Sonntag, 19. April 2020

Bajaj Sunny 50: indische Spezialitäten

Ich glaube, dass es in kaum einer Fahrzeuggattung so viele Sonderlinge und Kuriositäten gibt wie bei Rollern. Wobei mich hier besonders die frühen Automatikroller faszinieren. Fahrzeuge die aus einer Zeit stammen, als die heute gültige Formel noch nicht endgültig fest stand. Ein solches Fahrzeug ist der Bajaj Sunny aus Indien.
Auf den ersten Blick wirkt der Sunny wie ein sehr simpler Roller üblicher Machart, dennoch unterscheidet er sich sehr stark von dem, was heute als üblich gilt. So hat er zum Beispiel keine Variomatik sondern ein Eingang-Kettengetriebe mit Fliehkraftkupplung. Das alleine wäre schon Grund genug so ein Fahrzeug in die Werkstatt zu holen. Aber es gibt noch genug andere, so zum Beispiel den sehr speziellen Charme eines Fahrzeugs, das nie für den europäischen Markt vorgesehen war. Eine Primitivkonstruktion im besten Sinne. Simpel und Robust, gemacht für die Anforderungen der so genannten "Dritten Welt". Eigentlich sollte so einem Fahrzeug ja nichts ernsthaft etwas anhaben können, oder? Naja, vielleicht doch. 16 Jahre Standzeit sind ein heftiger Gegner für den kleinen Inder.
Seine erste Reise nach all der Zeit ging dann heute zu mir in die Werkstatt. Dort schlug dann die Stunde der Wahrheit, denn erstmal kam die Verkleidung runter.
Es zeigte sich dann recht schnell, dass der gute Ersteindruck nicht unberechtigt war. Der Roller ist grundsätzlich in Ordnung, allerdings wurde in der Vergangenheit am Luftfilter gepfuscht.
Irgendjemand hat hier versucht, den zerfallenen Gittereinsatz mit einer viel zu großen Hauptdüse auszugleichen. Außerdem waren die Lufteinlässe des Filtergehäuses teilweise mit Heißkleber zugeschmiert. Dass der Vergaser nach all den Jahren völlig zugekleistert war ist sowieso klar.
Gebracht hat allerdings auch eine gründliche Reinigung der Gasfabrik nichts. Der Roller mag einfach nicht anspringen.
Schuld daran ist wohl eine Nachlässigkeit des Vorbesitzers. Der Roller stand scheinbar all die Jahre mit offenem Benzinhahn und der Treibstoff war in die Kurbelkammer gelaufen. Einlassmembranen und Kurbelgehäuse sind entsprechend voll klebrigen Rückständen.
Ein Versuch die Membranen zu reinigen hat nichts gebracht. Es hilft wohl nichts, der Motor muss raus und gründlich gereinigt werden. Ohne neue Dichtungen macht das aber keinen Sinn. Zum Glück sind wenigstens diese verfügbar. Ein kleiner Lichtblick in einer eher bescheidenen Ersatzteilsituation.
Jetzt heißt es also erstmal warten auf die Ersatzteile. Dann geht es mit dieser höchst spannenden Baustelle weiter.


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