Freitag, 1. Februar 2019

Ape TM: Umbereifung auf 145/70-12, die Praxis

Die theoretischen Grundüberlegungen zur Umbereifung der Ape TM vom serienmäßigen 125/80-12 auf 145/70-12 habe ich ja vor einiger Zeit hier dargelegt:
https://rollerchaos.blogspot.com/2019/01/ape-tm-umbereifung-auf-14570-12-die.html

Doch wie sieht es mit der praktischem Umsetzbarkeit eines solchen Umbaus aus? Denn es ist ja nicht damit getan, einfach andere Reifen aufzuziehen, denn ein solcher Umbau muss in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. 

das Problem der Traglast
Wichtig ist zunächst einen sinnvollen und verfügbaren Reifen in der neuen Größe auszuwählen. Einer der wichtigsten Beweggründe diese Umbereifung durchzuführen ist ja die gute Verfügbarkeit von PKW-Reifen dieser Größe. Außerdem gibt es in dieser Dimension Winterreifen, die den aktuellen Vorschriften genügen. Diese Reifen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen mit einem Traglastindex von 69 angegeben. Das bedeutet, dass jeder Reifen 325kg tragen darf. Für die Ape TM ist das zu wenig. Die serienmäßig angegebene Achslast an der Hinterachse liegt bei den Zweitaktmodellen bei 1070kg, also bei 535kg je Hinterrad.
Die serienmäßigen Reifen der Dimension 125/80-12 sind in den Fahrzeugpapieren mit dem Traglastindex 81 angegeben. Dies erlaubt eine Last pro Reifen von 462kg. Für die TM ist das eigentlich zu wenig, da aber die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs mit 64km/h deutlich unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nach Geschwindigkeitsindex J (100km/h) für den fraglichen Reifen liegt, ist dies zulässig.

Der niedrige Traglastindex der fraglichen Reifen ist darin begründet, dass diese eigentlich für sehr kleine und leichte PKW vorgesehen sind. Die Ape TM hat jedoch, trotz ihrer geringen Größe, ein sehr hohes zulässiges Gesamtgewicht. Bei (lt. Werksangabe) nur 390kg Leergewicht weist sie ein zulässiges Gesamtgewicht von 1270kg auf. Dies bedeutet eine theoretisch zulässige Zuladung von 880kg oder dem 2,25-Fachen des Eigengewichts, ein Wert der unter Nutzfahrzeugen seinesgleichen sucht. 
Ein möglicher Ausweg aus dem Problem des zu geringen Traglastindexes ist eine Reduzierung dieser Zuladung. Dies ist unter anderem dadurch möglich, dass die Höchstgeschwindigkeit der Ape TM mit nur 64km/h angegeben ist, einem Wert der weit unter dem liegt, was der Geschwindigkeitsindex der in Frage kommenden Reifen erlaubt. Dieser ist meist T (190km/h) oder S (180km/h). 

das Problem der Reifenbreite
Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass die Lauffläche eines Reifens abgedeckt sein muss. Dies ist ein relativ bekanntes Problem im Zusammenhang mit Autotuning. Breitreifen auf getunten PKW sind ein übliches Bild und oft ist das Hauptproblem bei der Eintragung eines solchen Umbaus die Abdeckung des Reifenprofils. Bei PKW wird in solchen Fällen gerne zu Kotflügelverbreiterungen gegriffen. Die simple Bauweise der Ape TM erlaubt es jedoch, die Kotflügel etwas weiter nach außen zu montieren (~1,5cm) und damit dieses Problem leicht zu beheben.

die Lösung des Traglastproblems
Nach Rücksprache mit dem zuständigen Prüfingenieur beim TÜV-Süd wurde bei meiner TM jetzt ein Reduziertes Gesamtgewicht von 1030kg eingetragen. Damit ist es möglich, 145/70-12 69T Reifen legal zu nutzen.




Daraus ergibt sich eine Reduktion der theoretisch möglichen Nutzlast um 240kg auf 640kg. Für die allermeisten Einsätze einer Ape TM sollte dies weiterhin ausreichend sein. Dadurch sinkt die Radlast an der Hinterachse auf 365kg, was aufgrund der deutlich unterhalb des Geschwindigkeitsindex liegenden Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs zulässig ist.

Eine solche Eintragung ist natürlich ein Kompromiss im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Sie kann, sofern die Traglastreduktion akzeptabel ist, einen Weg zu einer deutlichen Verbesserung der Reifensituation für die Ape TM eröffnen.

praktische Umsetzung
Wie schon geschrieben, und eigentlich sollte das ohnehin selbstverständlich sein, sollte man eine solche Aktion im Vorfeld mit dem Prüfer besprechen, der es später eintragen soll. Dann laufen solche Dinge nämlich meist völlig reibungslos ab.
Die Kombination aus dem originalen 125er Reifen vorne und den 145ern auf der Hinterachse funktioniert soweit gut. Das Fahrzeug steht schön gerade und ohne "Hängearsch" oder "Schnüffelnase" da. 
 
Durch die leicht nach außen versetzten Kotflügel sind die Reifen ausreichend abgedeckt und auch bei voller Beladung und maximaler Verschränkung des Fahrzeugs freigängig. Somit stand einer Gutachtenerstellung nichts mehr im Wege und auch die anschließende Eintragung in die Fahrzeugpapiere bei der Zulassungsstelle war eine reine Formalität. 






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