Dienstag, 12. Juni 2018

auf drei Rädern durch den Paragraphendschungel oder: "wer darf eigentlich Apefahren?"

Eine der häufigsten Fragen zur Ape TM ist zweifellos, was für einen Führerschein man eigentlich braucht um so ein "Ding" fahren zu dürfen. Eine nicht ganz unberechtigte Frage, denn so wirklich in die allgemein anerkannten Muster der Fahrzeugklassen will die Ape, speziell die "großen" Modelle nicht passen. Darum möchte ich die Hintergründe zu diesem Thema hier ein bisschen beleuchten.

Dazu gleich eines Vorweg, das in aller Deutlichkeit gesagt werden muss: Ich bin kein Rechtsanwalt, Verkehrsjurist, Richter, Polizist, Fahrlehrer oder sonst irgendetwas, das einem dieser Berufe auch nur nahe kommt. Darum darf, kann und will ich keine Rechtsberatung durchführen, oder eine juristisch in irgend einer Form bindende Erklärung geben. Dieser Artikel soll lediglich zur groben Orientierung dienen und einen allgemeinen, sehr wahrscheinlich nicht abschließenden, Überblick bieten. Im Zweifelsfalle sollte man sich mit entsprechenden Fachleuten vor Ort in Verbindung setzen und nach dem aktuellen und gültigen Stand der Gesetze zu diesem Thema fragen. 

Aber jetzt ersteinmal der Reihe nach.
Um welche Apen geht es hier eigentlich?
Das wohl wichtigste (weil zahlenmäßig häufigste) Modell der "großen Apen" ist die TM. Dieser Artikel gilt jedoch für alle Apen die keine Fuffis sind. Sprich für alle, die statt eines Versicherungskennzeichens ein "richtiges Nummernschild" führen. Egal ob TM, Calessino, P2 oder großer Oldtimer. Denn keine Ape hat im Originalzustand mehr als 15kW Motorleistung, eine Zahl die noch große Wichtigkeit haben wird.
Ausdrücklich außenvor ist der Poker. Dieser firmiert zwar auch als Ape und rangiert unterhalb der magischen 15kW, ist jedoch ein vierrädriges Fahrzeug und fällt damit verkehrsrechtlich betrachtet in eine völlig andere Klasse als seine dreirädrigen Artgenossen.

Apefahren mit Motorradschein?
Die Ape stammt technisch vom Zweirad ab, daher ist die Fragestellung, ob man sie mit dem Motorradführerschein fahren darf grundsätzlich logisch. Tatsächlich ist das in einigen Fällen auch erlaubt. 
Inhaber des "großen" Motorradscheins, sprich der unbeschränkten Klasse A dürfen in jedem Fall Ape fahren, denn diese Klasse schließt Dreiräder (Trikes) ohne Ausnahmen ein. Gleiches gilt auch für die beschränkte Einsteigerklasse A2, diese sieht jedoch eine Leistungsgrenze von 35kW vor, eine Zahl von der Apefahren jedoch nur träumen können. 

Etwas anders ist es bei der Fahrerlaubnisklasse A1, also der Klasse für 125er Leichtkrafträder die bereits mit 16 erworben werden kann. Diese erlaubt Dreiräder mit symetrisch angeordneten Rädern, also Trikes, jedoch keine Motorradgespanne. Außerdem liegt die Leistungsgrenze hier bereits bei 15kW. Außerdem bedingt A1 einen Hubraum von mehr als 50cm³ sowie eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45km/h. Diese Bedingungen werden von allen großen Apen erfüllt, daher dürfen diese mit dieser Fahrerlaubnisklasse gefahren werden. 

Apefahren mit dem Autoführerschein?
Um die Frage ob man eine große Ape mit dem Autoführerschein, also der Klasse B, fahren darf gab es in den letzten Jahren einige Verwirrungen. 
Grundsätzlich schloss die Klasse B auch Trikes (ohne jede Beschränkung) ein. Diese Regelung wurde jedoch zum 19.01.2013 gekippt. Fahrer der Klasse B, die ihre Fahrerlaubnis nach diesem Datum erworben hatten, durften keine Trikes (und damit auch keine großen Apen) mehr fahren. Diese Regelung wurde jedoch zum 26.12.2016 erneut reformiert. Fahrerlaubnisse, die nach diesem Datum ausgestellt wurden, erlaubten wieder das Führen von dreirädrigen Fahrzeugen mit symetrisch angeordneten Rädern, also Trikes (aber eben keine Motorradgespanne). Wer nach dem 26. Dezember 2016 seine Prüfung für die Klasse B bestanden hat, darf also wieder ohneweiteres Apefahren. 

Wer zwischen dem 19.01.2013 und dem 26.12.2016 seine Klasse B erworben hat, darf jedoch auch Apefahren wenn er von der Möglichkeit eine Umschreibung gebrauch macht. Sprich ein solcher Kraftfahrer muss zur zuständigen Führerscheinstelle gehen und einen neuen Führerschein beantragen. In diesen wird dann die Schlüsselzahl 194 eingetragen, damit ist man dann berechtigt eine Ape zu fahren.

Was ist mit der Ape 50?
Die Ape 50 (um die es hier eigentlich nicht gehen soll) ist insofern ein Sonderfall, als dass sie ein dreirädriges Kleinkraftrad ist und damit in die Klasse AM fällt. Diese Fahrerlaubnisklasse kann für sich genommen ab dem 16 Lebensjahr erworben werden. Sie beschränkt den Fahrer auf zwei- und dreirädrige Kleinfahrzeuge mit einem Hubraum von nicht mehr als 50cm² sowie einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45km/h. Eine Ape 50 darf damit gefahren werden. 

AM ist als Einschlussklasse in allen Motorradklassen sowie dem PKW-Schein enthalten. Ebenso ist AM in der Klasse B1 (Fahrerlaubnis für sog. Mopedautos, ebenfalls ab 16 Jahren zu erwerben) eingeschlossen. Ape 50 darf also praktisch "jeder" fahren.

Zusammenfassung:
Eine große Ape darf fahren, wer einen Motorradschein der Klasse A1, A2 oder A besitzt oder seinen PKW-Führerschein der Klasse B vor dem 19.01.2013 bzw. nach dem 26.12.2016 erworben hat. Wer in der Zwischenzeit einen Führerschein der Klasse B erworben hat und Apefahren möchte, muss die Schlüsselzahl 194 bei der zuständigen Behörde nachtragen lassen.
Die Ape 50 fällt als dreirädriges Kleinkraftrad in die Mopedklasse AM und darf darum von praktisch jedem Fahrerlaubnisinhaber mit Motorrad- bzw. PKW-Schein gefahren werden.

Quellen:

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