Sonntag, 20. August 2017

Klingonenkreuzer: manchmal ist kleiner besser

Es ist schon ärgerlich, da denkt man, dass man den Roller für die Reise fertig hat und dann passiert sowas:
Ein Missgeschick beim Rangieren mit der Ape hat leider dem Zusatzrücklich das Leben gekostet. Eigentlich wollte ich ja mit den beiden Lampen aus der Wühlkiste die Tour bestreiten und dann in Ruhe eine Dauerlösung finden, aber gut, das sollte halt einfach nicht so sein.

Das Hauptproblem war nur, dass die beiden Zusatzleuchten natürlich Löcher im Topcase hinterließen.
Ein Umstand, der einmal mehr den Einsatz von Blechresten und Popnieten bedeutete.
Das Stahlblech ist zusätzlich mit Karosseriedichtmasse angeklebt, somit sollte das eigentlich dicht sein. 
Dran ist jetzt ein "Koso Nano" Miniaturrückicht. Trotz der geringen Größe ist das Ding sehr hell und völlig ausreichend. Das es zudem dank LED-Technik die Rollerelektrik entlastet ist natürlich auch nicht schlecht. 
Nachdem das Rücklicht dran war, habe ich noch die Kabelführung im Inneren des Topcase mit Karosseriemasse abgedichtet und dann alles abgeklebt. Denn am Klingonenkreuzer will ich eigentlich keinen Rostlook haben. Das verzinkte Blech wurde darum mit Aluspray angeglichen. 
Auf dem Foto sticht es mehr raus als in Wirklichkeit. Mir gefällt das so, das ist jetzt eben die Dauerlösung, die eigentlich erst nach der Tour dran sollte. Hoffentlich ist jetzt aber wirklich Feierabend mit Neosschrauben vor der Tour. 







Samstag, 19. August 2017

Schraubertipps: Kupplungswechsel beim Automatikroller

Die Kupplung gehört zu den am stärksten belasteten Bauteilen im Antrieb eines Fahrzeugs. Sie stellt den Kraftschluss zwischen Motor und Antrieb her und muss Kräfte aus zwei Richtungen aushalten. Zum Einen ist dies die Kraft des Motors und zum Anderen die der Motorkraft entgegenwirkende Kraft der Fahrwiderstände. 
Irgendwann ist sie darum verschlissen, was sich entweder in einem Abwürgen des Motors beim Anhalten (Kupplung trennt nicht mehr) oder dem völligen Verlust des Kraftschlusses (Kupplung greift nicht mehr) äußert. Es ist daher sinnvoll, die Kupplung regelmäßig zu prüfen und bereits vor dem Erreichen der absoluten Verschleißgrenze zu wechseln. Diese Anleitung geht davon aus, dass die Einheit aus Wandler und Kupplung demontiert ist, wie das geht wird in einer gesonderten Anleitung in den Schraubertipps erläutert. 

Achtung:
Die Kupplung sowie der Wandler enthalten bei den meisten Automatikrollern mehrere, sehr starke Federn. Es ist größte Vorsicht im Umgang mit diesen Federn geboten, da es leicht zu Verletzungen durch die Federkraft kommen kann!

Funktionsweise der Fliehkraftkupplung
Die Fliehkraftkupplung ist fest mit dem Wandler (getriebe Riemenschiebe) verbunden. Dieser wird druch den Motor in Drehung versetzt. Dadurch wirken Fliehkräfte auf die Backen der Kupplung und treiben diese nach außen. So wird der Kraftschluss zur Kupplungsglocke, die fest mit dem Endantrieb verbunden ist, hergestellt. 
Der Fliehkraft wirkt die Kraft der Kupplungsfedern entgegen. Deren Stärke bestimmt, bei welcher Drehzahl der Kraftschluss hergestellt wird und der Roller anfährt. Grundsätzlich gilt, dass diese Drehzahl umso höher ist, je stärker (härter) diese Federn gewählt werden. 

 
Bei leistungsgesteigerten Motoren müssen daher fast immer diese Federn gewechselt werden. Denn die Anfahrdrehzahl bestimmt zu einem wesentlichen Teil, wie schnell der Motor den optimalen Drehzahlbereich erreicht und ist somit von entscheidender Bedeutung für das Fahrverhalten der Maschine.


Lösen der Kupplung vom Wandler
Um die Kupplung vom Wandler zu trennen, muss zunächst die Zentralmutter gelöst werden. Hierzu kann ein passender Schraubenschlüssel verwendet werden. Es gibt jedoch auch spezielle, besonders robust ausgeführte, Schlüssel für diese Arbeit. Diese sind meist auch zum Gegenhalten der Kupplungsglocke beim Ausbau der kompletten Einheit aus dem Fahrzeug geeignet. 

Um die Kupplung besser gegenhalten zu können, eignet sich ein Ölfilterschlüssel mit festsetzbarem Band besonders gut. Alternativ kann die Kupplung auch im Schraubstock eingespannt werden (Holz zwischenlegen um die Backen nicht zu beschädigen!). 

In jedem Fall ist hier größte Vorsicht geboten! Denn zwischen Kupplung und Wandler befindet sich die, sehr starke, Gegendruckfeder. Die Kupplung muss während der gesamten Arbeiten fest niedergedrückt werden, sonst kann sie hochgeschleudert werden! Es begeht großes Unfallrisiko!
 
Bei Fahrzeugen >50cm³ ist daher ein entsprechender Kupplungshalter bzw. Federdrücker zu empfehlen. Dieser ist bei größeren Rollern zum späteren Zusammenbau der Einheit unerlässlich. 
Wenn die Zentralmutter gelöst ist, können Kupplung und Gegendruckfeder vom Wandler abgenommen werden. Auch die Feder ist ein Verschleißteil, dass bei dieser Gelegenheit genau geprüft werden muss. Ist sie gebrochen oder erlahmt, muss sie ausgetauscht werden.

Prüfung der Kupplung
Die Kupplung ist dann verschlissen, wenn der Belag der Kupplungsbacken eine Stärke von ca. 1mm erreicht hat. Einige Hersteller schreiben andere Mindestbelagstärken vor, die entsprechenden Informationen findet man ggf. im Werkstatthandbuch. 
Auch die Kupplungsfedern können verschleißen oder brechen. Gerade bei älteren Rollern sollten sie daher kontrolliert werden. 

Einbau der Kupplung
Logischerweise erfolgt der Einbau in umgekehrter Reihenfolge der Demontage. Es ist jedoch zu beachten, dass die Gegendruckfeder gerade und gleichmäßig komprimiert werden muss. Die Kupplung wird hierzu senkrecht auf den flach liegenden Wandler niedergedrückt. Dies kann entweder mit einem geeigneten Spezialwerkzeug oder von Hand, idealerweise mit beiden Händen, geschehen. Dann ist natürlich eine zweite Person zum Aufsetzen der Kupplungsmutter notwendig. 
primitiver, selbstgebauter Kupplungsdrücker im Einsatz
Die Zentralmutter sollte zusätzlich mit Schraubensicherungskleber gesichert werden. Die meisten Fahrzeughersteller geben für diese Mutter ein besonderes Drehmoment vor, daran sollte man sich halten. Eine entsprechend große Nuss für den Drehmomentschlüssel ist daher auch erforderlich (übliche Schlüsselweiten liegen zwischen 28 und 35mm). 




 

Freitag, 18. August 2017

Klingonenkreuzer: letzte Details

Heute war es Zeit, den Klingonenkreuzer zum (hoffentlich) letzten Werkstattaufenthalt vor der Tour zu bringen. 
Geplant waren eigentlich nur ein neuer Luftfilter und der Frontträger. Das Variatordesaster vor ein paar Tagen machte aber auch noch neue Gewichte und einen neuen Riemen notwendig. Aber gut, so ist das eben ...
Immerhin zeigte sich beim Ausbau des alten Riemens, dass Kupplung und Glocke in einwandfreiem Zustand sind. 
Beide Teile stammen aus dem Schlachtrex und haben die Belastungen der Testfahrten mit dem Neos problemlos überstanden. 

Der alte Luftfilter hatte es aber definitiv hinter sich. Die Probefahrten auf teilweise unbefestigten Straßen hatten da deutlich ihre Spuren hinterlassen. Außerdem sieht man schön, warum zusätzliches Einölen des Luftfilters bei Zweitaktern unsinnig ist: Der Sprayback des Motors sorgt schon dafür, dass der Luftfilter nicht austrocknet. 
Die neue Matte in der gereinigten Airbox sollte für die Tour jetzt erstmal ausreichen. Zur Sicherheit reist aber natürlich ein Ersatzfilter mit. Den alten Antriebsriemen habe ich auch nicht weggeworfen, er darf als Notnagel unter der Sitzbank mitfahren.
Obligatorisch ist natürlich auch die Zündkerzenkontrolle. Diese fällt positiv aus, das Brennbild ist perfekt.
Den Frontträger habe ich jetzt auch wieder angebaut und dazu natürlich auch die Frontmaske gewechselt. Das schwarze Teil mit dem Klingonenlogo sieht natürlich cooler aus, aber für die Tour ist Funktion wichtiger als Aussehen. Der Träger ist natürlich ein experimenteller Prototyp. Auf Tour soll er den Packsack mit dem Zelt aufnehmen, dieses wiegt inklusive Zubehör etwas über zwei Kilo. Für die nächsten Testfahrten bekommt der Klingonenkreuzer darum ein Testgewicht auf Front.
Der alte Fünfliterkanister, gefüllt mit Wasser, ist schwerer als das Zelt und damit ein ideales Testgewicht. Zudem kann er drauf bleiben wenn der Roller irgendwo steht, das Ding wird schon kleiner klauen und wenn doch, dann ist es kein großer Verlust. Auf der Fahrt von der Werkstatt nach Hause hat der Träger jedenfalls problemlos funktioniert und die ersten Tests bestätigt. Ich bin aktuell recht optimistisch was das Ding angeht. 








Donnerstag, 17. August 2017

Luigi: die Magie des Moments

Manchmal erlebt man die coolsten Sachen dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Zum Beispiel heute, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. 
Neben mir an der Ampel stand ein alter, total abgefuckter Sprinter. Eine total verbeulte Karre die offenbar nur zu dem Zweck existiert, der Welt zu demonstrieren, wie lange der Rost braucht einen alten Lieferwagen zu fressen. Dieses Kunstwerk der Vergänglichkeit auf vier Rädern näher zu bewundern fehlte dann jedoch die Zeit, denn die Ampel zeigte wieder grünes Licht und selbst ein sehr alter Sprinter wird diesem Namen eher gerecht als meine Ape. Folglich zog der alte Kübel in einer beeindruckend dichten Rußwolke davon. 

Die Ampel an der sich dies zutrug ist zufällig die letzte vor dem Ortsausgang, danach kommt nur noch ein kurzer Abschnitt durch ein Neubaugebiet bevor die Landstraße beginnt. An jener Landstraße gibt es eine Parkbucht und in just dieser stand der Sprinter als ich mich der Stelle näherte. Neben dem Lieferwagen stand ein Mann in ausgewaschenen Latzhosen und einem ehemals vermutlich rosafarbenen T-Shirt. Er winkte und wollte mich offensichtlich zum Anhalten bewegen. Zunächst dachte ich, dass der Sprinter seinen letzten Diesel gesüffelt und endgültig die Reise in den großen Hochofen im Autohimmel angetreten hatte. Also hielt ich an und fragte nach dem Grund für den Stopp. 

Ich lag insofern daneben, als der Sprinterfahrer sein Fahrzeug freiwillig abgestellt hatte. Er wollte sich mit mir unterhalten, denn die Ape war ihm und seiner Freundin aufgefallen. Es entspann sich ein interessantes Gespräch, denn die Beiden sind Dauerreisende. Sie leben von ihren Computerkünsten, die sie über das Internet anbieten und damit ihren mobilen Lebensstil finanzieren. Tatsächlich ist der ehemalige Paketbus seit fast drei Jahren das Zuhause von Karolin und Michael aus Salzburg. So verlottert der Bus aussieht, innerlich ist er mit viel Liebe und handwerklichem Geschick zu einem gemütlichen Zuhause ausgebaut. Er ist somit vor allem ein blecherner Beweis dafür, dass man dem ersten Eindruck nicht trauen darf. Diese beiden unglaublich freien und innerlich gefestigten Erdenbürger sind wunderbar offene Menschen, von denen so mancher Zeitgenosse viel lernen kann. Einschließlich mir. 

Bei der Weiterfahrt ging mir vor allem durch den Kopf, dass die Ape, wieder einmal, die Tür zu wundervollen Menschen geöffnet hatte. Es zeigt sich hier, dass es manchmal sehr lohnend ist den Mut zu haben aus der Masse heraus zu stechen, nicht im allgemeinen Einheitsbrei unter zu gehen und zum Anderssein zu stehen. 


Mittwoch, 16. August 2017

Klingonenkreuzer: keine halben Sachen ...

Seit ein paar Tagen nervte ein leises Rasseln, das der Neos beim Beschleunigen von sich gab. Ein ungutes Geräusch, das ich nicht zuordnen konnte. Soetwas will ich vor einer großen Tour nicht haben, darum habe ich heute die Mittagspause genutzt und mir die Sache einmal angesehen.
Natürlich ist das die klassische Situation, in der man irgend einen gruseligen Scheiß findet. Dabei sah es im Variokasten zunächst recht ordentlich aus. Kein übermäßiger Abrieb, keine losen Teile. Allerdings lagen unter der Kupplung eine Kalottenführung sowie die traurigen Reste einer zweiten. 
Diese Teile befinden sich normalerweise ganz innen im Variator. Wenn sie lose im Antrieb umherirren ist das natürlich kein gutes Zeichen, also raus mit dem Variator. 
Zwei Kalottenführungen hatte ich ja schon gefunden, die Dritte fehlte jedoch gänzlich. Vermutlich hat sie die Mechanik des Antriebs "gefressen". Die Fliehgewichte erwiesen sich ebenfalls als völlig zerstört. Das ist kein Verschleiß im herkömmlichen Sinne, sondern es sind mechanische Schäden. Die Ursache dafür war auch recht schnell klar: Die Laufbuchse hatte sich in das Steigwerk gefressen, das nun mit viel zu viel Spiel lose umhereierte. 
Man sieht deutlich, wo die führungslose Kalotte das Steigwerk berührt hat. Hier liegt wohl die Ursache für das Rasseln. Erschreckend ist dabei vor allem, dass der Roller völlig unauffällig fuhr. 



Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist dem Motor zuzuhören. Ungewöhnliche Geräusche sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ja, gefahren ist der Neos noch gut, aber wie lange noch? Auf der Tour, also über extrem lange Strecken, wäre das sicher nicht gut gegangen. So war es mit einem anderen Variator aus dem Fundus erledigt. Zur Sicherheit gibt es vor der Tour noch neue Gewichte und einen neuen Riemen, denn 100%ig richtige Gewichte hatte ich nicht mehr da (4,3 statt 4,2 Gramm gehen zwar auch, aber ideal ist es nicht) und dem alten Riemen traue ich jetzt nicht mehr. 






Montag, 14. August 2017

Tour: auf verschlungenen Pfaden zu neuen Entdeckungen

Zweitaktfreunde-Stammtisch in Dasing, eine gute Gelegenheit für eine Rollertour. Nur gibt es da ein kleines Problem: Die absolut abenteuerliche Verkehrsführung in der Zielregion. Doch erstmal der Reihe nach: 
Die Strecke von Regensburg nach Dasing ist für mich soetwas wie eine persönliche Nemesis. Denn es ist eine schöne Strecke. Durch sanfte Landschaften mit weiten Wäldern und eleganten Ebenen. Dummweise wird sie von zwei "verbotenen" Straßen dominiert: Die Bundesstraßen 16 und 300 sind auf weiten Teilen Kraftfahrstraßen und somit für Fuffis verboten. Mal abgesehen davon, dass es wenig Spaß macht auf endlosen Geraden stundenlang den fernen Horizont anzustarren.
Der erste Streckenabschnitt ist dabei völlig problemlos. Von Regensburg aus auf der, hier noch erlaubten, B16 bis nach Saal an der Donau und dann auf Nebenstraßen nach Abensberg und Neustadt an der Donau. Diese Strecke führt durch sanftes Agrarland, dass regional typisch hauptsächlich zum Anbau von Hopfen genutzt wird. Ich hege eine stille Vorliebe für diese Pflanze, nicht nur weil sie die Grundlage für gutes Bier darstellt, sondern auch weil sie gut riecht. Ein warmer, noch regenfeuchter Sonntagnachmittag im August ist perfekt um langsam zwischen Hopfenfeldern zu rollern. Aus den grünen Reihen steigt der tiefe, würzige Geruch auf und lädt zum Verweilen ein.

Hinter Neustadt wird es dann zum ersten Mal schwierig. Der Abzweig in Richtung Mauern ist nicht beschildert, aber ich kenne ihn zum Glück und erreiche dann auch problemlos Münchsmünster. Dort kreuzt die Nebenstrecke die B16 und führt dann ab Geisenfeld als B300 weiter in Richtung Augsburg. Dieser erste Abschnitt der B300 ist keine Fernverkehrsstraße, sondern eine gemütliche Landstraße die sich durch Wälder und Felder windet. Keine Kraftfahrstraße und perfektes Rollerterrain obendrein. 
Kurz hinter Geisenfeld kreuzt die B300 die A9. Hier beginnt die Ausbaustrecke bis Augsburg, die fast durchgehend Kraftfahrstraße und teils autobahnartig ausgebaut ist. Kein Ort für einen Fuffiroller, weshalb ich nach Reichertshofen abbiege und den malerischen Ortskern durchquere. Hinter Reichertshofen beginnt ein abenteuerliches, grauenhaft schlecht beschildertes, Gewirr aus kleinen und kleinsten Nebenstraßen. Eine Gegend, die ohne Probleme zu durchqueren mir noch nie gelungen ist. Die geplante, direkte Route nach Steinerskirchen finde ich nicht, lande stattdessen ungeplant etwas nördlich in Karlskron. Von dort ist dann immerhin mein nächste Wegpunkt, die Ortschaft Klosterberg, beschildert. Kurze Zeit später zeigt sich, dass diese Straße aber wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Die Umleitung zielt, wie könnte es anders sein, auf die "verbotene" B300. Ich stehe ratlos in der Pampa und fahre nach Kompass. Irgendwo biege ich wohl falsch ab und stehe, buchstäblich, im Wald. Der befestigte Feldweg endet an einem Knüppelpfad durch einen lichten Wald, hinter dem ich aber bereits Häuser erkennen kann. Da es kein Verbotsschild gibt fahre ich einfach weiter.
Das Verbotsschild wäre auch unnötig, denn ein mehrspuriges Fahrzeug könnte diesen Weg nicht bewältigen. Immerhin finde ich durch Zufall eine versteckte Quelle. Das malerische Idyll, tief im Wald entschädigt für die Mühen und lädt zu einer kurzen Rast ein. 
Die Ortschaft die ich in der Ferne gesehen hatte heißt Brunnen, wieder bin ich in nördliche Richtung von meiner geplanten Route abgekommen. Immerhin, hier ist die Nebenstraße nach Schrobenhausen beschildert und ich folge ihr, dankbar wieder auf dem richtigen Kurs zu sein.

Bei den letzten Versuchen Schrobenhausen zu durchqueren ohne auf die B300 zu geraten, denn alle Wegweiser zielen auf die Hauptstraße, bin ich immer gescheitert. Diesmal gelingt es dank der Tipps eines Freundes. Die Trasse der Paartalbahn ist hier mein Wegweiser. Sie folgt in weiten Windungen dem kleinen Fluss durch eine malerische, offene Landschaft. Erstaunlich problemlos erreiche ich Aichach, die nächste größere Ortschaft. Kurz vorher hole ich sogar die bisher vermisste Sonne ein. 
Nach einer kurzen Pause gehe ich die Durchquerung der Kreisstadt an. Durch eine große Baustelle im Ortskern wird dies derzeit erschwert, gelingt dann aber doch recht problemlos. 
Hinter Aichach folgt ein Kreisverkehr mit sechs Ausfahrten, nur eine davon ist beschildert und führt, wie könnte es anders sein, kurze Zeit später auf die B300. Ich kehre um und probiere die nächste Ausfahrt, mit Erfolg denn die Straße führt mich über Obergriesbach nach Dasing. Dort folgen einige frohe Stunden mit guten Freunden, bevor ich mich auf den Rückweg nach Regensburg mache. 

Auf dem Rückweg finde ich problemlos die Route der Anreise wieder und erreiche erstaunlich schnell Schrobenhausen. Langsam wird es dunkel und ich beeile mich weiter zu kommen. Eile führt jedoch zu fehlern und irgend einen Abzweig habe ich darum auch übersehen. Ich lande wieder im Donaumoos bei Karlskron, den Wegweiser nach Reichertshofen finde ich nicht und fahre darum weiter nach Ingolstadt. Kurz vorher biege ich Richtung Manching ab. 
In einem Feld kurz vor der Ortschaft steht ein alter Militärlastwagen. Wie er dort hingekommen ist weiß ich nicht, im langsm schwindenden Abendlicht bietet er jedoch eine surreale Kulisse für eine kurze Pause. 
Ab Manching beginnt wieder gut bekanntes Gelände. Die Ortschaft Ernsgaden ist mein letzter Wegpunkt vor Münchsmünster. Von dort geht es auf dem Weg der Anfahrt zurück nach Regensburg. 
Das Fazit: Knapp 330 sehr gute Testkilometer, die der Neos problemlos bewältigt hat. Meine Streckenprobleme in dieser Gegend sind etwas weniger geworden, aber wirklich zufrieden bin ich nicht. Allerdings bin ich etwas zuversichtlicher, denn die Anreise zur großen Tour im September wird auch hierentlang führen. Mal sehen, was ich dann beim Verfahren entdecke.




Samstag, 12. August 2017

ProjectX: neue Energie

Bevor es auf Tour geht, sollten eigentlich alle Altlasten abgearbeitet sein. Darum bin ich heute noch die Zündung der Sfera angegangen. Immerhin stand der Roller jetzt auch schon wieder gut einen Monat in der Werkstatt. 
Grund für den Stillstand waren ja Zündungsprobleme bei der letzten Ausfahrt. Die uralte Schlachtzündung, die ich letztes Jahr in die Sfera gebaut hatte, war offenbar auch nicht mehr so arg gut. Darum sollte es jetzt geprüften Ersatz aus einem Unfallroller mit geringer Laufleistung geben. 
Optisch war der alte Zündanker dabei noch recht fit, erst eine nähere Begutachtung zeigte, dass hier einige alte Reparaturen begannen sich wieder aufzulösen.
Vermutlich hätte man das alte Ding sogar noch retten können, die komplette Zündung die ich aufgetrieben hatte einzubauen war aber einfacher und rein vom Gefühl her auch angenehmer. Tatsächlich zeigte die Probefahrt dann auch erhebliche Verbesserungen was Ansprechverhalten und Durchzug des Motors angeht. 
Der Roller läuft wieder richtig gut, als einziges Ärgerniss bleibt die immer noch spinnende Tankuhr. Diese hat jetzt beschlossen, dass der Tank immer leer ist, egal wie viel Sprit noch drin ist. Aber das habe ich dann doch auf "nach der Tour" vertagt ...






Montag, 7. August 2017

Klingonenkreuzer: Detailarbeiten und Werkzeugkasten

Die Testfahrten mit dem Neos in den letzten Wochen waren alle sehr positiv. Der Roller läuft stark, zuverlässig und sparsam. Es scheint, als seien die relevanten Schwachpunkte ausgemerzt, denn so gut fuhr das Ding schon seit Jahren nicht mehr. Es ist ein wirklich gutes Gefühl, wenn sich die Arbeit an einem Fahrzeug so auszahlt. Natürlich heißt das nicht, dass es nichts mehr zu schrauben gäbe, allerdings sind es jetzt nur noch Kleinigkeiten. 
Eine dieser Kleinigkeiten war ein vorsorglicher Zündkerzenwechsel. Die alte Kerze hatte nicht nur schon einige Kilometer drauf, sondern war auch durch die Abstimm- und Prüffahrten zusätzlich belastet, sicherer ist da ein Neuteil. Das zusammen mit der alten Kerze die Innereien des Kerzensteckers aus dem Roller kamen zeigte dann einmal mehr, wie wichtig Wartung ist. Einen neuen Kerzenstecker hatte ich zum Glück noch auf Lager, also kein Problem. 
Der nächste Schritt waren dann die Griffgummis, auch nicht wirklich weltbewegend aber für den Fahrkomfort wichtig, denn die alten Gummis waren stein hart und pappig geworden. Etwas das bei alten Griffgummis nunmal passiert. Es gibt dafür nur eine Lösung: weg damit und neu.
Die Entscheidung fiel auch hier wieder auf meine Lieblingsgriffe: Progrip Modell 601, also ergonomische Griffe aus dem Motorsportbereich. Die Dinger sind zwar teuer, liegen aber besser in der Hand als alle anderen Griffe die ich bisher getestet habe. 
Ebenfalls ein Komfortproblem sollte der nächste Eingriff beheben. Denn die Alubox hat einen so genannten "fliegenden Deckel", also einen Deckel, den man ohne weiteres aus den Scharnieren heben kann. Die Scharniere sind darum nur Blechlaschen, zum Abnehmen wird der Deckel einfach nach links geschoben. Dummerweise neigt sich der Roller auf dem Seitenständer nach links, der Deckel fällt dann fast jedes Mal aus den Scharnieren wenn man ihn öffnet. Einfach nur nervig, aber zum Glück leicht zu lösen.
Es muss ja nur ein Anschlag geschaffen werden, der den Deckel am herausrutschen hindert. Der simpelste Anschlag ist dabei einfach ein Schraubenkopf. 
Die billigste und minderwertigste M8-Schraube aus der Wühlkiste ist für diesen Job gerade schlecht genug. Von innen noch eine Mutter drauf, den Überstand abflexen und fertig. Der Deckel hält und Speedgurus Nervenkostüm wird geschont, perfekt!
Die nächste Sache war dann schon etwas größer, zumindest was den Arbeitsaufwand betraf. Ich wollte nämlich ein Problem lösen, das im Grunde selbst geschaffen war. Durch den Umbau auf die Alubox als Topcase war mein Werkzeugfach im Deckel des alten Givicase weggefallen. Allerdings will ich mein Bordwerkzeug weder in den Seitenkoffern noch im Helmfach haben und im Topcase auch nicht. Das hat vor allem den Grund, dass das Werkzeug eigentlich immer dreckig ist und mir mein restliches Reisegepäck versauen würde. Außerdem ist es schön, wenn das Zeug im Fall der Fälle sofort griffbereit ist. 
Eine alte Munitionskiste, die schoneinmal an einem Roller als Werkzeugbox diente, lag noch im Regal und sollte jetzt zum Dienst an Bord des Klingonenkreuzers antreten. Allerdings waren dazu nocheinmal einige Umbauten notwendig. 
Das Einfachste war dabei noch, die Box seitlich an das Topcase zu setzen. Dazu konnte ich sogar den alten Abstandshalter der noch dran war verwenden. Rein technisch wäre es damit schon getan gewesen, allerdings hätte so jeder Zugriff auf das Werkzeug gehabt, darum musste noch eine Absperrvorrichtung her. 
Zu diesem Zweck musste die Munkiste erstmal etwas Blech lassen, denn die Schrauben für den Riegel brauchen ja Platz. 
Ein passender Riegel fand sich dann noch in der Wühlkiste. Die Schrauben sind von innen mit Muttern befestigt, die anschließends mit dem Schaft der Schraube verschweißt wurden. Somit ist nicht nur sichergestellt, dass niemand den Riegel einfach abschraubt, sondern auch ein Losrütteln der Schrauben während der Fahrt verhindert. 
Da der Militärlook der Kiste so rein garnicht zum Klingonenkreuzer passt (achtung Ironie, aber es ist nunmal so), durfte anschließend noch die Schruppscheibe kreisen. Vor allem wollte ich die beiden eisernen Kreuze und den "Luftwaffe" Schriftzug loswerden. Dies vor allem weil die Franzosen etwas empfindlich sind, wenn es um die deutsche Geschichte geht. Ein Missverständnis wegen der Symbole und des Schriftzugs wäre schade, also weg damit.
Anschließend bekam die Box eine grobe Dusche mit schwarzem Lack, was ja immer geht und weniger martialisch aussieht als Olivgrün. Die Trocknungszeit des Lacks habe ich aber auch genutzt und meine Fertigkeiten im Scherenschnitt geübt.
Ein aufgesprayter Schriftzug in einer Leuchtfarbe wird zusätzlich verhindern, dass jemand die Kiste zum Anlass nimmt mir die Fremdenlegion auf den Hals zu hetzen. Zudem sieht es cool aus.
Darüber lässt sich dann schon eher reden. So durfte die nun zivilisierte Munkiste endgültig an den Roller. 
Das kleine Vorhängeschloss ist nur eine Übergangslösung, da muss was besseres hin. Aber das Werkzeug ist jetzt sauber und dank eines Filzbeutels auch klapperfrei verstaut. So gefällt mir das richtig gut.