Freitag, 25. August 2017

Schraubertipps: Kupplungsglocke ausbauen und prüfen

Bei den heute üblichen Rollern mit Variomatikantrieb gehört die Kupplungsglocke, also der fest mit dem Endantrieb verbundene Teil der Kupplungsvorrichtung, zu dem wichtigsten Bauteilen. Sie ist aber auch ein klassisches Verschleißteil und sollte daher regelmäßig geprüft werden. Hierzu muss sie ausgebaut werden.
die Kupplungsglocke eines modernen Automatikrollers

Die Kupplungsglocke ist ein hoch belastetes Bauteil. Sie wird im Fahrbetrieb sehr heiß, wodurch das Material mit der Zeit ermüdet. Eine verschlissene Kupplungsglocke macht sich meist durch schlechte Beschleunigung, Ruckeln und teils Quietschen beim Anfahren oder am Berg bemerkbar.

Ausbau der Kupplungsglocke:
Um die Kupplungsglocke ausbauen zu können, sind die selben Arbeitsschritte wie zum Ausbau der kompletten Kupplungseinheit notwendig.
Zunächst muss der Variodeckel abgenommen werden. Dieser ist bei den meisten Rollern durch einen Schraubenkrank befestigt und kann, nachdem alle Schrauben herausgedreht sind, einfach abgenommen werden. Anders als immer wieder behauptet wird, ist es nur bei sehr wenigen Rollern notwendig, den Kickstarterhebel zu demontieren um den Variodeckel abzunehmen. 
Manchmal sitzt der Deckel jedoch durch Schmutz und Korrosion sehr fest auf dem Motorblock. In solchen Fällen helfen meist leichte (!) und vorsichtige (!) Schläge mit einem Gummihammer auf die Trennlinie der beiden Bauteile. Nach dem Abnehmen des Deckels liegt der Antrieb frei.

Links im Bild sieht man den Variator, also die getriebene Riemenscheibe. Rechts sind die Kupplungsglocke mit der dahinterliegenden Einheit aus Kupplung und Wandler zu sehen. 

Bei den meisten Rollern wird die komplette Kupplungsvorrichtung von einer Zentralmutter auf der Getriebeeingangswelle gehalten. Diese Zentralmutter muss gelöst werden um die Kupplungsglocke abnehmen zu können. Hierzu kann ein Schlagschrauber verwendet werden, besser und schonender ist jedoch die Verwendung eines geeigneten Haltewerkzeugs.
selbst gebautes Haltewerkzeug im Einsatz   Bild: Benjamin Schmitz
Ein solches Werkzeug kann man fertig kaufen oder, aus einem einfachen Flacheisen und zwei Schrauben, selbst anfertigen. Hierzu bitte die nachfolgende Zeichnung beachten.
Unabhängig davon, ob ein selbst gebautes oder gekauftes Haltewerkzeug benutzt wird, sollte die Hinterradbremse des Rollers für diese Arbeiten blockiert werden. Dies kann entweder durch einen Helfer oder durch einen Spanngurt im den Bremshebel erfolgen. 
Nachdem die Zentralmutter gelöst ist, kann die Kupplungsglocke abgenommen werden. Sie ist nur aufgesteckt. Ebenso kann jetzt die Kupplungs-Wandler-Einheit einfach entnommen werden.

Prüfen der Kupplungsglocke
Die Kupplungsglocke sollte nach dem Ausbau grob gereinigt werden, denn meist ist sie mit Abrieb von Kupplungs und Antriebsriemen verschmutzt. Danach erfolgt eine einfache Sichtprüfung auf Ausglühungen (blaue Stellen), Verzug (Wellen) oder Ausbrüche. Die Innenseite der Glocke, auf der die Kupplungsbeläge greifen, sollte im Idealfall metallisch blank und leicht "poliert" sein. Ein Anschleifen der Glocke, das früher oft empfohlen wurde, kann normalerweise unterbleiben. Sollte die Kupplung beim Anfahren durchrutschen, dann ist eine neue Glocke die sinnvollere Reparaturmaßnahme.

Zuletzt wird der Innendurchmesser der Kupplungsglocke mit dem Messschieber bestimmt. Hierfür geben die Fahrzeughersteller genaue Sollmaße an. Ist die Glocke zu groß geworden, dann muss sie sowieso ausgetauscht werden. Theoretisch kann eine verschlissene Kupplungsglocke durch einziehen eines neuen Innenrings von einem Fachbetrieb gerettet werden, doch ist dies finanziell bei den meisten Rollern nicht sinnvoll. 

Einbau der Kupplungsglocke
Der Einbau ist denkbar simpel.  Die wieder auf die Getriebewelle aufgesteckte Glocke wird mit einer neuen Zentralmutter gesichert. Diese sollte zusätzlich mit hochfestem Schraubensicherungsmittel gesichert werden. Zum festziehen der Mutter wird ein Drehmomentschlüssel verwendet, das jeweilige Solldrehmoment findet sich im Werkstatthandbuch des entsprechenden Rollermodells. 





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