Montag, 29. August 2016

Jawa: Aufgegabelt

Wieder war etwas Zeit sich um die Jawa zu kümmern und den Unfallschaden zu begutachten. Diesmal sollte es vor allem um die Gabel gehen.
Der Lenker lies sich dabei völlig problemlos demontieren. Die fehlende Schraube ist einfach einem ausgerissenen Gewinde geschuldet, sie war vermutlich schon vor dem Unfall locker. Das ist ein Schaden, der beim Zusammenbau problemlos behoben werden kann. Viel interessanter war also die Frage, ob die Gabelholme noch in Ordnung sind. Um dies zu prüfen muss natürlich die Gabel raus. Der Punkt, an dem das Drama begann.
Die Federholme gingen dabei noch problemlos aus dem Gabelkopf. Dieser wird bei der Jawa mit einem dicken Bolzen in den Kugellagern des Lenkkopflagers geführt. Leider erwies sich dieser Bolzen als völlig eingerostet. 
Nach zwei Stunden schweißtreibendem Kampf war er jedoch draußen. Das Lenkkopflager hat es, Unfall hin oder her, einfach nur noch hinter sich. Rost soweit das Auge sieht. 
Der Bolzen war mit der oberen Lagerdruckplatte unglaublich fest verbacken. Erst in ausgebautem Zustand ließen sich die beiden Teile voneinander trennen. 

Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass die Jawa ein SKF-Lenkkopflager "made in Western Germany" hat. So undurchlässig wie oft vermutet war der Eiserne Vorhang also doch nicht.

Der Bolzen war zwar extrem rostig aber rettbar. 
Er wurde beim Unfall nicht verformt, was ein gutes Zeichen ist. Denn bei Gabelkonstruktionen wie dieser ist der zentrale Bolzen einer der verwundbarsten Punkten. Beim üblichen Rundlauftest mit der Bohrmaschine gab es aber keine Auffälligkeiten.
Anschließend war nur eine Reinigung notwendig um den Bolzen wieder benutzbar zu machen.

Der unteren Gabelbrücke hatte jedoch der hohe Kraftaufwand beim Ausbau zugesetzt. 
Dies ist jedoch ein unkritische Blechteil, das leicht wieder gerichtet werden konnte. Ansonsten ist die Gabel in gutem Zustand und hat keinen Schaden vom Unfall davongetragen.

Lediglich die Wartung von Gabelholmen und Lenkkopflager wurde in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt. Darum stand reinigen und neu einfetten der Federholme als nächster Punkt auf dem Programm.

So lässt sich die, jetzt viel strammer federnde, Gabel wieder einbauen.


Mit dem beruhigenden Gewissen, eine einwandfreie Gabel zu haben, konnte ich dann die Jawa auf die Werkbank wuchten um mich des Lenkanschlags anzunehmen. 
Diese besteht bei der Babetta aus einem Blechformteil, welches am Rahmenrohr angeschweißt ist. Neben der Schweißnaht war das Material beim Unfall aufgerissen.
In diesem neutralen Bereich des Rahmens ist es möglich und zulässig einfach zu schweißen. Nach dem ausbeulen des Teils war dann leicht, wieder für die nötige Stabilität zu sorgen.
Mit etwas frischer Farbe sieht man dann auch nicht mehr direkt, dass hier etwas passiert war.

Somit muss nur noch die Farbe trocknen und ein Lenkkopflager für das Moped aufgetrieben werden. Alles halb so wild wie befürchtet also. Gut, fast fünf Stunden Arbeit waren es heute trotzdem, wozu freie Tage nicht alles gut sind ... 

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