Samstag, 19. August 2017

Schraubertipps: Kupplungswechsel beim Automatikroller

Die Kupplung gehört zu den am stärksten belasteten Bauteilen im Antrieb eines Fahrzeugs. Sie stellt den Kraftschluss zwischen Motor und Antrieb her und muss Kräfte aus zwei Richtungen aushalten. Zum Einen ist dies die Kraft des Motors und zum Anderen die der Motorkraft entgegenwirkende Kraft der Fahrwiderstände. 
Irgendwann ist sie darum verschlissen, was sich entweder in einem Abwürgen des Motors beim Anhalten (Kupplung trennt nicht mehr) oder dem völligen Verlust des Kraftschlusses (Kupplung greift nicht mehr) äußert. Es ist daher sinnvoll, die Kupplung regelmäßig zu prüfen und bereits vor dem Erreichen der absoluten Verschleißgrenze zu wechseln. Diese Anleitung geht davon aus, dass die Einheit aus Wandler und Kupplung demontiert ist, wie das geht wird in einer gesonderten Anleitung in den Schraubertipps erläutert. 

Achtung:
Die Kupplung sowie der Wandler enthalten bei den meisten Automatikrollern mehrere, sehr starke Federn. Es ist größte Vorsicht im Umgang mit diesen Federn geboten, da es leicht zu Verletzungen durch die Federkraft kommen kann!

Funktionsweise der Fliehkraftkupplung
Die Fliehkraftkupplung ist fest mit dem Wandler (getriebe Riemenschiebe) verbunden. Dieser wird druch den Motor in Drehung versetzt. Dadurch wirken Fliehkräfte auf die Backen der Kupplung und treiben diese nach außen. So wird der Kraftschluss zur Kupplungsglocke, die fest mit dem Endantrieb verbunden ist, hergestellt. 
Der Fliehkraft wirkt die Kraft der Kupplungsfedern entgegen. Deren Stärke bestimmt, bei welcher Drehzahl der Kraftschluss hergestellt wird und der Roller anfährt. Grundsätzlich gilt, dass diese Drehzahl umso höher ist, je stärker (härter) diese Federn gewählt werden. 

Bei leistungsgesteigerten Motoren müssen daher fast immer diese Federn gewechselt werden. Denn die Anfahrdrehzahl bestimmt zu einem wesentlichen Teil, wie schnell der Motor den optimalen Drehzahlbereich erreicht und ist somit von entscheidender Bedeutung für das Fahrverhalten der Maschine.


Lösen der Kupplung vom Wandler
Um die Kupplung vom Wandler zu trennen, muss zunächst die Zentralmutter gelöst werden. Hierzu kann ein passender Schraubenschlüssel verwendet werden. Es gibt jedoch auch spezielle, besonders robust ausgeführte, Schlüssel für diese Arbeit. Diese sind meist auch zum Gegenhalten der Kupplungsglocke beim Ausbau der kompletten Einheit aus dem Fahrzeug geeignet. 

Um die Kupplung besser gegenhalten zu können, eignet sich ein Ölfilterschlüssel mit festsetzbarem Band besonders gut. Alternativ kann die Kupplung auch im Schraubstock eingespannt werden (Holz zwischenlegen um die Backen nicht zu beschädigen!). 

In jedem Fall ist hier größte Vorsicht geboten! Denn zwischen Kupplung und Wandler befindet sich die, sehr starke, Gegendruckfeder. Die Kupplung muss während der gesamten Arbeiten fest niedergedrückt werden, sonst kann sie hochgeschleudert werden! Es begeht großes Unfallrisiko!
Bei Fahrzeugen >50cm³ ist daher ein entsprechender Kupplungshalter bzw. Federdrücker zu empfehlen. Dieser ist bei größeren Rollern zum späteren Zusammenbau der Einheit unerlässlich. 
Wenn die Zentralmutter gelöst ist, können Kupplung und Gegendruckfeder vom Wandler abgenommen werden. Auch die Feder ist ein Verschleißteil, dass bei dieser Gelegenheit genau geprüft werden muss. Ist sie gebrochen oder erlahmt, muss sie ausgetauscht werden.

Prüfung der Kupplung
Die Kupplung ist dann verschlissen, wenn der Belag der Kupplungsbacken eine Stärke von ca. 1mm erreicht hat. Einige Hersteller schreiben andere Mindestbelagstärken vor, die entsprechenden Informationen findet man ggf. im Werkstatthandbuch. 
Auch die Kupplungsfedern können verschleißen oder brechen. Gerade bei älteren Rollern sollten sie daher kontrolliert werden. 

Einbau der Kupplung
Logischerweise erfolgt der Einbau in umgekehrter Reihenfolge der Demontage. Es ist jedoch zu beachten, dass die Gegendruckfeder gerade und gleichmäßig komprimiert werden muss. Die Kupplung wird hierzu senkrecht auf den flach liegenden Wandler niedergedrückt. Dies kann entweder mit einem geeigneten Spezialwerkzeug oder von Hand, idealerweise mit beiden Händen, geschehen. Dann ist natürlich eine zweite Person zum Aufsetzen der Kupplungsmutter notwendig. 
primitiver, selbstgebauter Kupplungsdrücker im Einsatz
Die Zentralmutter sollte zusätzlich mit Schraubensicherungskleber gesichert werden. Die meisten Fahrzeughersteller geben für diese Mutter ein besonderes Drehmoment vor, daran sollte man sich halten. Eine entsprechend große Nuss für den Drehmomentschlüssel ist daher auch erforderlich (übliche Schlüsselweiten liegen zwischen 28 und 35mm). 

Hinweis:
Die Einheit aus Kupplung und Wandler wird zusammen mit der Kupplungsglocke ausgebaut. Die grundlegenden Schritte der Demontage, sowie die Prüfung der Kupplungsglocke, sind hier beschrieben: https://rollerchaos.blogspot.de/2017/08/schraubertipps-kupplungsglocke-ausbauen.html



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