Montag, 31. Juli 2017

Schraubertipps: Antriebsriemen von Automatikrollern prüfen und wechseln

Eines der wichtigsten Bauteile moderner Automatikroller ist der Antriebsriemen. Dieser stellt die mechanische Verbindung zwischen Motor und Endantrieb dar, er überträgt also die Kraft, die notwendig ist um das Fahrzeug zu bewegen. Dabei muss er große Kräfte und Belastungen aushalten, dies sind vor allem:
  • Zug- und Druckbelastung, insbesondere beim Beschleunigen des Fahrzeugs
  • hohe thermische Belastung durch die Reibungswärme
  • chemische Belastung durch Schmierstoffe
der Antriebsriemen an seinem "Arbeitsplatz" im Rollerantrieb
Durch diese Belastungen wird der Riemen irgendwann verschlissen. Entweder durch Abnutzung oder Alterung. Besonders bei Fahrzeugen die sehr oft beschleunigen oder abbremsen müssen kann dies recht schnell gehen. Stadtfahrten sind daher für den Antriebsriemen belastender als Überlandfahrten.
 
Allgemein wissenswertes:
Antriebsriemen gibt es von zahlreichen Herstellern in unterschiedlichen Qualitäten. Grundsätzlich lohnt sich die Unterscheidung in Standardteile und verstärkte Riemen.
 
Standardriemen aus dem Zubehör entsprechen mehr oder weniger der Werksausrüstung, sond jedoch meist günstiger. Sie bestehen aus einem Textilfaserband, das mit stahlverstärktem Gummimaterial belegt ist. Diese Bauweise ist für die meisten Roller völlig ausreichend und für einen normalen Alltagsroller wird ein günstiger Zubehörriemen normalerweise genügen. Verstärkte Antriebsriemen, die zusätzlich noch Kunstfasern enthalten und aus härteren Gummimischungen bestehen sind vor allem für hohe Belastungen interessant. Zum Beispiel bei Fahrzeugen mit Leistungssteigerung oder extrem belasteten Rollern. Sie sind auch eine gute Option für Tourenfahrer, denn sie sind oft haltbarer als Standardteile. Zu beachten ist jedoch, dass sich der Umbau auf einen verstärkten Treibriemen auf die Antriebsabstimmung des Fahrzeugs auswirken kann. Je nach Riemen kann dies eine neue Abstimmung notwendig machen. 

Einen Sonderfall stellen Antriebsriemen für besonders niedrige Temperaturen dar. Sie sind in Mitteleuropa praktisch unbekannt, jedoch in einigen kalten Gegenden verfügbar. Ihre Gummimischung ist besonders weich, so dass sie auch bei extremer Kälte noch Antriebskräfte übertragen können. Der Nachteil dieser Riemen ist ihre sehr geringe Lebensdauer.
 
Prüfung des Antriebsriemens:
Grundsätzlich sollte der Riemen darum regelmäßig, zumindest bei jeder Wartung, geprüft werden. Für den mechanischen Verschleiß geben die Fahrzeughersteller Mindestmaße an, die üblicherweise die Breite des Riemens angeben. Dies kann durch einfaches Nachmessen mit einem Messchieber geprüft werden. Zudem sollte der Riemen optisch geprüft werden. Er darf keine Ausbrüche oder sichtbare Versprödungen (Risse ect.) aufweisen. Dazu wird der Riemen um 90° verdreht, dies muss problemlos möglich sein und es dürfen sich keine Risse zeigen. 

Für einen verschlissenen Riemen gibt es auch noch einen anderen Indikator. Ein abgefahrener oder überalterter Riemen kann die Antriebskräfte des Fahrzeugs nicht mehr richtig übertragen. In diesem Fall lassen Beschleunigungsvermögen und Endgeschwindigkeit des Rollers immer weiter nach. Meist sind die Fliehgewichte der Variomatik ebenfalls verschlissen wenn der Antriebsriemen fällig ist, daher wechselt man diese Teile normalerweise zusammen aus. Die Arbeitsschritte für den Riemenwechsel entsprechen denen zum Ausbau des Variators, zu diesem Thema gibt es in der Schraubertippsammlung eine eigene Anleitung, bitte diese beachten.
 
Gefahren durch Wartungsmängel:
Ein sehr überalterter oder verschlissener Riemen kann abreißen. Dies ist ein relativ seltener, dafür aber oft verheerender Schaden. 
Das Foto zeigt ein extremes Beispiel. Hier hat sich ein überalterter Riemen vollständig aufgelöst. Die Gummibeschichtung des tragenden Textilmaterials war komplett zerrieben und im gesamten Antriebskasten verteilt. In diesem Fall hatte es auch den Motor "zerlegt". Durch die umherfliegenden Stücke waren andere Bauteile des Antriebs schwer beschädigt. Schlimmer war jedoch, dass durch das schlagartige lastlose hochdrehen des Motors dieser so überdreht wurde, dass Kolben und Kurbelwelle zerstört waren. 

Solche Schadensbilder sind im Zusammenhang mit Riemenrissen relativ häufig zu beobachten. Besonders Viertaktmotoren sind hier empfindlich. Eine regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls der vorsorgliche Tausch des Riemens kann dies wirksam verhindern.


 


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