Freitag, 23. Februar 2018

Tour: Little Berlin, Zwickau und KZ Flossenbürg (12.-14.08.2011)


Deutschland war und ist nicht nur geografisch in der Mitte Europas verwurzelt. Mein Heimatland war und ist auch für das politische Schicksal der Europäer von zentraler Bedeutung. Heutzutage ist diese Rolle glücklicherweise friedlicher und stabilisierender Natur, doch das war nicht immer so. Zwei verheerende Weltkriege gingen von Deutschland aus. Innerhalb eines halben Jahrhunderts stürzten übertriebener und fehlgeleiteter Nationalstolz und ideologische Verblendung die Welt zweimal ins Feuer des Krieges. Zurück blieben beide Male keine Sieger, sondern nur verbrannte Erde, Tot und unsagbares Leid. Der zweite Weltkrieg endete für Deutschland eigentlich nicht am 8. Mai 1945. Zwar kapitulierte an diesem Tag die Wehrmacht bedingungslos vor den Alliierten und den Streitkräften der Sowjetunion, doch eigentlich endete er erst am 3. Oktober 1990, als seine deutlichste Folge, die Teilung Deutschlands in zwei Staaten, beendet wurde. Ein besonders wichtiges Datum aus der Zeit dieser Teilung ist der 13. August 1961. An diesem Tag begann der Bau der Berliner Mauer. Dieses grausige, in Beton und Stacheldraht Gestalt annehmende Symbol für Unfreiheit und Unterdrückung, nicht nur in der DDR sondern in vielen Ländern der Welt.
Doch nicht nur Berlin war einst ein geteilter Ort. Das kleine Dorf Mödlareuth an der Grenze von Bayern und Thüringen war es auch. Die Deutsch-Deutsche Grenze schnitt die Ortschaft in der Mitte durch, teilte hier was in Jahrhunderten zusammengewachsen und stets untrennbar verbunden war. Die US-Soldaten, die an diesem Teil des Eisernen Vorhangs Dienst taten nannten den Ort darum „Little Berlin“. Heute ist Mödlareuth nur noch ein ganz normales Dorf, doch die Geschichte der deutschen Teilung ist hier noch lebendig, im Grenzmuseum, das einen Teil der alten Sperranlagen erhält und so diesen Teil der Geschichte vor dem Vergessen bewahrt. Wolfgang hatte die Idee, diesen besonderen Ort am 50. Jahrestag des Mauerbaus, dem 13. August 2011, zu besuchen. Eine Einladung der ich gerne gefolgt bin und so kam es dann zu dieser Rollertour ins ehemalige Grenzgebiet.


12. August
Wolfgang hatte den Freitag frei und somit Zeit für eine gemütliche Anreise. Ich hatte nicht so viel Glück, sondern musste zunächst arbeiten. Daher ging es erst am frühen Nachmittag von Regensburg aus nach Norden. Die Cosa wartete schon seit dem Vortag beladen in der Garage, trotzdem war zu wenig Zeit um gemütlich über die Landstraße zu bummeln. Kilometerfressen auf der Autobahn ist nicht meine bevorzugte Art zu reisen, aber manchmal hat man eben keine Alternative.
Der alte Panzer bewachte einst die innerdeutsche Grenze, heute markiert er nur noch den Parkplatz und wirbt für das Grenzmuseum in Mödlareuth.

Von Hof aus ist es dann glücklicherweise noch ein Stück über wenig befahrene Nebenstraßen nach Mödlareuth. Wir trafen uns am Parkplatz des Grenzmuseums, fuhren dann jedoch direkt zu unserem Quartier auf einem urigen Bauernhof in der Nähe. Wolfgangs stilsichere Anreise mit dem Trabant sorgte dort für einiges Aufsehen und so wurde es ein langer und gemütlicher Abend mit den Bauersleuten in der Stube.

13. August
Es war damit zu rechnen, dass Wolfgang nicht der Einzige war der die Idee hatte, Mödlareuth an diesem Gedenktag zu besuchen. Darum begannen wir den Tag bewusst früh um vor den großen Touristenströmen das Museum ansehen zu können. Eine seltsame Stille lag über der Sammlung die wir dann auch in aller Ruhe erkunden konnten. Zahlreiche historische Objekte, von Fahrzeugen über Ausrüstungsgegenstände und Uniformen bis zu Dokumenten erzählen die düstere Geschichte der deutschen Teilung in Mödlareuth. Ob es nun die Grenztruppen der DDR, die westdeutschen Bundesgrenzschützer oder die amerikanischen Soldaten waren, sie alle sind hier in diesem Museum noch präsent. Auf seltsam geisterhafte Art beginnen die Artefakte zu sprechen und begleiten uns mit ihren Geschichte hinaus, in den erhaltenen Grenzabschnitt. Sperrwerke, Wachturm, Bunker und die Laufleinen der Wachhunde, sie sind nur noch Relikte, feucht vom morgendlichen Nebel und tot, aber dennoch lassen sie erahnen wie das Leben im Schatten der Mauer hier einst war. Auf beiden Seiten.








Nach einigen Stunden, die erwarteten Touristenströme waren dabei in Mödlareuth einzufallen, verließen wir diesen denkwürdigen Ort. Wolfgang hatte ein weiteres historisches Ziel in der Nähe vorgeschlagen. In der Nähe von Mödlareuth, inmitten des ehemaligen Todesstreifens der innerdeutschen Grenze, befindet sich der so genannte Dreiländerstein. Es ist ein Grenzstein, der das Zusammentreffen der Landesgrenzen von Bayern, Thüringen und Sachsen markiert. Doch seine Umgebung ist mehr als nur ein historisches und aktuelles Grenzgebiet. Es ist ein Beweis dafür, dass noch aus dem größten Übel etwas Wundersames erwachsen kann.

Während die Grenze für Menschen viele Jahre lang unpassierbar war scherte sich die Natur herzlich wenig um die menschliche Dummheit. Zahlreiche seltene und andernorts teilweise ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten fanden hier, buchstäblich im Schutz von Minenfeldern und Selbstschussanlagen, einen sicheren Hafen. Damit dies auch ohne die gewaltsam verteidigte Grenze so bleibt, folgt das Naturschutzgebiet Grünes Band heute dem ehemaligen Todesstreifen. Die alte Panzerstraße, die als Patrouillenweg diente, ist heute ein Wanderweg und führt durch die streng geschützte Naturschönheit. 
Trabi-Expedition im Grenzgebiet


Manche Naturschönheiten springen einem ins Auge, andere in die Hand.
am Dreiländerstein
Wir fahren vom Dreiländerstein aus weiter nach Zwickau, um den Tag mit einem etwas angenehmeren Teil der Deutschen Geschichte zu beschließen: Dem alten Horchwerk in der sächsischen Industriestadt. Wolfgangs Trabant begann hier in den 80er Jahren sein Autoleben, doch uns locken mehr die historischen Edelkarossen im Museum.



Nach dem Museumsbesuch begaben wir uns zurück zu unserem Quartier und verbrachten den Abend mit unserem oldtimerbegeisterten Gastgeber. Zu unserer freudigen Überraschung zeigte er uns seine erstaunliche Sammlung. Mehrere historische Fahrzeuge von Opel und Sunbeam verbargen sich in der unscheinbaren Scheune. 


13. August
Nach einem gemeinsamen Frühstück war es für Wolfgang und mich an der Zeit Abschied zu nehmen. Für mich bedeutete dies vor allem, das nachzuholen was ich auf der Anreise versäumt hatte. Gemütliches Rollerfahren auf Landstraßen nämlich. In Hof füllte ich nochmal den Tank der Cosa und stattete dem Fernwehpark einen Besuch ab, bevor ich die Bundesstraße 15 suchte die mich heute nach Hause bringen sollte.


Die nächste große Kreisstadt nach Hof ist Weiden, doch vorher weist ein unscheinbarer Wegweiser auf einen ebenfalls eher unscheinbaren Ort: Flossenbürg. Wie Mödlareuth ist auch Flossenbürg ein kleiner, malerisch gelegener aber eigentlich nicht weiter bedeutsamer Ort, der von menschlicher Grausamkeit und Dummheit ins Rampenlicht der Geschichte gezerrt wurde. Von 1938 bis 1945 betrieben die Nationalsozialisten hier eines ihrer gefürchteten Konzentrationslager. Durch diese Zweigstelle der NS-Vernichtungsmaschinerie erlange die kleine Ortschaft in der Oberpfalz traurige Berühmtheit. Auf dem ehemaligen Lagergelände, das in einem verstörend schönen Talschnitt gelegen ist, befinden sich heute Gedenkstätten und ein Ehrenfriedhof für die hier ermordeten Menschen.






Nach dem stillen Besuch der Gedenkstätte wirkt die Fahrt durch das geschäftige Zentrum von Weiden fast surreal. Gleichzeitig weckt das bunte Treiben der Stadt aber auch die Gewissheit, in einer zumindest für Deutschland guten Zeit zu leben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Wohlstand und das gegenwärtige Glück den Menschen nicht den Blick darauf verbaut, dass nicht jeder das Glück hat in einem friedlichen und freien Land zu leben. Die Denkmale und Relikte der Geschichte sind in solchen Zeiten besonders wertvoll, denn sie halten die Erinnerung wach und mahnen, hoffentlich, die Fehler der Vorväter nicht zu wiederholen.
 Zum Abschluss der Tour, kurz bevor ich meine Heimatstadt erreiche, halte ich noch einmal an. Nabburg bietet Gelegenheit den Tank des Rollers noch einmal zu füllen und anschließend die wunderschöne mittelalterliche Stadt zu genießen. Bei einem Eisbecher in einem gemütlichen Straßencafé beschließe ich für mich diese Tour und bin dankbar für die Zeit in der ich leben darf.


 

 
 

BW's: Rundumschlag

Die Woche über trudelten nach und nach die bestellten Ersatzteile für den BW's ein und heute war endlich Zeit, den Roller zusammen zu bauen.
Angefangen habe ich mit dem Auspuff, dieser war zwischenzeitlich getrocknet und kam mit einer neuen Dichtung zurück an den  Roller. Für die ersten Probefahrten sollte das alte Originalteil langen. Auf jeden Fall ist es jetzt wieder dicht und halbwegs ansehnlich.
Die wirkliche Neuteileschlacht begann dann mit dem Antrieb. Gewichte, Gleitstücke, Riemen, alles neu und somit ebenfalls fit für die Testrunden.
Eigentlich wollte ich ja den originalen Variodeckel wieder drauf machen, aber ich habe mich dann doch spontan entschieden, dass von Michael seinerzeit kunstvoll bearbeitete Teil des Racers zu verwenden. 
Vom Geist der 90er Jahre hatten wir es ja neulich schon mal und dazu passt der gefräste und polierte Deckel einfach perfekt. 
Neu hingegen ist der Luftfilterkasten. Ein gutes Reproteil aus dem Zubehör, das Originalteil hier war eben nicht mehr wirklich sinnvoll zu retten. 
Damit war der Roller ersteinmal technisch soweit, dass ich mich mit dem angenehmen Teil eines solchen Projekts befassen konnte, der echten Individualisierung nämlich.
Da ich den Öltank ja rausgeworfen habe, ist unter der Sitzbank ein freier Platz entstanden. Der BW's hat ja leider kein Helmfach und auch kein Handschuhfach, kommt also mit sehr wenig Stauraum daher. Grundsätzlich ist das ok, denn ein Alltagsmoped soll es sowieso nicht werden, beim Betrieb mit Mischung hat das jedoch den Nachteil, dass man Zweitaktöl und Messbecher nicht verstauen kann. Zwar soll der Roller sein Topcase behalten, aber darin will ich das Zeug eigentlich nicht haben. Öl mag gut für den Motor sein, im Helm stört es eher.
Darum habe ich dann angefangen, mit einem meiner Lieblingswerkstoffe herum zu spielen: einem alten Nummernschild. Das formschöne Stück Alublech aus der Bundeshauptstadt soll hier ein neues Leben und eine neue Funktion bekommen.
Während Winkelschleifer, Hammer und Schraubstock ihre Arbeit machten, nahm dann langsam aber sicher meine Idee physische Gestalt an. 
Diese zwei mehr oder weniger formschönen Blechfetzen sollen das ölige Problem lösen. 
Allerdings brauchte es dazu noch etwas Hilfe von einem anderen meiner Lieblingsbastelmaterialien. Blindniete halten die Teile so zusammen, dass sie einen Sinn ergeben. 
Das Konstrukt passt exakt in den ehemaligen Einbauplatz des Öltanks. Nur irgendwie befestigt muss es noch werden.
Dazu bietet sich der originale Anschraubpunkt für den Öltank an. Sogar die original Öltankanschraubeschraube kommt wieder zum Einsatz, damit es wenigstens ein kleines bisschen original ist was ich dazusammengepfuscht habe. ;)
Die Lasche mit dem "D" noch einbiegen und fertig ist das Ölfach. 
Die nächste Teilbaustelle war dann an der Front des Rollers verortet. Den originalen schwarzen Scheinwerfer habe ich gegen das gelb lackierte Teil des Racers getauscht. Sieht einfach gut aus und passt wunderbar zur Idee, den Racer zumindest stückweise weiterleben zu lassen.
Gelb und schwarz sind immer wieder eine gute Kombination. 
Mehr in den Bereich der klassischen Reparatur fällt dann eher das, was an der Lenkerverkleidung zu tun war. Die beiden Halter für den Tacho waren leider ausgebrochen und hatten dabei unschöne Löcher hinterlassen. Der Vorbesitzer hat dies auf der linken Seite ignoriert und rechts eine Schraube eingebaut, die den Tacho wenigstens halbwegs an seinem Platz hielt. Keine wirklich schöne Lösung, perfekt wäre eine neue Tachoverkleidung, dummerweise ist diese für da alte Modell mit Trommelbremsen nicht mehr zu bekommen. 
Links hing das Plastikstück, dass normalerweise die Tachoschraube aufnimmt, noch am Tacho. Halt gab es dem Instrument natürlich keinen mehr.
Grundsätzlich war die Idee des Vorbesitzers, den Tacho mit Schrauben durch die Verkleidung zu fixieren nicht so arg schlecht. Nur die Umsetzung war eben etwas arg grob. Schlossschrauben mit glatten Köpfen sind an dieser Stelle meiner Meinung nach deutlich schöner. 
Die beiden Exemplar in M6 die ich da hatte, waren leider vom Gewinde her zu kurz. Aber wozu hat man einen Gewindeschneider in der Schublade?
Mit je zwei M8-Muttern als Abstandshalter ließ sich der Tacho so problemlos anschrauben und hält wieder sicher ohne die Verkleidung zu verspannen. 
An der Obeseite ist es eine saubere Lösung, die glatten Schraubenköpfe stören deutlich weniger als das Loch und die halbherzig reingesteckte Schlüsselschraube. Das kann jetzt erstmal so bleiben, eine bessere Tachoverkleidung wird sich irgedwann schon finden.
Es fehlte also nur noch der Heckpanzer um das Fahrzeug zu komplettieren. Jetzt zeigte sich auch, dass mein Ölfach funktioniert. Die Reserveflasche und der Messbecher werden sicher festgehalten und sind beim Tanken sofort griffbereit. Ein Lappen und die Ersatzzündkerze passen auch noch in das Fach, perfekt. 
Der Roller war somit bereit für eine Probefahrt. Dank der roten Nummer die mir heute zur Verfügung stand war das dann auch kein Problem.
Knapp 20km bin ich heute mit dem BW's gefahren und soweit zufrieden. Der Roller läuft besser als es nach der langen Standzeit zu erwarten ist. Ein paar kleinere Macken müssen ihm natürlich noch ausgetrieben werden, aber das sollte kein allzu großes Problem sein.
An der Tankstelle habe ich den Roller dann nicht nur aufgetankt sondern auch gewaschen. Tatsächlich ist mehr Geld in den Schlund der Waschbox gegangen als das Benzin gekostet hat. Es hat sich aber gelohnt, unter der dicken Dreckschicht steckt ein nocht sehr ansehnlicher Motor.
Damit sollte dann auch der Getriebeölwechsel möglich sein, den ich bis nach der Wäsche vertagt hatte. Das Risiko irgendwelchen Schmodder ins Getriebe zu bekommen war mir einfach zu groß. 
Heute habe ich allerdings nur noch den Gepäckträger an den Baron geschraubt und dann Feierabend gemacht. Mit dem BW's gehts dann demnächst weiter.