Freitag, 17. November 2017

Spirit of Saxonia: ein zäher Kampf

Gestern waren endlich die Neuteile für den Chinakracher in der Post. Die Lieferverzögerung war jedoch meine eigene Schuld, denn ich hatte bei der Bestellung als Versandart "Abholung im Laden" angegeben, klar dass dann nichts kommt ... Aber dieser Fehler wurde zwischenzeitlich ausgebügelt und die Ware ist eingetrudelt. 
Ein ziemlich beachtlicher Teilehaufen und genug um sich einige Zeit mit dem Roller zu beschäftigen. Angefangen habe ich mit dem Hauptproblem, dem Benzinhahn.
Natürlich gab es zusätzlich zum Hahn auch einen neuen Leitungssatz. Wie marode die alten Spritschläuche waren zeigte sich bei der Zuleitung zum Benzinfilter. Diese ist mir beim Versuch der Demontage unter den Fingern zerrissen. 
Die letzten Reste des Tankinhalts waren damit natürlich auch auf dem Fußboden, es waren zum Glück nur eine kleine Menge. Mit den neuen Leitungen und dem neuen Benzinhahn behält der Roller seinen Tankinhalt jetzt bei sich. 



Anschließend zogen noch der neue Luftfilter ein und ich habe die Ventile eingestellt sowie die Zündkerze erneuert. Zeit also den Motor zum ersten Mal in der neuen Heimat laufen zu lassen. Dabei lief der Motor stabil, aber nicht wirklich rund. Dennoch habe ich ihn etwa 20 Minuten vor sich hin bollern lassen um das Motoröl aufzuwärmen, denn der Ölwechsel stand als nächster Programmpunkt auf dem Plan.
Hauptproblem dabei war eigentlich, dass sich die Ablasschraube nur mit ziemlich viel Kraftaufwand zum Loslassen überreden ließ. Vermutlich war dies der erste Ölwechsel im Leben des Chinakrachers. Das Foto kann kaum wiedergeben, wie zähflüssig die Brühe war. Ebensowenige wie das Bild, zum Glück, den Gestank wiedergeben kann, der von dieser Brühe ausging. 
Mit frischem Öl im Motor (und natürlich auch einem neuen Ölsieb) blieb nur noch das Getriebeöl übrig um das Motorkapitel zu beenden. 
Im Getriebe war nichts mehr, das auch nur Ansatzweise an Öl errinnert. Die honigzähe, nach faulen Eiern stinkende, grüne Mumpe durch vernünftiges SAE80 zu ersetzen war sicher auch kein Luxus. Der Motor sollte so auf jeden Fall wieder fit sein um noch ein bisschen zu laufen. Im Übrigen ist seit dem Ölwechsel der Leerlauf des Motors erheblich besser und er läuft mechanisch erheblich leiser. 

Zeit sich der restlichen Technik zuzuwenden. Angefangen mit dem Scheinwerfer, der ja durch den Umfaller beim Sturm in Freiberg zerbrochen war. 
Mechanisch passte der neue Scheinwerfer dann auch problemlos in die Lenkermaske, etwas das man bei Chinarollern auch nicht immer erwarten kann. Allerdings ließ er sich nicht an den Roller anschließen, denn die Stecker von Kabelbaum und Scheinwerfer erwiesen sich als nicht kompatibel. 
Das die Kabelabzweige für Masse und Standlicht am neuen (!) Scheinwerfer einfach nur zusammengezwirbelt und mit Elektrikertape umwickelt waren, anstatt sie zu verlöten war da auch nicht mehr so schlimm. Denn der mitgelieferte Stecker fiel sowieso dem Seitenschneider zum Opfer. 
Den zum Kabelbaum passenden Stecker des alten Scheinwerfers habe ich dann auch noch, mit etwas Kabelrest, amputiert und zum ausklinkeln der Leitungsbelegung genutzt. 
Der Rest war dann mit etwas Lötkolbenaction und Schrumpfschlauch sauber und problemlos, vor allem aber wesentlich hochwertiger als die Chinalösung, zu erledigen. 
Eine weitere Baustelle, an der eigentlich alle Chinaroller kranken, sind vergilbte Tachogläser. Ich hasse das, denn es sieht nicht nur mega-räudig aus, sondern ist auch bei schlechter Sicht oder Nachts ein Problem, denn die gelbliche und meist total zerkratzte Scheibe beeinträchtigt die Lesbarkeit des Instruments enorm. Zum Glück sind die Scheiben billig und schnell zu tauschen. 
Die Gegenüberstellung zeigt, wie fertig auch die Scheibe vom Sprit schon war. Gut, ich habe schon schlimmere gesehen, aber unschön ist es trotzdem. 
Bevor ich dann den Lenker wieder zusammenbauen konnte ging es noch an zwei weitere Kleinbaustellen unter der Lenkermaske. Zum Einen den defekten Bremslichtschalter der Vorderradbremse...

... und zum Anderen den abgebrochenen, linken Bremshebel.

Abgebrochene Hebel sind auch so ein Hassobjekt von mir. Viele Rollerfahrer fahren einfach damit herum, nicht wissend, dass sie damit Hebelkraft und somit Bremsleistung verschenken. Etwas, dass in kritischen Situationen durchaus gefährlich werden kann. Davon, dass ein abgebrochener, scharfkantiger Hebel ein Verletzungsrisiko für sich ist ganz zu schweigen. 
Aber egal, mein Chinakracher hat jetzt wieder zwei intakte Bremshebel. Zeit ihn endgültig zusammenzubauen und diesen Sieg über die minderwertige Kreatur zu genießen. Aber so ganz kampflos wollte er dann doch nicht aufgeben. Bei den letzten Tests funktionierte plötzlich die Tankanzeige nicht mehr. Ursache: ein defekter Tankgeber. Das Teil ist ganz frisch verreckt, aber es hilft nichts. Baustopp bis Ersatz besorgt ist. 
Immerhin, der Roller steht zu zweidrittel montiert und optisch soweit komplett in der Werkstatt. Das Ziel ist in Sicht und bei der Bestellung des Tankgebers werde ich genauer aufpassen welche Versandart ausgewählt ist. 





 






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