Freitag, 15. Juli 2016

Jawa: wieder was gelernt

Das Schöne an der Oldtimerei ist ja, dass man immer wieder was lernen kann. Es fasziniert mich immer wieder, wie vielfältig die Lösungen für bestimmte Probleme sind, die im Laufe der Zeit im Fahrzeugbau gefunden wurden. Dass hier jeder Hersteller "sein eigenes Süppchen" kocht empfinde ich nicht als störend, sondern vielmehr als hochgradig spannend. Doch der Reihe nach!

Zunächsteinmal ging es heute um die Montage des überholten Scheinwerfers der Jawa. Die absichtlich grobe Lackierung des Gehäuses ist gut gelungen. Sieht immernoch aus, als wäre es eine notdürftige Lösung mit primitiven Mitteln (gut es IST genau das ...).

An dieser Stelle erlaube ich mir eine kleine Modifikation. Thums Jawa war ja bisher ohne Tacho unterwegs, was leider einen unschönen Plastikdeckel auf dem Tachogehäuse mit sich bringt. Diesen Deckel habe ich natürlich nicht weggeworfen, aber mit Tacho gefällt mir der Scheinwerfer einfach besser.
Das Instrument ist ein seit langer Zeit in meinem Besitz befindlicher Mofatacho aus russischer Fertigung. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, zu was für einem Fahrzeug er eigentlich gehört. In der Jawa macht er aber als Dekoelement eine gute Figur. Vllt. finde ich ja irgendwann noch eine passende Tachowelle und einen passenden Tachoantreiber, denn den Tacho zu aktivieren wär schon irgendwie cool.
Auf funktionaler Seite zog dann natürlich noch die sanierte Elektrik in den Scheinwerfertopf ein. Am Fahrzeug montiert erstrahlt die Lampe wieder im alten Glanz. Dazu passen dann auch die DDR-Pedale, die mir Thum zwischenzeitlich zugeschickt hat. Diese fügen sich deutlich eleganter ins Bild des Fahrzeugs als die häßlichen Plastikteile aus Westproduktion. 
Als letzter Arbeitsposten vor einer Probefahrt war dann noch die völlig funktionslose Hinterradbremse zu bearbeiten. Es ist mir gelungen sie wieder zur Mitarbeit zu überreden, der Zug ist jedoch in grauenhaftem Zustand, hier führt kein Weg um ein Ersatzteil herum, was nebenbei auch für die Vorderradbremse gilt. 
Die kurze Testfahrt auf dem Privatweg hinter der Werkstatt brachte dann mehrere Erkentnisse. Das wichtigste ist wohl, dass die Jawa fährt. Sie tut dies jedoch eher schlecht als recht. Der Motor dreht zwar sauber, bringt jedoch die Leistung nicht auf die Straße, was wohl einem Kupplungsproblem geschuldet ist. Zudem zog das Fahrzeug einen feuergefährlichen Kondensstreifen hinter sich hier, denn der Vergaser hielt nicht dicht. Zuletzt starb dann noch die Scheinwerferbirne nach nur wenigen Metern Fahrtstrecke den Heldentod. 

Wieder in der Werkstatt habe ich mir zunächst die Kupplung angesehen. Diese sieht grundsätzlich gut aus, die Ausrückmechanik funktioniert und die Beläge haben noch ordentlich Material. Vermutlich sind die Beläge völlig überaltert und verhärtet. Es ist möglich, dass sich das Material bei einer längeren Testfahrt "freibrennt", wenn dies nicht funktioniert, dann braucht es halt eine neue Kupplung. Die genaue Vorgehensweise hier muss sich zeigen, nachdem ich das  Fahrzeug versichert habe und eine längere Testfahrt unternehmen kann. 


Das Vergaserproblem war hingegen leichter einzukreisen. Wie auf den Fotos zu erkennen, lief der Treibstoff an der Dichtung der Schwimmerkammer aus. Nachdem ich die Kammer abgenommen hatte war auch leicht festzustellen warum dies, trotz neuer Dichtung, so war. 
Leider war die Schwimmerkammer verzogen, vermutlich eine Folge von zu fest angezogenen Schrauben in der Vergangenheit. Glücklicherweise war der Verzug so gering, dass er durch Abziehen mit Läppleinen auf einer Glasplatte behoben werden konnte.

Eine eckelhafte Arbeit, die hier aber hoffentlich von Erfolg gekrönt ist. Denn eine neue Schwimmerkammer für den Ikov-Vergaser zu beschaffen dürfte ein ausgesprochen schwieriges Unternehmen sein. 

Bleibt noch zu ergründen, warum es die neue Scheinwerferbirne gleich bei der ersten Fahrt zerschossen hat. Dazu habe ich die Bordspannung des Fahrzeugs gemessen (was ich vorher hätte tun sollen ...). Die Lichtanlage liefert im Leerlauf knapp über 9V und bei Vollgas knapp unter 13V, gute Werte für ein Fahrzeug mit 12V-Elektrik. 
Es ist eben nicht gut, mit typisch westlicher Aroganz anzunehmen, dass Ostmopeds der frühen 80er ebenso primitiv seien wie die aus dem Westen. Dort war zu dieser Zeit noch 6V-Wechselstrom-Elektrik gebräuchlich. Die Jawa hingegen kommt, sehr modern, mit 12V Gleichstrombordnetz daher. Ich werde also nochmal eine neue Birne kaufen müssen, diesmal in der korrekten Spannung, also mit 12V. 

Zur Elektrik gehört natürlich auch die Zündkerze. Die aktuell eingebaute habe ich bisher noch nicht näher betrachtet. Auch hier habe ich wieder was gelernt:

Den Hersteller Brisk kannte ich bisher nicht. Scheinbar handelt es sich hier um eine Kerze aus CSSR-Produktion, möglicherweise das Originalteil, mit dem diese Jawa einst ausgeliefert wurde. Ich werde die Kerze trotzdem tauschen, aber das Altteil natürlich auf keinen Fall wegwerfen. 

Für eine weitere Probefahrt war es dann schon zu spät, nach 22 Uhr Fahre ich nurnoch sehr ungern auf dem Feldweg herum, denn er führt direkt an Wohnhäusern vorbei. Darum habe ich nurnoch den Vergaser wieder eingebaut und den Tank aufgelegt. 

Der Benzinhahn ist absichtlich offen, denn so wird sich zeigen, ob der Vergaser jetzt dicht ist. Sicherheitshalber steht ja die Abtropfwanne darunter.










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