Dienstag, 16. Juni 2020

Rentnerfahrzeuge sind toll, manchmal zumindest

Bisweilen finden einen Roller durch reinen Zufall. So auch heute, als sich die Gelegenheit bot, einen Zip Base zu einem guten Preis zu bekommen.
Der Roller ist, wenn man es genau nimmt, ein Zip Base RST der Baureihe C06 Baujahr 1998. Also das letzte Modell, mit 50km/h und Trommelbremse vorne. Ein schöner Primitivzip in sauberem Pflegezustand, wenn auch mit den üblichen "Rentnerspuren". Es ist ja bekannt, dass im Alter die Einfahrt immer schmaler und das Fahrzeug immer größer wird. Ein typischer Oparoller eben, inklusive liebenswürdiger Details, wie per Filzstift auf den Felgen notiertem Reifen-Solldruck.

Für viele ist ja ein "Rentnerfahrzeug" quasi der Heilige Gral, das absolut höchste der Gefühle. Quasi die Schnäppchengarantie schlechthin. Auf den ersten Blick könnte man auch diesen Zip genau dafür halten. Einige Arbeiten sind auch nachvollziehbar erst vor Kurzem erfolgt. Aber mal sehen wie der Rest beieinander ist.

Beim Kauf bekannt war, dass das hintere Radlager (eigentlich Ausgangswellenlager) Geräusche macht. Dies war auch der Grund für den relativ niedrigen Kaufpreis. In der Werkstatt ging es darum direkt an den Antrieb des kleinen Italieners.
Die Ausgangswelle hatte das, in diesen Fällen typische, Höhenspiel. Außerdem war sie leicht Ölfeucht. Glücklicherweise ohne die Bremsbeläge einzusauen. Diese sind nämlich so gut wie neu und es wäre wirklich schade drum gewesen.
Im Inneren des Getriebes (in dem sogar frisches Öl war!) ist soweit alles in Ordnung. Es sind wirklich nur das Radlager und der WeDi der Ausgangswelle hinüber.


Der WeDi der Eingangswelle ist ebenfalls nicht mehr so arg toll, darum wird dieser dann wohl direkt mit erneuert. Ansonsten reicht aber eine gründliche Reinigung.
Im Rahmen der anschließenden, in diesem Fall wohl obligatorischen, Inspektion zeigte sich dann, dass am Vergaser wohl noch nie jemand dran war. Hier ist das nötig, was ein befreundeter Meister einmal "Motorenarchäologie" nannte. Also Ausgrabungsarbeiten am Fahrzeug.
Ob sich in diesem Schlammklumpen tatsächlich ein Weber-Vergaser verbirgt oder doch die Überrest irgend eines prähistorischen Viehzeugs, das würde sich später noch zeigen.
Gut ausgenutzt wurde jedenfalls der Ansaugstutzen.
Gewisse Anbauteile der Getrenntschmierung durften dann auch noch den Roller verlassen. Man kennt das bei mir ja ...
Unter dem Dreckberg hatte sich zwischenzeitlich ein recht passabel erhaltener Weber 12OM ans Tageslicht gekämpft. Innerlich war der Vergaser sehr sauber, jetzt ist er es auch außen.
Da es für diese Vergaser keine Dichtsätze mehr gibt, muss sich dann zeigen ob noch alles dicht ist. Ich würde davon ausgehen, denn der Dreck war wirklich hauptsächlich Erde und Öl, das durchaus aus dem Ansaugstutzen und der völlig porösen Ölleitung kommen kann. Wenn nicht, dann ist hier halt ein Umbau auf Dellorto angesagt.
Tatsächlich hält sich die Mängelliste für den Zip in Grenzen. Der Roller ist, wie die Verkäuferin gesagt hat, tatsächlich in relativ gutem Pflegezustand. Aber eben auch eine typische "wird gefahren bis es verreckt, Wartung ist was für Weicheier" Karre. Wie die meisten "Oparoller" eben.



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