmotor mit hängenden Ventilen konnte jedoch auch nicht dazu beitragen, aus dieser Fußnote der Geschichte einen Erfolg zu machen.


Es ist hier natürlich nicht möglich, jedes Exponat einzeln vorzustellen, einen Besuch im Museum für sächsische Fahrzeuge in Chemnitz kann ich jedoch wärmsten empfehlen. Die liebevoll präsentierte, unglaublich vielschichtige und hochwertige Sammlung ist mehr als nur sehenswert.

Homepage des Museums


Von Chemnitz nach Hartmannsdorf sind es nur wenige Kilometer, es liegt also nahe, den Besuch des dortigen Nutzfahrzeugmuseums "mitzunehmen" wenn man schon in Chemnitz ist. Allerdings würde es dieser Institution nicht gerecht werden, sie als reinen Wegpunkt abzutun.

Der rührige Betreiberverein hat seit seiner Gründung im Jahre 1995 eine beeindruckende Sammlung historischer Nutzfahrzeuge zusammengetragen. Der Schwerpunkt liegt hier, wie beim chemnitzer Museum, auf Fahrzeugen, die in der Region gebaut wurden. Allerdings sind auch Fahrzeuge aus dem Rest Deutschlands sowie dem Ausland in der Sammlung enthalten.
Die Sammlung in Hartmannsdorf zählt zu den größten und besten ihrer Art in Deutschland. Vor allem sind viele sehr seltene Fahrzeuge darin enthalten. Darunter auch hier wieder ein Modell der chemnitzer Firma Presto.
1912 wurde dieser Typ 10/27 gebaut und nach Schweden geliefert, wo er bis 2014 blieb. Nach über hundert Jahren im hohen Norden hat er jetzt eine neue Heimat in seiner alten gefunden, als ältestes Exponat des Museums.
Der Opel Blitz, der nicht in Rüsselsheim sondern in Brandenburg an der Havel gebaut wurde, ist wohl der bekannteste deutsche Oldtimer-LKW. Fast immer wird er mit der Wehrmacht in Verbindung gebracht und folgerichtig zeigt das Museum eine allradgetriebene Militärausführung aus jener Zeit. Doch die allermeisten Blitze waren, noch lange nach dem Krieg, als Zivilfahrzeuge unterwegs.
Diese, zumindest gefühlt, sehr viel selteneren Exemplare zeigt das Museum in einer erstaunlich großen Variantenvielfalt. Ob als eher bescheidener Planenwagen oder als Sanitätsfahrzeug.

Highlight der Sammlung sind mehrere IFA H6, die größten in der DDR gefertigten LKW. Die Produktion im sächsischen Werdau endete zwar bereits 1959, dennoch gehörte er lange zum Straßenbild im Arbeiter- und Bauernstaat. Die wenigen bis heute überlebenden Exemplare zählen zweifellos zu den spektakulärsten historischen Nutzfahrzeugen ihrer Zeit.

Das Museum in Hartmannsdorf ist zweifellos extrem sehenswert, nicht nur für die Freunde historische Nutzfahrzeuge, sondern für jeden an Technikgeschichte interessierten.

 

Wer im "Autoland" Sachsen unterwegs ist und sich für Oldtimer begeistern kann, dem seien beide Museen ans Herz gelegt. Faszinierende Technikgeschichte und liebevolle, hochwertige Präsentation bilden hier ein perfektes Gesamtbild das Lust aufs Wiederkommen macht.

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