Dienstag, 18. Februar 2020

einen Wolf gesucht und eine Kröte gefunden

Der Ovetto nervte noch immer mit dem höchst merkwürdigen Bremsproblem. Zur Erinnerung: Beim Einfedern zog die Hinterradbremse an. Nach Umsetzen des Bremshebels an der Ankerplatte zog die Bremse schon beim simplen auf den Roller setzen so fest an, dass man nicht mehr fahren konnte. Die Frag: "Was zum Geier ist da los?" war also mehr als nur berechtigt.
Im Verlauf der letzten Tage habe ich mich, immer nur nebenbei um den Frustfaktor gering zu halten, nochmal damit befasst.
Ich hatte zuletzt den Verdacht, dass es am Federbein liegen könnte. Der Fundus lieferte noch ein brauchbares Testexemplar.
Gebracht hat das aber nichts. Also ging es an den Test einer wesentlich aufwändigeren Theorie, die nicht von mir sondern von Dude stammte. Er hatte die Idee, dass beim Unfall (seit dem das Problem auftritt) das Lager der Getriebeausgangswelle einen mitbekommen haben könnte. Denn der Roller wurde ja seitwärts getroffen und ein Stück seitwärts geschoben. Kräfte, für die die Getriebelagerung nicht ausgelegt ist.
Ein defektes Lager könnte aber dazu führen, dass sich das Hinterrad unter Last so bewegt, dass sich Bremstrommel und -backe berühren. Soweit Dudes Theorie.
Da mir ehrlich gesagt auch nichts Besseres eingefallen ist, ging es also dem Räderwerk an den Kragen.
Positiv daran war vor allem, dass sich die Getriebeinnereien in praktisch neuwertigem Zustand präsentierten. Der grundsätzlich gute Zustand des Rollers hatte sich wieder einmal bestätigt. Der WeDi der Ausgangswelle war, angesichts seines Alters, etwas hart. Ansonsten aber alles in Ordnung.
Das Lager hatte kein erfühl- oder messbares Spiel außerhalb der Toleranzen. Zum Glück hatte ich Lager und WeDi da, also kamen die Teile trotzdem neu.
Den Zahnrädern tut eine gründliche Reinigung alle paar Jahrzehnte auch gut, von daher kein Verlust und vor allem keine unmittelbaren Ausgaben.
Gebracht hatte das ganze aber leider absolut gar nichts. Gut, der neue WeDi war kein Luxus und der Getriebeölwechsel stand sowieso auf dem Programm. Eine Nullnummer wars aber trotzdem. Leider hatte der Dude nicht recht. Aber was ist es denn nun? Ich hatte keine weitere Idee, Dude auch nicht. Also alles auf Anfang und den Roller nochmal weitreichend zerrupfen.
Ohne Verkleidung fiel dann recht schnell ein mechanischer Schaden am Bremszug auf.
An dieser Stelle gibt es aber eigentlich nichts, an dem der Zug scheuern könnte. Bei genauerer Betrachtung stellte sich ein, von außen nicht sichtbarer, Bruch in der Trittbrettplatte als Täter heraus. An der gebrochenen Verstärkungsrippe konnte der Zug einhaken und sich verklemmen. Was er allerdings erst dann tat, wenn der Roller einfederte. Darum war er eben im entlasteten Zustand völlig frei und ließ sich problemlos bewegen. Das Trittbrett, das äußerlich keine Schäden hatte, hatte ich nach dem Unfall nicht abmontiert. Darum war diese verborgene Folge des Zusammenstoß nicht sichtbar.
Die Schadstelle habe ich dann durch ausfeilen entschärft und zusätzlich den Zug etwas anders verlegt, danach kam noch das YSS-Federbein wieder in den Roller und Öl ins Getriebe. Diverse "Hüpftests" in der Werkstatt ergaben dann eine fehlerfrei arbeitenden Hinterradbremse.
Ebenso die Probefahrt, die auf den Wiederzusammenbau des Rollers folgte. Ganz bewusst bin ich durch Schlaglöcher, über Gullideckel und sogar einen Bordstein gefahren. Nichts, absolut nichts davon beeindruckt die Bremse im Geringsten. Manche Fehler sind eben wirklich dermaßen bescheuert, dass sie gleich mehrere Profis vor Rätsel stellen. Aber gut, der Ovetto hat jetzt eine generalsanierte Hinterradbremse, ein frisch abgedichtetes Getriebe und ein neues Hinterachslager. Das ist nichts schlechtes. Außerdem hat die Aktion mal wieder gezeigt, dass man auch nach 30 Jahren Schrauberei noch immer was dazu lernen kann.



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