Donnerstag, 17. Mai 2018

Luigi: es ist immer wieder erstaunlich ...

Wie berichtet hatte es auf der Tour durch Hessen mit der Ape einen kleinen Ausfall gegeben. Zündkerzenschmelze ist nie ein gutes Zeichen, unter anderem kann sie darauf hindeuten, dass der Motor extrem überhitzt hatte. Angesichts der Vergaserprobleme vor kurzem habe ich mir die Ape darum heute nochmal genau angesehen.
Der Vergaser selbst erwies sich dabei als völlig in Ordnung, keine Überraschungen an dieser Front.
Einerseits natürlich eine gute Nachricht, andererseits liefert es keine Erklärung für den Leistungsverlust und die zusammengebrannte Zündkerze. 
Bei Zweitaktmotoren grundsätzlich problematisch, aber als grober Indikator für den inneren Zustand des Motors dennoch brauchbar ist ein Kompressionstest. 
6bar sind arg wenig, das ist deutlich unter der Verschleißgrenze des Motors. Meine Befürchtung, dass hier irgendwas auf ziemlich unschöne Weise schief gegangen ist wurde dadurch natürlich bestätigt. Leider ist es bei der TM ein ziemlicher Aufriss den Zylinder zu ziehen, aber es hilft nichts, denn nur ein Blick ins Innere des Motors kann in solchen Fällen für Klarheit sorgen.
Der weiß verfärbte Auspuffkrümmer ist ein weiterer Indikator für ein Überhitzungsereignis. Zudem waren beide Krümmermuttern am Auslass relativ locker, ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der Auspuff weit über das normale Maß erhitzt hatte, beim Abkühlen können sich dann nämlich die Muttern lösen.
Der Blick in den Auslasschlitz zeigte dann gleich das Grauen. Ein ganz offensichtlich schwer beschädigtes Kohlenhemd in Kombination mit heftigsten Verkokungen. Da TMs normalerweise nicht sondernlich zum zukohlen neigen ist auch dies ein Zeichen für Motorprobleme.

Der Grund für die relativ aufwendige Demontage des Zylinders bei der TM liegt darin, dass das hintere Motorstützlager Teil des Zylinderkopfes ist.
Um die Zylinderhaube abnehmen zu können, muss das Lager gelöst werden. Um das Gewicht des Motors heraus zu nehmen und gleichzeitig zu verhindern, dass der Motor abkippt und dabei das Schaltgestänge verbiegt muss also zunächst der Motorblock abgestützt werden.
Erst jetzt kann das Stützlager ausgebaut und die Zylinderhaube abgezogen werden. Die restliche Demontage des Zylinders ist dann nicht viel aufwändiger als bei einem Rollermotor.
Nachdem der Zylinder gezogen war, zeigte sich deutlich wie heftig der Kolbenschaden war.
Auslasseitig fehlt eigentlich das komplette Kolbenhemd unterhalb des Kolbenbolzens. Die Bruchkante ist frisch, keinerlei Brandspuren, was darauf hindeutet, dass dies die Ursache für den Motoraussetzer bei Friedberg war. 
Erstaunlicherweise ist das "Untergeschoss" des Motors, also Kurbelwelle und Lagerung, völlig unversehrt. Die Kurbelwelle sieht aus wie neu und läuft seidenweich und völlig spielfrei in ihren Lagern. Der Drehschieber ist unbeschädigt. Natürlich muss das Kurbelgehäuse vor dem Einbau eines neuen Zylinders gründlichst gespült werden, aber es ist schon faszinierend, dass ein derart großer Ausbruch am Kolben keinen Kurbelwellenschaden verursacht hat.
Auch der Zylinder weißt über, für die Laufleistung des Fahrzeugs völlig vertretbare, Laufspuren hinaus keinerlei Schäden auf. Die Bohrung des Zylinders ist halbwegs maßhaltig und deutlich innerhalb der Toleranz. Ungewöhnlich ist nur der extrem verkokte Auslasschlitz.

Interessant ist auch, dass die Verkokungen weich und nicht eingebrannt waren. Sie ließen sich ohne großen Kraftaufwand einfach abschaben. 
Bei großvolumigen und relativ heiß laufenden Zweitaktern wie dem Motor der TM ist das eigentlich ungewöhnlich. Es ist ein Hinweis darauf, dass diese Verkokungen noch relativ frisch waren. Vermutlich sind sie aufgrund schlechten Motorlaufs erst nach dem Aussetzer in Friedberg entstanden. Auch die seltsame bräunliche Färbung deutet darauf hin.
Die schwarz verkohlte Unterseite des Kolbenbodens passt ebenfalls zu dieser Theorie. Durch das fehlende Stück Kolbenhemd hat der Motor Abgase in die Kurbelkammer gesaugt und diese zusammen mit dem Frischgas herumgespült. Das erklärt den schlechten Motorlauf und die Verkohlungen an dieser Stelle.
Für den Kolben selbst gilt das Gleiche wie für den Zylinder. Die Verschleißerscheinungen, wie Laufspuren und geringer Blowby sind für die Laufleistung der Ape erstaunlich gering. Vor allem zeigen sie aber keinerlei Spuren einer massiven Überhitzung.
Ebenso ist auch der Kolbenboden frei von den, bei stark überhitzten Motoren eigentlich üblichen, Einschlägen und Einbrennungen. Es hat den Anschein, als sei einzig und allein das brechende Kolbenhemd für den kurzen Ausfall verantwortlich. Die Zündkerze könnte durch eine kurzzeitige Stauung überhitzter Abgase verbrannt sein. Das Bruchstück wurde vermutlich in den Auspuff gesaugt und steckt dort fest, was zusammen mit schlechter Kompression und Verbrennung für den massiven Leistungsverlust gesorgt hat.
Letztlich ist es pures Glück, dass der Motor nicht völlig vor die Hunde gegangen ist. Im Kubelgehäuse hätte das Bruchstück den Motor mit ziemlicher Sicherheit final zerstört. So bleibt es bei einer teuren aber handwerklich relativ harmlosen Reparatur, nämlich dem Einbau eines neuen Zylinderkits und eines neuen Auspuffs.
Bis die dazu notwendigen Ersatzteile eingetrudelt sind, kann der Motor etwas am improvisierten Motorhalter baumeln und die Ape sich in der Werkstatt von der Tour erholen. Verdient hat es der alte Blecheimer ja.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie zäh diese Viecher doch sind.












 



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