Dienstag, 24. Juli 2018

Jawa: Leben in der Hütte

Gestern hatte ich ja abgebrochen, weil ich auf Elektrik keinen Bock mehr hatte. Allerdings wollte ich doch gerne wissen, ob meine Schrauberei von Erfolg gekrönt war. Darum bin ich heute nach Feierabend nochmal zur Werkstatt rausgefahren. Unter anderem bewaffnet mit meinem hochtechnischen Schaltplan für die Zündung des Spendermotors.
Dies nur, falls jemand irgendwann das Bedürfnis verspürt selbst einmal diese Version der Jawazündung zu verkabeln. 
Am Moped ist das leichter gesagt als getan, denn wie alles am Spendermofa war auch der Kabelbaum zum Opfer von Dorfdepp-Deluxe-Tuning geworden. Den völlig vernudelten Steckern und mit schwarzer Farbe überschmierten Kabeln mochte ich nicht trauen. Außerdem waren die Kabel für den Einbauort in Thums Moped ohnehin viel zu lang. Eine radikale Kürzung und Reinigung mit Verdünnung stand also auf dem Programm.
Mit dieser Basis lässt sich arbeiten und mit sauber aufgecrimten Steckern und sauberer Isolation per Schrumpfschlauch ist dann eine Sichere Verbindung zur Zündbox möglich.
Woher diese Version der Zündung den Strom für die Beleuchtung des Fahrzeugs nimmt muss ich allerdings noch herausfinden. Ich vermute, dass der Vorbesitzer einfach ohne Licht gefahren ist, aber eine entsprechende Erregerspule ist vorhanden, es sollte also möglich sein, zum gegebenen Zeitpunkt für Licht im Dunkel zu sorgen.
Das so verkabelte Ganze ist grundsätzlich bereit für einen ersten Startversuch. Da ein neuer Zylinder montiert ist, habe ich den Motor zunächst mit unterbrochener Zündung mehrmals durchgedreht und dann erst versucht in zu starten. Leider ohne erfolg. Mehr als ein müdes Knallen von Fehlzündungen war dem Teil nicht zu entlocken.
Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass ölige Flüssigkeit zwischen Kopf und Zylinderblock herausgedrückt wird. Eine Undichtigkeit an dieser Stelle könnte das Problem erklären. Ein Kompressionstest bringt in solchen Momenten Klarheit.
Wie erwartet/befürchtet hatte der Motor praktisch keine Kompression. Allem Anschein nach ist der Zylinderkopf also tatsächlich undicht. Es hilft nichts, der Kopf muss nochmal runter, was bei der Jawa glücklicherweise sehr einfach ist.
Die Abdichtung des Kopfs gibt mir ohnehin ein Rätsel auf. Die Dichtnut am Brennraum bekommt lt. dem originalen Werkstatthandbuch keine Dichtung, zu der kleinen Nebenbohrung schweigt sich dieses Werk leider aus. Ich habe hier jetzt einfach einmal einen O-Ring eingesetzt, schaden kann er an dieser Stelle eigentlich nicht, und den Kopf wieder montiert.
Der Kompressionswert ist immer noch mäßig, aber das hat bei einem Zweitaktmotor wenig zu sagen, erst recht bei einer Messung bei völlig kaltem Motor. Aber immerhin ist jetzt ein deutlicher Ausschlag der Nadel zu erkennen. Zeit für einen weiteren Startversuch, der dann auch tatsächlich den Erfolg brachte.

Immerhin scheint der Motor jetzt zu tun was er soll, allerdings kann ich ohne die in CZ bestellten Ersatzteile nicht sinnvoll weitermachen. Es heißt also ersteinmal warten, was aber natürlich nicht bedeutet, dass es nichts zu tun gegeben hätte.

Immer wenn ich ein Fahrzeug schlachte, dessen Grundgerüst im Prinzip nicht brauchbar wäre, versuche ich die Überreste bei eBay zu versteigern. Denn selbst wenn es nur einen symbolischen Euro für die Brocken gibt, haben die Teile oft für irgendjemand noch einen Wert. Das Skelett der Schlacht-Jawa wollte aber niemand haben, darum hatte heute das letzte Stündlein dieser Babetta geschlagen.
Der Winkelschleifer macht mit einem solchen Mofagerippe kurzen Prozess und bei der nächsten Fahrt zum Schrotthändler werden die Teile eben einem Neustart in ein anderes Leben zugeführt. Das schöne an Stahl ist ja, dass er grundsätzlich unendlich wiederverwendbar ist.
Allerdings sind doch noch einige Brocken übrig geblieben, die ich als zu schade zum wegwerfen eingestuft habe. Zwar passt vieles nicht 1:1 an Thums Schwingenmodell, es sind ja Teile einer Starrahmen-Babetta, aber ich habe für die Zukunft noch ein paar Pläne mit dem Teil für die ich ein bisschen Bastelmaterial gut brauchen kann.
So wächst eben auch der Ersatzteilfundus für das Jawamoped langsam aber stetig.
Der Ball liegt aber trotzdem ersteinmal im Feld des tschechischen Lieferanten, wenn die bestellten Ersatzteile da sind kann es mit diesem Projekt weitergehen.

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