Montag, 22. Februar 2016

die Flamme weiter tragen, oder: das Vermächtniss eines Rollerfahrers

Es ist eine Erfahrung, die ich immer wieder mache und die mein Leben jedes Mal aufs neue Bereichert. Die Rollerei, egal ob es ums Fahren, Schrauben oder Sammeln geht, bringt einen ständig mit neuen, interessanten und zumeist sehr liebenswerten Menschen zusammen. Ein solcher Mensch war auch Horst, den ich vor einigen Jahren durch Zufall an einer Tankstelle kennengelernt habe. Horst war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre in Rente und genoss diesen Zustand sichtlich. Obwohl er nicht besonders viel Geld hatte, war er ein ausgesprochen zufriedener Mensch. Einer jener Zeitgenossen, die ihr inneres Glück nach aussen abstrahlen. Zu diesem Glück trug ein ungewöhnlicher Weggefährte in Horsts Leben bei: ein Pegasus Sky 25. Ursprünglich hatte er den Mofaroller gekauft um damit die Wege des täglichen Lebens zu erledigen, aber schnell Spaß daran gefunden auch einmal eine längere Strecke damit zurück zu legen. Letztendlich besuchte er sogar mehrfach seine Schwester, die seit den 60er Jahren in Paris lebt, mit dem Roller. Für einen Mitsiebziger ohne jedes technisches Wissen oder Schraubertalent eine stolze Leistung, noch dazu wenn das Fahrzeug der Wahl ein komplett im Originalzustand belassener Mofaroller ist. 

Die Tankstellenbegegnung, die nur die Erste von vielen war, liegt jetzt bereits 11 Jahre zurück. Seither hat er mit dem Roller nicht nur Paris bereist, er war damit auch in der Heimat seiner Eltern, Ostpreußen, in Süditalien und an diverse anderen persönlichen Traumzielen. Der kleine Roller hat sich dabei stets als robust und zuverlässig erwiesen und ihn nie im Stich gelassen. Knapp 110.000km sind so zusammengekommen. 

Leider fordert das Alter auch von Rollerfans seinen Tribut und so war Horst die letzten zwei Jahre nicht mehr in der Lage seinen Sky zu fahren. Dieser fristete seither ein trauriges Dasein unter einer Plane in seinem Garten. Leider habe ich vor einigen Wochen erfahren, dass Horst eine letzte Reise angetreten hat, eine auf die ihn der Roller nicht begleiten kann, auch wenn er sich dies sicher gewünscht hätte. Umsomehr freute mich der Anruf, der mich heute Morgen ereilte. Horsts Schwester ist aus Paris angereist um den Nachlass ihres Bruders durchzusehen. Dabei fand sie einen Zettel mit meiner  Telefonnummer und dem Hinweis, dass ich derjenige sei, der sich immer wieder um den Roller gekümmert habe. Das für sie wertlose Fahrzeug, von dem sie jedoch weiß wie viel es ihrem Bruder bedeutet hat, hat sie mir als Geschenk angeboten. Ein Angebot, das ich natürlich sehr gerne angenommen habe. 

Jetzt steht der Sky also in meiner Garage. Er ist nach den zwei Jahren im Garten natürlich nicht mehr fahrtauglich und muss gründlich durchgesehen werden. Ehrlich geagt habe ich auch schon überlegt, ihn im jetzigen Zustand zu belassen und nur zu verwahren. Aber das ist nicht das Richtige. Der Roller muss wieder fahren, auch mit dem Tacho "auf der zweiten Runde" und diverse "Kampfspuren" der vielen Kilometer und Abenteuer mit 25km/h. Eventuell gelingt es mir ja auch, ihn an einen Sammler oder Tourenfahrer zu vermitteln, der dafür sorgt das die Geschichte dieses Rollers weiter geht, auch wenn es "nur" ein alter Sky ist, dieser Roller hat doch eine ganz besondere Geschichte zu erzählen.

Tatsächlich ist es mir sogar gelungen, den Motor zum laufen zu bringen und einige Meter damit zu fahren. Allerdings funktionieren die Bremsen nicht mehr richtig und der Auspuff ist, wohl durch die lange Standzeit im hohen Gras, durchgerostet.

Mal sehen was daraus wird ...








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