Sonntag, 18. Februar 2018

BW's: Wiederbelebung gelungen

Gestern hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr, den neu erworbenen BW's zur Werkstatt zu karren. Darum ging es erst heute raus, auch wenn ich Sonntags eigentlich nicht so gern schraube.
Erster Schritt war natürlich, wie immer, den Roller soweit zu zerlegen, dass guter Zugang zur Technik möglich war.
Unter dem Heckpanzer bestätigte sich der erste Eindruck: viel Dreck und Siffe, aber extrem wenig Rost. Der Roller ist, gerade wenn man sein Alter bedenkt, in unglaublich gutem Zustand. 
In den Luftfilterkasten hatte irgend ein Witzbold leider Löcher gebohrt. Vermutlich wollte man hier einem Startproblem mit Starthilfespray beikommen. Keine wirklich schöne Lösung, der Deckel muss leider neu.
Der Luftfiltereinsatz selbst ist natürlich auch hinüber. Der Schaumstoff hat angefangen sich aufzulösen und war zudem total mit Dreck zugesetzt. 
W
Auch der Vergaser war unter einer dicken Schmierschicht begraben.Seine Position ist beim stehenden Minarellimotor aber eh etwas unglücklich, denn er sitzt direkt beim Hinterrad. 
Die Schwimmerkammer stand mit Zweitaktöl voll. Kein Wunder, dass der Roller nicht ansprang. Die Erklärung dafür ist vermutlich eine defekte Ölpumpe, aber diese wollte ich sowieso rauswerfen.

Während der Vergaser und seine Einzelteile im Reinungsbad lagen, habe ich die Tanks ausgebaut. Den Benzintank um ihn zu entleeren und mit neuen Schläuchen zu versehen, den Öltank als Dauerzustand. 
Positiv ist, dass der Benzintank innen wie neu aussieht. Kein Rost, kein Dreck, nur sauberes Blech. Angesichts der langen Standzeit des Rollers hat mich das sehr angenehm überrascht.
Rahmen und Verkleidung unter dem Tank habe ich dann noch etwas sauber gemacht. Die dicke Schicht aus öliger Siffe, die alles überzieht, war wohl ein guter Rostschutz, aber behalten will ich sie trotzdem nicht.
Mit neuen Schläuchen konnte dann der Benzintank wieder einziehen. Frischer Sprit, als Mixtur 1:50, kam natürlich auch noch rein.
 
Der Vergaser sieht nach einer gründlichen Reinigung auch wieder richtig gut aus. Nach seinem Einbau war es dann Zeit für einen Startversuch. Tatsächlich lief der Roller auch recht bald, nur eine Zündkerzenreinigung brauchte es zwischenzeitlich nicht.

Die Zündkerze ist leider auch eine Bastelsünde des Vorbesitzers. Es ist eine völlig falsche Bosch-Type drin. Aber für einen ersten Test des Fahrzeugs langte es dann noch.
Als problematisch erwies sich nur der Luftfilterkasten. Der Verbindungsgummi ist dermaßen verhärtet, dass es unmöglich war den Kasten zu montieren. Für die erste Probefahrt musste darum ein universeller Pilzluftfilter mit etwas Panzertape als Luftdrossel reichen.


Das Video zeigt schön, dass Startversuch und Testfahrt recht erfolgreich waren. Grundsätzlich ist also erwiesen, dass der Roller funktioniert.
Natürlich ist er noch weit von einem benutzbaren Fahrzeug entfernt. Darum stand zunächst eine gründliche Bestandsaufnahme des Antriebs auf dem Programm.
Grundsätzlich sieht der Antriebsstrang gut aus. Hier hat sich noch niemand vergriffen und ich vermute, dass ich seit 1992 der erste Mensch bin, der diese Teile zu sehen bekommt. 
Ursache für den teilweise durchrutschenden Kickstarter dürfte die völlig abgenutzte Mitnehmerscheibe sein. So ein Teil hatte ich aber noch im Fundus, weshalb es im vorbeigehen erneuert wurde.
Viel interessanter war da schon der Allgemeinzustand des Antriebs sowie der Grund für den nicht einspurenden Anlasser. Kurz gesagt sind Variator und Kupplung in Ordnung, Riemen und Gewichte müssen neu. Ein, angesichts der Laufleistung des Rollers, zu erwartender Zustand. Beim Anlasser war es der Klassiker: Ein total ausgelullerter Freilauf.
So extrem ist es aber doch eher selten. Aber auch hier konnte der Fundus für Abhilfe sorgen.
Der restliche Antriebsstrang wartet aber noch auf die Ersatzteillieferung. Darum ging es auf der anderen Seite des Rollers weiter.
Beim Minarellimotor ist es nicht ganz so einfach die Ölpumpe zu entfernen wie bei Piaggio. Hier sitzt sie hinter der Zündung und so musten als nächstes Polrad und Zündanker ihre Plätze verlassen.
Hinter der Zündankerplatte sitzt das Ölpumpenantriebsrad. Dieses flog raus, genau wie die Schlauchleitungen der Pumpe, die Pumpe selbst jedoch blieb wo sie ist, so entsteht kein "Loch" im Motor.
Ein Vorteil dieser weitreichenden Demontage ist natürlich, dass ich so beide Wellendichtringe kontrollieren konnte. Sie sind beide in Ordnung und bleiben erstmal. 
Beim Wiedereinbau der Zündung durfte dann auch gleich das erste Teil einziehen, dass vom Racer übernommen wird.
Ich möchte den BW's zwar weitgehend original erhalten, der Zeitgeist der 90er Jahre soll sich aber auch wiederspiegeln. Zudem soll der Racer in anderer Form weiterleben, die verchromte Lüfterhaube ist ein erster Schritt in diese Richtung. 
Letzte Amtshandung für heute war dann die Demontage des Auspuffs. Bei aller Liebe zur Patina, das Ding war doch etwas zu gammelig. 
Ein kräftiger Schluck frische Farbe gibt dem alten Originalteil sicher noch eine gewisse Lebensdauer. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob ich den Originalauspuff wieder anbaue, der "japanische" Rennauspuff des Racers hätte auch seinen Reiz ... aber mal sehen, zunächst müssen die nötigen Ersatzteile kommen und der Roller zuverlässig zum Laufen gebracht werden. 











 









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