Donnerstag, 25. Februar 2016

Fahrzeugprotrait: TGB / Pegasus Sky



Sky 50 der ersten Generation mit zwei runden Scheinwerfern.

Sky 25 der zweiten Generation mit modernisierter Front. Unterscheidungsmerkmal zum Sky 50: keine Fußrasten und kurze Sitzbank.

Die Heckpartie wurde über die Generationen hinweg nicht grundlegend geändert.

 Grundsätzliches zum Sky
Der bei uns als Pegasus Sky bekannte Roller, hört ursprünglich eigentlich auf den etwas kryptischen Namen TGB RFC-5Y. Der Hersteller, TGB (Taiwan Golden Bee) ist ein Traditionsunternehmen aus Taiwan. Die Firma begann mit dem Lizenzbau von Vespas und ist heute einer der größten Zweirad- und Teileproduzenten in Taiwan. TGB ist unter anderem auch als Zulieferer für Piaggio tätig.

Der Sky ist eine Eigenentwicklung von TGB aus den späten 1980er Jahren. Nach Deutschland kam das Modell, importiert von der ZEG, erstmals Anfang der 1990er Jahre. Es folgten diverse Generationen, bis der Import von TGB-Fahrzeugen an die Leebgruppe überging, diese stellte den Import des Sky ein. Neufahrzeuge sind daher in Deutschland nicht mehr erhältlich. Der Sky ähnelt in seinem Grundkonzept Rollern wie dem Piaggio TPH und dem Beta Ark. Er versteht sich als robuster und zuverlässiger, jedoch wenig komfortabler Nutzroller. Wird er in dieser Rolle eingesetzt, kann er seine Stärken voll ausspielen.

Dem Sky 50 stand mehr oder weniger zeitlebens der Sky 25 zur Seite. Hierbei handelt es sich um eine technisch identische, jedoch bereits ab Werk auf 25km/h begrenzte, einsitzige und leistungsreduzierte Version. Eine Umrüstung des Sky 25 auf 50/45km/h ist werksseitig nicht vorgesehen und nicht freigegeben. Sie ist jedoch möglich und kann auch im Einzelverfahren von einem Prüfer abgenommen werden. Die Drosselung des Sky 25 besteht aus einem stark reduzierten Auspuff, einem breiteren Distanzring als bei der 50/45km/h-Version sowie einer gedrosselten CDI. Zum Umbau des Sky 25 zum 50er müssen der Auspuff und der Distanzring sowie die CDI durch die Teile der 50/45km/h-Version ersetzt werden. Sitzbank und Soziusfußrasten der 50/45km/h-Version passen 1:1 an den Mofaroller. 


Motor und Antrieb

Der Motor des Sky ist ein modifizerter Lizenzbau des weniger verbreiteten Motors von Franco Morini. Es handelt sich um einen luftgekühlten, einzylindrigen Zweitaktmotor mit Membraneinlass und CDI-Zündung. Der Motor mobilisiert 3,4kw aus 49ccm. Zur Gemischaufbereitung dienten über die gesamte Bauzeit überwiegend Mikunivergaser. Vergaser anderer Hersteller kommen jedoch vor und sind entsprechend in der Betriebserlaubnis vermerkt.
Der Motor ist auf Drehmoment und nicht auf Drehzahl ausgelegt und der Antrieb entsprechend abgestimmt. Diese Eigenschaft wird (nachträglichen) Mofaumbauten bisweilen zum Verhängnis, da der Motor gegen hohe Dauerdrehzahlen wenig resistent ist. Sinnig behandelt, ordentlich gewartete und nicht verbastelte Exemplare sind dafür bekannt auch sechsstellige Laufleistungen erreichen zu können. Tuner sollten beachten, dass die Kurbelwelle des Motors nur eine sehr schwache Pleuellagerung hat. Hubraumsteigerungen überlebt die Serienkurbelwelle meist nicht sonderlich lange.

Der Antrieb, bestehend aus dem üblichen stufenlosen Automatikgetriebe, ist ab Werk sauber abgestimmt. So ist der Roller ausreichend spurtstark, um im Stadtverkehr mithalten zu können. Lediglich die 45-km/h-Ausführung fällt hier unter Klassenstandard zurück, was jedoch der rabiaten Drosselung geschuldet ist.



Fahrwerk und Bremsen

Das Fahrwerk des Sky weißt keine nennenswerten Besonderheiten auf. Es besteht aus einem soliden Stahlrohrrahmen mit Telegabel vorne und Treibsatzschwinge hinten. Die Federelemente des Sky sind relativ weich und für Fahrten mit hoher Zuladung konzipiert. Mit nur einer, leichten Person besetzt neigt der Sky zum Schaukeln. Positiv ist die weiche Federung allenfalls auf schlechten Straßen oder unbefestigtem Untergrund. Die große Bodenfreiheit hilft beim Überwinden von Bordsteinen und bei kleineren Ausflügen ins Gelände.
Die Bremsen des Sky sind, von ganz frühen Versionen mit zwei Trommelbremsen abgesehen, klassenüblich. Scheibenbremse vorne, Trommelbremse hinten. Die Wirkung beider Stopper ist eher rustikal. Wenig Gefühl, hohe Handkraft, dafür aber ausreichende Wirkung. Novizen sollten mit der Vorderradbremse vorsichtig umgehen, da diese zum schlagartigen Überbremsen neigt.


Fahrverhalten

Der Sky ist das, was man ein Geradeauseisen nennt. Kurven mag er nicht und verlangt vom Fahrer beherztes Zupacken in Wechselkurven. Das weiche Fahrwerk und der relativ lange Radstand sorgen zudem für wenig Vertrauen in Schräglage. Anfänger kostet es sehr viel Überwindung, die eigentlich reichliche, Schräglagenfreiheit des Sky voll zu nutzen. Gripabriss an der Reifenkante braucht dabei niemand zu fürchten. Die langen Ausleger des Hauptständers, kratzen ausreichend früh auf dem Asphalt und verhindern, dass es der Fahrer übertreibt.
Im Grenzbereich gibt sich der Sky gutmütig und kann auch von unerfahrenen Fahrern in gefährlichen Situationen gut beherrscht werden.


Der Pegasus Sky im Alltag

Im harten Alltagseinsatz zeigen sich die Stärken des Sky. Angefangen von den langen Auslegern des Hauptständers die das Aufbocken erleichtern, bis hin zum stets serienmäßig verbauten, sehr soliden Gepäckträger und dem bei späten Modellen serienmäßigen Seitenständer. Das Gesamtkonzept des Sky ist durchdacht und auf hohen Nutzwert ausgelegt.

Der große und gut befüllbare Tank ermöglicht trotz des relativ hohen Verbrauchs von knapp 4L/100km ordentliche Reichweiten. Ein großes Rücklicht und gut sichtbar angebrachte Blinker sorgen für Sicherheit. Spätere Modelle verfügten sogar über eine Warnblinkanlage! Das Helmfach unterm Sitz schluckt einen kleineren Integralhelm oder viel Krimskrams. Die Einkaufstasche hat ihren eigenen Haken am Beinschild. Zudem lässt sich gut ein großes Topcase montieren.

Dem gegenüber steht die, speziell für größere Personen, unbequeme Sitzhaltung auf dem dünnen Polster. Das hoch gelegene Trittbrett zwingt die Beine in einen unangenehmen Winkel. Mit Sozius muss der Fahrer sehr nah an den Lenker rutschen. Für Verwirrung (und hupende Autofahrer) kann der weit voreilende Tacho sorgen. Zeigt er knapp 65km/h an bewegt sich der Sky mit 50km/h völlig legal durch die Stadt!
Der Scheinwerfer der ersten Generation, der zwei kleine Rundscheinwerfer simuliert, jedoch nur eine funzelige Biluxbirne beherbergt, ist schlecht. Nachtfahrten auf unbeleuchteten Landstraßen werden damit zum riskanten Abenteuer. Der große, tiefer liegende Scheinwerfer des Sky II hat zwar ebenfalls nur eine Biluxlampe, ist jedoch deutlich heller und strahlt breiter und weiter. Er ist die klar bessere Wahl und lässt sich, wenn man die komplette Frontverkleidung übernimmt, problemlos an älteren Sky nachrüsten. 

Die ZEG bot für den Sky im Zubehör einige nützliche Dinge an. Darunter ein sehr gutes Windschild mit integrierten Handschützern. Außerdem gab es einen abnehmbaren Einkaufskorb, der anstelle eines Topcase, auf dem Gepäckträger montiert wird. Ebenso nützlich ist der, zum Bordwerkzeug gehörende Trichter zum Einfüllen von Öl in den Mischöltank.
Bei den Wartungskosten zeigt sich der Sky freundlich. Mechanikerfreundlich vor allem. Seine Karosserie besteht aus wenigen, leicht abnehmbaren Segmenten und es dauert, für geübte Hände, kaum fünf Minuten ihn vollständig zu entkleiden. Dann liegen alle Komponenten offen da und der Roller kann leicht gewartet und repariert werden. Schraubernovizen dürften jedoch Probleme damit haben den Heckpanzer abzunehmen, dieser ist mit sehr vielen, teils gut versteckten Schrauben befestigt. Dass die Reifen der etwas ausgefallenen Dimension 120-90/10 relativ teuer sind, schmerzt dann nicht mehr so.

 Blick ins Helmfach

Mit soviel Werkzeug kam der Sky ab Werk. Nur die Zündkerze ist eine Hinzufügung des Besitzers.

Fazit

Der Sky spricht weniger den Genusfahrer als den Nutzer an. Wer seinen Roller primär als Nutzfahrzeug versteht, für den ist der Sky die richtige Wahl. Es handelt sich um einen Roller der zu geringen Kosten, einen hohen Mehrwert bietet.


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