Donnerstag, 2. März 2017

willkommen auf der dunklen Seite

Unter Piaggiofreunden gelten die frühen 2000er-Jahre als "dark age". Piaggio machte damals eine wirtschaftlich schwierige Zeit durch. Das Unternehmen hatte sich durch diverse Zukäufe in den 90er Jahren übernommen und war in Schieflage geraten. Der damals gefahrene Rettungskurs in Gestalt eines radikalen Sparprogramms war erfolgreich, brachte jedoch einige Jahrgänge vom Fahrzeugen hervor, bei denen die Qualität auf ein bis dato unbekannt niedriges Niveau gesunken war.
Als besonders "gruselig" gelten die TPH jener Jahre. Darum vermeide ich diese Roller normalerweise ganz bewusst. Trotzdem ist mir jetzt ein 2001er Typhoon-X zugelaufen. Also ein früher Facelift-TPH, der zwar schon den neuen Scheinwerfer und den überarbeiteten Motor hat, aber noch das alte Fahrwerk mit Fettgabel. Der moderne Scheinwerfer ist wohl der größte Pluspunkt dieser TPH-Generation. Anders als die entsetzliche Biluxfunzel der vorherigen Modelle kann dieser Scheinwerfer die Fahrbahn wirklich sicher ausleuchten. Er wird daher gerne bei älteren TPH nachgerüstet.
Typisch für einen TPH dieser Zeit ist der Roller rostig, jedoch nicht rettungslos verfault. Ganz im Gegenteil, er ist sogar recht ordentlich beieinander. Zudem leidet er an einem weiteren Problem, das bei Piaggios aus jenen Jahren relativ häufig vorkommen: Die Hauptlager der Kurbelwelle sind hinüber. Entsprechend klingt der Roller wie ein mit Kieselsteinen gefüllter Mixer. Dennoch fährt er gut und stark, eine Reparatur ist also durchaus lohnend. Abgesehen davon war der Roller schon fast unverschämt billig. Ich habe kaum mehr bezahlt als der Scheinwerfer auf dem Gebrauchtmarkt wert ist. Man könnte also sagen, ich hätte den Scheinwerfer gekauft und den Roller als Dreingabe bekommen.


Bevor ich die Großbaustelle "Kurbelwellenlager" angreife habe ich mich um ein anderes, weniger schwerwiegendes Problem gekümmert. Das Getriebe des Rollers war schwergängig geworden, ein Problem das bei schlecht gewarteten Roller öfters auftritt und darin begründet ist, dass das Getriebeöl mit der Zeit extrem dickflüssig wird und die Zahnräder regelrecht zusammenklebt.
Entsprechend langsam lief die zähe Pampe aus dem Getriebe. Die grüne Färbung deutet an, dass es sich um das werksseitig eingefüllte Öl handelt. Nach 16 Jahren und knapp 14.000km war der Ölwechsel also wirklich überfällig. 
Da es in solchen Fällen jedoch unmöglich ist, das alte Öl nur durch Ablassen vollständig heraus zu bekommen musste das Getriebe raus. Schön sieht man auch, dass der Kanal der Getriebeentlüftung mit Dreck verstopft war. Die Innenreinigung des Räderwerks war also kein Luxus. 
Nach dem Zusammenbau und der Füllung mit frischem Öl ließ sich der Antrieb auch wieder schön leicht drehen.
Der nächste Schritt wird nun der Ausbau und die Demontage des Motors sein. Allerdings werde ich damit warten, bis Maiks Stalker fertiggestellt ist. Der TPH hat keine Eile und soll vor allem als "Model" für einige Schraubertipps dienen. Insbesondere eine Anleitung zum Thema Kurbelwellenlager ist schon längst überfällig, denn sie wurde schon öfters angefragt. 






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