Samstag, 21. Oktober 2017

Schraubertipps: Öltank austauschen bei der Piaggio Ape TM

Man kann der Ape TM eine ganze Menge Dinge problemlos nachsagen. Jedoch nicht, dass sie ein völlig problemloses Fahrzeug sei, das frei von Schwachpunkten wäre. Ein solcher Schwachpunkt ist der Öltank der Frischölautomatik. Dieser ist von relativ schlechter Qualität und muss daher häufiger getauscht werden als dies bei anderen Fahrzeugen der Fall ist. 
Der Öltankt sitzt hinter dem rechten Hinterrad am Rand des Chassis. Eine im Grunde ungünstige Position, denn hier ist er Schmutz und Witterung schutzlos ausgeliefert, was zusätzlich zu seinem schnellen Verfall beiträgt. Glücklicherweise ist der Austausch des Öltanks keine allzu komplizierte Sache und in gut einer Stunde bewerkstelligt. 

Vorbereitend:
Um den Motor zu schützen, muss vor Beginn diese Arbeiten im Treibstofftank des Fahrzeugs ein Zweitaktgemisch von wenigstens 1% Öl hergestellt werden (Mix 1:100). Dazu das Fahrzeug volltanken und von der maximalen Tankfüllmenge ausgehend entsprechend Öl beigeben. Das Tankvolumen beträgt ca. 15l, es müssen also 150ml Öl beigemischt werden. 
Zusätzlich ist es natürlich sinnvoll, diese Arbeiten bei nicht vollständig gefülltem Öltank durchzuführen. 
Um den Zugang zu den Bauteilen zu erleichtern, muss abschließend noch das rechte Teil der Motorschutzverkleidung abgenommen werden (vier Blechschrauben). 

Als nächster Schritt wird dann der Speiseschlauch vom Tank zur Ölpumpe mit einer Schlauchklammer verschlossen und die Schlauchschelle an der Ölpumpe gelöst. Der Schlauch kann jetzt abgezogen und in einen Auffangbehälter gehängt werden. 
Den Anschlusstutzen der Ölpumpe sollte man nun mit etwas Bremsenreiniger säubern. Danach können die drei Halteschrauben des Öltanks gelöst und der Tank herausgenommen werden. Dabei auf das Kabel für die Ölwarnlampe achten. Die in Fahrtrichtung vorne liegende, einzelne Schraube der Öltankbefestigung ist schlecht zugänglich. Hier wird ein Schraubenschlüssel mit schmalem Kopf der Schlüsselweite 10 benötigt. Alternativ kann auch das Fahrzeug aufgebockt und das rechte Hinterrad ausgebaut werden um den Zugang zu verbessern. 

Auf der Werkbank liegen alter und neuer Öltank nebeneinander. Gelegenheit sie zu vergleichen und den Zustand des Altteils zu begutachten. 
Hauptgrund für den Austausch dieses Tanks war der völlig marode Kontakt des Warnlampenanschluss. Das die Ölwarnlampe zuletzt nicht mehr ging braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. 


Zudem zeigt der Tank bereits die typische Rissbildung. Hier noch im absolut unkritischen Anfangsstadium. In extremen Fällen brechen die Füllstutzen oft während der Fahrt einfach ab. Darum sollte der Tank regelmäßig sehr genau geprüft werden. Beginnt er zu reißen muss er sofort ausgetauscht werden. Ein undichter Tank kann nicht nur zu Motorschaden durch Mangelschmierung führen, viel gefährlicher ist ausgelaufenes Öl auf der Straße für andere Verkehrsteilnehmer und die Umwelt. Darum zählen undichte Frischöltanks auch zu den klassischen HU-Mängeln der TM.
Beim Kauf eines neuen Öltanks ist ein Tank aus indischer Produktion (zu erkennen an der deutlich erhabenen Minimalstandsmarke) vorzuziehen. Die Tanks aus vietnamesischer Fabrikation (ohne oder mit ganz kleiner Minimalmarke) sind aus deutlich schlechterem Kunststoff und passen oft nicht ordentlich. 

Bevor der neue Tank eingebaut wird, bietet es sich an die Halter zu reinigen und ggf. zu entrosten. Zudem sollte man den sonst unzugänglichen Pritschenboden oberhalb des Tanks jetzt reinigen und versiegeln. Der Stecker des Warnlampenkabels ist ebenfalls oft in sehr schlechtem Zustand und muss erneuert werden, es handelt sich dabei um einen handelsüblichen Kabelschuhstecker mit 6,3mm. Nach diesen Arbeiten kann der Öltank eingebaut werden (auf das Massekabel achten). Ist er eingebaut und elektrisch angeschlossen, schaltet man kurz die Zündung ein, die Ölwarnlampe muss jetzt dauerhaft brennen. Tut sie dies nicht, ist entweder einer der elektrischen Anschlüsse nicht in Ordnung oder der neue Geber defekt, was leider relativ häufig vorkommt.

Die mit dem neuen Öltank üblicherweise mitgelieferte neue Ölspeiseleitung wird jetzt an der Tankseite angeschlossen und an der offenen Seite mit einer Schlauchklammer verschlossen. Danach kann etwas Öl in den neuen Tank gefüllt werden (Tankdeckel danach offen lassen).

Ist der Schlauch sicher in einen Auffangbehälter gelegt, wird die Klammer soweit geöffnet das Öl abfließen kann.
Es muss sich in der kompletten Leitung Öl befinden, auch wenn einzelne Luftblasen nicht zu vermeiden sind. Danach wird die Klammer wieder verschlossen und der Schlauch an der Ölpumpe angebracht. 
Da der Tankdeckel immer noch offen ist, kann das Öl jetzt ungehindert in den Schlauch fließen. Ein Teil der Luftblasen steigt dabei von selbst in den Tank auf. Eine große Blase direkt beim Öltank sowie eine kleine direkt an der Pumpe bleiben jedoch normalerweise stehen. 
Nachdem die Schlauchschellen nochmals auf festen Sitz geprüft sind, wird der Öltank vollständig gefüllt und verschlossen. Danach wird eine kurze Probefahrt unternommen, in deren Verlauf das Fahrzeug auch auf seine Höchstgeschwindigkeit gebracht wird um die Ölpumpe mit größt möglicher Fördermenge laufen zu lassen.
Nach der Probefahrt erfolgt eine Sichtprüfung der Ölleitung. 

Ordnungsgemäße Funktion der Ölpumpe vorrausgesetzt sollte die Leitung jetzt weitgehend blasenfrei sein. Geringe Lufteinschlüsse sind unkritisch und verschwinden ohnehin meist nach der ersten längeren Fahrt. Dennoch sollte die Ölleitung in der ersten Zeit wiederholt geprüft werden, auch was ihre Dichtigkeit angeht. 
Zuletzt muss natürlich noch die Motorverkleidung wieder montiert werden. Die Ape sollte jetzt wieder für viele sorgenfreie Kilometer bereit sein, zumindest soweit es den Öltank betrifft. 













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