Freitag, 21. Juli 2017

Schraubertipps: Fehlersuchhilfe "Motor springt nicht an"

Zu den ärgerlichsten Problemen gehört es, wenn der Motor des Rollers versagt und nicht mehr anspringt. Die nachfolgende Aufstellung soll dabei helfen den Fehler einzugrenzen. Dies ist keine vollständige Anleitung, sondern soll nur eine Übersicht bieten. Insbesondere zur ersten Diagnose eines Problems am Straßenrand.

Grundsätzliches:
Letztlich kann man "nicht mehr anspringen" in drei Kategorieren einteilen. Die erste ist das Problem, dass der Motor nach einer kurzen Standzeit (wenige Stunden bis einige Wochen) nicht mehr in Gang zu setzen ist. Die zweite ist ein Motor, der nach langer Standzeit versagt und die dritte, dass der Motor während der Fahrt ausgegangen ist und nicht mehr anspringt. 
Hier soll es vor allem um die erste und dritte Kategorie gehen, zur Wiederinbetriebnahme von Fahrzeugen nach langer Standzeit gibt es in den Schraubertipps eine eigenständige Anleitung die auf einige Besonderheiten hinweist.

Prüfung der Rahmenbedingungen:
Damit ein Verbrennungsmotor anspringen kann, müssen einige grundsätzliche Bedingungen erfüllt sein. Zum Einen benötigt der Motor Kraftstoff der richtigen Art und Qualität und Luft. Aus Kraftstoff und Luft wird ein zündfähiges Gemisch, das dann verdichtet und von einer Zündquelle entzündet wird. Die dabei entstehenden Abgase müssen schnell und vollständig abgeführt werden, da sie eine erneute Verbrennung behindern würden. 
Darüber hinaus muss der Motor natürlich mechanisch freigängig sein, sprich er muss sich durchdrehen lassen. Ein mechanisches Blockieren (durch Kolbenfresser, Lagerschaden ect.) ist hier jedoch nicht Thema und wird daher ausgelassen, die nachfolgenden Hinweise gehen davon aus, dass der Motor mechanisch freigängig ist.

Aus den oben genannten Anforderungen ergeben sich die folgenden fünf Prüffragen:
  1. Ist ausreichend und richtiger Kraftstoff vorhanden und kommt er am Motor an?
  2. Bekommt der Motor Luft?
  3. Ist eine Zündquelle vorhanden?
  4. Ist die Verdichtung ausreichend?
  5. Können die Abgase ausgestoßen werden? 
Prüfung des Kraftstoffsystems:
Hier gilt der erste Blick der Zündkerze. Ist diese trocken oder leicht feucht? Im Normalfall ist die Elektrode der Zündkerze nach einigen erfolglosen Startversuchen leicht feucht. Ist sie dies nicht, so besteht der Verdacht, dass der Motor keinen Treibstoff bekommt.
Der erste Schritt ist immer ein Blick in den Tank. So kann zum Einen ausgeschlossen werden, dass der Tank leergefahren wurde (manchmal unbemerkt durch eine defekte Tankanzeige) und auch ein, im Tank entstandener Unterdruck (verstopfte Tankentlüftung) als Fehler geprüft werden. Lässt sich der Tank nur schwer aufschrauben und zischt es wohlmöglich beim Öffnen, hat sich im Tank ein Unterdruck gebildet, der den Kraftstofffluss behindern oder gar ganz unterbrechen kann. In so einem Fall versucht man den Motor mit geöffnetem Tankdeckel zu starten, springt er nun an muss zur Beseitigung des Problems die Tankentlüftung gereinigt werden. 

Bringt dieser einfache Test keine Besserung, so muss die restliche Treibstoffversorgung untersucht werden. Unter anderem sind der Benzinhahn und der Vergaser zu prüfen, dazu bitte die entsprechenden Anleitungen in den Schraubertipps beachten.

Prüfung der Luftversorgung:
Auch hier ist die Zündkerze der erste Ansatzpunkt. Ist sie völlig verschmiert und verölt, bzw. mit Verbrennungsrückständen verkrustet kann dies auf einen Mangel an Luft hinweisen. 
In solchen Fällen sollte zunächst die Zündkerze gereinigt und dann der Luftfilter geprüft werden. Der Einastz muss frei und sauber sein, je nach Verschmutzungsgrad muss er ggf. gereinigt oder ausgetauscht werden. 

Prüfung der Zündung:
VORSICHT: Die Zündanlage arbeitet mit Hochspannung! Bei Arbeiten an der Zündanlage ist größte Vorsicht geboten!

Wenn der Motor trotz ausreichender Versorgung mit Treibstoff und Luft nicht anspringt, so ist die Zündung eine wahrscheinliche Fehlerquelle. Der grundlegendste Test der Funktionsprüfung ist hier eine so genannte Funkenprobe.
Hier wird die Zündkerze herausgenommen und in den Kerzenstecker gesteckt. Anschließend legt man die Zündkerze mit dem Metallteil auf Masse (Fahrzeugrahmen oder Motorblock) und betätigt den Anlasser bzw. tritt auf den Kickstarter. Jetzt muss ein Funke zwischen den Elektroden der Zündkerze überspringen. Ist dies nicht der Fall, so ist die Zündanlage nicht in Ordnung. Im einfachsten Fall sind die Zündkerze oder der Zündkerzenstecker defekt. Beides sind Dinge,die sich übrigens immer im Bordwerkzeug befinden sollten.

Prüfung der Verdichtung:
Als nächste Prüfung bleibt die Verdichtungsprobe. Wenn keine Messuhr zur Hand ist, so kann als grobe Probe einfach die Zündkerzenbohrung mit dem Finger zugehalten werden. Beim durchdrehen des Motors (Anlasser oder Kickstarter) muss dann ein sehr deutlicher Druck spürbar werden. 
Natürlich ist dies nur eine grobe Prüfung, im Zweifelsfalle muss der Kompressionsdruck mit einem geeigneten Messgerät geprüft werden.

Prüfung des Abgassystems:
Diese letzte Prüfung geht die seltenste Fehlerquelle an, einen verstopften Auspuff. Hierzu wird der Motor durchgedreht (wiederrum per Kickstarter oder Anlasser), während man die Hand vor den Auspuff hält. Es muss ein gewisser Luftzug spürbar sein. Dies ist jedoch nur ein grobes und sehr ungenaues Prüfmittel. Zu den Auspuff als Fehlerquelle sicher auszuschließen, ist meist ein Startversuch ohne Auspuff sinnvoller. Bei den meisten Rollern ist es jedoch mit dem Bordwerkzeug alleine fast unmöglich den Auspuff abzunehmen, weshalb diese Prüfung meist nur in der Werkstatt sinnvoll ist.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen