Sonntag, 24. April 2016

Fahrzeugportrait: Piaggio Vespa PK 50 (XL1)

Wenn der Wunsch nach „einer alten Vespa mit rundem Licht“ aufkommt, ist für viele eine PK50 die erste Wahl. Die kleine Baureihe der 80er und 90er Jahre ist für Leute mit PKW-Führerschein heute der günstigste Einstieg in die Vespawelt.
Insbesondere die zweite Modellgeneration XL1 ist hierbei von interesse, denn die meisten angebotenen Exemplare entstammen dieser Baureihe. 



Grundsätzliches zur Vespa PK50 XL1
Die PK50 wurde von 1983 bis 1996 in verschiedenen Modellgenerationen und -varianten Produziert. Diese Varianten unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander und haben bis auf den Namen wenig gemeinsam.
Hier soll es primär um die PK50 der zweiten Generation, die Baureihe XL gehen. Zur Unterscheidung zur späteren, weitreichend veränderten Baureihe XL2 meist als XL1 bezeichnet. Einige Aussagen treffen jedoch auch auf die älteren bzw. neueren Versionen zu.
Anders als das Urmodell PK50 sowie die erweiterte „Sportvarianten“ PK50S, ist die XL1 heute noch recht häufig zu sehen. Sie stellt rein zahlenmäßig das Gros der vorhandenen Roller der PK-Baureihe.

Motor und Antrieb
Der Motor der PK ist eine weiterentwickelte Version des Motors aus der legendären Vespa 50. Es handelt sich um einen luftgekühlten, drehschiebergesteuerten Zweitaktmotor. Der Zylinder ist stehend angeordnet, was den Motor schon rein optisch von den großen Baureihen unterscheidet.Die Leistung beträgt etwa 2kW, je nach Modelljahr und Ausführung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt, je nach Baujahr, bei 40 oder 50km/h.

Anders als die V50 und frühere PK-Modelle verfügt die PK50 XL1 über kontaktlose Zündung und 12V Bordelektrik. Einen Elektrostarter gab es gegen Aufpreis ebenfalls. Für einige Märkte war ein Sparmodell mit Minimalelektrik (keine Tankuhr und keine Blinker) lieferbar. Der Antrieb erfolgt über das, für Vespas typische, vom linken Lenkergriff aus geschaltete Getriebe. Für die PK standen Getriebe mit vier und mit drei Gängen zur Verfügung. Zudem war eine Automatikgetriebeversion lieferbar die in diesem Bericht aber außen vor bleiben muss. Die sogenannte Automatika unterscheidet sich vom Normalmodell zu sehr, das würde hier den Rahmen sprengen. Anders als das mit einem Ziehkeil ausgerüstete Getriebe der großen Baureihen ist das Getriebe der PK klauengeschaltet. Es ist daher leichtgängiger und präziser als das der großen Baureihen.

Für den Kraftschluss sorgt eine Mehrscheibenkupplung die im Ölsumpf des Getriebes läuft.


Fahrwerk und Bremsen
Das Fahrwerk der PK50 ist genau so aufgebaut wie man es von einer Vespa erwartet. Die selbsttragende Stahlblechkarosserie nimmt vorne die Gabel mit der gezogenen Einarmschwinge auf. Hinten stützt sich ein einzelnes Federbein auf der Treibsatzschwinge ab. Die bewusst komfortbetonte Federung macht, zusammen mit der bequemen, sehr aufrecht sitzenden, Ergonomie die PK zu einem angenehmen Begleiter im Alltag.

Die Bremsen erfüllen leider ebenso die, geringen, Erwartungen des Vespakenners. Die originalen Trommelbremsen der PK sind über Seilzüge betätigt und wenig wirksam. Zwar bringen sie den Roller stets sicher zum stehen, doch kann Dosierbarkeit und Effektivwirkung im heutigen Straßenverkehr nicht mehr als zeitgemäß gelten. Eine Scheibenbremse am Vorderrad gab es ab Werk nie, sie kann jedoch als (nicht ganz billige) Nachrüstlösung eingebaut werden.

Fahrverhalten und Fahrleistungen
Die PK gibt sich betont komfortabel. Sportliche Fahrweise wird nicht unterstützt oder gefördert. Die langen, weichen Federelemente lassen den Roller in schnellen Wechselkurven aufschaukeln und machen ihn im Grenzbereich instabil. Sportfahrer gehören daher zu den treuen Kunden jener Firmen, die Sportfahrwerksteile für Vespas anbieten.
Im Alltagsgebrauch gibt sich der Roller träge, aber narrensicher und absolut verlässlich. Die Fahrleistungen der PK können mit modernen 50er Rollern nicht mithalten. Sie ist träger und langsamer als die neumodische Automatikflotte. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Der Vespafahrer kann sich damit arrangieren und genießt die bewusst zelebrierte Entschleunigung oder er rüstet nach. Es sind Motorumbauten jeder Ausprägung mit zugekauften Teilen möglich.

Die PK50 XL1 im Alltagsgebrauch
Im Alltag erfreut der Roller vor allem mit enormer Zuverlässigkeit. Im Normfall genüg ein Tritt auf den Kickstarter um den Motor zum Leben zu erwecken. Der Wetterschutz ist, auch dies eine typische Vespatugend, sehr gut. Das breite und hohe Beinschild hält die Beine des Fahrers aus dem Wind und schützt vor Spritzwasser. Wer bei schlechtem Wetter oder im Winter fährt, weiß ein Windschild zu schätzen.
Stauraum bietet der Roller ab Werk wenig. Das Handschuhfach schluckt den nötigen Kleinkram und das kleine Fach vor dem Tank (unter der Sitzbank) etwas Werkzeug. Gepäckträger für vorne und hinten, sowie ein Topcase gibt es im Zubehör. So gerüstet bewältigt die PK dann alle Transportaufgaben des Alltags.
Beim abstellen erfreut der gute Hauptständer des leichten Rollers. Dieser lässt sich von beiden Seiten aus problemlos bedienen. Wer es noch bequemer möchte kann einen Seitenständer montieren.

Die Unterhaltskosten sind erfreulich niedrig. Die Wartung ist einfach und kostengünstig, der Treibstoffverbrauch sollte zwischen zwei und drei Litern liegen, verbraucht der Roller mehr ist er entweder frisiert oder in technisch schlechtem Zustand. Die Reifen der, auch heute noch verbreiteten, Dimension 3.00-10 sind günstig und in großer Auswahl zu bekommen. Durch das niedrige Gewicht und die relativ geringe Leistung des Rollers halten sie sehr lange.

Schwächen
Die PK könnte ein Roller ohne Schwächen sein, wenn sie nicht an den klassischen Vespaproblemen kranken würde:

Getrenntschmierung
Die PK50 war zeitweise auch mit Getrenntschmierung lieferbar. Dieses System funktionierte jedoch nie zufriedenstellend. Entweder wird zu viel Öl beigemischt oder (viel schlimmer) gar keines. Entsprechend viele Roller wurden daher bereits auf Mischungsbetrieb umgerüstet.

Rost
Die Karosserie der PK50 war ab Werk nie versiegelt. Roller die im Winter gefahren wurden sind daher oft stark vergammelt. Gefährlich ist vor allem der Bereich um die hintere Federbeinaufnahme. Zur Kontrolle muss der Tank ausgebaut werden, etwas das der Kaufinteressent unbedingt tun sollte wenn der Verkäufer es erlaubt (tut er dies nicht, weiß er oft genau warum!). Ein in diesem Bereich durchgerosteter Roller ist nicht mehr verkehrssicher. Eine Instandsetzung ist extrem aufwändig und wirtschaftlich nicht lohnend.
Grundsätzlich sollte jede PK nach dem Kauf gründlich versiegelt werden.

Ölverlust
Der Motor neigt zum „sabbern“ was ihm in vielen Fällen nie vollständig abgewöhnt werden kann. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die regelmäßige Kontrolle des Getriebeölstands ist daher sehr wichtig.

Vorsicht mit Italienimporten
Oft werden Roller angeboten die frisch aus Italien importiert wurden. Diese sollte nur kaufen wer genau weiß was er tut!
Die Italienischen PK50 haben oft nur das unbeliebte Dreiganggetriebe. Zudem sind sie stets mit einer Einzelsitzbank statt der „deutschen“ Zweimannbank ausgerüstet. Sind keine Fahrzeugpapiere dabei, sollte kontrolliert werden, ob die Fahrgestellnummer noch lesbar ist. Ist sie abgeschnitten oder ausgeschliffen wurde der Roller in Italien wahrscheinlich als verschrottet gemeldet. Ein solches Fahrzeug in Deutschland legal auf die Straße zu bringen kann sehr langwierig, aufwändig und teuer werden. Der Preisvorteil der vermeintlich günstigen Importe ist dann meist mehr als aufgezehrt.

Fazit
Als Alltagsklassiker und solide Einsteigervespa ist die PK50 genau das Richtige. Sie hat den Charme der klassischen Modelle, jedoch bereits die Zuverlässigkeit und Solidität moderner Fahrzeuge. Der direkte Vergleich mit modernen Rollern hinkt zwangsläufig. Ihn sollte man erst gar nicht ziehen.

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