Sonntag, 17. Dezember 2017

Schraubertipps: der automatische Benzinhahn (Funktionsweise, Prüfung und Austausch)

Die meisten Roller verfügen seit Mitte der 1980er Jahre über einen automatischen Benzinhahn. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen ist dieser unterdruckbetätigt. Elektromagnetische Systeme haben sich nicht durchgesetzt, das prominenteste Beispiel für einen Roller mit elektromagnetischem Benzinhahn ist vermutlich die Vespa Cosa.
Ein automatischer Benzinhahn hat den Vorteil, dass er den Fahrer entlastet und die Bedienung des Fahrzeugs erleichtert. Normalerweise funktionieren die einfachen, durch den Unterdruck des Ansaugtrakts betätigten, Hähne sehr zuverlässig. Sie sind im Grunde wartungsfrei und können im Schadensfalle auch nicht sinnvoll repariert werden. Zwar sind einige Exemplare zerlegbar, jedoch gibt es so gut wie nie Ersatzteile dafür zu kaufen. In dieser Anleitung soll es darum nur darum gehen, die Funktionsweise des Hahnes zu erläutern sowie seine Prüfung und den gegebenenfalls notwendigen Austausch zu zeigen. 

Wichtige Hinweise:
Bei Arbeiten am Kraftstoffsystem ist größte Vorsicht angebracht. Treibstoff ist hoch entzündlich und kann unter Umständen explodieren. Daher sind eine gute Belüftung sowie das vermeiden von Zündquellen extrem wichtig. Es darf nicht geraucht werden! 
Zudem sind Kraftstoffe und Kraftstoffdämpfe hoch giftig. Schutzhandschuhe sowie Schutzbrille müssen bei diesen Arbeiten unbedint getragen werden. Kontakt mit der Haut muss vermieden werden, sollte Kraftstoff verschluckt werden oder in die Augen geraten muss SOFORT ein Arzt aufgesucht werden. Kraftstoffe dürfen zudem unter keinen Umständen in die Kanalisation oder das Grundwasser gelangen können. 

Funktionsweise des automatischen Benzinhahns (Unterdrucksystem):
Im Inneren des Benzinhahns befinden sich eine Membran und ein Stiftventil. Die Membran befindet sich zwischen der Kraftstoffkammer in der immer normaler Atmosphärendruck (Umgebungsdruck) herrscht und der Unterdruckkammer. Die Unterdruckkammer ist über eine Schlauchleitung mit dem Ansaugtrakt des Motors verbunden. Durch die Ansaugleistung des Motors entsteht Unterdruck, dieser zieht die Membrane in Unterdruckkammer hinein und öffnet somit das Ventil.
Unterdruckbenzinhahn in geschlossener Stellung
Unterdruckbenzinhahn in geöffneter Stellung
Die Zeichnung zeigt den prinzipiellen Aufbau bzw. die Funktionsweise des Hahns. Die federbelastete Membran kehrt nach dem Abstellen des Motors zurück in ihre Ruhestellung und verschließt die Treibstoffzufuhr. 
Die heute vorherrschende Bauform von direkt in den Tank eingesetzten Benzinhähnen verfügt außerdem über ein Filtersieb, dass ein Eindringen von Verunreinigungen in den Hahn bzw. das restliche Kraftstoffsystem sowie den Vergaser oder die Einspritzanlage verhindert. Früher übliche Leitungsfilter sollten in solchen Systemen nicht verwendet werden, denn sie können den Treibstofffluss behindern.

Funktionsprüfung:
Die korrekte Funktion des Kraftstoffhahns sollte bei jeder Wartung des Fahrzeugs geprüft werden. Dies ist bei unterdruckbetätigten Hähnen denkbar einfach. Hierzu wird einfach die Treibstoffleitung zum Vergaser / zur Einspritzanlage am Hahn abgezogen. Bei stillstehendem Motor darf kein Treibstoff auslaufen. Anschließend wird ein geeignetes Gefäß unter den Hahn gestellt bzw. gehalten und kurz der Anlasser betätigt bzw. der Kickstarter getreten. Es muss ein deutlicher Kraftstofffluss austreten, der sofort wieder aufhört, wenn der Motor zum Stillstand gekommen ist.
Die Anschlüsse an einem in den Tank integrierten Benzinhahn. Hinweis: Auf dem Foto ist der Hahn auf dem Kopf stehend zu sehen, der Unterdruckanschluss zeigt üblicherweise nach unten!
Fehlerbeseitigung:
Wie oben beschrieben können automatische Benzinhähne in den meisten Fällen nicht repariert werden. Der Austausch ist in der Regel sehr simpel, denn sie sind fast immer nur mit einer einfachen Schlauchschelle befestigt oder mit einer Überwurfmutter angeschraubt. In allen Fällen muss jedoch beachtet werden, dass der Tankinhalt ausläuft sobald der Hahn gelöst wird. Daher muss vorher der Tankinhalt abgepumpt werden. Alternativ kann auch der Tank ausgebaut und der Treibstoff in einen Kanister umgefüllt werden. Bei den meisten Fahrzeugen ist dies die sinnvollste Alternative. 
Um sicherzustellen, dass der Hahn absolut dicht ist, muss ein eventuell vorhandener O-Ring bzw. Gummidichtung grundsätzlich mitgetauscht werden. Neue Benzinhähne werden normalerweise mit einem neuen O-Ring geliefert. Bei eingesteckten Hähnen, die mit einer Schlauchschelle fixiert werden (die meisten Kunststofftanks) sollte der Sitz zudem mit benzinfester Dichtpaste bestrichen werden. Normale Motordichtmasse bzw. Silikon eignen sich hierzu NICHT.

Etwas Dichtmasse am Sitz garantiert, dass der neue Hahn auch wirklich dicht ist.
Sonderfall externer Kraftstoffhahn:
Bei einigen Modellen, insbesondere den in den letzten Jahren so beliebt gewordenen Chinarollern, befindet sich der Treibfstoffhahn nicht direkt am Tank, sondern ist am Rahmen verschraubt. 
externer Benzinhahn am Rahmen angeschraubt, noch ohne Anschlussleitungen
Diese Hähne funktionieren grundsätzlich genauso wie die in den Tank integrierte Variante, hat jedoch in der Regel drei Anschlüsse.
Die Zuleitung vom Tank her kommend (Speiseleitung) ist hier als Schlauchleitung ausgeführt. Wird der Hahn demontiert, muss diese Leitung mit einer Klammer verschlossen werden. Bei diese Bauform ist meist ein Kraftstofffilter in die Speiseleitung eingesetzt, dieser muss im Rahmen der Routinewartung geprüft bzw. ersetzt werden. Alle weiteren Prüfungen entsprechen denen der "normalen" Bauform.

Sonderfall elektromagnetische Benzinhahn:
Elektromagnetische Benzinhähne sind eine exotische  Randerscheinung. Größere Verbreitung haben sie eigentlich nur im historischen Vespamodell Cosa gefunden. Sie bestehen aus einem Gehäuse mit Magnetventil. Je nach Bauform wird dieses Ventil mit Strom versorgt und dadurch geöffnet sobald der Motor dreht oder die Zündung eingeschaltet wird.









Spirit of Saxonia: Rollerschrott

Nachdem es mir nicht gelungen war den Spirit im Schnellverfahren wieder zum Laufen zu bringen habe ich ihn heute in die Werkstatt geschafft. Es ist doch deutlich angenehmer, in einem trockenen und halbwegs geheizten Raum zu arbeiten. 
So sind mir dann auch einige Dinge aufgefallen, die mir bisher schlicht entgangen waren. Unter anderem ist der Ansaugstutzen total rissig. Vermutlich hat der Schlag durch den Unfall dem Teil den Rest gegeben, eine durchaus plausible Erklärung für das Problem. Den Vergaser habe ich dann auch noch grundlich gereinigt, allerdings heißt es jetzt dennoch warten auf die Ersatzteile. 
Mit etwas Glück kommt das Zeug noch vor Weihnachten. Es wäre schön, wenn wenigstens diese nervige Baustelle vor den Feiertagen abgeschlossen wäre.
Damit dann an der Vergaserfront wirklich Ruhe ist, bekommt der Roller auch noch eine neue Membrane. Immerhin ist es ja der Schlachtvergaser mit unbekannter Vorgeschichte der hier Dienst tut.



Samstag, 16. Dezember 2017

Spirit of Saxonia: Rätselraten

Nach dem Ausfall gestern wollte ich eigentlich heute den Chinakracher in die Werkstatt bringen. Allerdings kamen andere Dinge dazwischen und so war heute nur Zeit für eine n kurzen Check. Auf den ersten Blick ist der Roller nicht nennenswert beschädigt, der Rempler hat scheinbar keine weiteren Folgen gehabt. Fahren tut die Karre darum aber noch lange nicht, also einfach mal auf gut Glück raus mit dem Vergaser.
Auf den ersten Blick sieht auch hier alles gut aus. Die Hauptdüse habe ich trotzdem einmal mit Bremsenreiniger durchgeblasen. In der Schwimmerkammer hat sich allerdings ein seltsamer, schleimiger Dreck abgesetzt.
Das sieht eigentlich aus wie das Zeug, das sich nach langen Standzeiten gerne bildet. Allerdings stand der Roller ja nicht lange und lief bis zum Unfall problemlos.Der Dreck löst sich allerdings in Bremsenreiniger (und somit auch in Benzin). 
Es ist gut möglich, dass dieses Zeug die Ursache für das Problem ist. Allerdings stellt sich dann halt die Frage, wo es herkommt und was das mit dem Unfall zu tun hat. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung und hatte heute auch nicht mehr die Zeit mich weiter damit zu befassen. 

Nach dem Zusammenbau lief der Roller sogar für einen kurzen Moment wieder. Allerdings kam das Problem dann wieder zurück. Meinen Verdacht, dass es am Vergaser liegt bestätigt das aber. Es hilft nichts, die Karre muss in die Werkstatt und der Vergaser gründlichst gereinigt werden, erst dann ist hier eine sinnvolle Aussage möglich.



Freitag, 15. Dezember 2017

Spirit of Saxonia: manchmal möchte man einfach nur schreien

Seit dem Vergasertausch lief der Spirit recht manierlich, er sprang immer gut an und fuhr brav. Bis heute.
Heute Abend war ich noch kurz im Supermarkt, leider wurde ich dann in der Ausfahrt von einem unachtsamen Autofahrer leicht gerammt. Glücklicherweise ohne große Schäden an beiden Fahrzeugen und auch ohne Verletzungen. Ärgerlich ist nur, dass der Chinakracher jetzt nicht mehr tut. Es ist wieder das alte Problem: Der Motor springt an und läuft im Stand auch recht sauber, geht aber aus sobald man Gas gibt.
Das sind so die Momenten, in denen man sich einfach nur schreiend auf den Boden werfen möchte. Schweigend den Roller nach Hause schieben ist dann aber doch irgendwie sinnvoller. Mal sehen was das nun schon wieder ist ...
Immerhin: Zu Hause bin ich dann auf den Cargozip umgestiegen, dieser läuft immerhin zuverlässig, auch wenn er an der Kupplung krankt. Piaggio ist halt doch besser als Chinaschrott, das bestätigt sich hier einmal wieder.

Für morgen ist ein Werkstattbesuch geplant. Mal sehen ob ich bis dahin Lust habe was am Spirit zu machen, denn eigentlich würde ich gerne an anderen Baustellen schrauben. Ich habe aktuell eh viel zu wenig Zeit, mich um die Dinge zu kümmern die mich wirklich interessieren, darum tut sich auch hier im Blog wenig. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass es nach Weihnachten (ist ja schon in gut einer Woche ...) wieder ruhiger wird und ich mehr Zeit für meine Sachen haben werde. Wie sagte schon Karl Valentin so schön: " und wenn die staade Zeit vorbei ist, dann wirds a wieder ruhiger."

Sonntag, 10. Dezember 2017

Black Bomber: Einsatz in der Tiefgarage

Manche Roller wollen einfach nicht weg. Offenbar ist das auch beim Black Bomber der Fall, denn beim ersten Startversuch durch den neuen Besitzer wollte er nichtmehr. Darum gab es einen kurzen "Hausbesuch" in der Tiefgarage.
Auffallen war vor allem, dass beim kicken fröhlich Treibstoff aus dem Auspuff sprudelte! Die Diagnose war also relativ einfach, die Karre war einfach nur ganz brutal abgesoffen. Glücklicherweise hatte es den Motor nicht hydraulikt. Das hätte böse ins Auge gehen können ...
Spritversorgung unterbrechen, Zündkerze und Luftfilter raus und dann gefühlt hundertmal kicken. Danach spritze es nicht mehr aus den diverse Öffnungen und eine Probefahrt war möglich. 
Tatsächlich sprang der Roller jetzt problemlos an und lief einwandfrei. Was da los war ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Ich hoffe, der neue Besitzer hat keine weiteren Schwierigkeiten mit dem Fahrzeug, sondern hat nun wirklich Freude daran.

Einen positiven Nebeneffekt hatte der Tiefgaragenbesuch auch noch. Ich konnte so problemlos und im Trockenen den reparierten Reifen an die Ape schrauben.
Somit ist auch das Dreirad wieder fit und kann, hoffentlich, noch diesen Monat getüvt werden. Die HU steht nämlich wieder auf dem Programm.




Freitag, 8. Dezember 2017

Luigi: Reifenchaos

Der Vorderreifen der Ape war fällig, darum habe ich schon vor zwei Wochen eine der Reservefelgen beim Reifenmann abgegeben. So funktioniert das einfach und stressfrei, für alle Parteien. Heute Morgen war es dann Zeit, den neuen Gummi abzuholen. Doch auf dem Weg zum Reifendienst schlug der Pannenteufel zu.

Ein Nagel hatte sich in den rechten Hinterreifen gebohrt und diesen zum Plattfuß gemacht. Ärgerlich, aber solche Dinge passieren nunmal. Ersatzrad raus und weiter geht die Fahrt. 
Beim Reifenhändler gab es dann den etwas kuriosen Tausch Aperad gegen Aperad. Mit dem frisch bereiften Rundling im Gepäck bin ich dann zur Werkstatt rausgezockelt, denn es standen einige kleine Arbeiten auf dem Programm. Doch zunächst wanderte vor Ort das neue Vorderrad an seinen Arbeitsplatz.
Nach dem Vorderadtausch ging es dann im Innenraum der Ape weiter. Denn dort regte mich schon länger ein nerviger Kleinschaden auf. 
Vor einiger Zeit hatte ich durch eine Unachtsamkeit die Platikabdeckung beim Handbremshebel zerstört. Ärgerlich, auch weil ich mich an der scharfen Kante jetzt schon mehrmals verletzt hatte. Zeit die Sache zu Ändern. Also raus mit dem beschädigten Teil.
Klar, man könnte die Plastikabdeckung einfach austauschen, aber das ist teuer und eine Reparatur ist relativ einfach. In bewährter Art einfach ein Blechstück zurechtflexen und -bohren ...
... und mit den bewährten Blindnieten festschießen.
So entsteht eine stabile und billige Reparatur, die man in eingebautem Zustand kaum bemerkt. 
Das Problem ist damit budget- und resourcenschonend aus der Welt geschafft und das Apefahren macht wieder etwas mehr Freude. 
Am Spätnachmittag klingelte dann noch das Telefon, der Reifenmann hatte meinen Plattfuß in Ordnung gebracht und ich konnte den Rundling abholen. Also rauf auf den Cargo-Zip und ab. 
Auf der Rückfahrt erlebte die Freude dann einen kleinen Dämpfer. Denn es begann schlagartig und extrem heftig zu schneien. 10 Minuten bevor das Foto entstand lag noch keine einzige Schneeflocke. Langsam, durchweicht und im Blindflug ging es also vorsichtig nach Hause. Immerhin, auch dieses kleine Abenteuer ist überstanden, der finale Reifenwechsel aber auf morgen vertagt, irgendwann hab ich dann auch keine Lust mehr ...









Montag, 4. Dezember 2017

Schraubertipps: Getriebeölwechsel beim Piaggio-Automatikmotor (alte Bauweise)

Die Frage nach dem Getriebeölwechsel bei älteren Piaggiorollern (bis ca. Baujahr 2002) taucht immer wieder auf. Denn tatsächlich sind die Ablass- und Einfüllschrauben für das Getriebeöl bei diesen Fahrzeugen recht gut "versteckt".

Sie befinden sich auf der, in Fahrtrichtung, rechten Seite des Motors neben der Bremse. Um sinnvoll Zugang zu erlangen ist es leider notwendig, denn den Auspuffschalldämpfer und das Hinterrad auszubauen. Daher ist hier zur Verdeutlichung ein ausgebauter und weitgehend von seinen Anbauteilen befreiter Motor abgebildet. 

Natürlich ist es nicht erfolderlich den Motor auszubauen um das Getriebeöl zu wechseln. Für die Fotos stand nur eben gerade ein ausgebauter Motor zur Verfügung. Ein nettes Detail ist, dass die beiden Schrauben Beschriftet sind. Auf den Schraubenköpften steht bei Motoren aus italienischer Fertigung "olio", bei Motoren aus spanischer, indischer oder chinesicher Produktion "oil". 
Die Schrauben sind häufig unter einer Kruste aus Dreck und Ölresten regelrecht vergraben und müssen mit der Drahtbürste freigelegt werden. 
Beide Schrauben haben einen Dichtring aus Hartstoff untergelegt, dieser sollte bei jedem Ölwechsel erneuert werden. Der ungewöhnliche Durchmesser (es handelt sich um M7-Schrauben) macht die Beschaffung dieser Dichtringe bisweilen schwierig, es empfiehlt sich daher immer welche auf Vorrat zu haben. Nach dem Ablassen des alten Getriebeöls wird frisches Öl durch die Einfüllschraube (obere der beiden Schrauben) bis zum überlaufen eingefüllt. Die Gewinde im Motorblock sind sehr empfindlich gegen Überdrehen. Daher die Schrauben nur vorsichtig und leicht anziehen, nicht "anknallen".