Mittwoch, 18. Mai 2016

Schraubertipps: Ölpumpe entfernen (Umbau auf Gemischbetrieb) bei Piaggio Zweitakt-Automatikmotoren

Ein häufiges Problem bei Zweitakt-Automatikmotoren von Piaggio ist, dass der Antriebsriemen der Ölpumpe reißt und es dadurch zu Motorschäden kommt. Insbesondere Tuner und Rollertouristen bauen daher gerne auf Gemischbetrieb um. Da mich zu diesem Thema, das ja auch hier im Blog schon öfters angesprochen wurde, immer wieder Anfrange erreichen, sollen hier die notwendigen Arbeitsschritte erläutert werden.
Diese Anleitung ist nicht modellspezifisch und kann prinzipiell für alle Piaggio Zweitakt-Automatikmotoren von 50 bis 180 ccm angewendet werden, sofern diese über eine Ölpumpe mit Riemenantrieb verfügen. Exemplarisch wird hier ein 1996er Zip SSL umgerüstet.

1. Öltank und Leitungen entfernen:
Als erster Arbeitsschritt muss das Heck des Rollers freigelegt werden. Es müssen Sitzbank, Helmfach und Heckverkleidungen, bei einigen Modellen auch das Trittbrett und das Rücklicht, demontiert werden. Auf diese Arbeiten soll hier nicht im Detail eingegangen werden, da sie sich je nach Modell unterscheiden.
Der Öltank ist mit zwei oder drei Schrauben seitlich am Rahmenheck befestigt. Es gibt Modelle mit links- und solche mit rechtsseitig befestigtem Öltank, was aber prinzipiell keinen Unterschied macht.

Um ihn zu demontieren, muss zunächst der Stecker für den Signalgeber (Ölwarnleuchte) abgezogen werden. Anschließend wird der Speiseschlauch zur Ölpumpe mit einer Klammer verschlossen und durchtrennt.

Die Klammer ist notwendig, da der Öltank keinen Absperrhahn hat (anstelle der Klammer kann auch eine kleine Schraubzwinge benutzt werden). Nun kann der Öltank abgeschraubt und vom Fahrzeug getrennt werden.
Hierzu ein Hinweis: Bei einigen Modellen verdeckt das Anlasserrelais eine der Befestigungsschrauben, daher muss das Relais gelöst und anschließend wieder verschraubt werden.
Der Öltank kann nun in einen sauberen Behälter entleert werden, das Öl ist ja normalerweise noch  verwendbar und kann zur Herstellung von Zweitaktmischung benutzt werden. Zuguterletzt muss noch die Förderleitung zum Vergaser unterbrochen werden. 
Dieser dünne Schlauch führt direkt in den Ansaugtrakt des Rollers. Er darf keinesfalls einfach weggelassen werden, denn dann zieht der Motor durch den offenen Anschluss Falschluft, was unweigerlich zu einem Motorschaden führt.
Um den Anschluss zuverlässig zu verschließen, wird der Schlauch zunächst vom Vergaser abgezogen und dann ein, einige Zentimeter langes, Stück abgeschnitten.  In ein Ende des Schlauchabschnitts wird dann eine mit Motordichtmasse bestrichene Blechschraube eingedreht. 
Der Schlauch wird anschließend wieder am Vergaser angebracht.
Diese, auf den ersten Blick etwas grobschlächtig wirkende, Methode hat sich in der Praxis als der sinnvollste Weg zum verschließend des Ölanschluss bewährt.

2. Sicherungsschaltung umgehen (nicht alle Modelle)
Seit Ende der 1990er Jahre haben einige Piaggioroller eine Sicherheitsschaltung. Diese unterbricht die Zündung, wenn der Öltank leergefahren wurde. Bei solchen Rollern muss jetzt ein Zwischenschritt erfolgen.
Um festzustellen, ob ein Fahrzeug mit dieser Schaltung ausgestattet ist oder nicht, wird zunächst die Batterie angeschlossen. Danach schaltet man die Zündung ein und versucht den Motor mit dem Elektrostarter anzulassen. Gelingt dies, muss der Motor sofort wieder abgestellt werden!  In diesem Fall kann der Rest dieses Anleitungsschrittes ausgelassen werden.
Springt der Motor nicht an, muss zunächst der Signalgeber aus dem Öltank herausgezogen werden.  Dieser ist nur eingesteckt und wird von einem Gummiüberwurf gehalten. 
Der Geber hat einen Schwimmer (weißes Tönnchen), der den Ölstand im Tank misst. Dieser Schwimmer wird zum umgehen der Sicherungsschaltung in seiner höchsten Position mit einem Kabelbinder fixiert. 
So "überlistet", wird der Signalgeber wieder an den Kabelbaum angeschlossen und im Rahmenquerrohr verstaut. 
Der Startversuch wird jetzt wiederholt. Normalerweise sollte der Roller nun anspringen. Den laufenden Motor sofort wieder abstellen!
3. Ölpumpe deaktivieren
Die bisher beschriebenen Arbeiten haben lediglich vorbereitenden Charakter. Die eigentliche Arbeit ist das Deaktivieren der Ölpumpe. Um an diese heran zu kommen, muss der Variodeckel geöffnet und der Variator ausgebaut werden. 
Hinter dem Variator ist das Abdeckblech des Antriebsriemens zu erkennen.
Die Ölpumpe und das Abdeckblech sind mit drei Schrauben befestigt. Diese befinden sich neben und unterhalb der Ölpumpe. Sind sie gelöst, kann die Ölpumpe zusammen mit den Schlauchresten entnommen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Gaszug beim aushängen nicht beschädigt wird.
Hinter der Ölpumpe befindet sich ein zusätzliches Halteblech, welches ebenfalls herausgenommen werden muss.
Als nächster Schritt wird der Antriebsriemen durchtrennt und herausgenommen. Das getriebene Ritzel wird entnommen. Das treibende Ritzel und das Distanzstück auf der Kurbelwelle müssen als Abstandshalter im Motor verbleiben. 

Damit ist der mechanische Teil der Getrenntschmierungsanlage entfernt, das Halteblech wird wieder eingesetzt und die Ölpumpe von den Schlauchresten befreit. 
Der Gaszug wird wieder in die Ölpumpe eingehängt und diese mit dem Halteblech verschraubt. Dies ist notwendig, da die Feder der Ölpumpe zum zuverlässigen zurückstellen des Gaszuges notwendig ist. Wenn die Ölpumpe vollständig entfernt werden soll, muss auf einen einteiligen Gaszug umgerüstet werden. 
Die Gummitülle der Schlauchdurchführung muss zuletzt auch wieder eingebaut werden.
Damit ist der eigentliche Umbau abgeschlossen und das Fahrzeug kann wieder zusammengebaut werden.

4. vor der ersten Fahrt
Natürlich darf das Fahrzeug jetzt nicht einfach in Betrieb genommen werden. Im Tank befindet sich ja reines Benzin, keine Zweitaktmischung. Es muss also entsprechende Mischung hergestellt werden. Dazu füllt man einfach den Tank komplett mit Benzin (etwa Platz für das Öl lassen!) und füllt dann, ausgehend von der maximalen Tankfüllmenge, entsprechend Zweitaktöl ein. 

Das Mischungsverhältnis für Originalmotoren der hier in Frage kommenden Baureihen beträgt 1:50, also eine Beimischung von 2% Öl zum Treibstoff. Das bedeutet, dass auf 50l Benzin 1l Öl kommen muss. Um das ausrechnen der richtigen Ölmenge zu ersparen, gibt es im Zubehör spezielle Messbecher mit einer Dosierskala. 

Ein solche Messbecher ist eine sehr nütliche Ergänzung der Fahrzeugausstattung. Zudem sollte am Tankdeckel ein Hinweis angebracht werden, dass der Roller ab sofort nurnoch mit Mischung zu betreiben ist. 









Kommentare:

  1. Moin,
    super Anleitung. Beim Nachfolgemodell SSL habe ich den Roller auch auf Gemisch umgestellt, da dort einiges undicht (oder ungepflegt) war und die Seite voellig veroelt war.
    Bei einem Vergleichstest in 1996 hat das Rollermagazin beim zip das Mischungsverhaeltnis von 1:64 angegeben. Wie ist Eure Erfahrung? Kann man es wagen?

    gruss

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    1. Danke für das Lob :)

      Ich fahre meine mischungsgeschmierten Zweitakter alle mit Mixtur 1:50, das bietet bei billigeren Ölen (die ich verwende) eine größere Sicherheitsreserve.
      Qualitativ hochwertige Zweitaktöle, insbesondere vollsynthetische Ölen, erlauben heute aber Mischungsverhältnisse von bis zu 1:100. Mit 1:64 sollte man also auch problemlos fahren können.

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