Montag, 25. Juni 2018

Fahrzeugportrait: PGO TR3-50 Rollerdreirad

In der bunten Welt des Rolleruniversums gibt es viele Paradiesvögel. Zu ihnen zählt zweifellos der PGO TR3-50, ein relativ selten zusehendes Rollerdreirad aus Taiwan.


über den Hersteller
Die Roller die unter dem Label PGO verkauft werden, entstammen der Produktion von Motive Power Industry in Taiwan. Das Unternehmen wurde 1964 gegründet und ist seither als Produzent von kleinen Motorfahrzeugen aktiv. Der Markenname PGO entstammt einer Zeit der Kooperation mit Piaggio in den Jahren 1972 bis 1982. PGO ist letztlich nur eine Verkürzung des Namens des italienischen Partnerunternehmens. 
Bei den heute gefertigten Rollern handelt es sich ausnahmslos um komplette Eigenentwicklungen, die jedoch nach dem in Asien gebräuchlichen Muster von Standardtypen gefertigt sind. 



Allgemeines über den TR3-50
Grundsätzlich ist der TR3-50 eine Dreiradversion des PGO T-Rex. Er entspricht technisch grundsätzlich dem Basisfahrzeug. Anders als in Kleinserie umgebaute Rollertrikes ist er grundsätzlich nicht als Behindertenfahrzeug ausgelegt sondern eher als Nutzfahrzeug zu verstehen. Als Dreirad kann er größere Lasten tragen bzw. ziehen als das zweirädrige Basisfahrzeug und viele Details der Konstruktion deuten darauf hin, dass dies auch genau im Sinne der Entwickler in Taiwan lag.
Technische Grunddaten
Der PGO T-Rex (interner Modellcode CP) ist grundsätzlich ein solider Gebrauchsroller ohne technische Besonderheiten. Er wird von einem Lizenzbau des Minarellimotors angetrieben der aus 49cm³ 2,14kW bei 5.500upm mobilisert. Diese nominal recht geringe Leistung ist auch für die schwere (120kg Leergewicht, 274kg zul. Gesamtgewicht) Dreiradversion ausreichend. Der Motor verfügt über die heute gebräuchliche Getrentschmierung. Der Öltank ist als Besonderheit nicht unter dem Trittbrett oder im Rahmenheck plaziert, sondern befindet sich direkt unter dem Helmfach und wird durch eine Klappe im Helmfachboden befüllt.
die Tankklappe im Rollerheck
Der Kraftstofftank befindet sich weit hinten im Rahmenheck und wird über eine abschließbare Klappe hinter dem Soziussitz befüllt. Diese Konstruktionsweise macht einen klappbaren Gepäckträger erforderlich, der im Zubehör angeboten wird. Alternativ kann, wie beim Fotofahrzeug, ein stark nach hinten verlängerter Gepäckträger angebracht werden. Durch die ungewöhnlich plazierten Tanks ergibt sich ein sehr tiefes und langes Helmfach, das dadurch sehr gut nutzbar ist.Wie bei asiatischen Herstellern üblich, befindet sich die Batterie schwerpunktgünstig und platzsparend unter dem Trittbrett. 

Ausstattungsmerkmale
Anders als viele asiatische Hersteller setzt PGO nicht auf spartanische Minimalroller. Der T-Rex/TR3-50 kommt mit einer für einen 50er Roller erstaunlich umfangreichen Ausstattung.
Das große und gut ablesbare Cockpit enthaält neben den üblichen Instrumenten eine Zeituhr und einen Drehzahlmesser.
Am linken Lenkerende befinden sich die Schalter für Licht und Hupe, darunter auch ein Aufblendschalter als Lichthupe (Passing). Der Bremshebel der Hinterradbremsen kann mit einer Sperrklinke festgesetzt werden und dient somit als Feststellbremse. 
Am rechten Lenkerende befindet sich wie üblich der Anlasserschalter. Anders als viele Fuffiroller verfügt der TR3-50 jedoch auch über einen Killschalter für den Motor. Er ist damit einer der am umfangreichsten ausgestatteten 50er Roller.


Umstellhebel für die Fahrtrichtung

Anders als die meisten Rollerdreiräder verfügt der TR3-50 über einen Rückwärtstang. Dieser wird durch den Hebel am Beinschild eingelegt. Da der Rückwärtsgang nur aus einem Umlenkgetriebe besteht kann der Roller theoretisch rückwärts genauso schnell fahren wie vorwärts. Jedoch verfügt er über eine Schutzschaltung, die beim Überschreiten einer gewissen Geschwindigkeit bei Rückwärtsfahrt den Motor abstellt. Ebenso wird der Motor sofort abgestellt, wenn der Rückwärtsgang ausversehen während der Fahrt eingelegt wird.

technische Besonderheiten des Dreirades
Der TR3-50 gehört zur seltenen Gattung der serienmäßigen Rollertrikes. Die meisten Dreiradroller sind nachträgliche Umbauten und entspreichend oft recht krude gebaut. Dem TR3-50 hingegen merkt man an, dass er aus der Massenfertigung kommt.
Der Hinterradantrieb ist durch eine, auf die Getriebeausgangswelle des Reduktionsgetriebes aufgesetzte, Zahnradkaskade ausgeführt. Diese im Ölbad laufende Kaskade treibt zunächst das Vorgelege des Rückwärtsgangs und dann das Differential an. Aus diesem führend die beiden Halbwellen in einem Hüllrohr zu den Hinterrädern.
bei abgenommener Verkleidung ist das Gehäuse des Hinterachsantriebs gut zu sehen
Beide Hinterräder verfügen über eine seilzugbetätigte Trommelbremse üblicher Machart. Da beide Räder gebremst sind, verfügt der TR3-50 über sehr gute Verzögerungswerte im Vergleich zu verschiedenen Umbauten.
eine der Trommelbremsen an der Hinterachse
Ein interessantes Detail der Hinterradführung ist, dass die Hinterachse von zwei einstellbaren Zugstreben geführt wird. Dadurch lässt sich in gewissen Grenzen die Spur der Hinterachse korrigieren was die Fahreigenschaften weiter verbessert.
Zugstrebe für  die Hinterachsführung




Fazit
Der PGO TR3-50 ist ein in vieler Hinsicht hoch interessantes Fahrzeug mit großem Nutzwert. Er basiert auf einem als robust bekannten Fahrzeug und verfügt über einen guten Motor und eine durchdachte Konstruktion. Anders als nachträgliche Umbauten ist hier zudem die Ersatzteilversorgung für die Hinterachskonstruktion gesichert. In Europa wird man ihn wohl primär als Fahrzeug für Menschen mit Gehbehinderung antreffen, grundsätzlich ist er aber wohl eher als Nutzfahrzeug ausgelegt und wird, insbesondere in seiner ostasiatischen Heimat, auch hauptsächlich als solches genutzt.
Für Menschen mit Behinderung ist er von seinem Nutzwert insofern eingeschränkt, als er nicht als Krankenfahrstuhl zugelassen werden kann. Der TR3-50 gilt als dreirädriges Kleinkraftrad und darf darum weder in Fußgängerzonen noch auf Gehwegen gefahren werden. Im Gegenzug bietet er natürlich den Vorteil einer Endgeschwindigkeit von 45km/h. Es kommt auf den Einzelfall an, ob dieser Tausch von Nutzungsmöglichkeiten gegen Geschwindigkeit sinnvoll ist.







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