Donnerstag, 19. Juli 2018

Schraubertipps: defektes Spiegelgewinde reparieren

Zu den häufigsten Schäden an gebrauchten Rollern zählen ausgerissene bzw. völlig vernudelte Spiegelgewinde. Das ist insofern problematisch, als sich die Spiegel dadurch natürlich nicht mehr sicher befestigen lassen. Aufbohren und ein größeres Gewinde einschneiden funktioniert an dieser Stelle aber nicht, denn die Auswahl an Gewindegrößen für Spiel ist beschränkt. Darum sieht man in diesem Bereich oft abenteuerliche Bastellösungen, die jedoch spätestens dann an ihre Grenzen stoßen, wenn ein Windschild montiert werden soll. Dieser wird ja bei vielen Typen an den Spiegelgewinden befestigt. Während der Fahrt wirken jedoch, auch bei den vermeintlich langsamen 50er- und Mofaroller, durch den Luftwiderstand große Kräfte auf den Windschild und damit auch auf die Gewinde.
Die "offizielle" Lösung für dieses Problem ist die Teile des Fahrzeugs zu tauschen, in denen die Spiegelgewinde eingebracht sind. Das sind entweder Schaltereinheiten oder gar der komplette Lenker. Neuteile sind, sofern verfügbar, jedoch relativ teuer und gebrauchte Teile oft an der selben Stelle beschädigt. Was ist hier also sinnvollerweise zu tun?

Das "Opfer" für diese Anleitung ist ein Rex RS460, mein Spirit of Saxonia eben, bei dem,wie so oft, eines der Spiegelgewinde vernudelt ist. In diesem Falle das linke, das dummweise in einem fest an den Lenker angeschweißten Rundstahl sitzt.
Zwar lässt sich der Spiegel noch festschrauben, mit der zusätzlichen Belastung durch den Windschild ist das Gewinde jedoch völlig überfordert und lockert sich ständig. Dadurch beginnt der Windschild zu flattern, was nicht nur unschön aussieht sondern auch die Fahreigenschaften des Roller stark beeinträchtigt.
Aufgrund der Montageart von Spiegeln und Windschild muss es bei den Gewinden M8 mit Normalsteigung bleiben. Die technisch eleganteste, jedoch extrem aufwändige, Lösung wäre, den Lenker zu ersetzen. Es gibt jedoch einen einfacheren Weg, der auch deutlich geringere Kosten verursacht.
Kalt- bzw. Flüssigmetalle aus der Spritze gibt es seit ettlichen Jahren im Einzelhandel und sie sind für solche Reparaturen eigentlich eine ideale Lösung. Das Material hat ausreichende Festigkeit um den auftretenden Kräften standzuhalten und lässt sich, was in diesem Fall besonders wichtig ist, bohren und zerspanend bearbeiten. Sprich es ist möglich ein neues Gewinde zu schneiden.

Erfahrungsgemäß spielt es kaum eine Roller, von welchem Hersteller das jeweilige Produkt genommen wird. Es kommt nur darauf an, ein für Metall bzw. Hartkunststoff ( beiGewindebohrungen in Schaltereinheiten) zu verwenden und die Herstellerangaben zur Verwendung genau zu beachten. Thermische Belastbarkeit und Druckfestigkeit, bei denen es nach meinen Beobachten die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern gibt, spielen im hier relevanten Bereich kaum eine Rolle.

Vorbereitung und erster Schritt
Vorbereitend muss natürlich zunächst das Gewindeloch freigelegt werden. Windschild und, in diesem Fall, linker Spiegel werden dazu demontiert. Bei manchen Rollern kann es zudem sinnvoll sein die Lenkerverkleidung zu demontieren, beim Rex ist es nicht erforderlich. Die alte Gewindebohrung muss danach gründlich gereinigt und mit Verdünnung entfettet werden. Ein kleiner Pinsel oder Wattestäbchen eignen sich hierzu sehr gut. Zum Schutz der Verkleidung ist Abkleben natürlich eine gute Idee.
Das ausgerissene Gewindeloch wird anschließend mit dem Flüssigmetall aufgefüllt. Je nach Hersteller/Produkt dauert die Trocknung unterschiedlich lang. Es ist jedoch in den meisten Fällen sinnvoll, das Fahrzeug nun mindestens 24 Stunden stehen zu lassen um sicherzustellen, dass das Material wirklich vollständig durchtrocknet ist und seine maximale Festigkeit erreicht hat.

Gewindereparatur
Wenn die Füllmasse vollständig durchgetrocknet ist, kann mit der eigentlichen Gewindereparatur begonnen werden.
Dazu muss zunächst ein, exakt in der Mitte der späteren Gewindebohrung befindliches, Pilotloch gebohrt werden. Dies ist eine Bohrung, die ungefähr den halben Durchmesser des eigentlichen Kernlochs hat. 
Beim Bohren in die Füllmasse muss mit möglichst hoher Drehzahl gearbeitet werden. Zudem sollte das Loch nicht "in einem Rutsch" gebohrt werden, denn unter Hitzeeinwirkung kann sich die Masse verflüssigen und den Bohrer verkleben. Dieser ist dann unter Umständen nur noch mit großen Schwierigkeiten herauszubekommen.
Nach dem Einbringen der Pilotbohrung wird das eigentliche Kernloch gebohrt. Dessen Durchmesser hängt davon ab, welche Gewindegröße geschnitten werden soll. Die üblichen Gewindegrößen für Spiegel sind M8 und M10. Bei M8 beträgt der Durchmesser für das Kernloch 6,8mm, bei M10 8,5mm.

Nachdem das eigentliche Kernloch gebohrt ist, wobei meistens fast die gesamte Füllmasse herausgebohrt wurde, kann das Gewinde geschnitten werden.
Da wie gesagt die Gefahr besteht, dass sich die Füllmasse unter Wärmeeinwirkung verflüssigt und das Werkzeug verklebt, muss beim Gewindeschneiden hier besonders vorsichtig gearbeitet werden. Der Gewindebohrer sollte gut geölt und von Hand eingedreht werden. Dabei den Gewindebohrer immer wieder ein Stück zurück drehen und pausieren. 
Wichtig ist hier auch noch, dass das Spiegelgewinde bei den allermeisten Rollern eine Sackbohrung ist. Sprich es ist unten verschlossen. Darum muss ein Innengewindeschneider für Sackgewinde, also einer mit stumpfem Ende statt einer Spitze, verwendet werden. 
Anschließend können in der Regel der Spiegel und das Windschild wieder problemlos montiert und festgezogen werden. 

Hinweis
Einige japanische Hersteller verwenden bei ihren Rollern für das rechte Spiegelgewinde ein Linksgewinde. Hier kann im Reparaturfall mit einem entsprechenden Gewindeschneider gearbeitet, oder auf ein konventionelle Rechtsgewinde umgestellt werden. 


 





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